Bewertung

Review: #2.14 Flug RNX 284

Auch wenn Staffel 1 von "Quantico" bereits die Nerven seiner Fans in Sachen Logik und Verständnis strapaziert hatte, kann man gut und gern behaupten, dass Staffel 2 da noch einen Gang hoch geschalten hat. "Quantico" hat sich im Verlauf der zweiten Staffel selbst verloren, es ging in den vergangenen Episoden nicht mehr darum, die Charaktere zu entwickeln, uns mit ihnen mitleiden und freuen zu lassen. Einziges Ziel der Serie schien es, Ohs und Ahs hervor zu bringen, um Aufmerksamkeit zu heischen und das war ein großer Fehler, denn in der ganzen Storyline rund um die Farm und die G20-Geiselnahme gab es rückblickend nicht einen Augenblick – oder es ist nur bei mir keiner hängen geblieben – in dem man sich bemüht hat, uns die Freundschaften der Figuren näher zu bringen oder sie auf interessante Weise mit einander agieren zu lassen. Dies wird einem besonders nach der längeren Pause wieder deutlich und auch die neue Erzählweise hält einem vor Augen, was man in Staffel 2 bisher vermisst hat.

"So what do you think happened? Another terrorist event?" - "Well if Alex is here, there can't be one far behind."

Zu Beginn der Folge wird man mit Schwung in die Handlung geworfen, was mir sofort gut gefallen hat, denn Shelby und Alex auf diese Weise für das FBI in Aktion zu sehen, ist genau das, was ich mir für die Absolventen von Quantico ausgemalt hatte. Gleichzeitig hat mich die Szene sehr an andere Crime-Serie erinnert und sofort die Frage aufgeworfen, ob sich "Quantico" ihnen nun annähern wird und von nun an stets einen Fall der Woche vorstellen und abschließen wird. Dass der Umschwung auf eine einzige Zeitebene aber nicht bedeutet, dass die Serie sich gänzlich auf den Kopf stellt, wirkt beruhigend, wenn bei vielen Crime-Serien habe ich das Gefühl, dass die Charakterentwicklungen neben den Fällen der Woche sehr in den Hintergrund gedrängt wird, was "Quantico" wirklich nicht gut tun würde. Schnell sorgt man bei dieser Befürchtung jedoch für Beruhigung und macht klar, dass es noch immer eine übergeordnete Geschichte gibt, auch wenn diese nun ein wenig abstrakter wirkt und man sich noch nicht recht ausmalen kann, wohin die Handlung führen wird. Es fühlt sich sogar ein wenig an, als wäre man in eine neue Staffel gestartet, da man mit der neuen Erzählweise eine ganze Menge Ballast hinter sich zu lassen scheint.

"You succeeded in proving you're nothing but petty teenagers. Other than that, you failed."

Der Neubeginn bringt jedoch nicht nur Gutes mit sich, da "Quantico" auch einige seiner alten Schwächen mit in #2.14 Lnwilt einfließen lässt. So hält man das Flämmchen der Liebe zwischen Alex und Ryan weiterhin am brennen, auch wenn es mittlerweile eher anstrengend ist, den beiden bei ihren Trennungen und Versöhnungen zuzuschauen. Ebenso finde ich die Einführung von Owen als Schlichter zwischen den fünf Mitgliedern der Task Force äußerst albern. Es wirkt so, als hätte man sonst keinen Weg gefunden, Blair Underwood aus der Versenkung der Zukunftshandlung zu holen und man setzt dem Ganzen dann die Krone auf, indem sich Owen äußerst mürrisch mit seiner neuen Aufgabe zufrieden gibt, indem er anmerkt, nicht mit Verrätern zusammen arbeiten zu wollen. Wem genau galt diese Beschimpfung? An dieser Stelle ist mir wieder aufgefallen, wie abrupt die Handlung auf der Farm endete, nachdem sich Owen gestellt hatte. Dabei wurde nicht aufgelöst, ob die Rekruten ihre restliche sechs Wochen Ausbildung noch absolvieren durften, was genau zur Trennung und der geplatzten Verlobung von Alex und Ryan geführt hat, was aus Lydia und ihren Rekruten wurde,...

Einen ähnlichen Dämpfer hat die Freude auf die Rückkehr von Caleb erhalten, denn man führt uns mit der doch recht unbestimmten Wortwahl Claires sofort aufs Glatteins und es hätte wahrscheinlich niemand vermutet, dass nicht Caleb sondern sein Bruder die Task Force leiten soll. Bisher unerwähnte Geschwister auftauchen zu lassen, ist nicht gerade ein Kunststück und sorgt somit nur für ein Augenrollen, mit dem "Quantico" sich selbst keinen Gefallen tut. Ich kann durchaus verstehen, dass Graham Rogers mittlerweile anderweitig beschäftigt ist, doch die Fans der Serie so in die Irre zu führen ist und bleibt einfach fies. Nun zu Clay: Positiv anzumerken ist, dass Shelby sich darüber bewusst ist, dass Clay existiert und dass es mit Cassandra sogar einen weiteren Haas-Sprössling gibt. Etwas auffällig ist jedoch die gegenseitige Abneigung der beiden, die stark darauf spekulieren lässt, dass Shelby nun eine dritte Haas-Liaison beginnen wird. An sich gönne ich es Shelby natürlich, in Sachen Liebe glücklich zu sein, doch diese Konstellation ist äußerst unkreativ und noch dazu schon etwas zu soapig, da Shelby mit Clay bereits den dritten Haas-Mann im Bett hätte. Ich hoffe sehr, dass man von einer Romanze zwischen den beiden Abstand nimmt, glaube aber nicht wirklich daran.

Viel besser gefallen hat mir dagegen Shelbys Interaktion mit Nimah, die in der letzten Staffelhälfte wirklich viel zu kurz gekommen ist, ganz zu schweigen von Raina, über die niemand ein Wort verloren hat. Man vergisst hier nicht, dass Nimah und Shelby in der letzten Staffelhälfte auf unterschiedlichen Seiten standen und macht bei den beiden alles richtig, indem man sie sich langsam einander annähern lässt. Allgemein finde ich, dass Nimah ein bisschen Rampenlicht sehr gut vertragen kann, auch wenn sie sich wahrscheinlich sehr unwohl fühlt, da sie zuletzt für die falsche Seite gekämpft hat. Diese innere Unruhe und Unsicherheit weiß Yasmine Al Masri sehr gut an den Mann zu bringen und auch wie sie Dayana auf Distanz hält, wirkte äußerst authentisch.

Dayana ist im Vergleich zu den letzten Episoden viel fröhlicher, scheint sich regelrecht auf den neuen Job zu freuen und auch wenn ihr diese Stimmung sehr gut steht, finde ich diesen Umschwung ein wenig unangebracht. Zuletzt war Dayana eine reine Arbeitsmaschine, hat keine Befehle in Frage gestellt und alles Verlangte in die Tat umgesetzt. Klar, mit diesem Enthusiasmus geht sie nun auch an ihre neue Aufgabe heran, aber zuvor war es Dayana nie wichtig, Freundschaften zu knüpfen, weshalb ihre neue Fröhlichkeit etwas verdächtigt wirkt.

"Please don't tell anyone. I'll definitely lose my job if they find out about us." - "And as I'm a man, I probably wouldn't."

Da Harry kein Teil der Task Force war, habe ich mir bereits die Frage gestellt, wie und ob man ihn in die zweite Staffelhälfte einbringen wird. Ich habe Russell Tovey mittlerweile unglaublich lieb gewonnen, weshalb ich umso begeisterter war, ihn bei der Aufgabe der Woche sogleich wiederzusehen. Die Aufgabe war zugegeben recht öde und man kam auch nur zu einer unbefriedigenden Auflösung, doch das Wiedersehen von Harry und Alex war für mich ein kleines Highlight, obwohl es so klischeehaft inszeniert wurde. Bisher scheint der Kopf der Task Force nicht bereit, Harry mit ins aktuelle Geschehen einzubinden, aber ich bin mir sicher, dass sich das bald ändern wird.

Ich denke nicht, dass wir von den Nebencharakteren aus Staffel 2 noch allzu viel sehen werden – "Quantico" geht ja selbst mit seinen Hauptcharakteren sehr sträflich um – weshalb das Kidnapping von Léon für mich sehr gut ins Bild gepasst hat und quasi sein Ausscheiden aus der Geschichte markiert. Bisher kann man zur aktuellen Handlung keinen Zusammenhang knüpfen, doch ich hoffe sehr, dass "Quantico" seine Fans hier nicht hängen lässt und den Verfolgungswahn von Léon sinnvoll in die Ermittlungen der Task Force einfließen lässt.

Zuletzt möchte ich noch den Nebenhandlungsstrang von Ryan und Sasha Barinov beleuchten, der wirklich sehr konstruiert wirkt. Seit wie vielen Jahren arbeitet Ryan jetzt für das FBI? Und da passiert ihm undercover so ein grober Schnitzer, beziehungsweise waren es eigentlich eine Reihe von Schnitzern, durch die die unbekannte Sasha ihn nun innerhalb von Sekunden enttarnt hat? Leider befürchte ich, dass sich hier ein Liebesdreieck zwischen Sasha, Ryan und Alex entwickeln wird, das dem Zuschauer einiges in Sachen Geduld abverlangt.

Randnotizen

  • Warum kann es sich die Task Force überhaupt auf der Farm bequem machen? Bildet die CIA jetzt keine Rekruten mehr aus?
  • Miranda, die ohnehin nicht viel zu sagen hatte, wird mit keinem Wort erwähnt.
  • Die als Zwischenoberschriften gewählten Zitate haben für mich so gewirkt, als würde sich "Quantico" ganz gern mal über sich selbst lustig machen. Ob das so gedacht war?

Fazit

Auch wenn nicht alle Fragen zufriedenstellend beantwortet werden, startet "Quantico" nun in einen neuen Abschnitt der Geschichte und das ist sehr erfrischend. Es tut der Serie gut, nicht ständig zwischen den Zeitebenen zu springen und alles möglichst kompliziert zu gestalten, da man sich nun darauf konzentrieren kann, dem Zuschauer die Charaktere und ihre Verstrickungen wieder schmackhaft zu machen.

Marie Florschütz - myFanbase

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