Bewertung: 5

Review: #4.02 Einschnitte

Die Rivalität zwischen Cooper und Pete scheint noch kein Ende zu haben, Sam und Addison verlieren sich in Diskussionen, weswegen sie nun ihre Beziehung geheim halten wollen, und Naomi plant mit dem Geld, welches sie von William erhalten hat, den Ausbau der Praxis. Auch die zweite Folge der vierten Staffel liegt noch ziemlich unter meinen Erwartungen, doch ist es nicht mehr ganz so schlimm wie der Staffelauftakt. Meiner Meinung nach werden jedoch immer noch unnötige Handlungsstränge in den Vordergrund geschoben und die wirklich interessanten beziehungsweise diejenigen, aus denen sich etwas entwickeln könnte, werden vollkommen in den Hintergrund gedrängt.

"It's about Cooper." – "You wanna change Cooper?" – "You and Cooper actually!"

Wahrscheinlich kann ich mich nicht mehr daran erinnern, aber ich bin der Meinung, dass, als sich Violet zum letzten Mal mit einem Mann getroffen hat, oder bei Coopers und Charlottes erstem Beziehungsversuch wurde die Tatsache, dass solche Dinge die Freundschaft zwischen Violet und Cooper verändern, nicht oder fast gar nicht thematisiert. Wieso ist dies jetzt auf einmal so ein Riesenproblem? Ich kann es nicht anders ausdrücken, aber mir geht Coopers besitzergreifende Art im Bezug auf Violet genauso auf die Nerven wie Violets Passivität bei der Konfliktsituation zwischen Cooper und Pete, die aus diesem, leider muss man es schon fast als Dreiecksverhältnis bezeichnen, entsteht.

Ich würde Coopers sonderbares Verhalten noch eher verstehen, wäre er zur Zeit in einer Phase des Liebeskummers oder unglücklich verliebt. Aber keine von diesen zwei Varianten trifft momentan auf Cooper zu. Schließlich ist er wieder mit Charlotte zusammengekommen, mit der Frau, die er liebt, die er heiraten will und die dasselbe für ihn empfindet. Von daher gibt es für mich absolut keinen Grund, weswegen Cooper schon fast absichtlich Violets Beziehung sabotieren und seine eigene dabei total vernachlässigen sollte. Vielleicht wurde dies alles von den Autoren so initialisiert, dass die Rivalität zwischen Cooper und Pete aufgebaut werden und in dem Patientenfall, der die zwei in dieser Episode verbindet, den Höhepunkt erreichen kann. Etwas, was absolut unnötig gewesen wäre, denn die Konfliktsituation, die sich durch den Fall zwischen Cooper und Pete ergibt, reicht als Handlungsstrang vollkommen aus und muss nicht noch durch eine künstliche private Fehde ergänzt werden.

Um Violets Rolle in diesem Konkurrenzkampf zu beschreiben, reichen ein paar wenige Zeilen aus. Denn sie tut eigentlich gar nichts. Im Gegenteil, sie zieht Petes Bedenken ins Lächerliche und verteidigt Coopers Verhalten, indem sie erwähnt, wie lange sie und Cooper schon Freunde sind. Eine Tatsache, die sicherlich der Wahrheit entspricht, trotzdem sind sowohl Violet als auch Cooper alt genug um zu wissen, dass eine Beziehung eine Freundschaft verändert und beide sollten auch erwachsen genug sein um mit dieser Veränderung umgehen zu können. So ist es auch absolut nicht verwunderlich, dass Cooper schließlich derjenige ist, der sein Fehlverhalten einsieht und daraus Konsequenzen zieht, indem er Violet den Schlüssel zu ihrem Haus zurückgibt. Die paar Vorschläge zur Veränderung ihrer gemeinsamen Traditionen, die daraufhin von Violet kommen, würde ich nicht unbedingt als aktive Handlung in dieser Konfliktsituation bezeichnen, sondern sie profitiert einfach von Coopers Entscheidung, zu der sie aus völlig unverständlichen Gründen selbst nicht fähig war.

Was ich mir als witzigen und interessanten Handlungsstrang hätte vorstellen können, wurde leider innert ein paar Sekunden abgehandelt und nicht wieder aufgegriffen. Ich rede davon, dass es einen kurzen Augenblick lang so aussah, als würden Pete und Charlotte sich verbünden und gemeinsam dieses lächerliche Verhalten von Cooper und Violet bekämpfen. Eine Zweckgemeinschaft zwischen Pete und Charlotte hätte sicherlich interessant werden können und hätte diesem sonst absolut unnötigen Handlungsstrang wenigstens etwas Witziges verliehen. Aber leider sahen die Autoren dies wohl anders und haben diese Idee ganz schnell wieder verworfen und den Fokus auf die Rivalität zwischen Cooper und Pete gelegt.

"Okay the reason we decided to keep our relationship a secret had nothing to do with Noami. Right? It's because we wanna give ourselves a chance to see with this..."

Als Pluspunkt im Vergleich zur letzten Folge würde ich auf alle Fälle Sams und Addisons Beziehung nennen. Denn in dieser Episode kommt sie im Gegenteil zur letzten wenigstens zur Sprache. So, wie es sich am Anfang anhört, war es wohl eine gemeinsame Entscheidung zwischen Sam und Addison, ihre Beziehung noch eine Weile lang geheim zu halten. Da mir Sams Reaktion ganz am Anfang, als sich etwas zwischen ihm und Addison zu entwickeln begann, zu diesem Thema noch gut im Gedächtnis ist, kann ich mir nicht ganz vorstellen, dass Sam wirklich hinter der Entscheidung, die Beziehung vorerst geheim zu halten, steht. Doch wahrscheinlich hat er Addison zuliebe eingewilligt und in gewisser Weise kann ich verstehen, dass die Beiden erst einmal sicher gehen wollen, dass dies mit ihnen auch wirklich funktioniert, bevor sie ihre Freundschaft zu Naomi aufs Spiel setzen. Dabei spielen sie jedoch auch mit der Gefahr, dass es Naomi auf irgendeine andere Weise herausfindet und dies wäre definitiv um einiges schlimmer, als wenn mit offenen Karten gespielt wird.

Doch zu meiner Überraschung ist es nicht dazu gekommen und diese Wendung ist durchaus positiv. Am Schluss trifft Addison endlich eine erwachsene Entscheidung, geht zu Naomi und klärt sie über ihre Beziehung zu Sam auf. Ich folgere, dass dies eine Konsequenz aus dem nächtlichen Gespräch zwischen Addison und Sam ist, in der er sie mit einem Grund konfrontiert, der ihre Entscheidung, die Beziehung vorerst geheimzuhalten, beeinflusst haben könnte. Ich habe mir diesen Gedanken, den Sam anführt, noch nie gemacht, aber ich finde ihn durchaus plausibel und ich rechne es ihm wieder einmal hoch an, dass er Addison damit konfrontiert und sich auch durch ihre wütende Reaktion nicht beeinflussen lässt, sondern sie zwingt darüber nachzudenken.

"Did you..." – "... hate myself? I hate my circumstances. I know who I am, Dr. Wallace. I'm a woman inside."

Der Patientenfall, mit dem sich Charlotte und Sheldon in dieser Episode beschäftigen, fand ich einmal richtig interessant und emotional berührend. Mir gefällt es immer, wenn Charlotte auch einmal ihre mitfühlende Seite zeigt, meiner Meinung nach tut sie dies viel zu wenig. Doch als es darum geht, Jane zu operieren, um ihr endlich den langersehnten Wunsch zu erfüllen, eine Frau zu werden, merkt man, wie wichtig dies Charlotte ist. Von daher ist es absolut verständlich, dass sie wütend und verletzt reagiert, als Sheldon seine psychiatrische Einwilligung zur Operation nicht gibt. Und da Charlotte Sheldons Entscheidung absolut nicht nachvollziehen kann, ist es auch klar, dass sie nach einer Erklärung dafür sucht. So greift sie zum naheliegendsten Grund, nämlich, dass Sheldon ihr heimzahlen will, dass sie sich für Cooper entschieden hat anstatt für ihn.

Doch auch wenn Sheldon verständlicherweise immer noch wütend auf Charlotte ist, glaube ich nicht, dass seine Gefühle für sie seine Arbeit und seine Entscheidungen im Bezug auf Janes Operation tangieren. Ich glaube vielmehr, dass sein Zögern und seine schließlich negative Entscheidung die ganze Komplexität einer Geschlechtsumwandlung thematisieren soll. Ich kann mir nämlich vorstellen, dass bei einem solchen Patienten vielleicht die Illusion entsteht, dass mit einer Geschlechtsumwandlung sich plötzlich alle Probleme in Luft auflösen. Vor allem, wenn man das Gefühl hat, dass man seit Kindertagen im falschen Körper gefangen ist. Außerdem ist es ja nicht so, dass Sheldon der Operation absolut negativ gegenüber steht, er will nur, dass Jane noch ein paar Sitzungen bei ihm besucht, damit sie all ihren Problemen auf den Grund gehen können. Das Ende war einerseits tragisch, hatte anderseits jedoch auch eine gute Seite. Nämlich, dass sich Charlotte und Sheldon wieder etwas näher gekommen sind und es nun noch einmal als Freunde versuchen wollen. Diese Tatsache freut mich sehr, denn ich mag die Beiden zusammen. Ich hoffe nur, dass sich diese Freundschaft nicht wie letztes Mal zu einer Affäre entwickelt.

"Last night William White died."

So sehr ich Naomis Selbstmitleidsphasen satt habe und ich mir nichts sehnlicher wünsche als, dass die taffe Frau, die sie am Anfang der Serie war, wieder zurückkehrt - in dieser Episode wäre es absolut verständlich gewesen, hätte sich Naomi im Selbstmitleid gesuhlt. Langsam frage ich mich wirklich, was die Praxisinhaber mit dem Wort Freundschaft verbinden. Da ist beispielsweise Violet. Naomi hat ihr während der Sorgerechtsverhandlung beigestanden, eine Zeit, in der mehr oder weniger alle anderen Praxispartner gegen Violet waren, und jetzt, da Naomi eine Freundin brauchen könnte, tut Violet gar nichts. Dabei macht Naomi momentan eine wirklich schwierige Zeit durch, schließlich hat sie gerade William verloren und auch wenn sie betont, dass sie nicht darüber reden will, wäre es doch nett, dass sich irgend jemand Zeit für sie nimmt und sie nach ihrem Befinden erkundigt, sie versucht etwas abzulenken oder ihr wenigstens in dieser schwierigen Zeit Gesellschaft leistet.

Noch viel schlimmer als Violets Reaktion fand ich diejenige von Addison. Diese macht sich nämlich die ganze Episode lang Gedanken, wie sie ihrer besten Freundin beibringen kann, dass sie mit Sam eine Beziehung führt, anstatt sich einmal um Naomi zu kümmern, ihr zuzuhören, wenn sie über die Praxiserweiterung redet, oder einfach bei ihr zu sitzen, um sie zu trösten. Denn sind wir doch mal ehrlich, die Praxiserweiterung, die Naomi plant, ist sicherlich etwas, was sie auch tun möchte, zur Zeit jedoch ist es einfach eine Ablenkung von ihren Problemen und vor allem eine Ablenkung, dass sie nicht über ihren Verlust nachdenken muss. Das Unverständnis beziehungsweise die Gleichgültigkeit, die Naomis Partner ihr in dieser Situation entgegenbringen, war für mich fast etwas schockierend und mich würde es nicht verwundern, wenn sie deswegen wieder in einen depressionsähnlichen Zustand verfällt.

Doch vielleicht kann ausgerechnet ihr Ex-Ehemann sie vor diesem Zustand bewahren. Denn es ist wieder einmal Sam, der schlussendlich für sie da ist und ihr das gibt, was sie sich so sehnlichst gewünscht hat. Er hört sich ihre Pläne für den Ausbau der Praxis an. Ich wiederhole mich zwar immer wieder, aber Sam entwickelt sich so langsam zum einzigen Charakter bei "Private Practice", der glaubwürdig und einigermaßen realistisch rüberkommt.

Fazit

Eine winzige Steigerung gegenüber der ersten Folge der vierten Staffel. Doch leider wurde meiner Meinung nach immer noch viel zu großen Wert auf belanglose und unglaubwürdige Handlungsstränge gelegt, anstatt diejenigen weiterzuverfolgen, die wirklich Potential hätten. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich dies in den nächsten Folgen ändern wird, denn da sich die vierte Staffel ja noch in ihren Anfängen befindet, besteht für mich immer noch Hoffnung, dass sie sich qualitätsmäßig an die gute dritte anschließen kann.

Maria Schoch - myFanbase

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