Bewertung: 4

Review: #4.01 Der zweite Anlauf

Nach einem wirklich guten Staffelende habe ich mich enorm auf die erste Folge der vierten Staffel gefreut, doch leider wurden meine Erwartungen in keiner Weise erfüllt. Statt einer Folge, in der Dells Tod betrauert wird und die neu gefunden Paare nun mit der Realität konfrontiert werden, müssen wir uns mit einer überraschenden und total überstürzten Hochzeit sowie mit zwei Patientenfällen, die für mich total uninteressant und zusammenhanglos waren, abgeben.

"I can't believe Dell is dead."

Ich kann es selber auch immer noch nicht glauben und ehrlich gesagt, ich vermisse Dell. Aber sieht man sich diese Folge an, scheinen die Praxispartner nicht wie ich zu fühlen. Denn abgesehen von der kleinen Szene auf dem Friedhof am Anfang der Episode bleibt Dell unerwähnt. Und dies ist eine Tatsache, die ich weder verstehen noch akzeptieren kann. Dell war jetzt drei Jahre lang ein wichtiger Teil des Teams und er hätte bestimmt mehr verdient als eine kleine Szene an seinem Grabstein, bei der schon nach ein paar Sekunden Violet die Hiobsbotschaft von ihrer und Petes Hochzeit verkündet, so dass Dell sofort nicht mehr das Gesprächsthema Nummer eins ist.

"We should get married."

In der finalen Folge der dritten Staffel war zwar von einer Hochzeit die Rede, jedoch nicht von dieser, die wir nun zu sehen bekamen. Denn in der letzten Episode von "Private Practice" deutete alles daraufhin, dass Charlotte und Cooper sich irgendwann in nächster Zeit das Ja-Wort geben würden. Wer hätte gedacht, dass es schon eine Folge später zu einer Hochzeit kommen würde, es sich bei Braut und Bräutigam jedoch nicht um Charlotte und Cooper, sondern um Violet und Pete handelt. Ja genau, Violet und Pete, die zwei, die sich noch in der Folge #3.21 Krieg so gestritten hatten, dass sicher der eine oder andere gedacht hat, dass sich zwischen den Beiden nicht mal mehr freundschaftliche Gefühle entwickeln würden, geschweige denn, dass sie sich noch einmal zusammenraufen, sich ihre wahren Gefühle gestehen und wieder ein Liebespaar werden würden.

Über letzteres bin ich absolut nicht unglücklich, denn ich mag Pete und Violet zusammen und auch wenn zwischen ihnen ganz sicher Worte gefallen sind, die, man sollte es jedenfalls meinen, nicht so schnell aus der Welt zu schaffen sind, hatte ich immer das Gefühl, dass viel davon passiert ist, weil die Situation, in der die Zwei mit Lucas gesteckt haben, einfach unglaublich schwierig und voller Emotionen und Ängsten war. Deshalb war es für mich positiv, dass sich beide diesen Ängsten gestellt und sich entschieden haben, es noch einmal miteinander zu versuchen. Doch eine Hochzeit in der jetzigen Phase ihrer Beziehung war für mich nicht nur überraschend, sondern einfach vollkommen unrealistisch und wahrscheinlich, sehr zu meinem Leidwesen, auch zum Scheitern verurteilt.

Nach seinem letzten Satz in der Episode nach zu urteilen, ist dies auch Petes Meinung. Und somit komme ich schon zum nächsten für mich sehr störenden Punkt in dieser Folge. Anfangs scheinen Pete und Violet beide absolut überzeugt davon zu sein, dass sie ihr restliches Leben miteinander verbringen wollen. Irgendwann überfallen Violet, vollkommen zu Recht, Zweifel. Sicherlich wurden diese Zweifel vor allem durch ihre Gespräche mit Cooper hervorgerufen, der dieser Hochzeit von Anfang an eher skeptisch gegenüber steht und bei Violets Panikattacke kurz vor dem Altar auch nicht viel dazu beiträgt, sie zu beruhigen und sie in ihrer Entscheidung, ihr restliches Leben mit Pete zu verbringen, zu unterstützen. Das ist für mich gleich bedeutend damit, dass er mit der Hochzeit immer noch nicht ganz einverstanden ist, da sie ihm, wie auch mir, viel zu überstürzt daherkommt.

Aber konzentrieren wir uns erstmal auf Pete. Wie schon erwähnt, war nicht Pete derjenige mit den Zweifeln sondern eher Violet. Pete hingegen scheint sich wirklich sicher zu sein und kann seine zukünftige Ehefrau auch jedesmal mit einigen beruhigenden Berührungen wieder dazu bringen, dass sie ihre Panik und schließlich auch alle ihre Bedenken vergisst. Und dann zum Schluss stellt sich heraus, dass Pete selber eigentlich nicht ganz überzeugt von der Hochzeit ist, da er ja nie wirklich gut in Sachen Eheleben war. Mir hat sich hier nur eine Frage gestellt: Was genau soll das werden? Sollen die Fans schon während des Hochzeitsempfangs darauf vorbereitet werden, dass diese Ehe wohl nicht funktionieren wird, oder wollen die Macher von "Private Practice" die Zuschauer nur in die Irre führen?

Egal, was damit bezweckt wird, für mich war dieser Handlungsstrang einfach nur verwirrend, unrealistisch, unglaubwürdig und schlichtweg schlecht geschrieben. Doch trotz der in Bezug auf Pete und Violet total entmutigenden Folge, lass ich mich natürlich gerne noch positiv überraschend und hoffe somit, dass sich die Autoren irgendetwas überlegt haben und sich somit die Beziehung der Beiden nicht in eine absolutes Debakel verwandelt.

"Friend Cooper wants to give you a big hug but objective Cooper thinks this might be a little too fast."

Cooper befindet sich in der ganzen Episode in einer gefühlsmäßigen Berg- und Talfahrt und eigentlich habe ich ehrlich gesagt nicht ganz begriffen weswegen. Ja klar, er ist wie ich der Meinung, dass die Hochzeit von Violet und Pete vollkommen überstürzt ist und da Violet seine beste Freundin ist, will er natürlich verhindern, dass ihr das Herz gebrochen wird. So weit, so gut. Trotzdem scheint mir seine Reaktion ein bisschen zu übertrieben. Nach meinen Überlegungen gibt es hierfür drei Gründe. Der eine ist, dass Cooper wirklich Angst hat, Violet als seine beste Freundin zu verlieren, was ich einerseits verstehen kann, anderseits ist es ja nicht so, als hätte Violet noch nie ein Beziehung gehabt, und trotzdem hat dies ihre Freundschaft überlebt.

Der zweite Grund scheint mir hier schon etwas wahrscheinlicher. Schließlich ist es ja so, dass Cooper und Charlotte eigentlich heiraten wollten und jetzt plötzlich sind nicht sie das Hochzeitspaar sondern Violet und Pete. Vielleicht macht diese Tatsache Cooper etwas zu schaffen und zwar nicht nur aus dem Grund, weil er mit seiner Verlobung nun nicht mehr im Mittelpunkt steht, sondern vielleicht wird ihm durch Violets überstürzte Handlung auch klar, dass er und Charlotte es auch noch etwas ruhiger angehen sollten. Denn sind wir mal ehrlich, auch diese Zwei haben sich in der dritten Staffel mit Beleidigungen gegen einander nicht wirklich zurückgehalten.

Über die dritte Möglichkeit will ich lieber nicht näher nachdenken, denn diese würde bedeuten, dass Cooper mehr als freundschaftliche Gefühle für Violet hegt, und auf diese Storyline könnte ich getrost verzichten. Also hoffe ich mal, dass dies die Autoren genauso sehen und Coopers Gefühlschaos im Zusammenhang mit Violets Hochzeit so schnell wie möglich wieder abschließen oder es in Zusammenhang mit Zweifeln an der eigenen Beziehung bringen.

"Hello Addison" – "Hello"

Diese Worte beinhalten auch schon fast alles was es zur Beziehung von Sam und Addison in dieser Episode zu sagen gibt. Denn bis auf ein paar Sekunden am Schluss hatten die beiden sozusagen keine gemeinsamen Szenen. Ja, ab und zu war ein Blickwechsel zwischen den Beiden zu sehen oder ein schon fast peinliches "Hello" zu hören. Wären die anderen nicht so mit sich selber und ihren eigenen Problemen beschäftigt gewesen, hätten sie sicherlich gleich erkannt, dass zwischen Addison und Sam irgendetwas vor sich geht.

Über das Zusammenkommen von Sam und Addison habe ich mich in der finalen Folge der dritten Staffel am meisten gefreut. Schließlich musste ich lange genug darauf warten, dass Addison endlich ihre Bedenken überwunden hat und zu ihren Gefühlen steht. Doch anstatt diese nun auch öffentlich zu machen oder sicherlich einmal darüber zu reden, wie sie es den anderen sagen möchten, versuchen die Beiden schon fast krampfhaft, jede Berührung zu vermeiden. Mir graut schon fast davor, wenn ich mir vorstelle, dass sich dieses Versteckspiel aus Angst vor Naomis Reaktion in die Länge zieht, sie es irgendwann ungewollt herausfindet und anschließend wieder in ihre Selbstmitleidsphase verfällt. Es bleibt nur zu hoffen, dass eine der kommenden Episoden mich eines Besseren belehrt und das Geheimnis um Sams und Addisons Beziehung bald gelüftet wird. Freuen würde es mich auf jeden Fall.

Addison als Individuum konnte mich in dieser Folge nicht überzeugen, was jedoch nicht unbedingt an ihrem Charakter lag, sondern eher an ihrer Storyline. Eigentlich beschränkte sich diese darauf, dass sie dem Paar, welches teilweise durch die eigene Schuld ein Kind verloren hat, jetzt helfen sollte, ein neues zu kriegen. Dass ihr diese Entscheidung schwer fällt, war anzunehmen, doch weder dieser Patientenfall noch derjenige, mit dem sich Charlotte und Sam beschäftigten, konnte mich überzeugen. Klar waren die Schicksale tragisch und mindestens bei einem auch der Ausgang traurig, doch ehrlich gesagt haben sie mich gelangweilt und ich konnte keinen Bezug zum sonstigen Geschehen herstellen, was in meinen Augen noch fast das größere Manko ist.

"You have a wife and a child, and you're never around."

Auch wenn Sam es nicht geschafft hat, die Folge doch noch zum Guten zu wenden, so hat er trotzdem eine Menge dazu beigetragen, dass ich ihr doch noch ein paar positive Punkte abgewinnen kann. Denn der Handlungsstrang mit ihm und Dink war der einzige, der mich in keiner Weise enttäuscht hat. Es war eigentlich nicht anders zu erwarten, dass Naomi jetzt, wo sie endlich akzeptiert hat, dass sie Großmutter wird beziehungsweise inzwischen schon ist, ihre Enkelin sowie ihre Tochter nicht mehr aus den Augen lässt und ihnen hilft, wo sie nur kann. Auch nicht überraschend war da für mich die Tatsache, dass sie sich damit natürlich mehr Arbeit aufhalst, als gut für sie ist, und dass sie schließlich Sam anfleht, ihr zu helfen. Denn, dass Dink, der Ehemann von Maya und Vater von Olivia, ein bisschen Verantwortung und Arbeit übernehmen könnte und, wie er schon mehrmals klargemacht hat, auch will, kommt für Naomi nicht in Frage, schließlich ist er selber noch ein Kind und in ihren Augen deshalb absolut unfähig dazu.

Sam, der Naomi und ihre Launen inzwischen ganz genau kennt, fängt mit ihr keine Diskussion an, denn das hätte sowieso nur zum Streit zwischen den Beiden geführt, sondern bringt Dink dazu, sich gegen Naomi zu stellen und ihr klarzumachen, dass er für seine Familie verantwortlich ist und diese Verantwortung auch übernehmen will. Mit dieser Art, dem Problem zu begegnen, hat Sam mehrere Dinge gleichzeitig erreicht. Erstens befreit er Naomi von ihrem Stress, dauernd für Olivia und Maya dazusein, zweitens gibt er Dink sozusagen seine Familie zurück und drittens zeigt Dink, indem er Naomi die Stirn bietet, dass er sehr wohl im Stande ist, Verantwortung zu übernehmen.

Mir hat an diesem Handlungsstrang vor allem gefallen, dass Sam wie so oft sich nicht einfach vor den Problemen verschließt, das macht, was Naomi will, oder sogar einfach stillschweigend zusieht und akzeptiert. Nein, wieder einmal ergreift er die Initiative und sucht nach einer Lösung. Zum anderen fand ich es sehr gut, dass Naomis Misstrauen gegenüber Dink und ihre Rolle als "Ersatzmutter" für Olivia nicht lang und breit thematisiert wurde, sondern hoffentlich mit dieser Folge abgeschlossen ist.

Fazit

Ein Staffelauftakt, der weit unter meinen Erwartungen blieb und der mich weder absolut fesseln noch begeistern konnte. Ich kann nur hoffen, dass diese Folge schon der Tiefpunkt dieser Staffel war und die Serie sich in der nächsten Woche wieder in eine positive Richtung entwickelt.

Maria Schoch - myFanbase

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