Bewertung: 7

Review: #12.14 Assistenzarzt-Roulette

Foto: Sarah Drew & Jesse Williams, Grey's Anatomy - Copyright: 2017 ABC Studios; ABC/Tony Rivetti
Sarah Drew & Jesse Williams, Grey's Anatomy
© 2017 ABC Studios; ABC/Tony Rivetti

Wenn man an Beziehungen der Serie "Grey's Anatomy" denkt, dann fällt der Gedanke sicherlich zunächst auf Paare wie Meredith und Derek oder Callie und Arizona, deren romantische Ver- und Entwicklungen uns begeistert und gequält haben. Dabei gibt es allerdings auch eine andere Art von Beziehungen in der Serie, der es gelingt, immer wieder hervorragende und bedeutende Charaktermomente hervorzubringen: Lehrer-Schüler-Beziehungen. Mir persönlich haben hier die Freundschaften wie Mark und Jackson, Arizona und Alex sowie Webber und Bailey besonders gefallen und ich wurde fast nie von ihnen enttäuscht. In den letzten Staffeln haben sich noch die Paarungen Jackson und Ben sowie Amelia und Stephanie herauskristallisiert, die beide hervorragende Teams abgegeben haben – daher bin ich von manchen Entwicklungen dieser Folge weniger angetan. Aber ich muss zugeben: Webbers Idee, die Assistenzarzt-Oberarzt-Paarungen zu wechseln, birgt tatsächlich Potenzial und schafft es, manchen Konflikt wieder auf die Oberfläche zu bringen.

Meredith und Jo

Wie lange beschwert sich Jo schon über Meredith? Vermutlich seit dem Zeitpunkt, als Meredith sie damals nackt aus Alex' Bett warf und sich statt ihrer hineinlegte, um Alex ihr Herz auszuschütten. Denn seitdem folgt Zickerei auf Zickerei und bereits in meiner letzten Review merkte ich an, dass Meredith mit Jo ein ganz großes Problem zu haben sein scheint. Sie zieht eindeutig Penny, die sie vor wenigen Wochen noch wie den Staatsfeind Nummer 1 behandelte, Jo vor, die lediglich die Freundin ihres besten Freundes ist – was nun hier niedergeschrieben einfach wenig Sinn ergibt. Wie es sich nun zeigt, hat Meredith dieses Problem nicht mal selbst realisiert und ihr ist nicht aufgefallen, wie schlecht sie Jo behandelt. Daher war es an der Zeit, dass Jo sich endlich mal zur Wehr setzt und Meredith die Meinung geigt, die kaum wusste, wie ihr geschieht. Bei Jos geschocktem Gesichtsausdruck, als sie fertig war, musste ich herzhaft lachen und auch Merediths trockenes "Are you finished" war klasse! Merediths Entschuldigung an Jo war nur angebracht und es war schön, sie mal ungewohnt kleinlaut und reumütig zu sehen; man hat ihr angesehen, dass es ihr wichtig war, den Konflikt aus der Welt zu schaffen. Es ist klar gewesen, dass die Sorge um Alex eine große Rolle gespielt hat und es hat mir gefallen, wie sie Jo erklärt hat, dass sie hofft, dass die beiden zusammenbleiben. Was mir jedoch zu Herzen gegangen ist, dass Meredith Jo zu verstehen gibt, dass sie öfters für sich auftreten muss und sie sich nicht weiterhin schlecht behandeln lassen soll. Für Jo, die schon seit längerer Zeit an der Nichtbeachtung der Oberärzte leidet, sind solche Worte Balsam für die Seele.

Gleichzeitig scheint Meredith nicht auf die Flirtversuche mit Dr. Thorpe eingehen zu wollen und ignoriert seine Anrufe. Am Ende sucht er sie sogar persönlich auf und offenbart damit, wie groß sein Interesse an Meredith ist. Seine Hartnäckigkeit macht ihn sympathisch, doch ich hätte immer noch gern mehr Informationen über diesen potentiellen Love Interest für unsere Protagonistin. Das Highlight an diesem Handlungsstrang stellten aber Callie und Maggie dar. Einfach herrlich, wie die beiden Merediths Liebesleben diskutiert und diese mit Thorpe aufgezogen haben.

Amelia und Penny

Es ist eine altbekannte Tatsache, dass genau die Assistenzärztin, die bei einem weltbekannten Neurochirurgen kein Kopf-CT durchsetzen konnte und somit dessen Tod mitverschuldet hat, sich als Neurochirurgie-Talent entpuppt. Okay, Zynismus mal beiseitegeschoben, obwohl mir das Dank Nathans hervorragendem schwarzen Humor echt schwer fällt: Von der Kombination Amelia-Penny haben wir noch nichts groß gesehen, weswegen es mir gefällt, dass die beiden hier zusammengebracht werden und sich Amelia endlich mit ihr auseinandersetzen muss. Amelias Verhalten war eher durchschaubar und es war klar, dass sie Penny losbekommen wollte, Penny sie schlussendlich aber noch überzeugen würde.

Aber hier kommt das Überraschungselement, mit dem ich hier nicht gerechnet hätte: Nathan. Sein Sarkasmus und sein Humor waren einfach goldwert! Ich war begeistert, wie er Amelia gegenüber ihr ungerechtes Verhalten Penny gegenüber aufgezeigt hat und gleichzeitig Penny Mut für den Eingriff zugesprochen und ihr Talent erkannt hat. Nathan schafft es ohne Probleme, Amelias Sympathie zu gewinnen und steigt auch auf meiner Sympathieleiter immer weiter nach oben. Der Konflikt wurde dadurch toll aufgearbeitet, denn für Amelias Entwicklung ist die Auseinandersetzung mit Penny ebenso wichtig wie für Meredith. Das einzige, was mir hier weniger gefällt, ist Stephanies nun vermutlich folgendes Ausscheiden aus der Neurochirurige. Wie ich schon eingangs erwähnte, hat mir die berufliche Freundschaft von Amelia und Stephanie sehr gut gefallen und ich befürchte, dass wir uns durch Amelias Einsicht, Penny unterrichten zu müssen, von ihr verabschieden müssen.

Wer mich hier noch sehr überzeugen konnte, war Owen. Es tut seinem Charakter interessanterweise wirklich gut, ihn weniger zu sehen – so war die Begegnung mit Nathan zwar unangenehm, war aber professionell gehalten und vor allem im Umgang mit Amelia kann er momentan vollends überzeugen. Er nimmt die Beziehung zu Amelia sehr ernst und die Überraschung mit den Welpen am Ende war einfach nur wunderschön. Es freut mich wirklich, wie konstant die Beziehung der beiden zurzeit ist und ich hoffe, das wird weiterhin so bleiben.

Team Pädiatrie Vs. April

Bei April spitzt sich die Lage weiterhin zu: Sie will sich nicht untersuchen lassen, möchte Jackson immer noch nichts von ihrer Schwangerschaft erzählen und zeigt sich überhaupt nicht einsichtig auf die Sorge von Arizona um sie und ihr Baby. Aprils Schweigen ist durchaus verständlich – sie möchte nicht, dass Jackson wegen des Babys zu ihr zurückkommt und möchte ihn vor einem weiteren Verlust eines Kindes beschützen. Doch, wie Alex so es treffend beschreibt, macht sie es eigentlich nur schlimmer: Erneut handelt sie eigenmächtig gegenüber Jackson, erneut handelt sie ihm falsch gegenüber und bindet ihn nicht in gemeinsame Entscheidungen ein. Es ist nur Sarah Drews beschränkter Screentime in dieser Folge zuzuschreiben, dass ich nicht komplett von April genervt war. Alex und Arizona haben mir in dieser Handlung am besten gefallen: Sie stehen zwischen Jackson und April, wissen nicht wirklich, wie sie den beiden helfen sollen, möchten aber beide unterstützen. Insbesondere bei Alex finde ich es bewegend, wie nahe ihm die Situation zu gehen scheint und dass er sich um April und Jackson sorgt. Arizona hingegen geht hier aber definitiv einen Schritt zu weit. Dass sie in ihrer Verzweiflung sich dazu getrieben fühlt, Jackson von der Schwangerschaft zu berichten, ist verständlich, doch auch sie handelt eigenmächtig und handelt gegen den Wunsch ihrer besten Freundin. Damit hat sie die Situation vermutlich verschlimmert; Jacksons verletzte Reaktion spricht ja deutlich Bände. Ich stelle mich schon mal auf ein gewisses Nervlevel in der nächsten Folge ein.

Dass Ben sich in dem Fall der Vierlinge so gut geschlagen hat, ist mir persönlich nicht aufgefallen. Ich sehe ihn viel lieber in der Kombination mit Jackson und kann ihn mir kaum in der Fetalchirurgie vorstellen. Der Fall an sich konnte sehr überzeugen, was an mehreren Faktoren liegt. Zum einen an der Erwähnung von Nicole Herman, da damit unterstrichen wurde, was für eine großartige Chirurgin Arizona ist und wie sie sich Nicoles Erbe so hervorragend stellt. Zum anderen lag es aber auch an der sehr sympathischen Patientin Courtney, die in Casey Wilson eine tolle und witzige Darstellerin hatte. Dazu unterstreicht Bailey hier wieder mal, was für eine tolle Chefärztin sie abgibt, indem sie einfach an Arizona glaubt.

Kurze Eindrücke

  • Es hat mich gefreut zu hören, dass der nun einbeinige Risikopatient der letzten Folge #12.13 All Eyez On Me stabil ist. Zu sehen werden wir ihn vermutlich nicht bekommen, doch immerhin war das ganze Trara nicht umsonst.
  • Jackson hat tatsächlich ein Date gehabt? War es auch mit der Ärztin des Bauer Instituts oder doch mit einer anderem? Ich bin wirklich überrascht, schließlich schien er in der letzten Folge Dates noch eher abgeneigt gegenüber zu sein.
  • Webbers Idee hat leider nicht nur positive Konsequenzen: Stephanie, die mir bis jetzt als die kompetenteste Ärztin ihres Jahrgangs schien, darf sich als Dogsitterin versuchen und wird komplett unterfordert. Einfach nur jammerschade.
  • Josephine Alice Wilson: Was für ein wunderschöner, altmodischer Name!
  • Oscar-Preisträgerin Rita Moreno hatte hier als Frau von Amelias und Nathans Patienten einen kurzen, aber schönen Auftritt. Der Patientenfall an sich fühlte sich leider allzu vertraut an und war jetzt nichts, was wir in dieser Serie nicht schon gesehen hätten. Erinnerungsverlust und – gewinn sind bereits in der Vergangenheit als Elemente aufgetaucht.
  • Baileys und Bens Steuern-Diskussion war eher uninteressant, doch so langsam scheint sich ein Konflikt zwischen den beiden anzubahnen. Hat Ben tatsächlich ein Problem mit Baileys Status als Chief?
  • Ist es nicht merkwürdig, dass Jo und Callie mit den Lehrer-Schüler-Beziehungen von Meredith und Penny, Amelia und Stephanie und Jackson und Ben gleichgestellt werden? Mir persönlich ist diese Freundschaft noch nicht aufgefallen


Fazit

So langsam wird in dieser Staffel aufgeräumt und einige Konflikte (Amelia vs. Penny, Meredith vs. Jo) werden aufgearbeitet, während bei anderen die Eskalation hervorstehen scheint (April und Jackson). Die Folge gewinnt vor allem durch zweimaliges Schauen, wodurch viele Charaktere wie Nathan, Alex und Owen punkten können. Somit macht sie Lust auf mehr und weckt Vorfreude auf die weiteren Entwicklungen, obwohl mir nicht alles, was in dieser Folge geschehen ist, zu 100 Prozent zusagt.

Lux H. - myFanbase

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