Bewertung: 7

Review: #5.11 Auf den Hund gekommen

Schnee, Huren und Lügen – diese drei Worte beschreiben die Episode am einprägsamsten und könnten aus einem der bekanntlicherweise im Vergleich zum Original schrecklich unkreativen deutschen Titel stammen. Dabei kommen dem Titel wieder einmal mehrere Bedeutungen zu. Zum einen passt er auf Lorelai und Rory, zum anderen zu Kirk, dem heimlichen Hauptdarsteller in "Women with Questionable Morals".

"My girlfriend is the whore!" – Der eindeutig beste Spruch der Folge stammt genau von diesem: Kirk, dem Mann mit der fragwürdigen Moral. Natürlich ist es nicht wirklich Kirk, dessen Moral man anzweifeln könnte, sondern die Rolle, die er spielt. Wie so oft organisiert die Stadt eine besondere Veranstaltung. In diesem Jahr soll eine Szene aus dem Revolutionskrieg nachgespielt werden, denn wie ein lokaler Historiker herausgefunden haben will, ist es der Verdienst einer Prostituierten, dass Stars Hollow nicht in einer grausamen Schlacht dem Erdboden gleich gemacht wurde.

Doch wer soll diese ehrenvolle Rolle spielen? Taylor meint, in Lorelai die Richtige gefunden zu haben, doch bevor er sie fragen kann, wird sie von Luke gewarnt, dass sie besser nicht allzu aufreizend am Planungskomitee vorbei gehen sollte. Ein Casting muss veranstaltet werden, dabei ist es einfach genial mit anzusehen, wie Kirk sich für seine Freundin Lulu einsetzt. Apropos Lulu, irgendwie sieht Kirks Herzensdame in dieser Folge anders aus als sonst. Zuerst habe ich eine neue Darstellerin vermutet, aber wahrscheinlicher ist es, dass mein Blick nach der viel zu langen Winterpause leicht getrübt ist. Die Schauspielerin soll die gleiche geblieben sein, diese Information liefert zumindest IMDb.

Während Kirk also alles dafür tut, um seiner Lulu zu der Rolle der Hure zu verhelfen (sein begeisterter Ausruf im Diner lässt auch die übrigen Stadtbewohner von seinem Erfolg erfahren), macht Lorelai zum ersten Mal in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit Schnee. Schnee, den sie so sehr liebt und der für sie immer eine ganz besondere Bedeutung hatte - doch in dieser Folge ist alles anders als sonst.

Der Teaser ist meiner Meinung nach, mein Herz schlägt bekanntlich für Luke und Lorelai,
einer der besten der ganzen fünften Staffel. Herrlich, wie Lorelai mitten in der Nacht aufwacht, Schnee riecht, und den armen , verschlafenen und frierenden Luke rabiat aus dem Bett an die frische Luft befördert. Wie zu erwarten, teilt er ihre Liebe zu diesem Wetterereignis nicht gerade, aber er wäre nicht Luke, wenn es anders wäre. Lorelai lag mit ihrer Nase jedenfalls richtig, denn es beginnt tatsächlich zu schneien – der erste Schnee in Stars Hollow in diesem Jahr.

Doch für mein Lieblings-Gilmore-Girl soll es fürs erste bei dieser einen schönen Schneeerfahrung bleiben. Im Folgenden geht alles schief, was man sich nur vorstellen kann. Erst verabschieden sich nacheinander die Gäste des Hotels, dann versperrt der Schneepflug die Zufahrt mit einer großen Ladung Schnee. Die schlimmste Konsequenz daraus: Es ist nun unmöglich, die Kaffeevorräte aufzustocken, für Lorelai ist Koffeinentzug bekanntlich eine mittlere Katastrophe. Nachdem sie von Sookie eine gehörige Standpauke erhalten hat, weil sie sich widerwärtigerweise die Kaffeereste der Gäste in ihre eigene Tasse zusammengekippt hat, macht sie sich kurzerhand zu Fuß auf den Weg, die Zutaten für ihr lebenswichtiges Gebräu zu besorgen...

Lauren Graham läuft zur Höchstform auf, als Lorelai in einer Gemeinschaftsaktion mit Luke ihr zugeschneites Auto befreit und dabei schlimmer schimpft als Taylor und Emily zusammen, oder sogar Luke, der ja bekanntlich aus seiner Einstellung zu bestimmten Dingen kein Geheimnis macht. Sie beschließt, den Schnee ab sofort zu hassen, der ja sowieso nichts anderes als gefrorenes Wasser ist, wie Luke sie erinnert.

Rory zeigt unterdessen eine ungewohnte Seite von sich. Immer noch sauer auf Christopher, weist sie ihn ziemlich hart von sich, als er in Yale auftaucht, um sich mit ihr zu versöhnen. Obwohl ich Christopher nicht gerade als meinem Lieblingscharakter bezeichnen würde, tat er mir doch Leid, wie er so hilflos und traurig vor seiner Tochter stand... Kein Wunder, dass sie ein unendlich schlechtes Gewissen hat und sofort zu ihm fährt, nachdem Emily die Nachricht vom Tod seines Vaters überbringt. Lorelai löst sie dann ab, und wie das so ist, wenn die Umstände alte Freunde und eine Flasche Tequilla irgendwo zusammen führen, wird es eine lange Nacht. So lang, dass Lorelai am nächsten Morgen mit einem dicken Kopf gemeinsam mit Rory im Diner sitzt und allergisch auf jegliches Geräusch reagiert, das lauter als die Stimme ihrer Tochter ist. Eine gute Gelegenheit für Lorelai, sich über die Tatsache aufzuregen, dass sie ein Mädchen bekommen hat, ein Junge wäre in dem Moment mit einer dunkleren Stimme für ihren Kopf angenehmer... Luke bleibt natürlich nicht verborgen, dass Lorelai nicht unbedingt die Frische in Person ist – doch bevor Lorelai die Wahrheit sagen kann, die im Übrigen wirklich harmlos ist, sagt Rory, dass sie ihre Mutter die halbe Nacht mit Mädchengesprächen wach gehalten hat. Rory, Rory, wo ist deine Moral geblieben? Bist Du wirklich der Meinung, dass Luke besser nichts davon erfahren sollte? Ein großer Fehler, dass Lorelai auf sie hört, wie sich in den nächsten Folgen noch zeigen wird.

Lorelai nutzt leider auch nicht die Möglichkeit, Luke später aufzuklären, als er ihr einmal wieder beweist, dass er der perfekte Freund ist. Er hat ihr ein Eislaufbecken aufgebaut, und erklärt in einer rührenden Ansprache, dass er nicht möchte, dass sie so wie er ist sondern stattdessen mit dem Schnee wieder ins Reine kommt. Er gibt ihr die perfekte Möglichkeit, die Wahrheit zu sagen – doch Lorelai schweigt. Hier muss man sich der aufmerksame Zuschauer fragen, ob Lorelai vom letzten Mal, als sie Luke ein Treffen mit Chris verschwiegen hat, nichts gelernt hat. Es ist nicht schlimm, einen Abend mit einem niedergeschlagenen, alten Freund zu verbringen, und Luke würde ihr dafür nicht den Kopf abreißen...

Bei Emily und Richard trägt unterdessen ein Hund den Verdienst daran, dass die beiden sich wieder annähern. Schön, mit anzusehen, wie Emily auf einmal einen bellenden Vorwand hat, um Zeit in der Nähe von Richard zu verbringen. Sicher war die Louis-Vuitton-Webseite auch nicht uninteressant, aber der Hauptgrund, sich im Poolhaus aufzuhalten, war doch wohl ihr Mann. Es war wirklich zu komisch, wie sie am Abend im Hintergrund neben dem Hund saß, während Lorelai und Rory zu Besuch bei Richard waren.

Zurück zur Stadtaufführung, bei der schließlich Kirk die Rolle der Hure spielt, denn seine Lulu ist krank geworden. Die Nachstellung der Szene hat wirklichen Comedy-Charakter, Daniel Palladino, der ja für gewöhnlich solche Folgen schreibt, versteht sein Handwerk. Wie Kirk, hübsch geschminkt und im Outfit der leichten Dame, den General, natürlich gespielt von Taylor, ins Haus lockt, wird mir unvergessen bleiben. Lorelai wünsche ich ein ebenso gutes Gedächtnis, doch wer die Spoiler für die nächsten Folgen kennt, weiß, dass sie Luke so schnell erstmal nicht über die durchzechte Nacht mit Chris aufklären wird...

Sandra G. – myFanbase

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