Bewertung: 7

Review: #1.04 Krüppel, Bastarde und Zerbrochenes

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Sean Bean, Game of Thrones
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Zugegeben, für Nichtkenner der Romanvorlage wie mich hat es hat eine Zeit gedauert, bis man sich die vielen Namen und die Beziehungen bei "Game of Thrones" endlich merken konnte. Doch jetzt verknüpft die Serie unheimlich gut die variierenden Orte und Storylines und hält die Zuschauer stets auf Trab. Wir bewegen uns gekonnt von einem Charakter zum Nächsten und langsam ist der rote Faden bei allen Charakteren erkennbar.

"I have a tender spot in my heart for cripples and bastards and broken things."

Der Episodentitel passt wie die Faust aufs Auge. Für einen Lannister hat Tyrion ein wahrlich gutes Herz und mir hat die Szene zwischen ihm und Bran sehr gefallen. Er konnte dem Jungen Mut geben und ihn mit seinem Geschenk aufmuntern. Es ist einfach nur grausam was Bran angetan wurde und so sehr man den einen Lannister dafür verflucht, findet man Gefallen am sonderbarsten Lannister. Tyrion wird mir von Mal zu Mal sympathischer, obwohl er sich die Provokation Theon gegenüber wirklich hätte sparen können. Mir gefällt es, wie Theon Robb unterstützt und sich trotz des damaligen Konflikts zwischen den Graufreuds und den Starks zu seiner neuen Familie bekennt. Robb macht sich währenddessen gut als Lord von Winterfell während der Abwesenheit seiner Eltern. Zwar wurde er in diese Rolle gedrängt, aber seit dem Ende der Pilotfolge gehört Harmonie in Winterfell sowieso der Vergangenheit an.

Schockiert ist man am Ende der Folge von Catelyns Schnapsidee, Tyrion auf eigene Faust gefangen zu nehmen und für seine angebliche Tat büßen zu lassen. Wenn Catelyn da mal nicht einen großen Fehler begeht. Ausgerechnet Tyrion, der sympathischste Lannister, der sich in dieser Folge so um Bran bemüht zeigte. Ich verstehe zwar Catelyns Wut und ihre mütterliche Fürsorge, aber in dieser Hinsicht ist sie vorschnell und denkt nicht nach, sondern handelt impulsiv. Damit bringt sie nicht nur sich selbst in Gefahr, sondern auch ihre Töchter und Ned in Königsmund. Sie ist sich anscheinend nicht im Klaren, welchen Stein sie dadurch ins Rollen bringt.

"When you're out there, beyond the Wall with the sun going down, do you want a man at your back? Or a sniveling boy?"

Jon Schnee wird in dieser Folge erstmals ein wenig lockerer und man sieht in Dank Samwell Tarly sogar lachen. Mir gefällt der neue Charakter, der nicht nur für richtig gute Lacher sorgt, sondern auch Jon aus der Reserve lockt. Das Gespräch zwischen den beiden, in denen Jon über sein Leben als Bastard spricht, zeigt eine verletzliche Seite an Jon, die er durch seine Kampfkünste zu retuschieren versucht. Auf dem Hof setzt sich Jon als Führungsperson durch, aber gegen Ser Alliser Thorne hat er dennoch keine Chance. Die beiden werden sicherlich noch häufiger aneinander geraten aber mir gefällt es, dass Jons Storyline an der Mauer nach Tyrions Abgang langsam an Fahrt gewinnt.

"The next time you raise a hand to me will be the last time you have hands."

Am anderen Ende der Welt konnte mich auch Danys Storyline überzeugen. Auch wenn es etwas schnell ging, so bekennt sie sich nun vollkommen zu ihrem neuen Volk. Ihr Charakter hatte eine Schlüsselszene inne, als sie sich das erste Mal gegen Viserys wehrt und ihn sogar zurückschlägt und bedroht. Trotz des Leids zu Beginn erkennt man nun, dass die Ehe mit Khal Drogo sie immer stärker macht und sie ihr Selbstbewusstsein findet. Viserys dagegen scheint mir ein hoffungsloser Fall zu sein. Seine Badeszene mit Doreah war jedoch zu lang und gab nicht viel her. Natürlich ist es schwierig, für alle Charaktere eine angemessene Screentime zu finden und herumzuexperimentieren, aber in Zukunft sollten sie unwichtige Szenen lieber kürzer halten. Jedenfalls wird klar, dass Viserys niemals den Thron besteigen wird und ich bin auch sehr froh drum, denn einen weiteren Irren König braucht es sicher nicht. Auch die Freundschaft zwischen Jorah und Dany gefällt mir zunehmend. Er ist ihre Stütze und Vertrauensperson und endlich erfahren wir auch mehr aus seiner Vergangenheit.

"Lord Baelish, perhaps I was wrong to distrust you." - "Distrusting me was the wisest thing you've done since you climbed off your horse."

In den ersten vier Folgen wurde viel Charakterarbeit geleistet, um sich in jeden einzelnen hineinversetzen zu können. Langsam bekommt aber auch die Handlung eine tragende Rolle. Ned kommt dem Geheimnis um John Arryns Tod immer näher, was die einzige spannende Handlung war. Ser Hugh wird getötet, womit ein weiterer Hinweis auf John Arryns Tod dahinsiecht. Allgemein zieht sich die Handlung rund um Königsmund wie ein roter Faden durch die Serie und alle Szenen, in denen Sean Bean beteiligt ist, sind grandios. Egal ob im Gespräch mit Cersei oder Kleinfinger, Ned lernt langsam die Intrigen des Hofs kennen. Mit der Enthüllung von Robert Baratheons Bastard Gendry hat er einen wunden Punkt seines besten Freunds getroffen und beginnt hinter seinem Rücken zu recherchieren und John Arryns Tod aufzudecken. Dabei bekommt er Hilfe von allen Seiten, doch wem kann er trauen? Bei Kleinfinger jedenfalls muss er vorsichtig sein, denn sein Zitat klingt wie eine Drohung.

Je mehr man von Robert Baratheon sieht, desto unfähiger scheint er als König zu sein. Robert ist eine einzige Witzfigur, welche nur das Trinken und Spaß mit anderen Frauen kennt. Langsam verstehe ich, warum Cersei ihn hintergeht. Ihre Beziehung zu Jaime scheint doch tiefgründiger zu sein, als gedacht und Nikolaj Coster-Waldau schafft es, den seit der Pilotfolge verhassten Jaime Lannister eine andere, sorgenvolle Seite zu zeigen.

Während Neds Forschungen immer erschreckender und gefährlicher werden, muss ich zu allererst an Sansa und Arya denken, die für all das in Königsmund noch nicht bereit sind. Besonders Sansas Sorgen über ihre Zukunft mit Joffrey sind kindisch, zeigen aber deutlich, dass sie genau das ist: ein unschuldiges Kind, die ihre Träume und Hoffnungen an eine Märchenwelt in ihren zukünftigen Gemahl setzt. Trotzdem möchte man sie wachrütteln und sie fragen, wie sie nach dem Vorfall mit den Wölfen Joffrey noch immer verehren kann. Auf der anderen Seite kristallisiert sich die jüngste Stark-Tochter immer mehr zu einem Lieblingscharakter heraus. Ihr jungenhafter Charme und ihre rebellische Art sind zum liebgewinnen. Arya und Ned haben eine großartige Chemie zusammen und ich wünschte mir mehr Vater-Tochter-Szenen. Man kann sich so gut in die Starks und den fürsorglichen Familienvater hineinversetzen und wünscht sich ein Mal mehr die glücklichen Momente aus dem Piloten wieder.

Die Action und die Spannung vermisse ich dennoch ein bisschen, aber das Potential ist deutlich zu sehen. Die Grundsteine wurden gelegt und hoffentlich nimmt die Serie in den nächsten Folgen mehr an Action und Fahrt auf. HBOs "Game of Thrones" ist kein Familienfilm, sondern zeigt unverblümt die Realität der Charaktere in einer unbarmherzigen Welt. Blutig geht es wie erwartet beim Ritterturnier zu, welches im Mittelaltersetting natürlich nicht fehlen darf. Die Kostüme und die Location lassen einen wunderbar in diese Zeit zurückversetzen. Ich bin gespannt, was in der zweiten Runde des Turniers passieren mag und vor allem wie es im königlichen Hofstaat in Königsmund weitergeht. Man wird von Folge zu Folge in die Welt von Westeros hineingezogen.

Fazit

Es passiert unglaublich viel in nur einer Episode und man ist so tief in der Geschichte drin, dass die Episoden nur vor sich hin rasen. Gleichzeitig bekommt man immer tiefere Einblicke in die Charaktere und die verschiedenen Handlungsstränge. Trotzdem sehe ich bei der Serie noch Steigerungsmöglichkeiten, vor allem was die Intrigen in Königsmund und die Spannung angeht.

Tanya Sarikaya - myFanbase

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