Bewertung: 8

The Batman

Foto: The Batman - Copyright: 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.
The Batman
© 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. All Rights Reserved.

Inhalt

Gotham wird von einer Mordserie heimgesucht. Der sadistische Mörder Riddler (Paul Dano) hat es auf die wichtigsten politischen Figuren der Stadt abgesehen, denn er will die jahrelange Korruption aufdecken und alle Beteiligten spektakulär vorführen. Bruce Wayne alias Batman (Robert Pattinson) hat sich für viele einen furchterregenden Ruf aufgebaut, aber er ist auch ein Ermittler mit Gespür, weswegen Lieutenant James Gordon (Jeffrey Wright) vom GCPD ihn immer öfters als Partner einbezieht. Doch bei den Ermittlungen gegen den Riddler hat das noch einmal eine ganz andere Bedeutung, denn der Gesuchte wendet sich direkt an Batman und lässt schnell den Schluss zu, dass die Waynes selbst in die Korruption der Stadt verwickelt waren.

Kritik

Als 2019 bekannt wurde, dass Pattinson in die Rolle von Batman schlüpfen würde, da habe ich doch ehrlich ungläubig geschmunzelt. In einer prominenten Reihe mit Namen wie Michael Keaton, Christian Bale oder Ben Affleck wirkt er einfach nicht wie die logische Fortsetzung. Dennoch bin ich nach Beendigung des Films glücklich mit dieser Wahl, denn es wurde eine ganze andere Art von Batman gezeigt und in dieser Idee ist Pattinson definitiv passend besetzt worden. Zwar glaube ich nicht, dass er das Kostüm tatsächlich voll ausgefüllt hat, aber dennoch hat sich dieser Gedanke nicht aufgedrängt, da der Fokus nicht auf Batman als Muskelpaket gelegt wurde. Zudem gibt es im ganzen Film nur eine einzige oberkörperfreie Szene aus Rückenansicht, in der deutlich zu sehen ist, dass Pattinson nicht extra für diese Rolle trainiert hat. Damit wird effektiv unterstützt, dass es diesmal nicht um den Batman geht, der alleine mit seiner körperlichen Präsenz einschüchtert. Damit ist man in diesem Film schnell weg von oberflächlichen Kriterien und dieser Batman besticht eben durch seine Intelligenz und das hat Pattinson einwandfrei eingefangen bekommen. Zudem ist Bruce Wayne auch eine Kreatur der Nacht, weswegen es eine sinnbildliche Szene war, als er ohne Kostüm am helllichten Tag gegen die Sonne anblinzelte und schließlich auf die Sonnenbrille setzte. Damit sind natürlich auch Gegensätze möglich, denn während Bruce am Tag wie ein verschreckter Jüngling wirkt, spielt das in den Schatten der Nacht keine Rolle mehr, weil dort dann umhüllt eine Legende entstanden ist, die sich ihren Ruf mit Raffinesse aufgebaut hat.

Neben der Besetzung der Titelrolle ist auch die inhaltliche Gestaltung völlig anders. Ursprünglich wollte der letzte Batman, dargestellt von Affleck, die Geschichten des Superhelden von DC weitererzählen und es ist garantiert, dass die neu geplante Filmreihe mit ihm wohl völlig anders geworden wäre. Vermutlich ist es sogar echt gut, dass es so nicht gekommen ist und dass Matt Reeves, der den Zuschlag für die Regie erhalten hat, auch kreativ noch einmal alles aufgewirbelt hat und uns damit als Endprodukt eine klassische Detektivgeschichte präsentiert. Also weg von lang anhaltenden Actionszenen, weg von Antagonisten mit übersinnlichen Fähigkeiten und hin zu einer klassischen Kriminalgeschichte, wo nicht Batmans geniale Anfertigungen beim Waffenarsenal das Highlight sind, sondern einfach nur Bruces Fähigkeiten, seinen Verstand einzusetzen und Verbindungen zu sehen, wo sie sonst keiner finden würde. Da ich Fan von klassischen Kriminalgeschichten bin, kann ich von dieser Entwicklung wahrlich nicht enttäuscht sein, denn es gefällt mir gut, dass es eine intelligent verpackte Rahmenhandlung ist, die alles an Aufmerksamkeit einfordert, um Schritt halten zu können. Batman war schon immer der Superheld, der dem 'normalen' Menschen am ähnlichsten ist, weil er eben keine übernatürlichen Kräfte hat, auf die er sich im Zweifel verlassen kann. Zudem hat er ein tragisches Schicksal, das ihn antreibt und trotz allem weiß er sich zu behaupten und speziell diese Darstellung verwischt dann auch die Grenzen, weil es unterstreicht, dass wir alle Helden sein können.

Dadurch, dass "The Batman" von Reeves aus dem DC Extended Universe rausgenommen wurde, fällt es überraschend ins Auge, dass der Film keinerlei Interesse an einer klassischen Entstehungsgeschichte des Mythos Batman zeigt. Zwar ist die Anfangssequenz ein langer Prolog, in denen ein paar Fakten an die Hand gereicht werden und in denen wir Batmans üblichen Tätigkeiten bei Nacht beiwohnen, aber letztlich beginnt der Film eigentlich mittendrin. Der Rächer, der für Vergeltung steht, hat eine vertrauensvolle Beziehung zu James Gordon aufgebaut, die definitiv ein Highlight des Films ist, dennoch kommen Gedanken dazu auf, wie das genau passiert ist, weil man ansonsten beim GCPD Ablehnung pur verspürt. Auch die geschäftlichen Verbindungen von Wayne Enterprises sowie die genaue Funktion von Alfred (Andy Serkis) bleiben unklar. Er scheint zwar zu wissen, was sein Schützling so treibt, aber dass er wirklich ein Unterstützer beim Kampf gegen das Verbrechen wäre, das wäre definitiv zu viel gesagt. Möglicherweise werden die weiteren geplanten Filme mehr Licht ins Dunkel bringen, aber andererseits ist das vielleicht auch gar nicht Reeves' Intention, der wohl eher eine Filmreihe von Fans für Fans schaffen will, so dass ein gewisses Basiswissen ein Muss ist. Vertraut ist einem dennoch nicht alles, aber nach diesem Auftakt kann man als Zuschauer*in schon zuordnen, was wie gedacht ist.

Einige Beziehungsverhältnisse mögen aus dem Nichts gerissen sein, aber ansonsten wird eine klassische Detektivgeschichte von vorne bis hinten erzählt. Alleine der erste Mord an Bürgermeister Don Mitchell Jr. (Rupert Penry-Jones) ist schon ein Auftakt, der Lust auf mehr macht, denn damit wird schon viel über den Riddler verraten, der ein gewiefter Krimineller ist. Zum einen agiert er nicht immer gleich, ist damit nicht so leicht ausrechenbar und er hat sich als Gegner eine Gruppe ausgesucht, die ein Problem hat: ihre Überheblichkeit. Damit ist es definitiv ein durchgehender Spannungsfaktor, was er sich wohl als nächstes ausdenkt und wer wohl sein nächstes Opfer wird. Es ist zwar keine Detektivgeschichte mit großen Wendungen und Überraschungen, denn der Riddler muss nicht unter den bekannten Figuren ausgemacht werden, er muss eben überhaupt erst identifiziert werden, aber auch das tut dem Film hier keinen Abbruch, denn jedes Opfer vom Riddler erzählt eine eigene kleine Geschichte. Eine Geschichte voll von Korruption, Verbrechen und ekelhaftem Machtmissbrauch, wie es gerade in Gotham traditionell schon immer üblich war. Vieles davon lebt auch durch grandioses Schauspiel. Dano als Riddler selbst ist schon echt ein Genuss, was sich dann vor allem in einer langen Szene mit Batman zum Schluss hin exzeptionell zeigt, aber auch Colin Farrell (Bist du es wirklich? Grandiose Maske!) als Penguin, John Turturro als Carmine Falcone und so viele mehr. Da merkt man denen einfach an, wie sehr sie es ausgekostet haben, hier Bösewichte zu spielen. Deswegen sind auch die diversen Konfrontationen, die immer neue Verwicklungen aufdecken, auch stets ein Highlight, weil immer etwas passiert und sei es nur durch einfache Schauspielkunst.

Auffällig ist sicherlich, dass es ein Film mit wenigen Frauenfiguren ist. Richtig rausstechen tun nur Zoë Kravitz als Selina Kyle / Catwoman und Jayme Lawson als Bürgermeisterkandidatin Bella Reál. Dennoch störe ich mich daran nicht wirklich, denn hier geht es eben auch zentral um einen Männerclub an der Spitze von Gotham, der gewiss keine Frauenquote kennt und da mit Kritik durch die Enthüllungen durch Batman und Riddler auch nicht gespart wird, kommt das männliche Geschlecht hier wahrlich nicht als Gewinner hervor. Catwoman und Bella Reál sind auch beide zwei starke Frauenfiguren, mit denen sich Reeves auch wirklich Mühe gegeben hat. Gerade Catwoman ist nach Batman die Figur, die am meisten ausgearbeitet ist. Dass Kravitz für die Rolle an sich ideal besetzt ist, das zeigt sich schnell. Vielleicht ist sie aber nicht unbedingt als Gegenpart von Pattinson die richtige Wahl gewesen. Für mich hat die Chemie nicht sonderlich gepasst. Es ist natürlich kein klassischer Liebesfilm, wo die Harmonie eines Paares im Vordergrund steht, aber dennoch passte es für mich nicht ganz. Aber egal, meistens sind die beiden eben als Superhelden unterwegs. Actionszenen gibt es dann natürlich schon einige, spätestens der Showdown in der Sportarena gibt ordentlich Gas, dennoch ist es insgesamt wirklich wenig und auch ausschweifende Szenen mit dem Batmobil etc. werden nicht geboten. Vermisst habe ich es nicht, denn für mich war das Grundrezept eben diesmal anders und die gewählten Zutaten haben gepasst. Fertig.

Dennoch muss nach diesen deutlich überwiegenden Pluspunkten die Länge des Films erwähnt werden. Fast drei Stunden sind echt eine Hausnummer. Von DC und Marvel ist man das zwar gewöhnt, aber dann meist in den Superheldenverfilmungen, die sich auf eine Gruppe fokussieren, so dass ständig von den Figuren her neuer Input gegeben werden kann. Zwar gibt es auch hier Figuren genug, dennoch liegt der Fokus im Grunde auf Batman alleine und dafür ist der Inhalt doch schon arg aufgebauscht worden. Ich könnte auf Anhieb ein paar Szenen nennen, die man gut hätte verkürzen können. Letztlich muss ich aber auch eingestehen, dass es definitiv kein zähes Gucken ist und ein entscheidender Faktor dafür ist die musikalische Untermalung. Ich habe schon lange nicht mehr einen Film erlebt, wo mich die Hintergrundmusik so gefangen genommen hat und das vom ersten Augenblick an. Selbst Szenen, die ohne jeglichen Dialog auskommen, erhalten so etwas Einfangendes. Die unterschiedlichen musikalischen Themen geleiten über Leerstellen hinweg und fesseln so an das Geschehen. Vor allem das Batman-Thema sowie "Ave Maria" wird man anschließend garantiert mitsummen, denn es sind die konstanten Begleiter, die auch ihre ganz eigene Geschichte erzählen. Dadurch ist es auch zu echten Gänsehautmomenten gekommen, die tatsächlich das I-Tüpfelchen auf diesem Film darstellten.

Fazit

Batman mal anders, das fasst "The Batman" wohl am besten zusammen. Da will ich doch schnell nachsetzen, dass es anders gut war. Angefangen mit der Besetzung von Robert Pattinson für die Titelrolle ist eine andere Agenda von Matt Reeves vorgegeben worden und er hat eine klassische Detektivgeschichte präsentiert, die intelligent erzählt und schauspielerisch überzeugend rübergebracht worden ist. Insgesamt mag der Film etwas zu lang geworden sein, aber die genial komponierte Musik verhindert jegliches gedankliche Abschweifen, so dass der Auftakt Lust auf das macht, was da wohl noch kommen wird.

Special: Gotham in Film und TV - Die vielen Gesichter von Batman, Catwoman und Co.

Lena Donth - myFanbase
20.03.2022

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