Bewertung

Review: #13.13 Reckoning (3)

Es ist schön, dass das jährliche große OneChicago-Crossover inzwischen wieder regelmäßig stattfinden kann, denn ich spüre da immer eine besondere Vorfreude. Diesmal war es dann auch eine spezielle Lust, weil die Ankündigung, dass Hailey Upton und Jay Halstead wieder dabei sein werden, echt etwas fürs kaputte Upstead-Herz war. Beide Figuren haben nicht unbedingt den Abschied bekommen, den sie verdient gehabt hätten und ihre gemeinsame Geschichte war erst recht nicht auserzählt. Daher war für mich die übergreifende Frage: Bekommen wir verspätet einen Kreis geschlossen?

Kommen wir zunächst aber zu meinen allgemeineren Eindrücken. "Chicago Fire" ist grandios in dieses Crossover gestartet, denn die Idee, um das Ganze in Gang zu setzen, war höchst spannend, danach einfach nur tragisch und deswegen sofort emotional bindend. "Chicago Med" war dann für mich etwas schwächer, weil es sich nicht richtig vollends wie eine Krankenhausepisode anfühlte. Da niemand wusste, welche Chemikalie involviert war, war es einfach nur ein Versuch, alle irgendwie am Leben zu halten. Dafür war mehr Raum für Zwischenmenschliches, was das dann wieder aufwiegt, denn um es mit Christopher Herrmann zu sagen, ich mag die Crossover genau dann, wenn sie etwas Familiäres über die einzelnen Shows hinaus ausstrahlen. "Chicago P.D." bietet traditionell den ermittelnden Abschluss und unter dem Strich wurde alles zu einem Ende gebracht, aber ich muss schon sagen, dass das aufgeregte Gefühl von "Chicago Fire" immer mehr abflachte. Alles rund um die Passagiermaschine fühlte sich größer an als das, was wir mit der tragischen Geschichte von Thomas Marr aufgedeckt bekommen haben. So war das Geschehen im Flugzeug einfach nur ein Unfall und dagegen kann das individuelle Schicksal von Thomas nicht mithalten. Für mich war daher schon früh klar, dass dieses Crossover insgesamt nicht meine Top 3 knacken wird, aber das ist nicht schlimm, denn ein Fest war es trotzdem!

Bei den Crossovern bin ich auch immer etwas hin- und hergerissen, wenn persönliche Geschichten der einzelnen Hauptfiguren vorangetrieben werden, weil nicht die gesamte Zuschauerschaft alle drei sieht. So kann man sich ausgeschlossen fühlen, aber umgekehrt kann so natürlich auch Überzeugung erzeugt werden, doch noch auf einen Zug aufzuspringen. Dieses Crossover lebte regelrecht von Bezügen zum Serienalltag. Andere Crossover wirkten wie ein großer Cut, bei dem nicht viel Wissen nötig war, hier war es aber eher nötig. Da ich manchmal doch arg geschimpft habe, wie wenig koordiniert sich die Drehbücher über alle drei Spin-Offs hinweg anfühlen, muss ich diesmal den Hut ziehen. Gerade die angesetzte Geschichte durch "Chicago Fire" und Cranston war zukunftsweisend, aber auch die kleinen Crossovers durch die Affäre von Dr. John Frost und Lizzie Novak wurden so gut eingebettet. Unabhängig davon, ob es nun weitergeführt wird, aber ohne die emotionale Verbindung hätte Johns Aktion mit den Geschwistern wenig Sinn ergeben. Aber ich fand es dann gut, dass es immer nur kleine inhaltliche Blöcke waren, denn Lizzies Geschichte gehört nach "Chicago Fire" und dann auch ordentlich ausgebaut. Auch Dom Pascals Zukunft und welche Rolle Annette Davis darin spielt, gehört dorthin. Der Zwischenton mit Dr. Hannah Asher und Dr. Dean Archer war ebenfalls total angemessen, weil es sich in die initiierte Geschichte eingefügt hat und charaktertreu war.

Schauen wir jetzt nochmal auf den Handlungsbogen. Ich fand die Auflösung letztlich nicht so spektakulär, wie ich es mir wohl erhofft hätte, aber dennoch hat mich das Schicksal von Thomas Marr nicht kalt gelassen. Gerade die Rückblende zu Beginn der Episode hat da eine Verbindung hergestellt, um etwas besser die späteren Gefühle verstehen zu können. Die Tragik seines persönlichen Verlusts und dann vor allem die Schmerzen, die bis ins Jetzt anhalten, das wünscht man niemandem. Ich hätte es aber logischer gefunden, wenn es mehr um eine personelle Vendetta gegangen wäre und nicht um einen Rachefeldzug gegen zwei große Behörden, wovon die allermeisten nichts mit 2001 zu tun haben. Aber Gefühle sind nicht rational, das wissen wir alle. Umso stärker war es daher auch, dass Hank Voight schon früh mit den Puzzleteilen im Hinterkopf ihn als Opfer betrachtet hat. Ich kenne ihn oft genug, wenn er gegen Verdächtige kompromisslos vorgeht. Das war hier ein anderer Spagat, gerade weil Hank sich selbst schuldig empfindet. Gerade im Angesicht der Schuldfrage fand ich manches dann aber nicht logisch. Wenn die Brandursache von 2001 nie geklärt werden konnte, wie kann man Hank dann wirklich freisprechen? Denn selbst wenn es das Meth Labor nicht war, könnte dann eine andere Ursache nicht ebenfalls in seiner Verantwortung liegen? Denn die Brandinspektion hätte ja nicht nur dort geschaut, wo das Labor gewesen wäre, sondern überall und überall hätte man Schwäche aufdecken können. Das bleibt für mich nicht restlos logisch, ist aber auch nichts, an was ich mich aufhängen würde.

Da hänge ich mich doch lieber an etwas dran, über das ich laut lachen musste: Das Gespräch zwischen Hank und Jay war aus einer Komödie entnommen und hat den Höhepunkt in Jays Behauptung gefunden, dass Hank sich verändert habe. Ja, ich weiß, meine Gefühle gegenüber Hank sind weit ab von Neutralität, aber das ja nur, weil Hank jeglichen Fortschritt in seiner Persönlichkeitsentwicklung sofort wieder torpediert. Und das nicht erst seit Jays Weggang. Auch davor gab es genug Punkte, wo ich neugierig war, wohin es jetzt geht und dann kam wieder ein Rückschritt. Daher fand ich die Feststellung hier völlig deplatziert und es ist nur mal wieder ein Versuch des Writers' Room, sich das selbst einreden zu wollen. Ich habe hier jedenfalls keine Seite von Hank entdeckt, die ich nicht schon kannte. Sie stecken alle in ihm, er will sie nur zu selten ausleben.

Kommen wir abschließend zu Upstead, denn 'save the best for last'. Ja, ich bin versöhnt. Ich brauchte keinen romantischen Kitsch, ich brauchte einfach die Essenz, die dieses Paar ausgemacht hat und das haben wir in allen drei Crossover-Episoden zu genüge bekommen. Da ist einfach eine Chemie. Ich fand es auch sehr authentisch, wie langsam und bedächtig den beiden Raum gegeben wurde. Hailey hat sofort ihr Herz verschlossen, um so wenig wie möglich an sich ranzulassen. Sie hat sich hinter einer professionellen Einstellung versteckt, aber wohl zurecht. Denn ihr Herz ist über die ungewisse Zeit hinweg immer wieder gebrochen worden. Aber Jays ganzes Verhalten war dann wieder so Jay, wie ich kennengelernt habe. Sie ist das Zentrum seines Denkens. Deswegen war das finale Gespräch dann auch so schön, weil sie sich beide sehr simpel klar gemacht haben, wie sehr sie immer noch aneinander denken. Die Entschuldigung von Jay war auch sehr wichtig, denn er hat Verantwortung übernommen. Dass sie sich also wieder annähern, das ist eine schöne Nachricht. Vielleicht bekommen wir im Off irgendwann nochmal ein Update zu ihnen, das wäre toll, aber für meine eigene Fantasie reicht es auch schon, sie in einem besseren Verhältnis zueinander zu wissen.

Fazit

Das Crossover 2026 ist schon wieder vorbei und auch wenn es für mich qualitativ immer etwas mehr abgeflacht ist, so waren es drei Stunden tolle Unterhaltung. Die persönliche Ebene wurde fantastisch bedient, dafür war die Auflösung nicht so spektakulär, wie ich stellenweise gedacht hätte. Es wird auch immer das Crossover bleiben, das Upstead zurückgebracht hat und das eine Wunde geflickt hat, die lange unbehandelt blieb. Damit ist klar, das nächste Crossover wird jetzt schon wieder von mir ersehnt.

Lena Donth – myFanbase

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