Review: #13.12 Missing
Bevor wir eine mehrwöchige Pause anstehen haben, die unmittelbar auf das nächste große OneChicago-Crossover hinführen wird, haben wir noch Alltag bei "Chicago P.D.", der sich einmal mehr der Figur Eva Imani annähert. Sind wir weitergekommen?
Wir haben offiziell die Hälfte der Staffel überschritten und da ist ein erstes Zwischenfazit der 13. Staffel durchaus erlaubt. Für mich gab es einige Auf und Abs. Zudem sorgen private Vorkommnisse für ein gewisses Ungleichgewicht bei den Storylines, weil Burzek aktuell völlig außen vor ist. Vielleicht bewahrheitet sich auf einer gewisse Ebene dann doch das vermeintliche Unglückspotenzial der Staffel 13, weil sie aufgrund unbeeinflussbarer Umstände nicht ihr volles Potenzial abrufen kann. Bleiben wir aber bei dem, was definitiv positiv heraussticht. Ich lerne gerne neue Figuren kennen und da bildet Eva keine Ausnahme. Es gefällt mir zwar nicht alles, was ich schon bekommen habe, aber das ist zunächst nur sekundär, denn ich horte lieber zuerst Infos, um ein umfassendes Bild zu gewinnen. Gleichzeitig denke ich aber auch noch viel an Kiana Cook, die in Staffel 12 genau die Figur war, mit der ich diesen Prozess auch schon durchlaufen habe. Es gab immer nur häppchenweise Infos und langsam beschlich mich das Gefühl, dass es vorbei sein wird, bevor es überhaupt angefangen hat. Überraschung: So ist es gekommen! Bei Eva und Arienne Mandi glaube ich es tatsächlich aktuell nicht. Da sie mit Benjamin Levy Aguilar befreundet war, bevor beide überhaupt ihren schauspielerischen Durchbruch hatten, wirkt das Ganze sehr familiär und Showrunnerin Gwen Sigan hat ihre Vorliebe für die Rolle wiederholt betont. Und trotzdem bleibt ein ähnlicher Eindruck. Das Tempo an neuen Infos ist zu schleppend.
Ich hasse nichts mehr, als wenn Charaktere rausgeschrieben werden mit der Begründung, sie seien auserzählt. Das ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit und auch der Spezies Mensch gegenüber unfair, da wir alle aus so vielen verschiedenen Seiten bestehen, dass wir uns jeden Tag neu erzählen. Bei Eva – und in Staffel 12 bei Kiana – entsteht aber der Eindruck, dass es ein Aspekt in ihrem jeweiligen Leben gibt, der sie ausmacht und da hält man sich dann so mit Infos zurück, dass man völlig aus den Augen verliert, dass solche Rollen so viele Geschichten zu erzählen haben. Es ist eine Ensemble-Serie und es kann nicht in jeder Episode zu allen hundert neue Infos geben, da mache ich mir nichts vor. Aber Evas Suche nach ihrer Schwester könnte auch einfach durch einen ganz anderen Baustein unterbrochen werden, damit da Frische, Raffinesse und Neugier vermittelt wird. Für mich hat diese Episode leider wieder nur marginal neuen Input zu Eva geschenkt. Wir wissen jetzt, dass beide Elternteile tot sind, sie hat eine neue Wohnung und ist da im Grunde nur mit sich selbst und keinen sonstigen Habseligkeiten eingezogen. Und sie bekommt gespiegelt, wie ihr Festhalten an der Suche nach ihrer Schwester nach außen wirken kann. Fertig.
Jetzt habe ich ja schon etwas gemeckert, aber das war rein auf der Basis einer Erwartungshaltung, die mich trotzdem nicht daran hindert, auch das zu sehen, was ich nicht erwartet habe und es zu bewerten. "Chicago P.D." hat in dreizehn Jahren schon einige pädophile Fälle abgearbeitet und es nie eine leichte Kost. Das sind immer die Episoden, die mir mit am meisten zusetzen. Hier war das Thema eher zweitrangig, denn in erster Linie ging es um die Parallele zu Eva, weil Jemma Kurtwright auch nach 18 Jahren die Hoffnung nicht aufgegeben hat, dass ihr Sohn Ben noch lebt. Ich habe mich unheimlich über Donna Lynne Champlin in dieser Rolle gefreut. Ich kenne sie aus "Crazy Ex-Girlfriend", wo sie zu einem wirklich übertrieben lustigen Cast gehörte. Zuletzt habe ich sie dann in "Ein neuer Sommer" erlebt, was schon vom Rollenprofil eine andere Richtung war, aber Jemma war nochmal eine ganz andere Hausnummer und sie hat sie großartig gespielt. Ich fand es auch vielsagend, dass Mandi im Podcast zur Serie meinte, dass Champlin nach jedem Take, tief in ihren Emotionen, sofort wieder einen Spaß auf den Lippen hatte. Ja, das kann ich mir wirklich bestens vorstellen und es ist sicherlich angesichts von solch schweren Themen eine Wohltat. Aber Jemma wird bewusst inszeniert, dass sie zwischen Wahnsinn und Klarheit schwankt. Es soll das Spiegelbild von Eva sein, um vergleichen zu können, an welchem Punkt sie denn ist.
Interessant fand ich diese Beleuchtung auch deswegen, weil in Vermisstenfällen auch gerne eine ganz andere Richtung eingeschlagen wird. Wir kennen es sicherlich alle, wenn ein Elternteil, ein Zwilling etc. davon spricht, dass er/sie spürt, das Kind/Geschwisterkind sei noch am Leben oder tot, weil man es spüren kann. Das wird wirklich oft genutzt. Hier ist es aber genau umgekehrt. Jemma klammert sich so verzweifelt an ihre Hoffnung für Ben, dass sie zunächst auf einen Betrüger reinfällt und dass sie später nicht begreifen will, dass die gesammelten Beweise der Intelligence Unit ergeben, dass Ben seit 18 Jahren tot ist. Es ist tragisch und sicherlich auch das, was Eva am meisten mitgenommen hat, dass sie vielleicht auch irgendwann Hinweise auf ihre Schwester finden wird, denen aber nicht glauben kann, weil ihr Leben quasi nur eine einzige Suche und Hoffnung war. Das ist wie Gier: Man kann noch so viel Geld ansparen, aber es wird einen nie erfüllen, weil es immer nur um das 'Mehr' geht.
In diesem Kontext war dann auch die Geschichte von Grady heftig, der erst nach Bens Verschwinden gezeugt wurde. Er war quasi der Ersatz und da er in so eine angespannte Lebenssituation geboren wurde, hatte er nie die Chance, sich selbst zu finden, weil er immer nur im Schatten von Ben stand. Es hat mir für ihn das Herz gebrochen, als er erkannt hat, dass seine Mutter nie Frieden finden wird. Am Ende haben wir Eva dann in einem ähnlichen Zwiespalt. Mir war nicht ganz klar, ob sie die Tabs auf ihrem Laptop geschlossen hat, oder ob sie weitersuchen wollte, wie sie es immer tut. Aber spätestens die Stimme, die sie gehört hat (ob nun von Nachbarn oder nur in ihrem Kopf bleibt offen), hat gezeigt, dass Eva den Fall nicht loslassen wird, denn sie ist mit dem Gefühl, noch einmal ihre Schwester zu sehen, auch zu vertraut. Die hier dargestellten Schicksale haben mich wirklich berührt, auch weil sie toll gespielt wurden. Ansonsten war die Episode inhaltlich nicht spektakulär. Die Figur Eddie, die mit Pädophilie verbunden war, die war nur kurz involviert und ansonsten ging es vor allem um die Kurtwrights und der Teil hat für mich gut funktioniert.
Fazit
Es ist eine Episode, die einerseits etwas ganz toll richtig gemacht hat, aber es ist auch eine, die ich mir unterm Strich dennoch anders gewünscht hätte. Eva Imani braucht keine Zeit zum Reifen, sie braucht Ausrufezeichen und das fehlt mir. Aber für die zweite Staffelhälfte werden wir sicherlich noch einiges erwarten dürfen.
Lena Donth – myFanbase
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Informationen zur Episode
Englischer Titel: MissingErstausstrahlung (US): 04.02.2026
Erstausstrahlung (DE): kein Termin
Regie: Chad Saxton
Drehbuch: Gwen Sigan
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