Bewertung: 6

Review: #7.01 Doubt

"Chicago P.D." hat sich mit der perfekten Episode in die Pause verabschiedet, da an Emotionalität und Überraschungen alles in eine Folge gepackt wurde, was möglich war. Mit Adam Ruzeks Inhaftierung, Antonio Dawsons Drogenrückfall und der Ermordung von Brian Kelton hat man so viele Handlungen angestoßen, die die Wartezeit bis zur Premiere von Staffel 7 unerträglich erschienen ließen. Nun ist die Cop-Serie aus dem Chicago-Verse zurück auf den Bildschirmen, aber auch so stark wie zuvor?

Die Geschehnisse knüpfen nahtlos an das Staffelfinale an und so sind wir ruckzuck in den Ermittlungen rund um Keltons Tod drin. Ich war aber sehr überrascht, dass man uns in derselben Episode auch schon den Täter präsentiert, da ich mir ausgemalt habe, dass man aus dem Mysterium, ob einer aus der Intelligence Unit der Täter gewesen sein könnte, durchaus länger etwas hätte aufbauen können. Dass es nun letztlich Deputy Superintendent Katherine Brennan war, ist zwar logisch, ist mir in der Gesamtsicht aber zu einfach, zumal sie am Anfang der Episode auch noch kurz mit Hank Voight redet, so dass regelrecht mit dem Finger auf sie gezeigt wird. Mir hat aber wiederum gut gefallen, wie ihre Geschichte und der erhärtete Verdacht gegen Hank für einen Konflikt mit Jay Halstead sorgen.

In der Unit waren die Positionen stets verteilt: während Adam und Hailey Upton eher treu ergeben sind, war es vor allem Antonio, der sich stets gegen Hanks raue Methoden gestellt hat. Die übrigen Mitglieder der Unit sind da eher wie Fähnchen im Wind, bei denen es meist auf die Umstände ankommt, wie sehr sie ihr moralisches Gewissen belastet. Von daher ist es doch überraschend, wie konsequent sich Jay gedanklich gegen Hank stellt. Nach außen hin hält er bedingungslos zu seinem Sergeant, auch gegenüber dem Leiter der Mordermittlung, aber intern bleibt er vorsichtig und wägt alles, was er sieht, mehrfach ab. Etwas schade ist es, dass nicht näher ergründet wird, wie Jay gehandelt hätte, wenn wirklich Hank Kelton ermordet hätte. Schließlich war er es, der sich im Staffelfinale die größten Sorgen gemacht hat, was wohl mit ihm außerhalb der Unit werden soll. Mit Keltons Tod ist das Problem aus der Welt. Hätte er also wirklich Hank den Haien zum Fraß vorgeworfen, wohlwissend, dass er damit seinen geliebten Arbeitsplatz gefährdet hätte?

Die Antwort wird leider nicht ergründet, aber mir drängt sich doch deutlich auf, dass Jay mit Antonios Weggang (hierzu gleich mehr) der neue Moralapostel der Unit werden soll. Ich habe die emotionalen Gespräche zwischen Jay und Hank sehr genossen, weil von beiden Seiten aus der Respekt sehr klar deutlich wurde. Die beiden hatten nie eine einfache Geschichte miteinander, aber Jay ist ohne Frage nun seine neue Vertrauensperson Nummer Eins. Daher ist Hank umso enttäuschter, als Jay Brennan die Wahlmöglichkeit nimmt, Selbstmord zu begehen. Schon aus mehreren Situationen wissen wir, dass Hank in Bezug auf die Ehre eines Polizisten sehr klar denkt, weswegen ich schon oftmals das Serienende vor Augen habe, wie er sich das Leben nimmt, weil er all seiner Vergehen überführt worden ist und mal nicht seinen Kopf kurz vorher aus der Schlinge ziehen kann. Jay denkt aber konträr und so geraten sie am Ende der Episode in einen heftigen Streit. Hier fand ich Hanks Androhungen etwas heftig. Er hat schon ganz ähnliche Diskussionen mit Antonio geführt, aber man hatte immer auch das Gefühl, dass er dessen Moralkodex auch bewundert, weil es ihn auch selbst herausfordert. Nun so mit Jay umzugehen, obwohl er ihm das erste Mal überhaupt so in die Quere kommt, schießt etwas übers Ziel hinaus. Da bin ich gespannt, wie sich ihr Verhältnis in den folgenden Episoden darstellen wird.

Die Verabschiedung von Antonio ist aber klar unter der Kategorie unwürdig abzuhaken. Seit der Ankündigung vom Jon Sedas Ausstieg geht mir durch den Kopf, dass damit nun die Dawsons im Chicagoverse der Vergangenheit angehören. Die Dawsons waren es aber mal, die die Möglichkeit eines Spin-Offs überhaupt erst angestoßen haben, denn Gabriela Dawsons Beziehung zu ihrem Bruder hat die beiden Serien verbunden, bis durch weitere Charaktere erst weitere Verbindungen entstanden. Diesen Ankerpunkt nun gänzlich verloren zu haben, macht mich schon sehr nostalgisch und vor diesem Hintergrund ist es schon beschämend, wie sang- und klanglos Antonio aus der Serie herausgeschrieben wird. Antonios Rückfall lag zwar auf der Hand und ich finde es toll, dass Hank nicht gezögert hat, ihm zu helfen und ihn erneut zu decken, aber ich hätte Seda gerne noch gesehen. Ich hätte gerne echte Emotionen erlebt, denn so ist er einfach weg und wir müssen damit leben. Schauen wir nur zur Schwesternserie "Chicago Med", da sehen wir, wie es anhand von Dr. Connor Rhodes alias Colin Donnell besser laufen kann. Zwar sind noch alle Türen für eine Rückkehr Sedas offen, aber es klang ja nun wirklich nicht so, als ob er so bald wieder zurückkehren wird.

Adam wird auf Kaution freigelassen und ist bis zu seinem Prozess aus dem Dienst entlassen. Bei ihm wird nun wirklich sehr spannend werden, welche Rolle er in den weiteren Episoden einnehmen wird, da der Fall der Woche doch immer relativ viel Zeit einnimmt, so dass nicht viel Spielraum für anderes besteht. In dieser Episode hat man ihn nun sinnvoll integriert. Einmal durch sein nettes Gespräch mit Kevin Atwater, was ich überfällig fand, da die beiden nun mal beste Freunde sind und zum anderen durch seine Suche nach Antonio. So wird deutlich, dass er immer noch Teil der Unit ist.

Einen Neuling in der Serie haben wir mit Jason Crawford, gespielt von Paul Adelstein, nun schon kennengelernt. Das aber so kurz, dass es noch sehr schwer ist, seinen Charakter einzuschätzen. Er wirkte noch etwas gehetzt, was absolut verständlich ist, wenn man frisch ernannter Superintendent ist und sofort den Mord des Vorgängers auf dem Schreibtisch liegen hat. So ist aber noch nicht abzuschätzen, ob er der nächste Gegenspieler von Hank wird oder ob sich ganz neue Allianzen ergeben.

Fazit

"Chicago P.D." macht es sich mit dem Mysterium um Keltons Tod etwas leicht und bringt auch noch die naheliegende Täterin. Dafür war das Testen der Allianzen innerhalb der Unit sehr interessant mitanzusehen, zumal Jay offensichtlich eine neue Rolle erhält. Antonios Abschied ist für eine Figur der nahezu ersten Stunde sehr würdelos, aber so sind bis auf Adams Schicksal alle losen Fäden geklärt, so dass nun spannend wird, was die neue Staffel der Cop-Serie uns bescheren wird.

Lena Donth – myFanbase

Diese Episode ansehen:


Vorherige ReviewÜbersichtNächste Review

Diskussion zu dieser Episode

Du kannst hier mit anderen Fans von "Chicago P.D." über die Folge #7.01 Doubt diskutieren.