Bewertung: 5

Review: #5.01 Reformen

Foto: Patrick Flueger & Marina Squerciati, Chicago P.D. - Copyright: 2018 Universal Pictures; Matt Dinerstein/NBC
Patrick Flueger & Marina Squerciati, Chicago P.D.
© 2018 Universal Pictures; Matt Dinerstein/NBC

In der fünften Staffel stehen allerhand Veränderungen in der Intelligence Unit an: Sophia Bush und mit ihr Erin Lindsay haben sich aus der Cop-Serie verabschiedet. Dafür ist nun Tracy Spiridakos als festes Mitglied etabliert, Marina Squerciati ist aus der Babypause zurück und Jon Seda kehrt wieder zum ersten Spin-Off des Chicago-Universums zurück, nachdem "Chicago Justice" nach nur einer Staffel abgesetzt wurde. Aber auch außerhalb der Darstellerriege hat sich etwas getan, denn mit Matt Olmstead hat einer der Showrunner der Serie den Rücken gekehrt. Da kann man schon fast von einem Neuanfang für "Chicago PD" sprechen, aber wie gelingt dieser mit der Auftaktepisode?

Zunächst war ich erfreut, dass Erins Abschied direkt an den Anfang der Episode gestellt wurde. Dass Hank Voight sogar eine Psychologin aufsucht, ist geradezu als Wunder zu bezeichnen. Auch Jay Halsteads Betreten der leeren Wohnung war berührend und drückte genau das aus, was vermutlich viele der Zuschauer empfunden haben: Mit Erins Weggang aus Chicago fehlt echt was. Zwar haben sich die Serienautoren in den letzten Staffeln mit der Erin-Figur viel im Kreis gedreht, aber doch bildete sie von Anfang an das Gerüst und auch Sophia Bushs Präsenz kann man als einzigartig bezeichnen. Doch mit der Jay-Szene war das Thema bis auf ein kurzes Gespräch zwischen ihm und Hank gegessen. Nicht ein Kollege fragte oder kommentierte etwas zu ihrem Weggang. Zudem ist es sehr befremdlich, dass noch nicht mal ein richtiger Abschied mit Jay geboten wurde. Die beiden waren schließlich von Staffel 1 an das Paar der Serie und dieses abrupte Ende ist nun mehr als unrühmlich. An dieser Stelle kann ich auch nicht verstehen, dass Sophia Bush sich nicht für ein anderes Ende eingesetzt hat, da die Figur der Erin ihr sicherlich nicht egal war. Oder kommt da noch was?

Aber auch ansonsten werden die restlichen Veränderungen recht plump eingearbeitet oder gar nicht erwähnt. Hailey Uptons Beförderung in die Unit war ja mit Abschluss der vierten Staffel schon klar, aber dass Kim Burgess eigentlich die Unit verlassen hat, um für ihre Schwester nach deren Vergewaltigung da zu sein, wurde komplett ausgeblendet. Plötzlich war Kim wieder da und nicht ein Wort wurde über ihre Auszeit verloren. Antonios Rückkehr zur Unit wurde ebenso rasch erzählt. Angeblich nicht glücklich als Chefermittler des Staatsanwaltsbüros und schon ist er wieder zurück. Natürlich bin ich froh, dass Antonio wieder Teil des Teams ist, aber eigentlich hatte sich sein Verhältnis zu Peter Stone über den Verlauf von "Chicago Justice" hinweg immer mehr gebessert, so dass die Jobunzufriedenheit nun mehr oder weniger aus dem Nichts kam. An dieser Stelle wäre eine andere Lösung besser gewesen.

Was dagegen in der Auftaktepisode hervorragend gelingt, ist die Tatsache, dass an die Spannungen zwischen Polizei und Bevölkerung, die bereits die vierte Staffel in großen Teilen bestimmt haben, nahtlos angeknüpft wird. Mit dem Aufdecken eines Waffendeals, der zivile Opfer fordert, wurde ein brandaktuelles Thema eingearbeitet, das starke Parallelen zu den Auseinandersetzungen zwischen Schwarzen und der Polizei in den USA aufweist. Dass Jay als Bauernopfer auserkoren wurde, war so gesehen ein genialer Schachzug, weil persönliche Involvierung der Mitglieder der Intelligence Unit die Fälle immer spannender gestaltet. Jay hatte zwar mit Erins Weggang eigentlich schon genug Erzählstoff, aber seine Involvierung, die den Tod eines Mädchens zur Folge hatte und die Anprangerung als Rassist, zeigen, welch große Entwicklung er über bisher vier Staffeln durchgemacht hat. Zunächst als sehr temperamentvoll, ungezügelt und zum Teil auch ungehobelt eingeführt, ist er inzwischen zu einem resoluten Ermittler geworden, der zwischen Richtig und Falsch unterscheidet und das Herz auf dem rechten Fleck hat. Zudem findet sich Jesse Lee Soffer auch immer mehr in die Rolle des weicheren Jays ein, so dass ich ihm die Trauer um die tote Morgan und seine Schuldgefühle gegenüber der Mutter absolut abgekauft habe.

Ein zweiter Handlungsaspekt, der mich auf eine gute Staffel hoffen lässt, ist die Skepsis gegenüber der Unit, die Hanks Ruf und aktuell auch Erins Vorgehen in Verhörräumen haben entstehen lassen. Dass nun ausgerechnet Danny Woods, der ehemalige Freund von Hank, den dieser eigentlich wegen Korruption überführt hatte, die Unit überwachen soll, ist ein cleverer Schachzug. Warum die Ermittlungen gegen ihn fallen gelassen wurden, muss zwar noch genauer erklärt werden, aber dieser Kleinkrieg zwischen Hank und Woods gefällt mir bisher sehr gut. So hat Hank direkt wieder eine richtige Motivation und wie er prompt seine eigenen Techniken und Kontakte nutzt, zeigt, dass Hank immer noch in Höchstform ist. Die Szene, wo er am liebsten in alter Manier den Verdächtigen angegangen wäre, sich aber zurückhält, weil auf Woods Anweisung hin, Kameras installiert wurden, war einfach nur göttlich!

Hailey Upton gefällt mir als neue toughere Lady gegenüber der weicheren Kim bisher gut. Logischerweise übernimmt sie mit Jay auch Erins alten Partner, aber hoffentlich übernimmt sie ihn nicht als Bettgefährten gleich mit. Die beiden haben zwar eine tolle Szene zusammen, in der Hailey Jay einen wichtigen Rat gibt, aber das wäre mir aktuell zu überstürzt. Also liebe Autoren, Finger davon! Die zweite Liebesgeschichte, die aber eigentlich eine vergangene ist, wird durch Adam und Kim bedient. Adam will einfach nicht lockerlassen, doch Kim scheint sich neu orientiert zu haben. Für mich waren die beiden tatsächlich das beständigere Pärchen, aber die Autoren haben es erfolgreich geplättet und auch die Figur des Adams blieb in der letzten Staffel so blass, dass er dringend mal wieder eine Entwicklung durchmachen muss. Daher ist es vielleicht gut, dass die Paarung Adam-Kim (erstmal) auf Eis gelegt wird.

Fazit

Durch die vielen Änderungen im Cast und Showrunner-Team hat "Chicago PD" die Chance neu zu beginnen, doch die Änderungen werden recht plump oder ohne Erklärung und damit nicht zufriedenstellend umgesetzt. Dafür werden sehr gute Handlungsansätze geboten, indem Hank und die Unit sich einem Auditor stellen müssen, den ausgerechnet Hanks neuster Erzfeind Woods besetzt. Zudem wird die aktuelle angespannte Lage zwischen Polizei und schwarzer Bevölkerung aufgegriffen. Aktualität, und diese auch noch authentisch und berührend umgesetzt, schadet ohnehin nie. Wenn sich nun auch noch die Charakterentwicklungen ebenso positiv aufzeigen, dann kann das mit dem Neuanfang bei "Chicago PD" vielleicht doch noch etwas werden!

Lena Donth - myFanbase

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