Bewertung: 7

Review: #1.01 Sheldon, Newton und Euklid

Foto: Iain Armitage, Young Sheldon - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Iain Armitage, Young Sheldon
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Was macht man, wenn eine Serie richtig gut läuft und man weiteren Profit daraus ziehen möchte? Richtig. Man produziert eine weitere Serie im Umfeld, also bespielsweise ein Spin-Off. Bei "The Big Bang Theory" hat man sich, auch da es noch läuft, dafür entschieden, den beliebtesten Charakter der Serie Sheldon Cooper einfach noch mal in seiner Jugend zu begleiten, die, wie wir aus der Mutterserie wissen, durchaus facettenreich und erzählwürdig ist. Ob das aber als Konzept wirklich funktioniert?

Ich muss zugegeben, dass ich durchaus meine Bedenken habe, wie man es schaffen will, einen Charakter ins Zentrum zu setzen, der manchmal mehr, manchmal weniger bereits zehn Staffeln lang entwickelt wurde. Es gab schon viele Andeutungen, dass Sheldons Kindheit viel zu bieten hatte, doch eigentlich steht mit dem jungen Sheldon nun ein Charakter im Zentrum, der in seiner Art zwar sehr witzig und kurzweilig ist, sich aber eigentlich kaum entwickeln darf, damit er das "Staffel 1"-Ich aus "The Big Bang Theory" nicht überholt. Die Pilotfolge der Staffel hat da noch nicht so viel Aufschluss geben können, aber schon Sheldons Entscheidung, die Hand seines Vaters ohne Handschuhe zu nehmen, ist eine Entwicklung, die inkonsistent zu Sheldons Version etwa 15 Jahre später sein könnte.

Lässt man diese Problematik aber mal außen vor, muss ich zugeben, dass mich der Pilot durchaus überzeugt hat. Er war kurzweilig und lustig, wenn auch nicht so überraschend, aber Sheldon funktioniert mit seiner Art auch als Kind. Jim Parsons' Stimme aus dem Off war natürlich auch günstig für den Wohlfühlfaktor. Besonders überzeugend fand ich aber die Leistungen von Zoe Perry als Mary Cooper und Iain Armitage als junger Sheldon. Armitage hat diese notwendige Trockenheit, um Sheldons Wissen, Korrektheit und Überzeugung zum Ausdruck zu bringen.

Perry nimmt man die Warmherzigkeit und Sorge um Sheldon auch jederzeit ab. Auch die Chemie zwischen beiden stimmt und das kann die ersten Folgen sicherlich dazu führen, dass man immer wieder gerne einschaltet. So hat dann auch der Rest der Familie, der erst mal vor allem nörgelnde Funktion hatte, die Möglichkeit, sich in die Herzen der Zuschauer zu spielen. Lance Barber als Vater durfte schon mal einen emotionalen Moment haben, hat mich damit aber nicht so begeistern können. Ich bin aber bereit, dem noch eine Weile Zeit zu geben.

Ich hoffe auch sehr, dass die Schule ein zentraler Spielort sein wird, weil man dort viele Möglichkeiten haben wird. Ansonsten gibt der Pilot noch nicht viel Aufschluss darüber, wohin die Serie inhaltlich will. Geht es eher um Jugendliche, die ihren Platz in der Welt suchen, geht es um Eheprobleme oder um Erziehung mit ganz unterschiedlichen Kindern, spielen Autismus oder verwandte Ausprägungen von Persönlichkeiten eine zentrale Rolle oder geht es einfach nur um ein paar Sprüche und witzige Momente? Letztlich ist auch alles möglich und der "The Big Bang Theory"-Fan freut sich auf Anspielungen. Man kann die Serie aber auch ohne Vorwissen angehen.

Fazit

Der Serienauftakt von "Young Sheldon" ist solide und kann dafür sorgen, dass man auch in den nächsten Episoden einschalten wird. Armitage und Perry können in ihren Rollen voll überzeugen, der Humor ist passend, aber da man auf eingespielte Lacher verzichtet, nimmt man auch die emotionalen Momente stärker wahr als in der Mutterserie. Das kann tatsächlich etwas werden.

Emil Groth - myFanbase


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