Bewertung: 6

Review: #1.05 Laissez-faire

Diese Woche beginnt die Episode wiedermal mit ganz tollen Ansichten von New York und insbesondere der Grand Central Station. Der alte Bahnhof im Herzen Manhattans ist zum einen das ideale Abbild für das Schnelllebige und Hektische, zum anderen für das Zeitlose. New York ist halt eine kleine Welt für sich, in der es unglaublich viel zu entdecken gibt, und diese Widersprüche machen die Stadt aus.

Anders als sonst geht es diesmal direkt mit dem Fall "Kate" los. Neal verlässt sich wie immer auf seinen Instinkt und liegt damit genau richtig. Er findet einen Brief, in dem Kate ihn bittet, aufzuhören nach ihr zu suchen. Dass dieser aber mit Sicherheit nicht das bedeutet, was drinsteht, ist bei allen bisherigen Rätseln und Versteckspielen eigentlich offensichtlich. Neal lässt das Ganze wie erwartet nicht so leicht los. Er grübelt tagelang darüber nach, was Kate ihm mit diesem abweisenden Brief wohl sagen wollte, und findet schon bald die Lösung. Manchmal kommt es mir vor, als hätte ich all diese Tricks, die sie zur Verschlüsselung verwendet hat, bereits in der Micky Maus gelesen. Er sagt ja auch selbst: "Kate loves the classics."

Als Peter ihm den neuen Fall der Woche präsentiert, schafft Neal es, sich ein bisschen abzulenken. Dass die beiden sich inzwischen fast lieber auf seiner Dachterasse als im Büro treffen, liegt wahrscheinlich an der tollen Kulisse und der grandiosen Aussicht.

Da es sich bei dem gestohlenen Gegenstand, den die beiden wieder auftreiben sollen, um ein Gemälde handelt, ist Peter etwas besorgt, dass Neal in Versuchung geraten könnte, sich das Bild selbst anzueignen. Schön, dass man diese Vertrauenskonflikte immer noch in die Handlung einbaut, denn alles andere wäre unrealistisch. Obwohl die Beziehung der beiden zueinander so langsam besser wird, wird Peter Neal wahrscheinlich nie so ganz vertrauen können, schon gar nicht nach so relativ kurzer Zeit. Ebenso verständlich ist es, dass Peter sich darüber informiert, wo Neal am Wochenende hingegangen ist. Es wundert mich etwas, dass Neal das überrascht. Vielleicht hatte er den Eindruck, dass die beiden schon einen Schritt weiter seien. Da er über sich aber nicht sonderlich viel preisgibt und nur wenige Informationen über sein Privatleben mit Peter teilt, finde ich es aus Sicht eines Polizisten absolut verständlich, Neal nicht zu vertrauen. Es muss sich ja nicht jeder von seinem Charme blenden lassen, auch wenn ich selbst das wohl täte. Sehr witzig, dass Peter Neal später direkt auf seinen Einfluss auf Frauen anspricht. Da fühlte ich mich irgendwie ertappt.

Um aber nochmal auf das Vertrauensproblem zurück zu kommen: Als am Ende alles so scheint, als hätte Neal Peter tatsächlich hintergangen, wird die Beziehung zwischen beiden wieder komplizierter. Elizabeth macht Peter zwar Mut, dass Neal immerhin ehrlich war und alles gestanden hat, dennoch wird es wohl immer wieder zu Spannungen kommen. Die beiden sind halt doch zu verschieden.

Die Geschichte der bestohlenen Julianna Laszlo fand ich von Beginn an seltsam. Zum einen lässt die junge Frau erst ein paar lockere Sprüche vom Stapel, wirkt dann aber total verschüchtert, als es um die Versicherung geht und wie sie von dem Einbrecher bedroht wurde. Ihre flapsigen Sprüche vom Anfang wirken umso unnatürlicher als herauskommt, welche Bedeutung das Gemälde für die junge Frau hat. Als dann noch ihr Onkel Gary dazu kommt, ist sein Verhalten ebenfalls nicht besonders glaubwürdig. Er schaut immer wieder zum Boden und weicht ganz schnell aus, als er zur Tatzeit befragt wird. Viel zu offensichtlich wird hier gezeigt, dass etwas im Busch ist. Dass die beiden Ermittler dann auch gleich drauf anspringen ist verständlich.

Ich finde diese Momente sehr schön, in denen Neal und Peter auf der gleichen Wellenlänge sind. Was die Fälle und die Spuren angeht, die die beiden finden, ist das mir jedoch nach wie vor alles viel zu oberflächlich und durchsichtig. Es war für mich also keine große Überraschung, dass Julianna gelogen hat. Die Geschichte hinter ihrer Lüge fand ich dagegen aber schon wieder ganz gut. So konnte man mal sehen, was Neal alles so drauf hat. Dass er als Kunsträuber und Betrüger so einiges drauf hat, ist zwar klar, aber wurde nie so richtig gezeigt. Er hat viele Kontakte und hat eine ordentliche Portion Charme, die Fälschung des Gemäldes zeigt aber mal eine andere Seite seines Könnens.

In den vergangenen Episoden hat Neal noch mehr oder weniger hinter Peters Rücken ein paar Fäden gezogen, um der Lösung des Falls näher zu kommen. Dieses Mal fragt er ihn mehrfach gerade heraus, was dagegen sprechen würde, wenn er auf seine unkonventionelle Art und Weise ein paar Beweise besorgt. Peter fühlt sich damit selbstverständlich nicht immer wohl, aber ein paar lustige Situationen kommen dabei schon zustande. Manchmal wird's Neal aber auch einfach zu leicht gemacht. Er erhält immer wieder neue Informationen, die ihn direkt auf die Lösung stoßen. Jetzt müssen Peter und Neal nur noch herausfinden, wie genau der Diebstahl durchgeführt wurde. Für mich alles zu einfach gestrickt. Ich kann nicht glauben, dass Neal es jedes Mal schafft, innerhalb weniger Stunden einen Fall zu lösen, wenn das FBI dazu alleine Ewigkeiten bräuchte. Klar hat er einige Kenntnisse davon, wie man als Betrüger tickt und wie man jemanden austricksen kann, aber so leicht muss man es ihm doch auch nicht machen. Das führt in meinen Augen zumindest dazu, dass die Zuschauer das Ermittlergespann irgendwann nicht mehr Ernst nehmen. Die Serie ist zwar anders konzipiert, aber andere Serien schaffen es doch auch einen "Fall der Woche" spannender zu konzipieren.

Fazit

Es ist immer wieder schön, wie die Show sich selbst auf die Schippe nimmt. Leider führt das an manchen Stellen aber auch dazu, dass man sie nicht immer ernst nehmen kann. Hoffentlich schaffen es die Serienmacher, weiterhin lustig und charmant zu bleiben, dabei aber auch etwas kompliziertere Fälle anzubieten. Das würde ich mir zumindest wünschen. Die Hoffnung habe ich auf jeden Fall für die letzten Folgen der Staffel, wenn es im Fall "Kate" hoffentlich etwas schneller voran geht.

Catherine Bühnsack - myFanbase

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