Bewertung: 5

Review: #2.15 Ich kann es sehen

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Um es gleich vorweg zu nehmen: ich hatte so meine Probleme mit der Episode und nach dem Schauen weiß ich eigentlich auch gar nicht so genau, was ich dazu überhaupt schreiben soll und erst recht nicht, wie die Bewertung ausfallen wird.

Am besten versuche ich mich einmal an einer Erklärung, warum mich die Folge nicht wirklich begeistern konnte, der Rest kommt dann womöglich ganz von selbst. Ein großer Kritikpunkt ist zunächst einmal das Timing. Wieder einmal haben wir eine Episode mit Handlungssträngen, die zwar serientypisch auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen, die jedoch durchweg in der Vergangenheit liegen. Das ist wie gesagt nichts grundlegend Neues, nach dem überraschenden Ende der vorherigen Folge, die die Rückkehr von Déjà in Randalls Familie ankündigte, hätte ich aber gerade nun diese auch wirklich gerne zu sehen bekommen. Stattdessen bleibt die Gegenwartshandlung aber komplett auf der Strecke und mit den olympischen Winterspielen steht bei NBC nun eine dreiwöchige Pause auf dem Sendeplan, die eben jene von mir erwarteten Szenen noch weiter hinauszögern werden. Das ist einfach ganz schlechtes Timing, diesen Cliffhanger nicht erst diese Woche gesetzt zu haben, sondern ihn ohne Erwähnung quasi ins Leere laufen zu lassen. Immerhin kann man der Folge aber nicht fehlende Kontinuität in Sachen folgenübergreifendes Storytelling vorwerfen. Aufgrund der komplett in der Vergangenheit liegenden Handlung könnte man zunächst auch an eine Standalone Episode denken, eigentlich sind es aber sogar zwei Ebenen, auf denen fortlaufende Geschichten eine Rolle spielen. Während wir in #2.13 That'll Be the Day den mit Jacks Tod in Zusammenhang stehenden Hausbrand miterleben mussten, bot #2.14 Super Bowl Sunday die Gewissheit und weitere Informationen zu dessen Tod gepaart mit dem Pearson Ritual des Superbowl Sunday, dem Schicksalstag, auf allen Zeitebenen. Nun steht also Jacks Beerdigung im Zentrum und schließt damit den Erzählstrang um seinen Tod ab. Gleichzeitig findet in verschiedenen Geschichten der noch weiter zurückliegenden Vergangenheit eine Verknüpfung mit bereits zuvor bekannten Ereignissen, Orten und Menschen statt, die noch einmal ein Bild des Charakters Jack Pearson zeichnen, wie wir ihn kennen- und lieben gelernt haben. Ja, da waren auch schöne Momente dabei, auf die ich gleich noch eingehen will, dennoch wollte der Funke bei mir nicht so recht überspringen. Ich kann gar nicht so genau beschreiben, woran das gelegen hat. Vielleicht weil mir die Auflösung um Jacks Tod nach der langen Herauszögerung gar nicht mehr so wichtig war oder zumindest nicht so sehr, als dass man diesen drei Folgen hintereinander derart intensiv aufarbeiten musste. Eine Folge zum Durchatmen, mit etwas mehr Leichtigkeit (auch wenn es durchaus leichte Szenen in dieser Episode gab), hätte mir persönlich wohl ganz gutgetan. Von daher besteht nach der Olympia-Pause zumindest leise Hoffnung, dass nun andere Dinge wieder in den Fokus rücken und mit lediglich noch drei ausstehenden Folgen bis zum Staffelende auch schon erste Grundsteine für die erst im Herbst beginnende dritte Staffel gelegt werden können.

Alle Geschichten der Folge miteinander verbindet aber der Autokauf der Familie Pearson. Während lange im Unklaren bleibt, was Jack dem Verkäufer gesagt hat, vermutete man doch noch irgendeinen Dreh, wie Jack es möglicherweise geschafft hat, einen guten Preis zu verhandeln. Am Ende offenbart sich aber einmal mehr Jacks Selbstlosigkeit und seine Aufopferung für die Familie, die für ihn immer an erster Stelle steht. Das Auto steht für ihn also als Sinnbild für Sicherheit und Stabilität der Familie. Das kann man so sehen, aber ich weiß nicht, ob dieses Gleichnis wirklich noch einmal nötig war. Das war mir doch fast schon etwas zu plump. Wir haben Jack seit Anbeginn der Serie in dieser Rolle gesehen, daran ändert doch auch sein nun thematisierter Tod nichts mehr.

Dagegen freuten und begeisterten mich zwei Dinge. Die Hintergrundgeschichte zum "Familienbaum", unter dem auch ein Teil von Jacks Asche verstreut wurde, war schön erzählt und komplettiert damit alle bisher bekannten Szenen dazu. Dabei ist es weniger die Ungewissheit über Rebeccas Gesundheitszustand (wurde das eigentlich zuvor schon einmal thematisiert?), die mich berührte, sondern vielmehr Jacks Begründung, warum er gerade diesen Baum gewählt hat. Das passte auch gut zu der Szene mit Kevin neulich, als er sich bei der Suche nach dem richtigen Baum, um sich mit seinem Vater "auzusprechen", nicht mehr sicher war, ob es überhaupt der richtige Baum war. Das eigentliche Highlight war für mich aber das Aufeinandertreffen von Rebecca und Dr. Nathan Katowsky. Auch wenn es bisher nur wenige Auftritte dieser Nebenfigur gab, so habe ich ihn doch von Beginn an in mein Herz geschlossen. Er symbolisiert für das Ehepaar Pearson eine Vaterfigur, einen Fels in der Brandung, einen Ruhepol in ihrem durch die Drillinge so turbulenten Leben, dass sie so häufig überforderte, aber dank seines Rates auch wieder erdete. Wir haben schon früher gesehen, dass Jack nach der Geburt Rat bei ihm suchte und sich in seinem Arztzimmer auch eine Verschnaufpause gönnte. Es war jedoch noch einmal schöner aus dem Mund von Katowsky zu hören, dass Jack in wohl häufiger aufsuchte als gedacht, um sich Rat bei ihm zu holen, weil er nicht weiterwusste. Das gibt Jack noch einmal eine zusätzlich liebenswerte Note, weil er damit nicht nur als perfekter Übervater und Ehemann dasteht, sondern ihm auch eine unsichere und tatsächlich menschliche, nahbare Note verliehen wird. Katowskys Worte haben damit auch Rebecca neue Kraft verliehen, die nun bevorstehende schwierige Zeit als alleinerziehende Mutter dreier Kinder in Erinnerung an ihren geliebten Mann zu überstehen.

Für mich nur unter die Kategorie "nice to have" fielen dagegen der Bruderzwist von Randall und Kevin im Rahmen von Randalls ersten Fahrversuchen und dem mir etwas zu plakativen Vergleich von Jack mit ihm und seinem Bruder Nicki. Auch Kate und die Musik wird mir inzwischen etwas zu häufig in den Rückblenden thematisiert. Wir haben doch wirklich schon häufig genug erlebt, dass ihre Leidenschaft von Jack bewundert und unterstützt wird. Immerhin entstand dabei noch die Verbindung von Bruce Springsteen und der "Gegenwart" in der Vergangenheitshandlung, indem die Familie Pearson im Anschluss an die Trauerfeier und dem Verstreuen der Asche gemeinsam das Springsteen-Konzert besuchen wird, um damit Jack noch einmal zu ehren.

Fazit

Auch wenn ich nun mehr zu der Folge schreiben konnte als gedacht, bot diese zwar die erwähnten schönen Verknüpfungen zu Fragmenten aus Geschichten der Vergangenheit, ohne dabei jedoch wirklich große Highlights bzw. Neuerungen zu erzählen. Vieles fühlt sich wiederholend an. Dass Jack nun einmal ein herzensguter, treusorgender Vater und Ehemann war, wissen wir doch schon längst. So bleibt die Hoffnung, dass man sich nun im Kern wieder mehr auf die Gegenwart konzentriert und dort die Handlung weiter voranbringt.

Jan H. – myFanbase


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