Bewertung

Review: #4.03 Quarantäne

Foto: Norman Reedus, Andrew Lincoln & Chad Coleman, The Walking Dead - Copyright: Gene Page/AMC
Norman Reedus, Andrew Lincoln & Chad Coleman, The Walking Dead
© Gene Page/AMC

Die Grippewelle hat das Gefängnis weiterhin fest in der Hand und fordert ein Opfer nach dem Anderen. Immer mehr namen- und gesichtslose Charaktere erkranken und müssen in ein provisorisch eingerichtetes Quarantäne-Lazarett gesteckt werden, wo sie auf ihren qualvollen Tod warten und schließlich im Vorhof des Gefängnisses schließlich begraben werden. Dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es auch einen unserer Hauptcharaktere trifft, war eigentlich klar und so wundert es nicht, dass irgendwann Glenn schließlich auch im abgeriegelten Zellblock landet, wo er nun darauf hofft, dass die Seuche ihn nicht dahin rafft.

"You step outside, you risk your life. You take a drink of water, you risk your life. And nowadays you breathe and you risk your life."

Glenn bringt die ganze Situation während der Episode eigentlich ganz gut auf den Punkt: Die kleine Gruppe der Überlebenden aus Atlanta hat so viel durchgemacht, hat zahlreiche Überfälle durch Beißer, sowie einen durchgeknallten Gouverneur überlebt, nur um am Ende an einem kleinen Virus oder Bakterium zu Grunde zu gehen. Das könnte jemand als zynisch bezeichnen. Manch ein Zuschauer könnte sich auch daran stören, dass die Seuche ganz plötzlich ausgebrochen ist und nun innerhalb kürzester Zeit den Cast unglaublich dezimiert.

Wir wissen bislang allerdings nicht, wieviel Zeit zwischen den Ereignissen im Finale der dritten Staffel und dem Auftakt von Staffel vier wirklich vergangen ist. Es ist gut möglich, dass die Seuche von einem der Bewohner Woodburys eingeschleppt wurde. Genauso gut ist aber auch möglich, dass es sich um eine ganz simple Schweinegrippe handelt, die Rick über die Überlebenden gebracht hat, als er Farmer spielte. Aber eigentlich ist es auch nicht unbedingt wichtig zu wissen, wo die gefährliche Seuche ihren Ursprung hatte. Vielmehr sollte jetzt das Augenmerk darauf gelegt werden, wie man der Seuche Herr wird, denn es wird nicht geklärt werden können, wo die mysteriöse Erkrankung seinen Ursprung nahm.

Dass die Ressourcen der Überlebenden gering sind, das wissen wir schon länger. Nun sollte es eigentlich nur noch darum gehen, ob die Gruppe diese Bedrohung irgendwie überleben kann. Bislang sieht es eher düster aus, denn die, nennen wir sie einfach einmal "Grippe", breitet sich nicht nur rasend schnell aus, sondern scheint auch eine unglaubliche Mortalitätsrate aufzuweisen und das mit einer unglaublich kurzen Inkubationszeit. Binnen weniger Stunden erkranken gut 90% der Insassen und für alle Betroffenen bedeutete die Erkrankung gleichzeitig das Todesurteil. Noch nicht ein positiv verlaufener Fall ist uns präsentiert worden, was nun natürlich die Erkrankung von Glenn umso schwerwiegender macht. Es bleibt nur zu hoffen, dass Hershels Tee der Krankheit Einhalt gebieten kann und dass die Gruppe um Daryl rechtzeitig mit Medikamenten zurück kommt.

Momentan sieht es jedoch nicht danach aus, dass Daryl, Michonne, Neu-Hauptcharakter Bob Stookey und Tyreese allzu fix an die Medikamente in der nicht ganz nahe gelegenen Tierklinik kommen könnte. Ihr kleiner Ausflug dorthin endet jäh, als sie abgelenkt von einer dünnen Stimme, die durch das Radio geistert und etwas von "Überleben" faselt, mit ihrem Wagen in eine Horde Beißer fährt und dort strandet. Nur mit Mühe und Not können sich die Vier aus ihrer misslichen Lage befreien. Einen kurzen Moment dachte ich, dass Stookey vielleicht das Zeitliche segnen würde, doch in dieser Woche gibt es endlich mal wieder kein Opfer durch einen Beißer.

Wie sie nun an die Medikamente kommen sollen, geschweige denn, wie sie den Weg wieder zurück ins Gefängnis antreten wollen, das werden wir wohl über die nächsten ein bis zwei Episoden erleben dürfen, was sicherlich einiges an Action verspricht. Irgendwie wird es Daryl, Michonne und den beiden anderen schon gelingen, denn die Konflikte in dieser Gruppe sind nicht annähernd so interessant, wie die die Konflikte, die im Gefängnis auf sie warten. Obwohl ich mich schon auch frage, ob es eine Geschichte hinter der Stimme im Radio geben könnte, oder ob es am Ende doch nur weißes Rauschen war.

"Carol...? Did you kill Karen and David?" - "Yes."

Ich hoffe doch wirklich, dass Tyreese es zurück ins Gefängnis schafft, um dort auf die Verantwortliche des Massakers der letzten Episode zu sein. Anders als gedacht wird uns bereits in dieser Episode der Täter im Mordfall Karen und David präsentiert, deren verkohlte Leichen Tyreese in der letzten Episode entdeckt hatte. Es ist niemand anderes als Carol, die Rick gegenüber am Ende ohne große Reue und vor allem auch ohne Umschweife und ohne Ausflüchte zugibt, die beiden getötet zu haben.

Noch will mir nicht ganz einleuchten, warum sie dies getan hat. Gut, Karen und David waren unter den ersten, die Symptome der Erkrankung zeigten und so könnte Carol gedacht haben, dass sie mit dem Tod der beiden auch die aufkeimende Gefahr für die Gruppe unterbinden könnte. Das wäre für mich die einzig plausible Erklärung für ihre Tat, wobei sie den Charakter doch in eine ganz neue Richtung lenkt.

Wenn man einmal betrachtet, wie sich Carol über die vergangenen drei Staffeln gewandelt hat, so ist es faszinierend zu sehen, wie sie in der einen Minute kalt und gefühllos reagiert, im nächsten Moment jedoch sich liebevoll um die Kinder kümmert. Sie ist von einem zweitrangigen, uninteressanten Nebencharakter zu einem undurchsichtigen Antagonisten geworden, der zwar noble Ziele hat, jedoch dafür auch über Leichen zu gehen scheint. Ihre Wandlung reiht sich dabei nahtlos in die von Rick oder Carl ein, die noch immer zwischen Gewalt und Vernunft schwanken und sich schwer tun, Mäßigung zu üben, wenn sie sich in Gefahr sehen.

Carl lässt sich beispielsweise erst durch Hershel beruhigen, als er im Wald auf einen Beißer trifft, den er am liebsten sofort abschlachten möchte. Und Rick, der prügelt nach Tyreese' verzweifeltem Angriff den armen Kerl fast tot, würden Daryl und Carol nicht einschreiten. Carl, Tyreese, Rick und Carol – allesamt gute Beispiele dafür, dass man in einer Zeit ohne Regeln und vor allem ohne Zukunft es schwer hat, seine Menschlichkeit nicht zu verlieren.

Fazit

Die Folge kommt deutlich ruhiger, wenn nicht sogar langweiliger, daher als seine beiden Vorgänger, sieht man von dem kurzen Action-Einschub in Form des Beißer-Überfalls auf Daryl und Co ab. Es zieht eine gewisse Hilflosigkeit in die Geschichte ein, die ein wenig ungeduldig werden lässt, was die kommenden Episoden betrifft. Hin und wieder blitzt ein interessanter kleiner Konflikt auf, doch dieser wird allzu oft durch Actionsequenzen gestört, die immer mehr zu einem Fremdkörper werden. Für den Rest der Staffel müssen sich die Autoren dringend etwas einfallen lassen, denn auf Dauer droht die Geschichte um die mysteriöse Seuche nicht nur die Nerven der Bewohner des Gefängnisses an den Rand des Erträglichen zu strapazieren. Ich habe bereits jetzt genug davon und hoffe, dass sich endlich etwas bewegt, man David Morrissey zurückbringt und sich mehr auf die Konflikte zwischen den Charakteren konzentriert als auf Ekelbilder.

Melanie Wolff - myFanbase

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