Bewertung

Review: #3.09 Kriegsrecht

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© Gene Page/AMC

Nach einer mehrmonatigen Pause geht es gleich in medias res und wir Zuschauer werden Zeuge, wie Merle und Daryl Dixon auf Geheiß des Governors gegeneinander antreten sollen. Egal, wie sehr Andrea an ihn appelliert, Philip will, dass Merle beweist, wo seine Loyalitäten liegen und verlangt von ihm, dass er seinen Bruder tötet.

"My blood, my family is standing right here and waiting for us back at the prison. And you're part of that family. But he's not. He's not."

Mit Hilfe von Rick und den anderen gelingt es ihnen am Ende, Woodbury einigermaßen unbeschadet zu verlassen. Nun steht zur Debatte, ob man Merle vertrauen kann und ob er Teil der Gruppe werden soll. Für Daryl ist es gar keine Frage, Rick jedoch warnt davor, Merle in ihre Familie zu lassen und befürchtet, dass er noch immer für den Governor arbeiten könnte. Und Recht hat er, sage ich. Merle war ein wichtiges Mitglied von Woodbury und Glenn hat am eigenen Leib erfahren, wie skrupellos und brutal er agiert. Dass Daryl sich ohne zu zögern auf die Seite seines Bruders stellt und mit ihm am Ende einfach verschwindet, damit habe ich nicht gerechnet. Ich hoffe inständig, dass wir nicht zum letzten Mal von Daryl und Merle gehört haben, was ich mir allerdings nicht vorstellen kann, denn Daryl ist ein Fan-Favorit.

Rick kehrt mit dem bescheidenen Rest, also Maggie, Glenn und notgedrungen auch Michonne, erst einmal ins Gefängnis zurück. Dort hat die Gruppe um Tyreese nicht gerade leichten Stand. Während sich Axel und auch Hershel allmählich mit ihnen anfreunden, verweigert Rick ihnen am Ende jeglichen Zugang zur Gruppe. Er traut ihnen nicht über den Weg und besonders bei Ben und Allen scheint er ja auch Recht zu haben.

"You've done so much for us. I appreciate that. We all do. We owe you our lives. We've done everything you asked without question. And I'm telling you, you're wrong on this."

Als die Gruppe einen Moment alleine ist, um Donna zu begraben und Carol und Carl beobachten, schmieden die beiden Männer Pläne, wie sie die Kontrolle über das Gefängnis an sich reißen können. Es ist Tyreese, der sie zurück hält, die Gruppe anzugreifen und ruft seinen Gefolgsleuten ins Gedächtnis, dass sie hier gute Möglichkeiten haben und sich daher noch etwas in Geduld üben sollten. Umso schockierter dürfte Tyreese am Ende wohl gewesen sein, als Rick endlich mit ihm spricht und dann auch noch einen mentalen Zusammenbruch erleidet. Eigentlich würden Tyreese und Sasha hervorragend in die Gruppe passen. Sie wirken vernünftig, aber auch hart genug, um der Gruppe beim Überleben zur Hand gehen zu können. Das hat auch Herhsel erkannt und setzt alles daran, Rick zu überzeugen, ihnen eine Chance zu geben.

Rick hat es wirklich nicht leicht. Er versucht alles Menschenmögliche, um die Gruppe zusammen zu halten, muss jedoch immer wieder dabei zusehen, wie ein Mitglied nach dem anderen dahinscheidet. Es ist verständlich, nach all den Verlusten, die sie in den letzten Monaten erlitten haben, dass er keiner Menschenseele mehr trauen will, doch Hershel macht ihm klar, dass ihre Gruppe immer kleiner wird und sie langsam wirklich mal wieder etwas Unterstützung gebrauchen könnten. Und gerade als man glaubt, er könnte endlich zu Rick durchdringen, sieht er Lori. Sie steht da, in einem langen weißen Kleid und starrt ihn süffisant lächelnd an. Die Szenerie wirkt unglaublich gruselig, denn sie macht klar, dass Rick am Ende seiner Kräfte ist. Er ist nicht mehr Herr über seine Sinne und hat die Fähigkeit, die Gruppe zu führen, längst eingebüßt.

Mit Entsetzen sehen die anderen mit an, wie Rick plötzlich seine Waffe zieht und einem leeren Raum droht. In Anbetracht der Tatsache, dass mit dem Governor ein neuer, mächtiger Gegner ihnen auf der Spur ist, kann man sich vorstellen, wie viel Angst die Anwesenden nun haben. Daryl, eine wichtige Stütze der Familie ist weggebrochen und Rick verliert langsam aber sicher den Verstand. Hershel kann aufgrund seiner Verletzung kaum mehr richtig laufen und die Frauen in der Gruppe tun zwar ihr bestes, aber Beth hätte wohl ebenso wenig eine Überlebenschance draußen vor den Toren, wie Carol.

Wobei ich zugeben muss, dass Carol sich im Verlauf der Serie wirklich enorm entwickelt hat. Von der unterjochten, vollkommen ihrem brutalen Ehemann hörigen Ehefrau hat sie sich zu einer taffen Frau entwickelt, die in Krisensituationen auch ihren Mann stehen kann. Viel hat sie hier sicherlich auch Daryl zu verdanken, der sie aus ihrem Schneckenhaus geholt hat und ihr nicht zuletzt auch über den Tod ihrer Tochter hinweg geholfen hat. Nun ist Daryl weg und die Frage ist nun, inwiefern Carol dies wegstecken kann.

Während einige wirklich starke Charaktere die dritte Staffel beherrschen, geht der Preis für den unausgelastetsten Charakter an Michonne, über die wir auch in dieser Episode rein gar nichts erfahren. Sie hat nicht einmal eine vernünftige Szene, in der sie sich artikulieren kann. Sie steht weiterhin nur im Bild und sieht ungeheuer gefährlich aus. Nicht einmal als Rick sie direkt anspricht und sie fragt, ob sie Andrea kennt, sagt sie ein Wort. Kein Wunder, dass er sie nicht in der Gruppe haben will.

"And years from now, when they write about this plague in the history books, they will write about Woodbury."

Als Michonne am Ende der letzten Staffel aufgetaucht war, da war ihr Auftritt so genial in Szene gestetzt, dass man mehr über den Charakter erfahren wollte. Doch momentan muss ich gestehen, dass sie am wenigsten interessiert und ihre Einführung bislang absolut unterirdisch verlief. Wenn in den letzten Episoden der dritten Staffel nicht noch etwas gewaltiges kommt, würde es mich nicht wundern, wenn sie es am Ende der TV-Season auf verschiedenen Listen zu den schlechtesten Charakteren auftauchen würde.

Während die Geschehnisse um die Gruppe im Gefängnis wieder durchweg zu fesseln wussten, wirkt Woodbury nach dem Überfall ein klein wenig eigenartig. Der Governor zieht sich zurück, die halbe Gemeinde versammelt sich vor den Toren der Stadt und will am liebsten in die Ungewissheit fliehen, lässt sich dann aber von einer lieblosen Rede Andreas beschwichtigen. Die wiederum stellt Philip zur Rede und erfährt, dass er Glenn und Maggie gefangen gehalten hat. Weitere Fragen stellt sie jedoch nicht. Es ist frustrierend, mitanzusehen, wie blind Andrea in Woodbury war und unverständlich, dass sie es einfach so hinnimmt, dass Philip ihre Freunde gefangen gehalten hat, mit ihr in die Kiste gesprungen ist und ihr nun vorhält, das sie auch nur eine Durchreisende ist. Ich warte darauf, dass sie endlich aufwacht und sieht, was Woodbury und sein Governor wirklich ist.

Fazit

Die Geschehnisse in Woodbury, sowie der überraschende Abgang von Daryl und Merle trüben die Freude an der Episode etwas. Aber vor allem bei letzteren beiden gehe ich davon aus, dass wir sie nicht das letzte Mal gesehen haben. Nicht ganz klar ist momentan, in welche Richtung sich der Rest der dritten Staffel entwickeln wird. Ich hoffe, es werden bald ein paar Geschichten in Bewegung gesetzt, die die Story vorantreiben und einen roten Faden bieten, an dem sich die Charaktere orientieren können.

Melanie Wolff - myFanbase

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