Bewertung: 8

Review: #10.14 Abschiede

Foto: Norman Reedus & Jeffrey Dean Morgan, The Walking Dead - Copyright: Jackson Lee Davis/AMC
Norman Reedus & Jeffrey Dean Morgan, The Walking Dead
© Jackson Lee Davis/AMC

Der Tod von Alpha hat ein paar neue Ausrichtungen zur Folge, die in dieser Episode parallel abgearbeitet werden. Dabei wird vor allem deutlich, dass auch nach zehn Staffeln immer noch Potenzial für Charakterentwicklungen und neue Geschichten vorhanden ist.

"Ich brauche Zeit für mich. Sowas dauert eben."

Carol muss nach ihrem Sieg über Alpha erst mal damit zurecht kommen, verweigert Negan quasi die Begnadigung, die sie ihm im erklärenden Rückblick zugesichert hatte, und macht sich erst mal wieder allein auf den Weg. Doch die Einsamkeit hält nicht lange, weil Carols Wahnvorstellungen wieder zum Vorschein kommen und sie Alpha nicht aus dem Sinn bekommt. Diese sagt dann in der Tat einige richtige Dinge, kann als Figur noch mal Eindruck schinden und bringt Carol an den Rand des Verzweifeln, aber eben nicht zur Aufgabe. Carol ist eben auch nach all den aufgezählten Schicksalsschlägen eine sehr zähe Persönlichkeit. Ich war mir relativ sicher, dass ihr Ende nicht auf diese Weise kommen wird, doch es hätte tatsächlich auch auf diese Weise gepasst.

"Als ich sagte, dass es mir gefallen hat, war das nicht gespielt."

Relativ offen war der Ausgang bei Negan und Daryl. Letzterer hat Negan in seiner Gewalt und glaubt ihm natürlich nicht, dass er Alpha getötet hat (hier sind die Zeitebenen wieder etwas schwierig, weil Judith es am Ende der letzten Episode schon wusste, aber da war man offenbar der Zeit hier voraus). Daryls Zweifel sind absolut berechtigt und er stellt auch die richtigen Fragen, zum Beispiel wieso er den Angriff auf Hilltop quasi zugelassen und schlimmer noch die Rettung der Kinder verhindert hatte. Dass dies alles nur mit dem Schaffen von Vertrauen begründet wird, ist zwar nachvollziehbar, vor allem, weil Negan auch immer mitgedacht hat, wie er aus der Nummer selbst lebend herauskommen kann, doch die widerwärtige Sexszene mit Alpha wäre wohl ein möglicher Zeitpunkt gewesen. Wie dem auch sei, kann Negan erst mal nicht beweisen, dass er Alpha getötet hat, doch Daryl ist so fair und erkennt auch die kleinen Ungereimtheiten um Carol und Lydia. Dass Negan wirklich recht hat, machen ihm dann ein paar folgsame Whisperer deutlich, die Negan aus Prinzip zum neuen Alpha küren. Der genießt das kurz und macht dann kurzen Prozess. Negan ist schon immer wieder eine Bereicherung für jeden Dialog, auch wenn ich mich da wiederhole. Ich hoffe, dass er nun in Alexandria eine wichtige und positive Rolle spielen kann. Sein Geständnis Daryl gegenüber, wie er die sieben Jahre im Gefängnis gesessen hatte, war sehr offen und ungewohnt emotional für Negan. Es war aber vor allem glaubhaft und nachvollziehbar und hat Negan wieder ein mal in ein gutes Licht gerückt.

"Kannst du sie hören? Was sagt sie zu dir?"

Beta darf nach all den Entwicklungen natürlich auch nicht fehlen und ihm widmet man zurecht viel Zeit. Zunächst wird es etwas krank, weil Beta den Kopf von Alpha noch wie etwas Wertvolles behandelt, was immer noch eine Art Führung inne hat. Das war schon irgendwie krank, passt aber zu der ganzen Unterwürfigkeit, die Beta trotz seiner Stärke Alpha gegenüber immer gezeigt hat. Anspruch auf den Thron erhebt er erst, nachdem er zu sich selbst gefunden hatte. Offenbar war Beta einst Musiker und hat sich daran erinnert, dann quasi ein Konzert für einen Teil der Herde gegeben um sich dann wieder unter das Volk zu mischen und nun zu führen. All das hat Alpha bei ihm noch bewirkt. Das war schon skurril, aber was soll man auch erwarten, wenn jemand sich über Jahre quasi mit den Beißern zusammen gefunden hat und sie als etwas Natürliches akzeptiert hat. Diese Ideologie bleibt mir weiter fremd, aber man hat auch in dieser Episode wieder gesehen, welche Kräfte sie hervorrufen kann. Und Beta wird als neuer Alpha sicherlich auch noch ein unangenehmer Gegner bleiben. Ich hoffe sehr, dass es irgendwann zum Kampf zwischen ihm und Negan kommt. Das hat man ja in den letzten Episoden eigentlich schon vorbereitet.

"Jetzt will ich nur noch rausfinden, was möglich ist"

Der letzte Part hat eigentlich Eugene im Zentrum, der seine Naivität auf Anraten von Rosita offenbart und deutlich macht, dass es vielleicht neue Verbündete geben könnte. Eugene macht sich also auf den Weg und hat hier Ezekiel und Yumiko an seiner Seite. Letztere bekommt noch eine ordentliche Abschiedsszene von Magna. Das ungleiche Trio hat dann auf dem Weg nicht viel Spektakuläres zu bieten. Es wird nur deutlich, dass Ezekiel nicht mehr so lange leben wird, und das Yumiko sehr überzeugend sein kann. Ihre Ansage an Ezekiel hat sie für mich erstmals wirklich sympathisch erscheinen lassen.

Die Ankunft in der Großstadt hatte dann wirklich etwas sehr Amüsantes, was mich ein Stück weit an "I am Legend" erinnerte. Dort wurde in der Einsamkeit auch versucht, den einstigen Alltag irgendwie nachzustellen und daher Normalität zu schaffen. Ezekiels Lachkrampf ist jedenfalls nachvollziehbar. Ansonsten bleiben hier nur offene Fragen. Ist die ausgeflippte Begrüßerin Stephanie gewesen? Wie groß ist die Gemeinschaft? Und was erhofft diese sich von einem Treffen? Ich hoffe sehr, dass die nächste Episode hier weiter macht und dies kein loser Handlungsstrang wird, den man irgendwann in Staffel 11 wieder aufgreift. Dazu wurde zu lange auf diesen Moment hingearbeitet.

Fazit

Es war eine interessante Episode, die nicht so sehr durch Action sondern durch behutsame Betrachtung einiger wichtiger Charaktere Alphas Ableben abschloss und gleichzeitig neue Richtungen eingeschlagen hat. Das ist wirklich gut gelungen, weil man alle Teile nachvollziehbar und emotional erzählte, ohne zu übertreiben. Kurzum, kein Highlight, aber gutes Storytelling, das das immer noch vorhandene Potenzial der Serie auch nach zehn Jahren zum Vorschein bringt.

Emil Groth - myFanbase

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