Bewertung

Review: #2.09 Abschied

Foto: Eliza Taylor, The 100 - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Eliza Taylor, The 100
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Nach den grauenhaften Ereignissen am Ende der letzten Folge, in der Clarke sich in ein kaum zu lösendes moralisches Dilemma verwickelt sah und schlussendlich zum Wohle eines zukünftigen Friedens Finn töten musste, geht es in dieser Folge zu großen Teilen um die Konsequenzen dieser Entscheidung. Diese nächste von Clarke zurückgelegte Hürde beschleunigt nun eine Transformation zur offiziellen Anführerin der Arker. Die Folge nutzt die Ereignisse der letzten finalen Minuten, um in dieser ein packendes Charakterdrama zu inszenieren, in der die Untiefen von Clarke weiter ausgeleuchtet und ausgebaut werden. Nebenher verbucht die Gruppe um Jasper und Monty im Mount Weather einen größeren Triumph, der aber, wie so oft in dieser Serie, anschließend teuer erkauft werden muss.

"Love is weakness."

Die Folge setzt unmittelbar nachdem von Tod von Finn an und dreht sich um die Konsequenzen von Clarks Tat. Im Kern geht es dabei um Fragen der Traumaverarbeitung in kriegerischen Zeiten und welchen Umgang mit einem schwerwiegenden Verlust es geben kann, wenn die äußeren Umstände es erfordern, schnell wieder auf die Beine zu kommen, um den schon anstehenden nächsten Konflikten entschlossen entgegenzutreten. Wie man es von der Serie aus der Vergangenheit gewohnt ist, wird das Erzähltempo schnell wieder angezogen, es gibt kaum Zeit zum Verschnaufen. So steht nach dem Opfer von Finn nun der Friedensbildungsprozess zwischen Clarks Leuten und Lexas Clans an. Dafür wird von den Groundern Finns Leiche für eine zeremoniellen Verbrennung gefordert, die das Friedensabkommen festigen soll.

Die Reise ins Gebiet der Grounder wird für Clarke auch zu einer innerlichen Reise und führt zu einer Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Rolle in dieser neuen Gesellschaftskonstellation. Sie muss sich der Frage stellen was einen wahren Anführer im Herzen ausmacht. Kane stellt schon früh in der Folge gegenüber Abby fest, dass im Grunde keine Zweifel darüber bestehen, wer die wahre Anführerin der Arker ist. Clarke war schon vor der Hinrichtung Finns immer diejenige, die schlussendlich die schwierigen Entscheidungen traf, die ihr eigenes Wohl dem Fortbestehen der eigenen Gruppe unterordnete und somit als Symbol für Hoffnung stand. Clarke selbst setzt sich in dieser Folge nun direkt und intensiv mit ihrer eigenen Rolle auseinander und fragt sich welche Rolle sie genau annehmen muss, um in dieser Welt als Anführerin zu bestehen. Der Tod von Finn lässt sie dabei zunächst nicht los, sie wird von seinem Geist und ihrer eigenen Tat verfolgt, gerät ins Wanken, ist kurz davor aufzugeben, dem Glauben nachzugeben, dass alle ihre Rettungsversuche schlussendlich vergeblich waren.

Doch nach einem Gespräch mit Lexa, die eine stark pragmatische, zielgerichtete und größtenteils emotionsbefreite Form der Gruppenführung vertritt, entschließt sich Clarke dazu endgültig die Rolle der zentralen Entscheidungsträgerin und Anführerin anzunehmen und dafür die mehr menschliche geprägte Seite, die aus Gefühlen wie Liebe und Schmerz besteht, abzustreifen. Die Auseinandersetzung mit Clarkes innerem Rollenkonflikt und die Darstellung ihres individuellen Umgangs mit äußeren Erwartungen und dem eigenen, tief sitzenden Schmerz ist das Herzstück dieser intensiven, charaktergetriebenen Folge, welche die Komplexität der Figur der Clarke vollständig offenlegt.

Diese gelungene Charakterentwicklung wird auch passend in die Fortführung der übergreifenden Handlung eingebettet. Weiterführend geht es um die weiter voranschreitende Allianzbildung zwischen den Groundern und den Arker, die geprägt ist von Vertrauenskonflikten, dem Verfolgen von Eigeninteressen und zahlreichen Spannungen, sowohl zwischen, als auch innerhalb der zwei Allianzen. So stehen sich innerhalb der Arker Raven und Clarke, sowie auch Abby und Clarke gegenüber. Abby versucht auf ihre Tochter einzugehen, Clarke durch das in Erinnerung gerufene eigene vergangene Traumata den Schmerz zu nehmen, um damit aber nur eine noch tiefere Kluft in die Beziehung zu reißen, auch wenn Clarke schlussendlich erschrocken feststellen muss, dass sie ihrer Mutter vielleicht doch ähnlicher ist, als sie sich jemals eingestehen wollte.

Aber auch innerhalb der Grounder gibt es tief sitzende Konflikte, Vertrauensmissbrauch und Verrat. So soll ein fingierter Gift-Anschlag die Allianzbildung verhindern. Clarke kann die Situation aber schlussendlich noch klären, damit der beschuldigten Raven in letzter Sekunde das Leben retten und die Allianzbildung vollenden. Nun stehen sich also nicht mehr drei Gruppierungen feindlich gegenüber, sondern zwei zuvor befeindete schließen sich gegen einen gemeinsamen Feind zusammen, womit die generelle Spannung der Serie nur noch intensiviert wird.

"They built one for each of us."

Während der Annäherung, Abstoßung und schlussendlichen finalen Zusammenführung der Grounder und Arker versucht die Gruppe um Monty und Jasper eine Möglichkeit für die Übermittlung eines Funksignals zu finden. Der erste Versuch die Nachricht zu versenden gelingt jedoch nicht, was Monty dazu veranlasst einen Alleingang zu starten, sich getarnt als Wartungsmitarbeiter in den Überwachungsraum zu schleichen und von dort aus die vorher von Jasper ein gesprochene Nachricht zu versenden. Was diese Story insgesamt so angenehm macht, ist die teilweise doch heitere Stimmung innerhalb der kleinen Widerstandsgruppe. So bildet die gelungene Gruppeninteraktion zwischen Jasper, Monty, Miller und Maya einen netten Kontrast zu den niederschmetternden Momenten außerhalb von Mount Weather. Doch wie schon oft genug im Laufe der Serie deutlich gemacht wurde, folgt auf einen Moment des Triumphs gleich wieder das Verderben, herrscht doch auch innerhalb der Mount Weather Station das pure Grauen. Montys Tarnung fliegt in letzter Sekunde auf und er wird in einen Käfig gesperrt, gleich neben Harper und 45 weiteren bisher noch leeren Käfigen. Einzig das Gewissen, dass die Nachrichtenübermittlung geklappt hat und die nun vereinten Arker und Grounder auf dem Weg nach Mount Weather sind, sorgt für einen kleinen Hoffnungsschimmer am tiefschwarzen Horizont.

Fazit

Nach den brutalen finalen Momenten der letzten Folge wird in dieser der Fokus weiter auf die Transformation von Clarke zur wahren Anführerin gelegt, was in einer hochspannenden Folge voll moralischer Ambivalenzen mündet, die gleichzeitig den Weg ebnet für eine sicherlich nervenaufreibende zweite Staffelhälfte.

Moritz Stock - myFanbase

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