Bewertung: 6

Review: #1.05 Moo Shu zum Mitnehmen

Während Jace und Isabelle von deren Mutter den Auftrag bekommen, sich mit dem Feenwesen zu unterhalten, um herauszufinden, weswegen diese ihr Abkommen mit dem Rat gebrochen haben, soll Alec auf Clary aufpassen. Als diese wieder einmal ihren Willen durchsetzt und Alec sie aus den Augen verliert, kommt es zu einer Konfrontation zwischen ihm und Jace.

"Just because you can't have that necklace, doesn't mean you won't see her again."

Die Serie konnte sich seit meiner Review zu #1.02 Der Abstieg in die Hölle ist ein Leichtes durchaus steigern und reißt mich von Woche zu Woche mehr mit. Leider gilt dies aber nicht für den Hauptcharakter Clary, die mir von Episode zu Episode mehr auf die Nerven fällt und deren Entwicklung alles andere als logisch oder nachvollziehbar ist. So muss ich gestehen, dass mir eigentlich nur eine einzige Szene mit Clary gefallen hat und zwar diejenigen, in der sie mit Isabelle über ihre Mutter spricht. Hier zeigt sie wenigstens ein bisschen ihre Verletzlichkeit und ihre Angst, was mit ihrer Mutter passiert und was dadurch auch mit ihr passieren wird. Das erklärt natürlich auch, dass sie alles tun würde, um ihre Mutter zu retten, was für mich auch völlig verständlich ist. Unverständlich ist für mich, dass sie dabei immer und immer wieder ihren eigenen, im Bezug auf die Schattenwelt unerfahrenen, Kopf durchsetzt und damit nicht nur andere in Gefahr bringt, sondern auch dem Ziel, ihre Mutter zu retten, nicht wirklich näherkommt. Ich würde Clary dringend empfehlen, den Rat solcher zu beherzigen, die sich schon viel länger in der Schattenwelt bewegen, und sich nicht dauernd so aufzuspielen, als hätte sie das Kommando. Das wäre dann nämlich in Sachen Charakterentwicklung auch viel realistischer und nachvollziehbarer und würde Clary sicherlich auch ein bisschen sympathischer erscheinen lassen.

Dass die Serie sich jedoch trotz Clary positiv entwickelt, liegt an all den anderen Charakteren, bei denen die meisten mein Interesse geweckt haben. In dieser Folge haben es die Autoren richtig gemacht und den Fokus wenigstens ein bisschen von Clary abgewandt und ihn auf Alec, Izzy, Jace und deren Beziehung untereinander gelenkt. So lernen wir in dieser Episode Alecs und Izzys Mutter kennen, die Jace vor Jahren bei sich aufgenommen hat und ihn auch wie einen Sohn behandelt. Die Beziehungen der drei zu ihrer Mutter finde ich durchaus interessant, vor allem da Maryse ihrer Tochter weder körperliche noch emotionale Nähe schenkt, während sie Jace sofort liebevoll in den Arm nimmt. Auch bei Alec hält sie sich eher distanziert auch wenn nicht so stark wie bei Izzy, doch merkt man hier, dass sie von ihrem Sohn erwartet Verantwortung zu und übernehmen und die drei anderen zu führen, was auch schön Alecs Charakter, wie er in den letzten Episoden gezeigt wurde, erklärt. Und ich denke genau hier liegt auch das Problem in Maryses Beziehung zu den Kindern. Während sie an Izzy und Alec, ihren leiblichen Kindern, hohe Erwartungen hat, ist Jace frei davon und kann sie somit auch nicht wirklich enttäuschen. Ich hoffe ja, dass wir über die Vergangenheit der drei etwas mehr erfahren werden, denn sowohl die Konstellation wie auch die feste Bindung dieser Schattenjäger birgt doch sehr viel Potential für gute Charakterhandlungsstränge.

"Clary sneak out. I went after her to protect her. I didn't nothing you haven't done a thousand times." – "Yes you did, you lost her"

Leider verliert diese starke Bindung zwischen Izzy, Alec und Jace, die ja in den letzten Episoden mehrfache erwähnt wurde, ziemlich an Bedeutung, als sich Jace in dieser Episode so einfach gegen die beiden, beziehungsweise vor allem gegen Alec stellt und sich in jeder denkbaren Situation für Clary entscheidet. Ehrlich gesagt kann ich einfach nicht verstehen, dass in solchen Serien immer und immer wieder der Fehler gemacht wird, dass man ein Liebespaar kreiert, das scheinbar von der ersten Sekunde an füreinander bestimmt ist und deren Bindung, obwohl sie sich kaum kennen, alles andere in den Schatten stellt. Dadurch geht nicht nur die Chemie dieses Paares, die Entwicklung der Beziehung sowie der Individuen durch die Beziehung verloren, sondern auch die Freundschaft oder die Beziehungen, die vor ihrem Kennenlernen da waren, verlieren extrem an Bedeutung.

So bricht Jace ohne groß zu überlegen mit Alec, obwohl dieser nicht wirklich ein Fehler gemacht hat. Klar, er hat ihm bezüglich Clary vertraut, doch kann Alec sie ja nicht anketten und Clary war ja schließlich wieder mal unvorsichtig und total naiv und ist einfach abgehauen und hat somit nicht nur sich, sondern eben auch Alec und sogar Simon in Gefahr gebracht. Doch statt seinen langjährigen Freund und Bruder, den er liebt, wie er kurz zuvor so schön gesagt hat, anzuhören und ihm eine Chance zu geben, sich zu erklären, wirft Jace nur mit Beschuldigungen um sich, um seine Seelenverwandte, die ja wohl nie Fehler macht, zu beschützen. So was geht mir nicht nur extrem auf die Nerven, sondern nimmt mir jedes Interesse an der Beziehung zwischen Clary und Jace.

Kurz möchte ich auch noch auf Alecs Gefühle für Jace zu sprechen kommen. Ich hoffe doch sehr, dass man hier nicht die Storyline von unerwiderter Liebe aufzieht, sondern es eher so dastehen lässt, dass Alec Jace liebt, weil er eben sein Bruder ist, da ihm dies jetzt aber bei Magnus so vor Augen geführt wurde, verunsichert über seine wahren Gefühle ist. Denn ehrlich gesagt finde ich es ein bisschen merkwürdig, sollte Alec für Jace romantische Gefühle entwickelt haben, wo doch jetzt mehrfach betont wurde, dass sie sich ihr ganzes Leben kennen und ihr Verhältnis, dem von Brüdern gleichsteht. Durch Clarys Auftauchen sowie durch Alecs Homosexualität, die er bis jetzt vor Jace geheim gehalten hat, stehen ja genügend Storylines für die Beziehung zwischen Alec und Jace an, welche man weiterverfolgen kann.

"You may know the Shadowworld but trust me I know Brooklyn"

Simon gefällt mir nach wie vor sehr gut. Seine witzige Art mit der ganzen Sache umzugehen, lockert die Folge immer wieder auf und sorgt für eine willkommene Abwechslung. Scheinbar entwickelt er sich nun langsam zu einem Vampir und ich hoffe doch, dass irgendjemand oder irgendetwas die Verwandlung stoppen kann, ich finde es nämlich ganz erfrischend, wenn jemand der Gruppe einfach Mensch bleibt. Was ich nicht ganz verstehe ist, warum niemand Fragen über Simons veränderten Zustand stellt. Auffallen tut es ja mindestens Clary und auch Alec. Dass Alec momentan andere Sorgen hat und deswegen vielleicht das ganze nicht hinterfragt, ist ja in gewisser Weise noch verständlich, er kennt Simon ja auch noch nicht lange und weiß somit auch nicht über seinen körperlichen und physischen Stärken und Schwächen Bescheid. Trotzdem müssten auch ihm, der sich ja in der Schattenwelt auskennt und weiß, dass Simon in den Fängen von Vampiren war, ein paar Sachen an ihm merkwürdig vorkommen.

Vor allem aber Clary, die ja Simon von Kindheit an kennt, müsste doch hellhörig werden, als dieser plötzlich fast über die Mauer springt oder die Türe ohne Probleme aufreißen kann. Aber bis auf einen etwas fragenden Blick, wird das Thema nicht weiterverfolgt und Clary scheint es kaum zu interessieren, was in ihrem Freund vor sich geht. Das ist für mich definitiv eine Logiklücke, außer man will hier Clarys Egoismus noch etwas vermehrt unter Beweis stellen, ich kann mir aber kaum vorstellen, dass dies die Absicht der Autoren ist. Auch habe ich mich gefragt, ob die Werwölfe nicht mitbekommen, dass Simon dabei ist, sich in einen Vampir zu verwandeln oder ist hier die Verwandlung noch zu wenig weit fortgeschritten? Hier war es zwar nicht unbedingt nötig, trotzdem hätte ich es ganz witzig und spannend gefunden, wenn man die Beziehung zwischen den Vampiren und Werwölfen ganz kurz angedeutet hätte.

"He's challenging the Alpha." – "He's helping us."

Endlich erfahren wir etwas mehr über Luke. Irgendwie habe ich zwar schon vermutet, dass er so etwas wie ein Werwolf ist, doch war es bis jetzt etwas rätselhaft, auf welcher Seite er steht. Mir gefällt es gut, dass das Misstrauen gegen ihn aus der Welt geräumt wurde, denn sein Charakter ist mir nicht nur sehr sympathisch, sondern auch storytechnisch gibt er doch einiges her. So war er ja scheinbar auch mal ein Schattenjäger und ist nun zu einem Werwolf mutiert, da würde mich doch sehr interessieren, wie das passiert ist. Genau wie ich seine Beziehung zu Clary und vor allem zu ihrer Mutter spannend finde und hoffe, dass man darüber noch etwas mehr erfahren wird.

Natürlich habe ich aber auch an Lukes Storyline in dieser Episode etwas zu bemängeln und leider hängt es auch hier mit Clary zusammen. Ich hatte mich hier kurz gefragt, wie es sein kann, dass Clary Jace vollends vertraut, sich ohne groß zu überlegen mit Schattenwesen anlegt und Dämonen bekämpft, Luke, den sie ihr ganzes Leben kennt, aber wegen einer Bemerkung, die sie zufällig mitangehört hat, nun vollends misstraut und dies noch nachdem sie in ihren Erinnerungen entdeckt hat, dass er über ihren Vater Bescheid wusste und ihre Mutter ihm damit, mit ihrem eigenen Leben sowie mit demjenigen ihrer Tochter vollends vertraut hat. Hier hätte sie ihm durchaus die Chance geben müssen, sich zu erklären und vor allem ihm glauben müssen, als er ihr sagt, dass diese Bemerkung für Valentins Leute gedacht war.

Randnotizen und persönliche Eindrücke

  • Was Valentine genau vorhat, ist mir noch nicht ganz klar, interessiert mich leider im Moment aber auch kaum, da mich weder er, noch die kurzen Sequenzen in Tschernobyl irgendwie fesseln können.
  • Sehr interessant finde ich die Konstellation von Magnus und Alec und hier dürfen die Autoren durchaus etwas mehr den Fokus auf die beiden legen. Denn hier gibt es nicht nur potentielle Handlungstränge zu verfolgen, sondern zwischen den beiden Männern herrscht auch eine tolle Chemie.
  • Kurz möchte ich noch auf den Kelch zurückkommen. Inzwischen wurde ja mehrmals erwähnt wie wichtig und mächtig er ist. Warum genau oder was er genau kann, habe ich aber entweder verpasst oder es wurde nicht wirklich erwähnt. Natürlich darf man daraus ein Geheimnis machen, das fände ich sogar ganz interessant, doch dann sollte man dem Zuschauer doch ab und zu ein Brotkrümmelchen hinschmeißen, sonst funktioniert die ganze Geheimnistuerei nicht und es wird einfach langweilig.
  • Auch Meliorn und Isabelle finde ich ein interessantes Paar, für welches man durchaus etwas mehr Screentime aufwenden darf. Geht es hier nur um Sex oder sind wie ich vermute Gefühle vorhanden? Auch dürften die Autoren Izzy als Individuum durchaus vermehrt in die Handlungsstränge einbeziehen, der erste Schritt dazu, wurde in dieser Folge sicherlich gelegt.



Fazit

Der größte Schwachpunkt der Serie ist nach wie vor Clary, die sich in meinen Augen überhaupt nicht weiterentwickelt, deren Handlungen egoistisch, nicht nachvollziehbar und völlig daneben sind. Trotzdem konnte sich die Serie im Gegensatz zu ihrem Start etwas steigern, indem die Autoren in dieser Folge den Fokus etwas von Clary nehmen und auch die anderen, durchaus interessanten Charaktere, in die Handlungsstränge involvieren. Bitte mehr davon, dann ist "Shadowhunters" auf dem richtigen Weg.

Maria Schoch - myFanbase

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