Shrinking - Reviews Staffel 3

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In unseren Kurzkritiken schildern unsere Autoren und Autorinnen ihren ersten Eindruck von einer Episode in Form einer kurzen Review. Nutzt die Gelegenheit, eure Meinung zu diesen Folgen kundzutun und mit uns über die Apple-Serie "Shrinking" zu diskutieren.

#3.01 Mein Fehler

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Shrinking
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Es gibt Serien, die kreieren ein so wohliges Gefühl, dass man, egal wo man sich gerade befindet, irgendwie Zuhause ist. Mit dem Start von Staffel 3 von "Shrinking" ist bei mir genau dieses Gefühl eingetreten. Es hat nur wenige Szenen gebraucht und man fühlte sich sofort wieder den Charakteren nah, wurde inhaltlich abgeholt und gehörte irgendwie dazu. Das ist aus meiner Sicht eine der Qualitäten, die Bill Lawrence als Serienmacher so auszeichnen. Es ist in dieser ersten Episode mit doppelter Länge gar nicht so wahnsinnig viel passiert und trotzdem ist kein Gefühl von Langeweile aufgetreten. Man hat einfach beobachtet, mitempfunden, nachvollzogen und fast einfach so daneben gestanden, als wäre man Teil der Gruppe, die hier eine Hochzeit vorbereitet und offenbar auch einen Abschied. Und wie so oft kommen die Episoden ohne die großen Lacher aus und sind trotzdem durchweg lustig und gleichzeitig emotional. Da ist Paul (Harrison Ford), dessen Parkinson-Krankheit immer mehr voranschreitet, der dazu getriezt wird, seine Freundin Julie (Wendie Malick) zu heiraten, das eigentlich will, aber nicht so bedeutend, wie es Gabby (Jessica Williams) plant. Eigentlich ist es ihm wichtig, aber grummelt lieber die ganze Zeit rum in dem Glauben, dass Julie eigentlich auch nichts Besonderes will, nur um dann doch festzustellen, dass ihr die Feier mehr bedeutet. Und wer in den letzten zwei Jahren den Charakter noch nicht nachvollziehen konnte, der sollte es spätestens jetzt begriffen haben, vor allem, wenn man dann noch die tollen Szenen zwischen Paul und Jimmy (Jason Segel) hinzuzieht, in denen Paul Jimmy davor warnt, so zu werden wie er selbst. Hinzu kommt noch der großartige Gastauftritt von Michael J. Fox, der erst ein weiterer Patient in der Parkinson-Praxis zu sein scheint, sich am Ende aber als Einbildung und somit Teil der Parkinson-Krankheit von Paul entpuppt. Das war eine starke Wendung, die zeigt, dass in dieser Staffel das Thema Parkinson wohl noch deutlich präsenter sein wird. Ich würde mich freuen, wenn der in echt an Parkinson erkrankte Michael J. Fox, der deswegen seine Schauspielkarriere beendet hatte, auch noch ein paar Mal zu sehen sein wird. Ich finde, das würdigt ihn auf mehreren Ebenen. Ansonsten geht es in der Episode viel um Veränderung. Brian (Michael Urie) und Charlie (Devin Kawaoka) stehen kurz vor dem Beginn der Elternschaft und müssen für sich klären, wie intensiv die Leihmutter involviert sein kann. Liz (Christa Miller Lawrence) und Derek (Ted McGinley) erreichen einen neuen Teil ihrer Ehe, in der Derek sich offenbar mehr erlauben darf als bisher. Gabby und Derek #2 (Damon Wayans Jr.) erreichen ihre nächste Beziehungsstufe, in der sie ihre Liebe gestehen, und Jimmy muss für sich auch überlegen, wie sein Leben weitergehen soll, denn auf ewig allein bleiben kann er auch nicht. Denn Alice (Lukita Maxwell) ist mit Umwegen bereit, nach vorne zu schauen. Sie wird bei einem Fußballmatch gescoutet, die Unterstützung ihrer "Groß"-)Familie hat sie aber so sentimental gemacht, dass sie es nicht wagen wollte, aufs College zu wechseln. Diese Bedenken wurden ihr aber genommen. Ich finde das ja schön, weil es immer wichtig ist, seinen Träumen zu folgen. Allerdings hoffe ich sehr, dass man es schafft, sie weiterhin in die Geschichten einzubauen, denn es würde in den Charakterkonstellationen schon was fehlen, wenn Alice nicht mehr regelmäßig dabei wäre. Zusammenfassend kann man sagen, dass es ein gelungener Auftakt war, der viele Themen anreißt und Humor und Emotionalität der Charaktere wieder bestens in Szene gesetzt wurden.

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#3.02 Glücksmission

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Brett Goldstein & Lukita Maxwell, Shrinking
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Die zweite Episode hat wieder normale Länge von etwas mehr als 30 Minuten und trotzdem ist hier viel mehr passiert als im Staffelauftakt. Und gleich vorweg kann ich sagen, dass alle Storys durchweg positiv umgesetzt wurden und das richtige Maß zwischen Humor aber auch Emotionen gefunden haben, sodass man wie bei Bill Lawrence-Serien doch oft sowohl lachen als auch weinen konnte. Fangen wir bei der Geschichte an, die aus dem Auftakt quasi übernommen wurde. Paul hat mit seiner fortgeschrittenen Krankheit zu tun und natürlich sind alle dabei, ihm zu helfen, auch wenn er das gar nicht möchte. Liz plant seinen Tag durch und Brian darf als personal Coach das Fitnessprogramm übernehmen, was dann insgesamt der herrlichste Teil der Episode war. Sei es Brians Outfit, seine Beschäftigung mit dem vermeintlichen Todesdatum oder seine Sprachlosigkeit zu früheren Sexkapaden (#Threesome), man konnte sich köstlich amüsieren. Herzzerreißend hingegen war in mehrfacher Hinsicht der Abschluss der Storyline von Louis (Brett Goldstein), der in den letzten Episoden immer da war und eine Rolle spielte, dabei aber vor allem das Vater-Tochter-Verhältnis beeinflusste. Gaby hat man dabei wirklich ein bisschen vergessen, denn auch sie leidet nach wie vor unter dem Verlust ihrer Freundin Tia, an dem Louis nun mal Schuld hat. Ihr Monolog war heftig, ehrlich und herzzerreißend und Jessica Williams hat mich wirklich tief berührt mit der Umsetzung dieser emotionalen Rede, an deren Ende ein toller Auftrag stand. Louis solle aus Respekt vor Tia und ihr und sicherlich auch den anderen sein Leben wieder in den Griff kriegen und leben, denn immerhin kann er es noch. Das war von vorne bis hinten stark und eine Perspektive, die ich so noch nicht gesehen habe. Dass Louis sich dank dieser "Standpauke" auch daran hält, aber deswegen nicht gleich ein Happy End bekommt, finde ich auch sehr gut. Er konnte mit Sarah abschließen, weil er sie getroffen hat. Sie ist froh, dass es ihm gut geht; er ist froh, dass es ihr gut geht. Die Umstände haben dieses matching couple nicht glücklich werden lassen, aber beide können trotzdem unabhängig voneinander glücklich sein. Für den Charakter Louis ist hier ein toller Abschluss gelungen und auch wenn ich Brett Goldstein gerne gesehen habe und somit irgendwie auch vermissen werde, so macht diese Entwicklung für den Charakter sehr viel Sinn. Ähnlich emotional war auch der Konflikt von Derek und Liz, die ihrem bequemen Sohn endlich mal eine Schubs versetzen müssen, damit er sein Leben in den Griff bekommt. Hier war Paul als Berater voll in seinem Element und hat Derek wahnsinnig gut geholfen. Ich fand es auch toll, dass Derek von sich aus eingesehen hat, dass er an dieser Stelle mal der Bad Cop sein musste. Ich hoffe sehr, dass sein Sohn ihm das noch danken wird. Sean war in erster Linie Beiwerk, hat aber aus den Entwicklungen der anderen eingesehen, dass auch er einen Schritt nach vorne gehen muss und so meldet er sich am Ende bei seiner Ex. Mal schauen, was das noch für uns bereit hält. Viel neugieriger bin ich aber bei Jimmy, der ja auch mal aus seiner Höhle kriechen muss. Hilfe bekommt er dabei nun offenbar von Sofi (Cobie Smulders), die in Staffel 2 schon mal auftauchte und die "How I Met Your Mother" - Reunion perfekt machte. Nun scheint Sofi doch noch ein richtiger Love Interest zu werden und das 14-Minuten-Date hat so viel Spaß gemacht, dass ich sehr hoffe, dass es noch viele weitere gemeinsame Minuten geben wird. Jimmy stellt sich zwar gerade noch etwas peinlich und begriffsstutzig an, aber die Chemie der beiden ist super und man möchte Jimmy auch endlich mal wieder glücklich sehen. Lange Rede kurzer Sinn. Es war eine toller Episode, die in jeder Szene den richtigen Ton getroffen hat. Da muss man neben dem Cast auch den Staff hinter der Kamera loben. Dass Zach Braff die Regie bei der Episode geführt hat, ist im Nachhinein nur eine logische Schlussfolgerung aus dem Gesehenen. Sehr gerne weiter so.

#3.03 Tag X

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Devin Kawaoka, Michael Urie & Jessica Williams, Shrinking
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Diese Episode setzt den Schwerpunkt auf zwei Geschichten, die mir persönlich nicht so wichtig sind und daher hat mich die Episode insbesondere im Vergleich zur letzten deutlich weniger angesprochen. Trotzdem sind natürlich einige schöne und lustige Momente dabei gewesen, die insgesamt auch gut in die gesamte Geschichte integriert worden. Ein wichtiger Teil drehte sich um das Baby von Brian und Charlie, die kurz vor dem Beginn der Geburt eine große Unsicherheit verarbeiten mussten, weil die letzte Unterschrift unter den Adoptionspapieren noch fehlte. Das ist natürlich enorm fies, so kurz vorher in einer solchen Ungewissheit zu sein, hat man doch immerhin Monate auf diesen Moment hingefiebert. Den Frust bei sich zu lassen, nicht zu drängeln sondern frohen Mutes zu sein, war dann wohl schon die richtige Strategie. Ich war dann ebenso erleichtert, als die Unterschrift vorhanden war, weil ich es den beiden schon gönne, diesen Lebensschritt nun gehen zu können. Ansonsten war es im Krankenhaus natürlich sehr lustig, wie die Ärztin auf Jimmy reagiert (auch wenn ich viel lieber Sofi sehen würde), wie Liz sich in jeder Hinsicht engagiert und wie Paul das Baby im Arm hält. In den Kleinigkeiten war das also sehr groß. Etwas schwächer war der zweite Schwerpunkt um Sean und seine Exfreundin Marisol (Isabella Gomez). Das Gespräch wurde dank Summer (Rachel Stubington) witzig aufgelockert, aber mir hat das zu viel Zeit in Anspruch genommen. Irgendwie hat mich der Verlauf auch nicht überrascht. Für Sean freut es mich, dass ihn das Gespräch vielleicht ein Stück weit befreit hat. Eher untergegangen wäre dabei fast die beste Story um Alice, die sich von Paul, der seinen Job noch immer so sehr liebt, sich aber davon lösen will/muss, als Parkbankberater trennen muss. Paul leitet sie an Gaby weiter, die vor allem das damit verbundene Lob genießt. Ich kann mir auch vorstellen, dass Gaby und Alice ein ebenso spannendes Team abgeben und sie guten Rat geben wird. Spannend wird aber sein, wie sehr sie durch die enge Freundschaft zu Alices Mutter dann aber vielleicht doch weniger objektiv ist. Hier hätte ich gerne schon mehr gesehen, bin aber nun voller Vorfreude auf die kommenden Episoden. Und solange Paul als Sidekick-Therapeut agieren darf und seine trockenen Sprüche noch regelmäßig kommen, ändert sich vielleicht gar nicht so viel.

#3.04 Das Feld

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Harrison Ford & Michael J. Fox, Shrinking
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Nach den vielen Emotionen bisher geht es etwas ruhiger weiter und die Episode besticht eher mit vielen, kleinen, meist witzigen Momenten, die eher unscheinbar sind (besonders bei Brian, Pauls Rückkehr zur Arbeit mit dem Indiana Jones - Theme) oder dann doch deutlich überzogen wurden (Jimmys Date oder Dereks Trip). Und trotzdem hat jede Kleinigkeit eine große Bedeutung für den Fortgang der Serie und die Konstellation der Charaktere, was mich immer wieder beeindruckt. Dass Jimmys Date so daneben geht, freut mich, weil ich ja eher einen anderen Love Interest bevorzuge. Es ist aber gut, dass er die peinlichen Sachen mit anderen durchprobiert. Gabby war Jimmy gegenüber etwas unfair, auch wenn sie noch mal nachvollziehbar deutlich machen konnte, dass man ihre Trauer um Tia nicht so richtig berücksichtigt hat. Jimmy aber so bloß zu stellen, war schon fies, zumal sie gleichzeitig ihre undurchdringbare Patientin quasi mit Jimmys Methoden sich dann doch öffnet. Aber Gabby trägt offenbar auch noch so viel Verletzung mit sich rum, dass Jimmy sich vorerst damit begnügen muss, dass es so ist, wie es ist, egal, was er tut. Dereks Drogenmissbrauch wirkte zunächst wie witziges Füllmaterial für die Episode, hat aber mit der Entwicklung von Matthew und auch mit Liz' Mutterrolle dann doch sehr viel zu tun. Dass es am Ende knallt, zeigt, dass wir in der Staffel wohl noch mehr damit zu tun haben werden. Matthew kann man schon verstehen, aber etwas mehr Einsicht hätte ich mir doch auch vorstellen können. Er hat ja nun wirklich nicht viel getan in letzter Zeit, worauf man stolz sein könnte. Paul bekommt hingegen erst gute Nachrichten, weil er wieder arbeiten kann, stellt dann aber fest, dass er vielleicht doch sehr bald in den Ruhestand gehen sollte. Es wird also wohl auch ein langer Abschied bis zum Ende der Staffel. Schön, für Paul augenöffnend und emotional war natürlich der Dialog mit Garry, was gleichbedeutend mit dem von mir gewünschten erneutem Auftritt von Michael J. Fox war. Es ist schon faszinierend, was er noch vor die Kamera bringt. Ich würde ihm am liebsten sofort einen Emmy als Gastdarsteller überreichen. Ansonsten hat Sean damit zu tun glücklich zu sein, weil er ahnt, dass es nicht von Dauer sein wird, und Brian wächst in seine Familienrolle hinein, wobei hier eigentlich die witzigsten Momente dabei waren. Insgesamt also keine spektakuläre Episode, aber alles schreitet sinnvoll fort.

#3.05 Mach mal halblang

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Christa Miller & Ted McGinley, Shrinking
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Der Abschied von Paul nimmt immer konkretere Formen an. Jimmy jedenfalls wird immer sentimentaler, Meg (Lily Rabe), Pauls Tochter, kommt zudem zu Besuch und überredet ihren Vater dazu, zu ihr zu ziehen, damit sie sich kümmern kann und noch Zeit mit ihm hat, was für Jimmy einen weiteren Abschied bedeutet. Er muss also nicht nur verkraften, dass Alice sehr bald aufs College geht, sondern dass sein Ersatzvater auch weit weg sein wird. Was ihn aber viel mehr trifft, ist Pauls Sturheit und dessen Unfähigkeit, sich bei Jimmy ordentlich zu bedanken. Vielmehr nutzt er dessen Hilfsbereitschaft sogar aus. Am Ende hat das aber sogar was Gutes. Zunächst ist es nur ein nettes Gespräch mit Meg, in welchem man zumindest mal ein bisschen herausfindet, was Jimmy wirklich umtreibt. Wie er eigentlich leidet und wie festgefahren er in seinem Kopf ist. Am Ende könnte Meg aber vielleicht der richtige Schubs sein, der eine romantische Moment, der ihn dann auch dafür öffnet, Sofi endlich um ein Date zu fragen. Ich habe jedenfalls die gesamte Inszenierung so verstanden, dass es nicht auf ein Couple Meg-Jimmy hinausläuft, was mir bisher nicht gefallen hätte. In dieser Episode fand ich Meg allerdings auch zum ersten Mal richtig sympathisch. Apropos Couples. Diese Episode legte auch noch zwei andere Beziehungen in den Fokus. Sean hat durchaus damit zu tun, dass Marisol immer noch das alte (wilde) Leben mit ihm haben möchte, er mit seinem Imbisswagen aber vor allem Sicherheit und Planbarkeit sucht. Das ist nachvollziehbar, aber irgendwie auch langweilig, wie Alice es vielleicht sagen würde. Dass sie ihm dann deutlich macht, dass man nach all den negativen Erlebnissen es aber auch verdient hat, ein bisschen aus der Deckung zu kommen und wieder Spaß zu haben, war dann die genau richtige Analyse, die zumindest den Abend gerettet hat. Ob es für langfristige Zufriedenheit sorgt, wird sich zeigen. Ähnlich ist es wohl auch bei Gaby und Derrick. Gaby träumt ein bisschen von der Zukunft, Derrick nimmt den Traum an und spricht vielleicht etwas zu offensiv vom 'Wir', was Gaby verunsichert und so zu einer herrlichen Szene mit dem inneren Beratungskreis führt. Sie will eigentlich in Panik alles einreißen, kann aber davon abgehalten werden und schafft es für sich und Derrick damit vielleicht auf die nächste Beziehungsstufe, nämlich gemeinsam über Zukunft nachzudenken und darüber auch offen zu reden. Da wir mitten in der Staffel sind, kann auch das noch in alle Richtungen führen, von Trennung bis Hochzeit ist quasi alles drin und bei Gaby weiß man auch nie. Bis hierhin scheint der Beziehungsstatus aber ziemlich sicher bei 'was Festes' zu bleiben und nach vorne zu schauen. Insgesamt eine solide Episode ohne richtige Highlights, aber alles, was passiert ist, scheint die nächsten Episoden sehr gut vorzubereiten.

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#3.06 Dereks sterben nicht

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Christa Miller, Ted McGinley & Jason Segel, Shrinking
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Das war mal wieder eine Episode, die eigentlich das verdeutlicht, was mich an Serien von Bill Lawrence immer wieder so überzeugt. Natürlich gibt es wie in jeder Serie die Highlightepisoden, von denen man geflasht ist, die von der ersten bis zur letzten Minute überzeugen und alles raushauen, was möglich ist. Eine gute Serie zeigt sich manchmal aber auch vor allem darin, wenn es die anderen Episoden auch schaffen, die Spannung zu halten, ohne über die Maßen besonders zu sein. Und ein bisschen dümpelte die Episode für mich zunächst so dahin. Sean hat seine Probleme damit, dass es gerade so gut läuft, und sicherlich auch Angst davor, dass es wieder anders werden könnte, vor allem, wenn er es wagen sollte, die nächste positive Veränderung in seinem Leben anzugehen. Jimmy versucht sich nicht anmerken zu lassen, dass er mit Pauls Tochter Meg eine schöne Zeit hatte, gleichzeitig versucht er Liz den Gefallen zu tun, sich um ihren Sohn Matthew (Markus Silbiger) zu kümmern, und Brian überlegt, ob er seinem Vater erzählen sollte, dass er Opa ist. Das sind alles Entwicklungen, die gerade passen, aber auch irgendwie unspektakulär daher kommen, bis plötzlich mit der Sorge um Derek, der schnell eine Bypass-OP benötigt, die Stimmung noch ernster wird und einem plötzlich bewusst wird, dass alle Geschichten zusammengehören und Eltern-Kind-Verhältnisse unterschiedlichster Situationen aufzeigen. Dadurch wird aus einer simplen Erzählung eine sehr emotionale Seite aufgezogen, die einen beim Schauen auch direkt erwischt. Jeder findet sich in mindestens einer der Geschichten wieder und überlegt plötzlich selbst, was wäre wenn. Die Charaktere springen schließlich alle über ihren Schatten, selbst gewollt oder geschubst und die Ängste treten gar nicht wirklich ein. Dass es allen so geht, ist vielleicht ein bisschen glatt, dafür aber auch zu Tränen rührend. Und es gab jetzt auch keinen Anlass hier irgendwo Bösewichte einzubringen (Brians Vater zum Beispiel hätte so einer sein können), weil es auch einfach so sein sollte, dass man, wenn man sich Eltern oder Kindern gegenüber verletzlich zeigt, diese für einen da sind. Insofern lebt die Episode auch davon, dass sie ein bisschen naiv-optimistisch ist. Aber wenn man es hier nicht erzählt, wo soll es dann sonst herkommen. Storytelling darf auch Vorbildfunktion haben.

#3.07 Ich bin traubig

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Candice Bergen, Harrison Ford & Christa Miller, Shrinking
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Wir sind mitten in der Staffel und offenbar war es mal wieder Zeit für ein Highlight, soll heißen, der Zuschauer muss mal wieder emotional hin- und hergerüttelt und durchgeschüttelt werden. Inhaltlich fing es zunächst ganz harmlos an. Dereks Mutter ist da, was für Liz unglaublich schwierig ist, weil sie ihre Schwiegermutter hasst, was auf Gegenseitigkeit beruht. Eigentlich sind sie sich einfach zu ähnlich und nehmen sich da quasi nichts. Trotzdem war es in erster Linie witzig, wie sie miteinander umgegangen sind. Dass Derek sie aus Verzweiflung quasi dazu drängt, sich endlich zu vertragen, hatte dann doch einen sehr netten Dialog der beiden Alpha-Frauen zur Folge. Das war eine leichte und trotzdem wichtige Nebenstory. Im Zentrum stand aber Tias Geburtstag bzw. die Frage, wie alle damit umgehen werden. So haben sich alle irgendwie zusammen vorgenommen, den Tag zu feiern, die schönen Erinnerungen vorzuholen und gemeinsam auch Spaß zu haben. Das gelingt sogar ganz gut. Die T-Shirts waren super und auch andere kleine Anspielungen auf Tia haben Freude gemacht und das Bedürfnis geweckt, viel mehr Rückblenden zu erleben. Das Louis am Grab auftaucht, war überraschend, hat dann mit der Mini-Wendung aber sehr viel Sinn ergeben. Alice wollte unbedingt, dass er kommt, damit Jimmy erlebt, dass es etwas Gutes ist, sein Leben weiter zu leben, zumal Jimmy das mit seiner Ansage ja sogar bewirkt hatte. Alice will unbedingt, dass ihr Vater vorwärts kommt. Der Dialog der beiden war wieder richtig gut, sehr überzeugend, emotional und trotzdem leicht und mit Jimmys Abgang dann aber auch wieder lustig. Es ist immer wieder faszinierend, wie das Autorenteam und der Cast es schaffen, dass man mit einer Träne im Auge zum Lachen gebracht wird. Dank Alices Ansage sprngt Jimmy dann wirklich über seinen Schatten und als zum Ende erneut "A Thousand Years" von Christina Perri gesungen wird, dieses mal von allen voller Inbrunst und dann noch sehr witzig Sofi ihren Einsatz hat, freut man sich ob dieses gelungen Abschlusses. Ich warte ja schon seit sechs Folgen darauf, dass Jimmy und Sofi sich annähern. Der Schritt scheint erreicht und es hätte so ein schönes Happy End der Episode sein können. Aber Bill Lawrence wäre nicht Bill Lawrence, wenn er nicht dafür sorgen würde, dass das Glück des einen nicht sofort mit dem Unglück eines anderen einhergehen kann. Während es für Jimmy also nicht besser laufen könnte, bekommt Gaby einen heftigen Schlag ins Gesicht. In der Staffel hatte sich für sie alles klammheimlich positiv entwickelt. Vor allem beruflich hatte sie ihren Weg gefunden und war so glücklich mit ihren Entscheidungen, dass sie in dieser Episode sogar Pauls Wunsch, dass sie die Praxis übernimmt, ausgeschlagen hat. Jetzt scheint ihre Patientin und fast schon Freundin Maya (Sherry Cola) Selbstmord begangen zu haben. Die Episode endet also mit einem heftigen Downer und ich habe fast Angst, die nächste Episode zu schauen, weil eine glückliche Gaby in den letzten Episoden so viel Freude gebracht hat, nun ihr aber eine harte Zeit bevor steht. Es war also eine Episode voller kleiner und großer Wendungen, die sogar auch noch Michael J. Fox und Neil Flynn zu bieten hatte, was fast ein bisschen untergegangen ist bei all den anderen Dingen. Denn Pauls Abschied auf Raten nimmt in dieser Episode auch weiter seinen Lauf.

#3.08 Depressionsdiät

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Wir steigen direkt mit Mayas Beerdigung ein und natürlich geht es in dieser Episode auch um Gaby. Sie versucht zunächst die Verletzung hinzunehmen, aber einfach weiterzumachen, bis sie doch nach und nach Zweifel bekommt, vor allem als ihr bewusst wird, dass sie so viel über Maya nicht wusste. Am Ende der Episode bekommt ihre Verarbeitung quasi eine neue Ebene. Zunächst war es einfach Trauer, die sie bewältigen konnte, weil alle Freunde bei ihr waren und sie auch Halt in der Arbeit gefunden hat. Jetzt aber will sie sich eine Woche Auszeit nehmen und kippt in eine Resignationsphase, in der ihr selbst der Rat von Paul egal zu sein scheint. Es sieht also nicht gut aus um ihr Befinden, auch wenn Liz meint, dass Gaby die stärkste Person im Freundeskreis sei. Es bleibt ein herber Schlag, der eventuell auch in ihr privates Glück eingreift, denn der geplante Heiratsantrag von Derek #2 wird wohl gerade nicht so gut passen. Witzig war auf jeden Fall, dass Paul darauf bestanden hat, dass Derek ihn um Erlaubnis bittet. Witzig waren auch die anderen beiden Storylines. Zunächst war da Story um Brian und Charlie, die Ava bei sich wohnen lassen, Liz das aber quasi untersagt, damit sie ihre eigene Familie sein können. Dank Avas cleveren Kommentar muss Liz aber auch einsehen, dass sie mit dieser Begründung selbst auch kürzer treten muss. Brian war wieder voll in seinem Element und konnte mit herrlichen Kommentaren punkten. Das Highlight war aber Jimmys und Sofis nächstes erstes Date, welches Alice ein Stück weit initiiert hat. Ich finde es wirklich toll, dass Alice sich hier so für ihren Vater bemüht. Außerdem spürt sie offenbar auch, dass Sofi die richtige Frau für ihren Vater sein könnte. Und ich muss das nach dieser Episode auch wieder voll unterstreichen. Sofi passt einfach so gut zu Jimmy, weil sie ähnlich peinlich ist, ein von Grund auf gutes Herz hat, der Humor mit Jimmys harmoniert und diese grundsätzliche Ehrlichkeit und Bereitschaft zur Wahrheit einfach Spaß macht. Die ganze Situation war so absurd und trotzdem so echt und nachvollziehbar, die Dialoge so perfekt und der Kuss am Ende ebenso, dass ich mich hier einfach nur freue, dass man diese Richtung endlich eingeschlagen hat und hoffentlich noch eine Weile positiv weiterführen wird. Jimmy hat das verdient und Sofi offenbar auch. Die beiden sind einfach herrlich zusammen.

#3.09 Daddy Issues

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Jeff Daniels & Ted McGinley, Shrinking
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WTF. Da hat Jimmy endlich jemanden gefunden, der zu ihm passt, da taucht sein Vater (Jeff Daniels) auf und bringt alles durcheinander und Jimmy wieder zum Nachdenken. Leider macht er dabei fast alles falsch. Ich fand Sofis Versuch, Jimmys schlechte Stimmung bezüglich seines Vater aufzuhellen und sich darauf einzulassen, ihn positiv zu überraschen, eigentlich sehr gut und irgendwie auch emphatisch. Dass es nicht funktioniert, ist bitter, die Ausrede des Vaters auch wirklich sehr mau und ich kann natürlich verstehen, dass Jimmy mega frustriert und enttäuscht ist. Das aber auf Sofi abzuwälzen, die eigentlich alles direkt zur Sprache bringt, damit sich nichts aufstauen kann, fühlt sich sehr unfair an. Und auch irgendwie unreif. Jetzt gleich in Frage zu stellen, ob er schon für eine neue Beziehung bereit ist, und Sofi somit von sich stößt, wirkt viel zu kurz gedacht und irgendwie übertrieben. Soll er seinen Frust doch lieber an seinem Vater auslassen und ihm die Meinung geigen. Sein Spruch am Ende hat zwar durchaus gesessen, aber das hilft ihm bei Sofi auch nicht mehr. Und da die Episode insgesamt so viele Abschiedsmomente hatte, fühlt es sich gerade so an, als hätte Jimmy auch Sofi verabschiedet. Das wäre enorm schade, denn ich fand auch in dieser Episode die Chemie von beiden sehr gut und natürlich hat es Jimmy weiterhin verdient, glücklich zu sein. Und er hat ja einiges zu verkraften in den nächsten Wochen. Alice macht ihren Abschluss und verlässt die Stadt. Paul zieht weg und hinterlässt alles Gaby, sodass Jimmy auch da irgendwie leer ausgeht, was ihn emotional auch noch treffen wird. Das schaut also nicht gut aus. Gaby hat sich dagegen ein Stück weit gefangen, weil Paul sich hier noch mal verantwortlich gefühlt hat. Sie wollte sich eigentlich entziehen, doch Paul zwingt sie zurück zur Arbeit. Das tut ihr gut und dann kommt ja noch die Zukunft der Praxis zur Sprache, die Gaby übernehmen soll. Paul geht es zunächst nur um sein Vermächtnis und er redet Gaby indirekt ihren Traum aus. Dass es mal wieder Liz ist, die sich hier einfach einmischt und bleibenden Eindruck hinterlässt, ist ziemlich cool gewesen. Klare Ansage, viel Überzeugung, im Recht zu sein, und schon lenkt Paul ein und zwingt Gaby wiederum, aus seiner Praxis ihr Trauma-Center zu machen. Cool für Gaby, noch schwieriger für Jimmy. Und Paul hat einen weiteren Sprung über seinen Schatten gemacht. Sein Abschied wird immer weiter vorbereitet. Auch Sean macht noch mal deutlich, wie sehr ihm Paul geholfen hat, wie sehr er sich aber auch verändert habe. Sean ist nämlich endlich mal egoistisch, nimmt einen Job an und lässt seinen Partner Jorge allein zurück. Ich denke, wenn er ihn in dem Prozess besser mitgenommen hätte, würde Jorge vielleicht auch erkennen, dass Sean diese Chance ergreifen musste. So wurde er aber vor vollendete Tatsachen gestellt und konnte gar nicht anders, als sauer zu sein. Insgesamt also eine Episode, die deutlich macht, dass das Staffelfinale nicht mehr weit ist, die einige Weichen stellt und dabei für Jimmy ein großer Rückschritt ist.

#3.10 Der Hüter der Trauer

Foto: Rachel Stubington & Lukita Maxwell, Shrinking - Copyright: Apple TV
Rachel Stubington & Lukita Maxwell, Shrinking
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Jimmy kann einem wirklich nur noch leidtun. Für ihn bricht nun wirklich alles weg. Paul geht und beachtet ihn eigentlich nicht, obwohl ihm klar sein müsste, dass das ein schwieriger Abschied ist. Mit Sofi hat es sich auch erst mal erledigt und der Mut, den er hat, um seinem Vater zu sagen, dass er bitte bleiben soll, zahlt sich auch nicht aus, weil Alice das wirklich nicht schlimm findet und sein Vater damit gut wegkommt, während Jimmy wieder nur bestätigt sieht, dass sein Vater ein egoistischer, treuloser Drückeberger ist, der sich immer nur kurz ins Rampenlicht stellt und damit alle um seinen Finger wickelt. Eigentlich kann es nicht schlechter laufen und Jimmy müsste sich noch schlechter fühlen als zum Start der ersten Staffel. Sein Ausbruch gegenüber Paul war heftig, aber auch sehr nachvollziehbar. Allerdings fand ich es unnötig, dass Meg in dem Ausbruch eine Rolle spielte. Das wirkte für mich zu gekünstelt und war eigentlich nicht relevant. Ich mache mir große Sorgen um Jimmy und hoffe, dass es eigentlich ein gutes Zeichen ist, dass es ihm jetzt so schlecht geht, weil man dann in der letzten Episode der Staffel die Wende noch einbauen kann. Bei allen anderen läuft es dagegen irgendwie ganz gut. Die kleineren Konflikte beruhen allesamt auch kleinen Egoismen und lassen sich mit Kompromissbereitschaft recht einfach lösen. So kommt Liz Derek entgegen und bietet ihm die Europareise, die er sich wünscht, bevor sie dann das Großelterndasein genießen können. Brian sieht ein, dass er durchaus ein paar Monate umziehen kann, damit Charlie seinem Job nachgehen kann und sie trotzdem zusammen sind. Und Sean kann seinen Streit mit Jorge beilegen, indem er ihn als Mitbewohner in seine Wohnung einlädt. Für die Charaktere mögen es durchaus etwas größere Schritte sein, aber eigentlich sind es wirklich kleine Kompromisse, die viel bewirken und es dadurch absolut wert sind. Und Paul hat auch eingesehen, dass Gaby ihren Traum verfolgen sollte und nicht seinen. Und da ist da noch die emotionalste Story um den Schulabschluss von Alice. Das Gespräch im Auto mit Jimmy war wirklich toll und ich fand es super, dass Jimmy das Kinderbild trotzdem hochgehalten hat. Das passt so gut zu ihm und eigentlich fand es Alice auch sehr schön. Es ist eben nur sehr doof, dass all diese positiven Geschichten einen gemeinsamen Nenner haben. Jimmy bleibt zurück. Eigentlich kann ihn nur Sofi retten. Ich wünsche mir das sehr.

#3.11 Die Zeit ist um

Review folgt...

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Emil Groth - myFanbase

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