Jahresrückblick - unsere Top-Serien 2019


Top-Serien von Melanie Wolff


Foto: Criminal - Copyright: joseharo
Criminal
© joseharo

Criminal: Deutschland

Criminal: Deutschland steht hier symbolisch für die "Criminal"-Reihe auf Netflix. Als Zuschauer begleitet man verschiedene Ermittlerteams aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien, jedoch dieses Mal nicht bei ihrer Arbeit draußen, sondern im Verhörraum. Die Handlung konzentriert sich kammerspielartig auf diesen einen kleinen Raum, in der ein bis zwei Polizeibeamte einem potentiellen Verdächtigen gegenübersitzen. Nicht selten entpuppt sich der Fall ganz anders, als er zu Beginn scheint und im Laufe der wenigen Folgen zeigen sich auch bei den Beamten selbst persönliche Abgründe, die den Fällen spezielle Wendungen geben. Ich selbst habe mir nur die deutsche und die englische Varianten angesehen, aber beide Versionen des gleichen Konzepts konnten mit spannenden Fällen und interessanten Dialogen aufwarten. Durchaus sehenswert.

Foto: Dark - Copyright: Netflix, Inc.
Dark
© Netflix, Inc.

Dark, Staffel 2

Die Netflix-Serie "Dark" bleibt auch in der zweiten Staffel eine der interessanten und durchdachtesten Mysteryserien der letzten Jahre. Die in der ersten Staffel angestoßene Geschichte wird gekonnt weitergespannt, einige kleinere Cliffhanger aufgelöst, nur um am anderen Ende neue Fragen aufzuwerfen. Es gibt tolle, ungewöhnliche Wendungen, spannende Charaktere und eine wirklicht innovative und gut erzählte Geschichte um Raum, Zeit, Vergangenheit und Zukunft, in der alles miteinander verwoben zu sein scheint und am Ende alles möglich ist. Ich bin gespannt, wie die Trilogie im nächsten Jahr zu Ende gebracht wird. Die Erwartungen, die die zweite Staffel aufgebaut hat, sind enorm, doch ich möchte fast meinen, dass Baran Bo Odar und Jantje Friese von Anfang an einen Plan hatten und ich bin gespannt, ob und vor allem wie sich die losen Fäden am Ende zusammenfügen werden.

Foto: Doom Patrol - Copyright: 2018 Warner Bros. Entertainment, Inc.
Doom Patrol
© 2018 Warner Bros. Entertainment, Inc.

Doom Patrol, Staffel 1

Die zweite Anti-Superhelden-Superhelden-Serie, die es 2019 in meine Liste der besten Serien schafft, auch wenn es qualitativ sicherlich etliche hochwertigere Serien da draußen gab. Dennoch war "Doom Patrol", die hierzulande bei Amazon Prime zu sehen ist, eine der Serien, die mir beim Ansehen am meisten Spaß gemacht haben. Absurde Ideen, wahnsinnig witzige Situationen, tolle Effekte, grandiose Charaktere und ein paar wirklich unglaubliche Einfälle machen "Doom Patrol" zu einer kurzweiligen, sehenswerten Alternative zu den ganzen Hochglanz-Superhelden-Serien da draußen. Hier ist niemand ein Held, will niemand ein Held sein und doch retten sie am Ende sich selbst und die Welt. Das unangefochtene Highlight in der Serie: Alan Tudyk als geisteskranker Superschurke… Schauts euch an Leute. Es ist zum Schreien!

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Foto: Natasha Lyonne, Matrjoschka (Russian Doll) - Copyright: Courtesy of Netflix
Natasha Lyonne, Matrjoschka (Russian Doll)
© Courtesy of Netflix

Matrjoschka, Staffel 1

"Matrjoschka" ist eine dieser kleinen Serienperlen, auf die man im Netflix-Universum vielleicht nur deswegen stößt, weil man zuvor "Orange Is the New Black" gesehen hat und sie als Vorschlag für den nächsten Zeitvertreib erhält. Natasha Lyonne übernimmt die Rolle der Lebefrau Natasha, die nach einer Party in einer Zeitschleife stecken bleibt und den Tag ein ums andere mal wiedererlebt. Ja, es klingt nach "Und täglich grüßt das Murmeltier", doch auch wenn die Prämisse auf den ersten Blick unglaublich ähnlich klingt, "Matrjoschka" ist kein simpler Abklatsch einer altbekannten Idee. Es ist eine grandios erzählte Geschichte, die den Zuschauer mit nimmt auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle seiner Protagonistin. Gnadenlos zynische Elemente wechseln sich ab mit komödiantisch toll getimten Momenten und gnadenlos traurigen Storyelementen. Natasha Lyonne spielt großartig und hätte einen Emmy für ihre Performance verdient gehabt.

Foto: Mindhunter - Copyright: Netflix, Inc.
Mindhunter
© Netflix, Inc.

Mindhunter, Staffel 2

Fast zwei Jahre hat es gedauert, bis David Fincher die zweite Staffel der imposanten Netflix-Krimiserie "Mindhunter" um die frühen Anfänge des Profilings abgedreht hatte. Während die erste Staffel noch im besonderen Maße den Fokus auf die Interviews mit den Serientätern gelegt hat, so bekommen Holden Ford und Bill Tench nun Gelegenheit, ihre ersten Erkenntnisse anzuwenden, als sie nach Atlanta beordert wurden, um dort bei der Aufklärung einer Kindermordserie zu unterstützen. Das verschiebt den Fokus ein wenig mehr in die Aktion und zeigt unter anderem, mit welchen Problemen die Ermittler in der damaligen Zeit zu kämpfen hatten (z.B. das Fehlen von DNA-Analysen). Das neue Setting tut der Spannung jedoch keinen Abbruch. Im Gegenteil, es bringt ein bisschen frischen Wind in dier Serie und die wenigen Interviews – dieses Mal unter anderem mit Charles Manson – haben daher umso mehr gewirkt. Der heimliche Star der letzten Staffel, Holden Ford, tritt ein wenig stärker in den Hintergrund und überlässt Bill und den aufkeimenden Problemen in seiner Familie das Feld, während an der Spitze des FBI sich ein bisschen was bewegt und frischer Wind das Team durcheinander wirbelt. Das sorgt am Ende leider dafür, dass Anna Torvs Charakter gewaltig in den Hintergrund rückt, was sich angesichts des nicht selten spannenden und nervenzehrenden Falls durchaus verschmerzen lässt. Ob es eine dritte Staffel gibt, steht noch in den Sternen, doch Fincher selbst hat gesagt, dass er noch Stoff für drei weitere Staffeln in petto hätte. Ich würde jedenfalls gerne sehen, wie es mit dem Team der Behavioural Science Unit weitergeht. Serienmörder gab es zu der Zeit ja noch zur genüge...

Foto: Millie Bobby Brown & Sadie Sink, Stranger Things - Copyright: Courtesy of Netflix
Millie Bobby Brown & Sadie Sink, Stranger Things
© Courtesy of Netflix

Stranger Things, Staffel 3

Die dritte Staffel des Netflix-Überraschungshits aus dem Jahr 2017 wurde sehnlichst erwartet und konnte zwar nicht auf der ganzen Linie überzeugen, doch neben einer durchaus spannenden Geschichte und tollen Effekten gibt es dank der grandiosen Jungdarsteller immer noch viel zu sehen. Natürlich steht weiterhin Millie Bobby Brown größtenteils im zentralen Mittelpunkt der Serie und ihre aufkeimende Liebe zu Mike. Die stärksten Szenen hat sie jedoch auch – wie bisher – im Zusammenspiel mit David Harbour. In der letzten Staffel sträflich vernachlässigte Nebencharaktere wie Billy Hargrove und Erica Sinclair erhalten Gelegenheit zu glänzen. Maya Hawke ist ein grandioser Zugewinn für den Cast und sorgt gerade im Zusammenspiel mit Steve für frischen Wind in der Serie. Das Ende lässt auf eine neue Ausrichtung der Serie, weg aus Hawkins schließen und auch wenn der ganz große Überraschungsmoment am Ende wahrscheinlich gar nicht Bestand haben wird – ja Bestand haben darf – so darf man gespannt sein, wohin uns die Serienmacher in der vierten Staffel entführen werden.

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The End of the F***ing World, Staffel 2

Die erste Staffel war grandios mit einem unendlich spannenden Cliffhanger, der zwar gemein war, aber die Serie auch hervorragend abgeschlossen hätte. Die zweite Staffel ist daher kein "Muss", sondern ein toller Zusatz für die Geschichte, die in der ersten Staffel erzählt wurde. Weiterhin steht das ungleiche Paar James und Alyssa im Zentrum der Geschichte, die eine herrliche Romanze entwickelt hatten, die jedoch am Ende durch einen Schuss jäh zerstört worden sein könnte. Man nimmt sich viel Zeit in der zweiten Staffel, um zu zeigen, wie Alyssa mit dem scheinbaren Verlust ihrer ersten Liebe umgeht, während James zu einem Stalker mutiert, der seine angebetete von der Ferne aus beobachtet, um sicher zu gehen, dass es ihr gut geht. Glücklicherweise dauert es nicht allzu lange, bis die beiden in Staffel zwei aufeinandertreffen, doch die zwei Jahre, die seit dem Ende der ersten Staffel vergangen sind, haben bei beiden Protagonisten Spuren hinterlassen. Die Aufarbeitung der Geschehnisse aus Staffel eins, das langsame Zueinanderfinden von Alyssa und James, die zynischen Sprüche, die Unbehaglichkeit und Unsicherheit der beiden Charaktere… Alex Lawther und Jessica Barden haben eine wahnsinnig tolle Ausstrahlung und eine hervorragende Chemie auf dem Bildschirm. Staffel 2 wäre vielleicht nicht unbedingt nötig gewesen, aber es ist eine Bereicherung der Serienlandschaft.

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Foto: Sacha Baron Cohen, The Spy - Copyright: Axel Decis
Sacha Baron Cohen, The Spy
© Axel Decis

The Spy

Sascha Baron Cohan war mir eigentlich in erster Linie als Comedian ein Begriff – Borat, Ali G, Brüno. Doch dass der Darsteller auch eine ernsthafte Seite hat und auch als Charakterdarsteller ein gutes Bild abgibt, überrascht mich sehr. Die Netflix-Serie "The Spy" erzählt die Geschichte des israelischen Spion Eli Cohen, der in den 60er Jahren in Syrien als Agent eingeschleust wurde und dort über Jahre hin zu einem wichtigen Berater hochrangiger syrischer Politiker und Militärangehöriger wurde und am Ende für dies sein Leben lassen musste. Die Miniserie überzeugt mit einer stringenten, spannenden Erzählung und lebt von Cohans Performance. Über den historischen Hintergrund kann ich nicht viel sagen, doch das Setting, die Kostüme, die Drehorte sind toll und man findet sich in einer sehr fremden Welt wieder, über die man wenig bis gar nichts weiß. Ein tolle, sehenswerte kleine Serie.

Foto: Ellen Page, The Umbrella Academy - Copyright: Christos Kalohoridis/Netflix
Ellen Page, The Umbrella Academy
© Christos Kalohoridis/Netflix

The Umbrella Academy, Staffel 1

"The Umbrella Academy" ist einer der spannendsten Eigenproduktionen von Netflix aus dem Jahr 2019, in deren Zentrum eine dysfunktionale Familie aus Waisenkindern mit Superkräften steht, die sich über die Jahre (bewusst) aus den Augen verloren haben und erst durch den Tod ihres "Vaters" wieder zueinander finden. Und während man die unerwarteten Hintergründe zum Ableben des Familienoberhauptes beleuchtet, begeben sich die einzelnen Mitglieder des so ungleichen Superheldenteams auf einen Selbstfindungstrip, in denen sich persönliche Abgründe auftun, zarte Bande geknüpft werden und tiefliegende Wunden zu heilen beginnen. Es sind keine Hochglanzhelden, die hier agieren, sondern vom Leben und widrigen Umständen gezeichnete Charaktere, die leiden und mit ihren Kräften nicht im reinen sind. Die Geschichte hat sicherlich ihre Längen, doch die Serienmacher manövrieren geschickt zwischen Drama und Comedy. Der Soundtrack ist herausragend und trägt sicherlich einiges dazu bei, dass "The Umbrella Academy" sich so anders anfühlt. Es ist eben keine typische Superhelden-Serie.

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Foto: Scott Lawrence & Merritt Wever, Unbelievable - Copyright: Beth Dubber/Netflix
Scott Lawrence & Merritt Wever, Unbelievable
© Beth Dubber/Netflix

Unbelievable

"Unbelievable" ist für mich eine der überraschendsten Serienentdeckungen aus dem vergangenen Jahr. Die Geschichte um eine junge Frau, die vergewaltigt wird und der man aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten in ihrer Vergangenheit keinen Glauben schenkt, geht stellenweise wirklich unglaublich an die Nieren und ich bin fassungslos, dass der Serie ein realer Fall zugrunde liegt. Doch nicht nur der verzweifelte Kampf einer jungen Frau, die nicht gehört und gesehen wird, kann überzeugen. Auch der in einer zweiten Zeitebene spielende Kriminalfall um einen ganz ähnlichen Fall kann überzeugen, dank der grandios aufspielender Merritt Wever und Toni Collette. Die beiden Frauen bilden ein starkes Ermittlerduo, in der Hartnäckigkeit, aber auch Empathie und Menschlichkeit eine zentrale Rolle spielt. Am Ende fügen sich die parallel erzählten Geschichten zu einem stimmigen Gesamtbild, das ohne moralischen Zeigefinger auskommt, Vorurteile aufarbeitet und jeden einzelnen dazu ermutigen soll, zweimal hinzusehen.

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Melanie Wolff - myFanbase

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