DVD-Rezension: Downton Abbey, Staffel 4

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Foto: Downton Abbey - Copyright: 2014 Universal Pictures
Downton Abbey
© 2014 Universal Pictures

Bereits vom 19.04.2014 bis 20.04.2014 lief die vierte Staffel des beliebten Kostümdramas "Downton Abbey" auf dem deutschen Pay-TV Sender Sky Atlantic und ist nun seit dem 12.06.2014 endlich auch auf DVD und Blu-ray erhältlich. Während es auf dem britischen Heimatsender ITV voraussichtlich im September diesen Jahres mit der fünften Staffel weiter geht, lief dort die vierte Staffel bereits im letzten Jahr vom 22.09.2013 bis 10.11.2013 plus der Weihnachtsepisode am 25.12.2013. Die vierte Staffel setzt sechs Monate nach den Geschehnissen aus Staffel 3 an und befördert zeitgleich die zwei Nebendarsteller Cara Theobold (Ivy Stuart) und Lily James (Rose MacClare) in den Hauptcast.

Inhalt

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1922 - Sechs Monate nach dem schrecklichen Unfalltot von Lady Marys (Michelle Dockery) Ehemann Matthew Crawley (Dan Stevens), herrscht nach wie vor eine gedrückte Stimmung auf Downton Abbey. Denn Lady Mary scheint einfach nicht über den tragischen Tod ihres geliebten Mannes hinweg zu kommen und kann selbst für ihren kleinen Sohn George kaum Energie aufbringen. Zudem ist die Besitzfrage des mächtigen Anwesens seit Matthews Tod mehr oder weniger ungeklärt und Lord Grantham (Hugh Bonneville) kümmert sich gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Tom Branson (Allen Leech) um die Verwaltung. Und nicht nur mit Rose McClare ist eine neue Bewohnerin auf Downton Abbey angekommen, auch bei den Bediensteten gibt es wieder Neuzugänge. So kümmert sich Nanny West (Di Botcher) scheinbar fürsorglich um den Nachwuchs und nach dem überraschenden Weggang von Sarah O'Brien (Siobhan Finneran) kehrt mit der neuen Kammerzofe von Cora (Elizabeth McGovern), Edna Braithwaite (MyAnna Buring), eine alte Bekannte auf das Anwesen zurück, die nicht nur ordentlich Schwung in die unteren Räume des Herrschaftshauses bringt.

Rezension

Foto: Michelle Dockery & Lesley Nicol, Downton Abbey - Copyright: 2014 Universal Pictures
Michelle Dockery & Lesley Nicol, Downton Abbey
© 2014 Universal Pictures

Die vierte Staffel setzt sechs Monate nach dem schrecklichen Tod von Matthew Crawley an, was ich prinzipiell schon mal für eine ausgesprochen gute Idee halte. Denn so wird die Atmosphäre der vierten Staffel zwar von seinem tragischen Tod geprägt, aber nicht vollkommen beherrscht. Und bis auf Lady Mary und Matthews Mutter Isobel Crawley (Penelope Wilton) scheint für alle die Zeit auf Downton weitergegangen zu sein. Sehr gefühlvoll und unglaublich authentisch wird hier der Zwiespalt der trauernden Frauen zwischen dem verstörenden Konflikt, weiter am Leben teilhaben zu wollen, und den drückenden Schuldgefühlen gegenüber dem Verstorbenen dargestellt. Besonders Isobel Crawley tut sich schwer damit, zu akzeptieren, dass auch Lady Mary irgendwann wieder ins Leben zurückfindet, weiß aber, dass ihre negativen Gefühle bezüglich der notwendigen Veränderung falsch sind. Und hier zeigt sich erstmals wieder das tolle "Downton Abbey"-Feeling, dass ohne große Effekthascherei und mit kleinen Gesten und leisen Tönen das Herz der Zuschauer immer wieder aufs Neue im Sturm erobert. Ich gebe zu, ich war zu Tränen gerührt, als Lady Mary den Weg ins Leben zurückgefunden hat und bin begeistert, wie die Serienmacher es geschafft haben, ihre große Liebe zu Matthew weiterhin über allem stehen zu lassen, ohne die Stimmung der vierten Staffel zu sehr von der Trauer beherrschen zu lassen. Bezüglich ihrer zahlreichen Verehrer, besonders in Form von Lord Gillingham und Charles Blake, fehlt mir leider bisher der wirkliche Bezug und das große Gefühl zu einer der jeweiligen Konstellationen. Hier sehe ich das ganze Werben allerdings auch eher noch als eine Hinarbeitung zur fünften Staffel, in der sich Lady Mary dann wohl irgendwann wieder für einen neuen Ehemann entscheiden wird. Marys eigentlicher Storyline der vierten Staffel, was ihre Entwicklung der immer stärker werdenden Charaktertiefe und die längst fällige Emanzipation betrifft, kann allerdings nur großes Lob für die authentische Darbietung und großartige Ausarbeitung ausgesprochen werden.

Foto: Downton Abbey - Copyright: 2014 Universal Pictures
Downton Abbey
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Und auch für den Rest der anderen "Downton Abbey" Bewohner hält die vierte Staffel viele Überraschungen bereit, wirkt dabei aber etwas zurückhaltender als in den vergangenen Jahren. Ich muss zugeben, die großen Schocker oder Überraschungen, bei denen einem der Mund offen stehen bleibt, fehlen in dieser Staffel einfach. Allerdings würde ich das nicht zwingend als negativen Punkt bewerten, da "Downton Abbey" ja bekanntlich durch seine kleinen Momenten zu überzeugen weiß. Sehr stiefmütterlich behandelt wurde in dieser Staffel leider Tom Branson, der für mich persönlich einfach wesentlich mehr Potential hätte, als immer und immer wieder nur den unsicheren Zweifler zu geben, der nicht weiß ob er sich auf der richtigen Seite befindet. Leider dreht sich hier die Geschichte im Kreis und auch mit der überflüssigen Affäre zu Edna Braithwaite werden nur Storylines aus der dritten Staffel wieder hoch geholt. Ebenfalls großes Potential hätte die ganze Geschichte zwischen Edith (Laura Carmichael) und Michael Gregson (Charles Edwards) gehabt, die von der Idee her ziemlich gut, aber leider in der letztendlichen Ausarbeitung eher mangelhaft war. Nun ja, es mag weit hergeholt sein, dass ein Mann versucht die Staatsbürgerschaft zu wechseln, nur um aus der Ehe mit einer geistig verwirrten Frau herauszukommen, um dann die große Liebe seines Lebens zu heiraten, aber darüber hätte ich hinweg sehen können. Worüber ich aber nicht hinwegsehen kann ist einfach die leider dürftige Ausarbeitung dieser Storyline. Denn mir war es in keinem Moment möglich, wirklich mit Edith mit zu leiden, als Michael verschwunden ist, oder ein wirkliches Gefühl für ihr großes Leid aufzubringen, als sie ihr Kind abgeben musste, was einfach an der stiefmütterlichen Behandlung des Ganzen lag. Alles wurde mehr oder weniger nebenbei am Rande erzählt und nahm nicht wirklich großen Raum ein. Hier halte ich auch den großen Zeitsprung von acht Monaten zur Weihnachtsfolge für eher kontraproduktiv, da ich als Zuschauer einfach keinen Bezug zu einer doch eigentlich recht emotionalen Storyline aufbringen kann, wenn ich sie nicht bildlich sehe und vor Augen geführt bekomme. Alles in allem einfach sehr schade, wobei ich mir hier für die fünfte Staffel noch einiges an Emotionen erhoffe, nachdem Edith es ja anscheinend geschafft hat, ihr uneheliches Kind zumindest in ihre Nähe zu holen.

Foto: Maggie Smith & Penelope Wilton, Downton Abbey - Copyright: 2014 Universal Pictures
Maggie Smith & Penelope Wilton, Downton Abbey
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Ein wunderbarer Pluspunkt und auf den ich kaum zu hoffen gewagt hätte, auf Grund Isobel Crawleys Trauer, war wieder einmal das fabelhafte Zusammenspiel zwischen ihr und Violet Crawley (Maggie Smith). Diese beiden Ladys sind einfach nur zauberhaft anzusehen und ihre bissigen und oft sehr spitzfindigen Kommentare ein wahrer Genuss und ein absolutes Highlight der vierten Staffel. Es ist einfach herrlich wie diese beiden Damen sich regelmäßig streiten, aber auch ergänzen und in stillen Momenten wirklich zu einer Einheit werden, auch wenn das niemals eine von ihnen zugeben würde.

In den unteren Räumen des Anwesens beginnt alles mit dem überraschenden Weggang von Sarah O'Brian, die definitiv eine große Lücke hinterlässt. Für mich persönlich war sie natürlich definitiv nicht der sympathischste Charakter, aber in jedem Fall einer der interessantesten. Natürlich setzt Thomas Barrow (Rob James-Collier) seine gehässigen Intrigen auch ohne O'Brian fort und kickt zuerst Nanny West vom Anwesen, bevor er versucht Edna Braithwaite einzuspannen und schließlich mit der neuen Kammerzofe Phyllis Baxter (Raquel Cassidy) den wohl undurchsichtigsten Charakter dieser Staffel ins Haus holt. Auch hier bleibt einem letztendlich nichts anderes übrig als auf die fünfte Staffel zu warten, da dieser Storyline zwar mehrmals angerissen, aber nicht zum Ende ausgeführt wurde. Ich bin gespannt, was es mit Phyllis' Verpflichtung gegenüber Thomas noch auf sich hat.

Foto: Brendan Coyle & Joanne Froggatt, Downton Abbey - Copyright: 2014 Universal Pictures
Brendan Coyle & Joanne Froggatt, Downton Abbey
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Leider blieben auch Anna (Joanne Froggatt) und Bates (Brendan Coyle) in dieser Staffel nicht von weiteren Schicksalsschlägen verschont, die aber wieder Mal ihre große Liebe zueinander und respektvolle Achtung voreinander hervorragend herausheben konnten. Denn nach Annas brutaler Vergewaltigung durch Mr. Green gelten ihre ersten Gedanken nicht ihrem eigenem Leid, sondern der großen Angst vor schwerwiegenden Folgen, falls Bates davon erfährt und Annas Ehre rächt. Den dramatischen Konflikt an sich fand ich sehr gut gelöst und auch Annas Rückzug vor ihrem Ehemann nachvollziehbar. Auch Bates grausame Rache, als er trotz Annas stetiger Bemühungen von der schrecklichen Vergewaltigung erfährt und diskussionslos ihren Peiniger aus dem Weg räumt, war schön inszeniert. Völlig unspektakulär, aber für den Zuschauer mehr als klar erkennbar, rächt sich Bates an Mr. Green, was dieser mit dem Tode bezahlen muss. Ich persönlich hoffe, dass man es damit auch wirklich gut sein lässt und Marys sinnbildliches Verbrennen der belastenden Beweise dafür stand, dass man das Thema fallen lässt und sich keine schwerwiegenden Konsequenzen aus Bates' eigenmächtigen Handeln ergeben werden. Der Rest der unteren Etage dreht sich leider völlig im Kreis und kommt über den langatmigen Liebeskonflikt der dritten Staffel nicht hinaus. Nach wie vor schleichen Daisy (Sophie McShera), Alfred (Matt Milne), Ivy und Jimmy (Ed Speleers) umeinander herum, ohne dass sich wirklich was weiterentwickelt. Und trotzdem ist es schade, dass wir in der fünften Staffel wohl leider auf Alfred und Ivy verzichten müssen, die als fast einzige irgendwie wenigstens so etwas wie eine Storyline bekommen haben. Denn leider waren in dieser Staffel viele der Bediensteten wie zum Beispiel Mrs. Patmore (Lesley Nicol) und Jimmy nur mehr oder weniger schmückendes Beiwerk. Letztendlich sorgten aber meine zwei Lieblingsangestellten, die auch in dieser Staffel wieder mal voll Souveränität und Courage nur so strotzten, dafür, dass ich auch die vierte Staffel von "Downton Abbey" mit einem durchaus zufriedenen Gefühl abgeschlossen habe. Denn als Mr. Carson (Jim Carter) und Mrs. Hughes (Phyllis Logan) so gemeinsam Hand in Hand und barfuß am Meer entlang stapften, schießen mir doch glatt die Tränen in die Augen vor Rührung.

Specials

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Downton Abbey
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Neben der obligatorischen Weihnachtsfolge, die ich bereits in die Rezension hab mit einfließen lassen, gibt es natürlich auch in der Box zur vierten Staffel weitere sehenswerte Specials. In den Menüpunkten "Making Of", "Abbey Kamera" und "Die neuen Schauspieler" wird dem Zuschauer ein toller Einblick in die Entstehung der vierten Staffel und die detailverliebte Arbeit am Set gewährt. Alle Specials sind durchaus sehenswert und liebevoll mit schönen Bildern, interessanten Hintergrundinfos und diversen Interviews der Schauspieler und Verantwortlichen gespickt.

Technische Details

Erscheinungstermin: 12. Juni 2014
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: ca. 512 Minuten (8 Episoden + Weihnachtsspecial)
Bildseitenformat: 16:9 - 1.78:1
Sprache (Tonformat): Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französich, Spanisch, Niederländisch

Fazit

Auch wenn die vierte Staffel von "Downton Abbey" für meinen Geschmack ein paar zu viele dramaturgische Schwächen aufweist, ist und bleibt diese Serie nach wie vor einfach ein wahrer Genuss und ist auch in seiner, doch schwächeren, Fortsetzung unglaublich sehenswert.

Nina V. - myFanbase

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