Bewertung: 7

Review: #4.02 Wild World

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In der vergangenen Woche ist der "Grey's Anatomy - Die jungen Ärzte"-Ableger, "Seattle Firefighters - Die jungen Helden", gut in die vierte Staffel gestartet, die uns in eine völlig neue Serienwelt eingeführt hat. Denn am Set der ABC-Serie hat man sich wirklich eindrucksvoll bemüht, die neue Realität angesichts einer weltweiten Pandemie mit all seinen Konsequenzen authentisch darzustellen. Zudem haben wir eine Hauptfigur beerdigt. In all dem ist eine gewisse Charakterarbeit doch zu kurz gekommen. Wie gut, dass die zweite Episode ausgerechnet an dieser Front diesmal viel nachholt.

In der letzten Woche mussten wir Maya Bishop und die frisch in den Hauptcast beförderte Carina DeLuca schon mit dem Fernglas suchen, aber in dieser Woche wird ihre Beziehung mehr in den Fokus gerückt. Während es in der dritten Staffel oft anstrengend war, den beiden zuzusehen, was natürlich vorrangig an Maya lag, bin ich nach dieser Episode voll bei den beiden dabei. Und das liegt gleich an mehreren Faktoren. Der wichtigste Faktor ist sicherlich Maya, denn in der dritten Staffel war sie in ihrem Ehrgeiz zerfressen oft unerträglich. Mehr und mehr blitzt jetzt aber wieder die Maya durch, die wir mit dem Serienbeginn kennengelernt haben. Sie ist zwar immer noch die Vorgesetzte, eine gewisse Barriere zu den übrigen Kollegen wird also immer bestehen, aber sie wird wieder nahbarer. Sie hat ihre Antennen wieder mehr darauf ausgerichtet, was bei den Kollegen vorgeht und solange man weiß, was alle beschäftigt, kann man auch alle effektiver einsetzen und den Teamgeist fördern. Das hat man diesmal gesehen, als sie sowohl ein Gespräch mit Jack Gibson als auch mit Dean Miller führt. Sie behält als Chefin stets die Oberhand, aber dennoch ist da das Signal "Ich interessiere mich für dich."

Der zweite Faktor ist dann Carina. Bei "Grey’s Anatomy" war sie nie Hauptdarstellerin und auch bei "Seattle Firefighters" war sie lange höchstens als Gastdarstellerin dabei. Sie schwebte irgendwie zwischen den Welten, ohne dabei aber wirklich ein eigenes scharfes Profil zu entwickeln. Bei "Grey’s Anatomy" ist sie mir als Ärztin in Erinnerung, die in ihrem Fachgebiet kein Blatt vor den Mund nimmt und zu Orgasmen geforscht hat. Zudem war sie oft in Sorge um ihren Bruder Dr. Andrew DeLuca. Bei "Seattle Firefighters" war sie eben die Liebhaberin von Maya und auch das musste man mit einem großen Fragezeichen versehen, so eklig wie diese teilweise war. Mehr war über Carina lange nicht zu sagen, aber nach genau dieser Episode habe ich wirklich Hoffnung, dass ihre Zeit zu scheinen kommen wird. Ihr Gespräch mit Ben Warren ist mir sehr ans Herz gegangen, weil sie in ihrer emotionalen Ansprache so vieles auf den Punkt gebracht hat, was medizinisches Personal in diesen Zeiten an Gedanken begleitet. Zwar bin ich noch ein wenig skeptisch, wie sinnvoll Carina auf Dauer als Hauptdarstellerin eingebunden werden kann, aber da eben bei ihr und auch bei Maya aktuell großes Potenzial vorhanden ist, funktionieren die beiden in einem dritten Faktor auch zusammen so gut. Sie sind süß miteinander, sie sind mitreißend und man schaut positiv auf eine Zukunft mit ihnen.

Der angesprochene Ben ist noch ein wenig das Sorgenkind der Staffel. Seit der letzten Woche hat er seinen Ruf als Papa der Kompanie weg, weil er so akribisch auf die Einhaltung der Abstandregeln und ähnlichem setzt. In dieser Woche wird dieser "Gag" wieder aufgegriffen und diesmal noch dadurch unterstützt, dass Ben für jeden ein offenes Ohr hat. Neben Carina ahnt er auch schnell bei Travis Montgomery, dass diesen etwas nachhaltig beschäftigt und sich deswegen auch auf die Arbeit auswirkt. Ben ist zwar ein hervorragender Ratgeber, weil er eben empathisch durch und durch ist, aber das darf nicht ausschließlich seine Handlungsbögen sein. Also bitte wieder etwas mehr für Ben alleine. Zurück zu Travis, der in der letzten Woche hart davon getroffen wurde, dass sein Vater offenbar auch schwul ist. Seitdem geht er beiden Elternteilen gekonnt aus dem Weg, doch Verdrängung hilft eben nicht, sie entfacht regelrecht seine Wut und hier wurde eine passende Metapher mit dem wilden Tiger gefunden, den Travis mit seinem Outing rauslassen konnte, sein Vater aber nicht, der damit aber auch maßgeblich sein Leben beeinflusst hat. Es wird spannend werden, wie Konfrontation sich hier entwickeln wird.

Der wilde Tiger hat auch Einfluss auf die Beziehung zwischen Dean und Victoria "Vic" Hughes. Ich mag die beiden wirklich gerne zusammen, als Freunde schon lange, ob als mögliches Liebespaar muss sich erst noch zeigen. Aber mir war es erstmal wichtig, dass die beiden diese aggressiven Spannungen zwischen sich abgebaut haben. Dean ist eben Dean, er kann sich seinen Gefühlen nicht so eloquent wie andere stellen. Er verpackt stets alles – oft auch unbeabsichtigt – in Humor, was aber für seinen Konflikt mit Vic jetzt nicht hilfreich war. Kein Wunder, dass sich ihre Wut also immer mehr angestaut hat und schließlich nach und nach geplatzt ist. Es war auch absolut nachvollziehbar, dass Vic zu ihrer Kleinfamilie auf Zeit eine immense emotionale Bindung aufgebaut hat. Und sie wurde ihr ohne jegliche Erklärung geraubt. Natürlich verlangt sie Antworten, doch Dean kann ihr keine geben, ohne nicht eine neue Wahrheitsbombe hochgehen zu lassen. Gut, dass der Tiger vorerst das Kriegsbeil begraben lässt, denn wie Dean Vic gerettet hat, hat ihr gezeigt, dass sie sich seiner als ihr Freund auf jeden Fall sicher sein kann. Nun ist eben nur die Frage, ob Dean irgendwann mutig genug sein wird, oder ob doch auch Vic plötzlich romantische Gefühle entwickelt.

Bei Jack muss man noch etwas abwarten. Inara ist bislang noch keine Figur, die nachhaltig Eindruck hinterlassen durfte, dementsprechend fällt es natürlich schwer, sich jetzt unbedingt die beiden als Paar zu wünschen. Wenn sie etwas mehr eingebunden werden könnte, könnte ich mir aber vorstellen, dass sie erstmal ein sehr guter Einfluss für Jack werden könnte. Sie kennt Familienleben, sie wird seinen Wunsch danach nachvollziehen können und sie ist eben erfahren, womit sie auch seiner manchmal naiven Seiten gut tun wird. Aber ich verstehe, dass Jack erstmal auf die Bremse drückt, denn immerhin hat er gelernt, was seine Muster sind und er hat schlichtweg Angst, diese einfach wieder zu bedienen.

Einen starken Handlungsbogen hatte auch wieder Robert Sullivan. Es ist nachvollziehbar, dass der Prozess weg von der Abhängigkeit nicht nur eben, sondern auch steinig ist. Auch wenn er sein Werteverständig für sich erstmal geklärt hat, so muss er auch wieder lernen, sich selbst zu lieben und für sich das Positive zu wollen und nicht nur für andere. Nun war Sullivan nie jemand, der gerne über Gefühle redet, weswegen eine Online-Selbsthilfegruppe, die zum Verstecken einlädt, für ihn auch tatsächlich die völlig falsche Entwicklung ist. Aber er hat gute Leute an seiner Seite, die all das schon selbst durchgemacht haben: Dr. Amelia Shepard und Dr. Richard Webber. Ich finde, dass hiermit unterstrichen wurde, wie ständige kleinere Crossovers zwischen "Seattle Firefighters" und "Grey’s Anatomy" qualitativ laufen müssen. Es wurden genau die richtigen Charaktere für Sullivan zum Anvertrauen ausgesucht und der ganze Verlauf innerhalb der Episode wirkt völlig natürlich und logisch. Hier hatte ich nicht den Eindruck, dass diese Szenen sein mussten, um sagen zu können, dass es wieder eine Querverbindung zwischen den beiden Serien gab. Es wirkte so, wie es OneChicago schon seit Jahren erfolgreich betreibt.

Abschließend noch zum schwächsten Handlungsbogen dieser Episode. Nachdem nun in der vergangenen Woche aufgelöst wurde, warum der Tod von Elena vorgetäuscht wurde, versucht Andy Herrera in dieser Woche ihrer Familie in Form von Tante Sandra, Onkel und Cousine wieder näherzukommen. Grundsätzlich finde ich die Idee dahinter wichtig, aber gleichzeitig hatte ich auch den Eindruck, dass es Andys Entwicklung nicht entscheidend vorangebracht hat. Weiterhin bleiben noch Details zu Elenas Motivation offen, warum muss jetzt hier also nochmal nachgehakt werden, warum Pruitt Herrera sich dafür entschieden hat, Elena für tot zu erklären? Es war doch eh klar, dass er es für Andy getan hat, um sie zu schützen. Es war sicherlich schön, dass wir Andy losgelöst vom Arbeitsalltag auf den Spuren ihres Erbes gesehen haben, aber dennoch hatte ich nicht das Gefühl, dass es diese Szenen wirklich gebraucht hätte, um mehr zu verstehen.

Fazit

In dieser Woche darf es wieder ganz schön viel Charakterarbeit bei "Seattle Firefighters" sein, was dieser Episode sehr gut tut, so dass sich der gute Staffelauftakt hier erstmal bestätigt. Vor allem Maya und Carina, Dean und Vic sowie Sullivan haben mir besonders gefallen, da es bei ihnen in die notwendige Richtung geht. Da müssen Ben und Andy noch etwas nachholen, aber die positive Grundstimmung ist damit nicht zu trüben.

Lena Donth – myFanbase

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