Bewertung: 6

Review: #3.21 Krieg

Foto: Tim Daly, Private Practice - Copyright: 2010 ABC Studios
Tim Daly, Private Practice
© 2010 ABC Studios

Während der Gerichtsverhandlung, in welcher Violet für das gemeinsame Sorgerecht für Lucas kämpft, werden nicht nur Pete und Violet mit ihren Problemen, Ängsten und mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, sondern auch die anderen Praxisinhaber müssen sich einigen unangenehmen Details aus ihrem Leben stellen. Eine Folge, die die Charaktere zum Nachdenken anregt und hoffentlich den einen oder anderen von ihnen dazu bringt, sich aus der festgefahrenen Situation, in welcher mancher von ihnen zweifellos steckt, zu lösen.

"Why are we here today Dr. Turner?" – "I'm here for my son Lucas. I want to share custody of him."

Die Folge dreht sich vor allem um Violet Turner und um ihre nun endlich erwachten Muttergefühle für Lucas. Dadurch, dass sie sich entschieden hat vor Gericht um das gemeinsame Sorgerecht für Lucas zu streiten, sind ihre Freunde dazu gezwungen, ihre Fähigkeit als Mutter zu beurteilen und diese dem Gericht während der Verhandlung mitzuteilen. Diese Situation ist sicher für keinen der Parteien einfach. Violets Freunde sind in einer Lage, in der sie, sicherlich ungewollt, Violet verletzen und Violet selber muss mit der Tatsache umgehen, dass der größere Teil ihrer Freunde der Meinung ist, dass sie nicht oder noch nicht fähig ist, Lucas eine gute Mutter zu sein.

Natürlich ist Violet nach den Aussagen ihrer Freunde, speziell nach derjenigen von Cooper verletzt und fühlt sich verraten. Ich habe mich hier gefragt, was sie denn genau erwartet hat? Es ist zwar schön zu sehen, dass Violet Fortschritte gemacht hat und sich inzwischen auch für Lucas interessiert, und es ist natürlich aus meiner Sicht auch absolut verständlich, dass sie nach dem, was sie durchgemacht hat, eine Weile lang nicht fähig war ihre Mutterrolle zu übernehmen. Doch kann sie doch nicht erwarten, dass ihr, nur weil sie jetzt einen Schritt auf Lucas zugeht und sich langsam vorstellen kann Mutter zu sein, gleich das gemeinsame Sorgerecht zugesprochen wird. Eigentlich müsste Violet damit gerechnet haben, dass ihre Freunde in so einer Situation ehrlich sein werden und, als Freunde und auch als Ärzte, vor allem im Wohle von Lucas handeln.

Wenn ich mir den Schluss der Folge anschaue, denke ich, dass genau dieser Punkt auch Violet klargeworden ist und sie sich mit der Entscheidung des Richters zufrieden geben kann. Sie muss zuerst einmal lernen eine Beziehung zu Lucas aufzubauen, bevor sie sich Gedanken um das gemeinsame Sorgerecht mit Pete machen kann.

Was mir an der Folge jedoch sehr gut gefallen hat, war, dass Violet wie übrigens auch andere Charaktere sich endlich einen Schritt nach vorne bewegt hat und sich aus ihrer festgefahrenen Situation lösen konnte beziehungsweise sich hoffentlich noch lösen wird. Violet hat endlich, wenn auch ohne es zu wollen, eine Therapie gemacht und hat dabei eingesehen, dass sie sich, Psychologin oder nicht, einfach nicht selber helfen kann. Dadurch kann sie sich hoffentlich irgendwann einmal verzeihen, indem sie einsieht, dass es sicherlich nicht ganz falsch war, zuerst einmal sich selber zu heilen und Lucas während dieser schwierigen Zeit in Obhut seines Vaters zu geben. Denn ich glaube, dass sie sich nicht sofort um Lucas gekümmert hat und sich psychisch von ihm distanziert hat, kann man ihr nach dem, was sie durchmachen musste, nicht vorwerfen.

"Are you still in love with me?"

Pete ist, neben Violet, sicherlich die zweite leidtragende Figur in dieser Folge. Obwohl er, auch wenn dies in dieser Episode durch die Umstände vielleicht nicht so spürbar gewesen ist, Violet noch liebt, muss er sich selbstverständlich Gedanken darüber machen, was das Beste für Lucas ist. Und niemand kann Pete einen Vorwurf machen, wenn er alles versucht um das gemeinsame Sorgerecht, wenigstens vorerst noch, zu verhindern. Klar, sind die Waffen, mit denen Pete kämpft, nicht unbedingt fair, aber erstens hat seine Anwältin ihm ziemlich Druck gemacht, indem sie ihm erklärt, Violet sei der Feind, und zweitens will Pete im Interesse seines Sohnes handeln und wie er zum Schluss klarmacht, ist er bereit Violet in Lucas' Leben zu lassen, aber halt vorerst unter gewissen Bedingungen und das gemeinsame Sorgerecht geht für ihn zur Zeit einfach etwas zu weit.

Trotzdem mochte ich die Szene in der Addison Pete klarmacht, dass seine Mittel um den Sorgerechtsstreit zu gewinnen, unfair sind und es überhaupt nicht seine Art ist, so etwas zu tun. Dass sie damit genau ins Schwarze getroffen hat, beweist Petes Aussage am Schluss. Denn hier gesteht er Violet doch indirekt, dass er sie immer noch liebt und dass er sich auch freuen würde sie in Lucas Leben zu haben. Aber eben alles zu seiner Zeit. Die Tatsache, dass Violet Pete noch immer liebt, hat mich nicht wirklich überrascht, aber es war schön zu sehen, dass sie es vor sich selber endlich zugibt. Ich hoffe, sie bringt in nächster Zeit den Mut auf, diese Gefühle Pete zu gestehen, denn so könnten sich nicht nur Violet, die sich meiner Meinung nach gerade in dieser Episode extrem weiterentwickelt hat, sondern auch Pete endlich darüber klarwerden, was sie wirklich wollen. Denn Petes Beziehung zu Addison ist meiner Meinung nach einfach eine Flucht, da er Angst vor dem Alleinsein hat und sicherlich auch jemanden braucht, der ihm mit Lucas hilft, und wer wäre da besser geeignet als eine gute Freundin.

"Then when these five minuts are up, you go walk back in that court room and you're gonna fight for your son."

Die einzige, die neben Charlotte, die ihre positive Aussage selber zunichte macht, hinter Violet steht, ist Naomi. Doch auch Naomi spricht in ihrer Aussage mehr die schreckliche Situation an, in welcher Violet gesteckt hat beziehungsweise teilweise immer noch steckt. Sie will dem Gericht klar machen, dass es einen Grund dafür gibt, dass Violet ein Jahr lang nicht fähig war, für Lucas zu sorgen und sich nicht in der Mutterrolle zurechtfinden konnte. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob Naomi wahrhaftig auch der Meinung ist, dass Violet jetzt schon das gemeinsame Sorgerecht für Lucas erhalten soll oder ob ihre Aussage etwas durch die Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis sowie ihr eigenes Verhältnis zu ihrer Tochter geprägt ist.

Doch ich habe mich nicht über eine Szene zwischen Naomi und Violet gefreut, sondern über eine zwischen Naomi und Sam. Ich denke durch den Sorgerechtsstreit ist Naomi klar geworden, dass sie endlich ihren Groll gegenüber ihrer eigenen Tochter überwinden und sich mit der Situation abfinden muss. Endlich kann sie sich dazu durchringen und Interesse an Mayas Schwangerschaft zeigen, ja sie setzt sich sogar mit dem Gedanken auseinander, dass sie in nächster Zeit Großmutter werden wird. Ich hoffe, dass dies nicht wieder eine einmalige Sache ist, sondern dass Naomi wirklich einen Schritt auf ihre Tochter zugeht und somit dieses Problem endlich aus der Welt schaffen kann.

"Do you believe that Violet Turner is a fit mother?" – "No I don't"

Die Aussage von Cooper hat Violet wohl am meisten getroffen, was, wenn man die Beziehung der Beiden betrachtet, auch absolut verständlich ist. Schließlich ist er ihr bester Freund. Doch betrachtet man das Ganze mal von Coopers Seite aus, war es sicherlich für ihn genauso schmerzhaft und schwierig. Denn er wollte beziehungsweise will sicherlich nur das Beste für Violet. Er musste sich also entscheiden, ob er seine Freundin mit einer Aussage verletzt und ihre Freundschaft aufs Spiel setzt, dabei aber ehrlich ist und auch in seiner Funktion als Kinderarzt das tut, was für Lucas das Beste ist, oder ob er sich irgendwie windet, keine klare Aussage macht, dafür aber Lucas' Wohl aufs Spiel setzt. Meiner Meinung nach hat sich Cooper genau richtig entschieden und ich denke, wenn Violet etwas länger darüber nachdenken kann, wird sie dies auch einsehen. Denn gerade die Freundschaft zwischen Cooper und Violet ist eine Konstante in "Private Practice" und so leicht wird sich diese sicher nicht zerstören lassen.

Zum Schluss nimmt Cooper seinen Mut zusammen, geht zu Charlotte und ist auch dort ehrlich, indem er ihr gesteht, wie wichtig sie ihm ist. Ich hätte erwartet, dass Charlotte ihm danach die Türe vor der Nase zuknallt oder ihm wieder irgendwelche Bösartigkeiten an den Kopf wirft. Um so überraschter, im positiven Sinne, war ich, als sie seine Worte erwidert und sogar seine Einladung zum Essen annimmt. Vielleicht besteht auch bei diesem Paar noch Hoffnung und sie finden wieder zueinander oder können wenigstens wieder normal miteinander umgehen.

"Do you believe Violet Turner is a fit mother?" – "No I do not believe Violet Turner is a fit mother."

Addison hat Pete versprochen in der Verhandlung ehrlich zu sein und genau das war sie auch. Doch ihre Ehrlichkeit hatte zur Folge, dass die Anwältin von Violet sie gnadenlos mit ihrer Vergangenheit konfrontierte. Weder die Affären mit Marc und Noah noch die Tatsache, dass sie keine Kinder bekommen kann, bleibt unerwähnt.

Die Reaktion von Addison fand ich bewundernswert und die Szene hat mir sehr gut gefallen. Denn sie hält an ihrem Versprechen fest und bleibt dem Gericht gegenüber ehrlich, indem sie auch zugibt, dass sie gerne so etwas wie eine Ersatzmutter für Lucas ist, was meiner Meinung nach jedoch nicht die Glaubwürdigkeit ihrer Aussage über Violet als Mutter in Frage stellt.

Nach Addisons Aussage habe ich mir jedoch die Frage gestellt, ob Lucas mit ein Grund ist, weswegen Addison noch mit Pete zusammen ist? Denn egal ob die sexuelle Zweckgemeinschaft beide zur Zeit etwas von ihren Beziehungsproblemen ablenkt, erwarte ich vor allem von Addison, dass sie sich erwachsen verhält und sich endlich entscheidet, was sie will und schließlich aus dieser Entscheidung auch ihre Konsequenzen zieht. Es besteht die Möglichkeit, dass Lucas in diesen Entscheidungen auch eine Rolle spielt, aber ich hoffe wirklich, dass dies nicht einen größeren Handlungsstrang einnimmt, denn Addison weiß genau, dass sie nie Lucas' Mom ersetzen kann, und somit wäre diese Wendung für mich einfach nur nervig. Glücklicherweise hat mich der Schluss und das kurze Gespräch zwischen Addions und Violet wieder etwas von diesem Gedanken abgebracht und vielleicht hat diese Gerichtsverhandlung auch bei Addison bewirkt, dass sich ihr Charakter aus der Starre lösen und sich weiterentwickeln kann.

"I'm in love with Addison. I love her, and at the same time I hate her."

Sam ist mein Lieblingscharakter bei "Private Practice" und auch in dieser Folge konnte er mich wieder überzeugen. Seine Aussage gegenüber Violet, dass er Addison gleichzeitig liebt und hasst, ist in seiner Situation absolut glaubwürdig. Denn es ist sicherlich nicht gerade einfach, wenn man jemanden liebt und dauernd beobachten muss, wie sich dieser Mensch mit einem anderen trifft und mit diesem heile Familie spielt. Dass es sich bei dem anderen Partner noch um einen sehr guten Freund handelt, macht die Lage noch um einiges schwieriger. Wenn man es von dieser Seite aus betrachtet, verhält sich Sam ziemlich fair. Im Gegensatz zu Pete und Addison, die meiner Meinung nach absolut keine Rücksicht auf Sams Gefühle nehmen. Hier hätte ich übrigens auch von Petes Seite aus einmal eine Intervention erwartet, da dieser ja schließlich auch mit Sam befreundet ist.

Trotz seiner in jüngster Vergangenheit sicherlich nicht sehr einfachen Situation (ich denke hier an die Schwangerschaft und Hochzeit seiner Tochter sowie an seine unerwiderten Gefühle für Addison), ist Sam für mich der stabilste Charakter der ganzen Serie und daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er die Aussage bei der Verhandlung verweigert hat. Meiner Meinung nach hat er genau das Richtige getan. Wie er selber sagt, wäre seine Aussage durch die Gefühle für Addison beeinträchtigt gewesen und hätte somit nicht der Wahrheit entsprochen, was gleichzeitig heißt, er ist mit Cooper und Addison einer Meinung und findet, dass Violet noch nicht bereit für das gemeinsame Sorgerecht ist.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Charakteren, sehe ich bei Sam in jeder Folge eine Weiterentwicklung oder wenigstens einen Versuch dazu. Er hat sich nach anfänglichen Schwierigkeiten, die absolut berechtigt gewesen waren, mit Mayas Schwangerschaft und deren Hochzeit abgefunden und hat sie dabei unterstützt. Er hat Naomis Ausraster nicht still ertragen und sie in ihrer Meinung noch bestätigt, nein, er hat sie klar und deutlich in die Schranken verwiesen und auch, wenn ihn Addisons Zurückweisung sehr verletzt hat und er sicherlich noch lange nicht darüber hinweg ist, versucht er sich damit abzufinden und damit zu leben, dass Addison Pete ihm vorgezogen hat.

Fazit

Die Folge ist ganz sicher gewöhnungsbedürftig und beim ersten Mal schauen war ich überhaupt nicht begeistert und dies, obwohl ich der dritten Staffel bisher eigentlich positiv gegenüber stand. Doch als ich mir für die Review die Folge noch einmal angeschaut habe, musste ich meine Meinung revidieren. Denn es geht nicht nur um den Sorgerechtsstreit zwischen Pete und Violet, es geht darum, auch den anderen Charakteren ihre Situation aufzuzeigen, und hat hoffentlich zur Folge, dass sich die Serie von einigen festgefahrenen Storylines, wie beispielsweise Naomis Wut über Maya und die Beziehung zwischen Pete und Addison, lösen und sich somit einen Schritt nach vorne bewegen kann.

Maria Schoch - myFanbase

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