Bewertung: 2

Review: #3.17 Der imaginäre Freund

Foto: James Morrison, Private Practice - Copyright: 2010 ABC Studios
James Morrison, Private Practice
© 2010 ABC Studios

Nun langsam scheint der ganze Mist, den die Serie nach und nach in dieser Staffel aufgebaut hat, auf eben jene einzuprasseln. In dieser Folge wurden nicht nur völlig neue Mist-Storys gesponnen, sondern es gab am Ende auch eine überraschende und etwas seltsam anmutende Aufklärung der lange vorbereiteten Addison/Sam-Storyline.

Did it ever occur to you that maybe she likes me? - ... No.

Es war schon eine dumme Idee, dass Charlotte und Sheldon überhaupt miteinander schlafen. Doch dann hoffte man als Zuschauer doch wenigstens, dass es nur das wäre, was in der Serie selbst angesprochen wurde: eine dumme Aktion, die Charlotte über Cooper hinweg helfen sollte. Es begann dann in dieser Episode auch eigentlich recht amüsant. Cooper hat seinen Humor zurück und macht sich erstmal schön über Charlottes und Sheldons Stelldichein lustig. Dann gibt es wieder das Shonda-Rhimes-Typische: Sheldon und Cooper tragen ihren Konflikt über Charlotte in einem Konflikt über eine gemeinsame Patientin aus. Es kommt zu einer äußerst lustigen Prügelei und ich kann mich Cooper nur anschließen: Nein, ich hätte nicht gedacht, dass Charlotte Sheldon mag. Hatten die nicht in der letzten Episode das erste Mal überhaupt Kontakt miteinander? Und dann in dem Zustand? Ach, einfach wieder so ein Schwachsinn, mit dem sich die Serie so langsam aber sicher lächerlich macht. Wüsste ich es nicht besser, würde ich denken, dies sei eine Satire auf "Grey's Anatomy". Glücklicherweise gibt es ja noch Raum für etwa drei Staffeln, in denen man dann noch die Kombos Charlotte/Pete, Naomi/Sheldon, Sam/Violet und meinen persönlichen Favorit Cooper/Dell (der derzeit das George-O'Malley-Treatment bekommt und ignoriert wird) ausprobieren könnte. Es ist definitiv noch Luft nach oben, Leute.

Aber Galgenhumor beiseite, es ist wirklich bemitleidenswert, wie die Serie verzweifelt versucht, einen Charakter weiterhin in die Serie einzubinden, der seine Daseinsberechtigung schon längst verloren hat. Stattdessen könnte man mal etwas Zeit darauf verwenden, Charaktere wie Fife etwas mehr auszugestalten und für den Zuschauer interessanter zu machen oder mal seine Hauptcharaktere wieder in die Realität zurück zu holen. Aber natürlich ist es leichter, wieder überall einfach Liebesdreiecke und sonstige Sexgeschichten einzubauen, statt mal tatsächlich Charakterarbeit zu betreiben. Zum Heulen ist es.

I would gladly sacrifice our date in the name of science.

Das unsägliche Dreieck mit Naomi, Fife und William White wird weiterhin ausgebaut, indem William nun krank ist und deswegen eine Behandlungsmethode gegen die Regeln durchdrücken will, was erstmal schon wirklich wieder super ist. Doch dann kommt noch dazu, dass Pete Fife von der Krankheit erzählt und der daraufhin seine Unterstützung zurücknimmt. Hier will man wieder ganz clever sein und den Zuschauer im Ungewissen lassen, ob Fife dies nun aus Überzeugung getan hat oder um einen Keil zwischen Naomi und William zu treiben. Doch es ist jetzt schon vorhersehbar, dass nicht nur letzteres funktioniert hat, sondern die Tatsache, dass Fife Naomi die Krankheit verschweigt, in wenigen Episoden auch zum Zwist zwischen diesen beiden führen wird. Die Serie versteht es wirklich, den Zuschauer gebannt vor den Bildschirm zu fesseln.

Mommy Issues

Ah, jetzt kommt man also endlich auf die seltsame Story mit Addys Eltern zurück und das auf denkbar platte Art und Weise. Addison hat "mommy issues" und befindet sich deshalb in ihrem komischen Pete/Sam-Dilemma. Obwohl ich mittlerweile auf Grund der zahlreichen Beziehungskonstellationen schon ganz verwirrt bin, wäre mir ehrlich gesagt Pete/Addison weitaus lieber als Addison/Sam. Leider ist bereits absehbar, dass das böse enden wird. Gerade in Serien hat es eigentlich noch nie funktioniert, wenn Charaktere ihre Zuneigung zu einem anderen Charakter unterdrücken und stattdessen eine "Vielleicht könnte ich dich lieben"-Beziehung mit einem anderen eingehen. In der Realität mag das sogar funktionieren, ob man dabei glücklich wird, ist eine andere Frage.

Was mich noch viel mehr genervt hat als Sheldons Psychoanalyse und Addisons wahrlich vorhersehbare Entscheidung, die ja kommen musste, da Sex zwischen Freunden in Serien einfach nie gut geht (in der Realität kenne ich mich damit leider (?) nicht aus), war, wie platt und klischeehaft die Patientenstory angegangen wurde. Natürlich widerspricht Addisons größte Konkurrentin und ewige Zweite, die man nun abartigerweise mit Addisons Maybe-Freund verbandelt hat, wahrscheinlich teilweise, um endlich aus ihrem Schatten herauszutreten, und natürlich endet das Ganze böse. Ich kann gut verstehen, dass der Ehemann der nun hirntoten Schwangeren am Boden zerstört und sauer ist, denn auch als Zuschauer kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass hier zu viel Ego und zu wenig Patient im Mittelpunkt stand. Die ganze Story empfand ich als äußerst unangenehm.

Immerhin am Ende kann die Folge dann wirklich nochmal mit einer Überraschung aufwarten. Ich hatte wahrlich nicht erwartet, dass Naomi ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt Wind von Addison und Sam bekommt. Was mich etwas verwirrt, ist, dass sie die beiden in einer denkbar unschuldigen Situation erwischt hat, die mehr nach zwei Freunden aussah, die sich gegenseitig trösten. Natürlich machten sich die beiden durch ihr Wegzucken mehr als verdächtig, aber auch schon in den Sekundenbruchteilen davor wirkte Naomi sehr misstrauisch. Nun gut, hier bricht jetzt also der nächste Konflikt aus und das ist einer, auf den ich nun wirklich gar keine Lust habe. Andererseits geht es mir mit fast allen anderen Storys der Serie momentan genauso.

Fazit

Wieder eine anstrengende Folge mit vielen Szenen, die schwer zu ertragen oder schlichtweg langweilig waren. Sheldon muss gehen, alle Hauptcharaktere sollten für eine Weile ins Kloster und Addison einer Gehirnwäsche unterzogen werden. Vielleicht ist die Serie so noch zu retten, aber ich wage es zu bezweifeln.

Nadine Watz - myFanbase

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