Bewertung: 6

Review: #9.01 Die Hölle auf Erden

Foto: One Tree Hill - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
One Tree Hill
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Totgesagte leben bekanntlich länger – das scheint auch für Fernsehserien zu gelten: Seit der sechsten Staffel von "One Tree Hill" wird dem CW-Veteranen das Ende vorhergesagt, #6.23 Für immer und fast ewig und #6.24 Fast alle Träume werden wahr wurden sogar extra als großes Serienfinale zusätzlich zur üblichen Back-Nine-Order bestellt. Aber die "little show that could" blieb hartnäckig, ebenso wie ihre kleine, aber glühende und beständige Anhängerschaft und so kommt es nun also dazu, dass ich nach #6.01 Hochzeitspläne, #7.01 Familienbesuch und #8.01 Asleep At Heaven's Gate auch die Review zum Auftakt der sage und schreibe neunten Staffel schreiben darf. Und ja, ich muss gestehen, dass meine Euphorie im Gegensatz zu den vorherigen Staffelpremieren nach der äußerst durchwachsenen achten Staffel nur in sehr beschränktem Ausmaß vorhanden ist. Aber da es nun wirklich, tatsächlich und endgültig der Anfang vom Ende sein wird, konnte ich es mir natürlich nicht nehmen lassen, #9.01 Know This, We Noticed nicht nur anzuschauen, sondern auch meine Gedanken darüber mal wieder schriftlich darzulegen.

I say hell is empty and all the devils are here.

13 Folgen wird es also noch geben von einer meiner alltime favorite Serien und ich bin gespannt ob das von mir festgelegte Gesetz, dass die ungeraden Staffeln besser sind als die geraden auch für die neunte Staffel gilt. Vom Problem der achten (und übrigens auch der sechsten) Staffel, dass das Leben in Tree Hill von belanglosen Friede-Freude-Eierkuchen-Geschichten beherrscht wird, scheint die neunte Staffel schon mal nicht betroffen zu sein – das suggerieren zumindest die ersten zwei Minuten des Staffelauftakts, die für einige Verwirrung stiften, ob man tatsächlich "One Tree Hill" anschaut oder eine ganz andere Serie. Dan Scott und Chris Keller sitzen zusammen in einem Auto (große Freude erst mal über die Rückkehr meiner zwei Lieblingsnebenfiguren) und planen irgendjemanden zu erschießen, Chase blickt finster aus dem hinteren Fenster eines Polizeiautos, Brooke randaliert in einem Café, Clay und Quinn streiten sich (oha!), Julian wird zusammengeschlagen und Haley muss eine Leiche identifizieren. Endlich wieder Drama in Tree Hill!

Und auch wenn ich etwas skeptisch ob des hohen Crime-Anteils der angedeuteten Storylines bin, gefallen mir diese zwei Minuten als Vorausdeutung des Inhalts der neunten Staffel schon mal richtig gut! Alle Charaktere scheinen bis obenhin mit Problemen beladen zu sein – das verspricht viele Emotionen und spannende Entwicklungen, auch wenn vielleicht die eine oder andere Storyline den Bogen mal wieder etwas überspannen wird. Aber in 13 Folgen ist es durchaus möglich, komplexe Geschichten zu erzählen und die Atmosphäre wirklich dicht zu halten, was die erste Hälfte der siebten Staffel bewiesen hat. Daumen hoch also für die ersten zwei Minuten, Daumen runter für die Tatsache, dass der Rest der Episode völlig losgelöst von diesen Ereignissen ist. Foreshadowing in allen Ehren, aber ein bisschen von der Düsternis des Teasers hätte sich durchaus auch in der Folge selbst widerspiegeln können. Denn so erinnert der Staffelauftakt im weiteren Verlauf doch sehr an die Belanglosigkeit der letzten Staffel.

Stop telling my girlfriend her song is crappy, I had an amazing sex life until you showed up!

Bestes Beispiel dafür sind Alex und Chase deren unglaublich spannende Storyline darin besteht, dass sie zwei Tage lang nicht miteinander schlafen. Wow. Werden die beiden nun analog zu Brooke und Julian in Staffel acht zum ständig kopulierenden Paar der neunten Staffel, bei dem sich alles nur noch um Sex dreht? Und wieso ist Chase immer noch Barmanager, nachdem er in #8.22 This Is My House, This Is My Home ein Jahr lang weg war um seinen Pilotenschein zu machen? Ist man als ausgebildeter Pilot so unterbeschäftigt, dass man noch einen Zweitjob ausüben kann? Und gibt es in beiden Berufszweigen keine interessanteren Geschichten zu erzählen als die aus den fadenscheinigsten Gründen heraufbeschworene Flaute im Bett? Dabei will ich keineswegs sagen, dass das Thema an sich uninteressant ist, aber dann sollte es auch mit der dementsprechenden Wirkung behandelt werden. Stattdessen wird hier in der ersten Folge wieder einmal bestätigt, dass der Hauptcharakterstatus von Chase jeglicher Grundlage entbehrt und dass Alex dasselbe Schicksal droht.

Im Gegensatz zu Chase darf Alex immerhin noch mit anderen Charakteren agieren und zwar in Gestalt von Chris Keller, der die Handlung erfreulicherweise zumindest ein bisschen aufmischt. Um es gleich vorneweg zu sagen: ohne Tyler Hilton und seine schlagfertige, erfrischende und auf liebenswerte Art enervierende Darstellung von Chris hätte diese Episode bestimmt zwei Punkte weniger bekommen. Es war absolut herrlich, in der harmonieumwölkten Stimmung mal wieder knallharte Chris-Keller-Sprüche zu hören, kombiniert mit seiner Selbstverliebtheit, dem spitzbübischen Grinsen und der Besessenheit, absolut jeden in seinem Umfeld auf die Palme zu bringen. Dass er mit seinem unzweifelhaft vorhandenen Musikwissen nun das Plattenlabel übernimmt, ist ein gut durchdachter Wiedereinstieg und seine spontane Neuproduktion von Alex' Song bringt die nötige Lebendigkeit in die ansonsten zum Einschlafen langweilige Storyline (und Beziehung) von Chase und Alex.

Allerdings bin ich mir noch nicht ganz sicher, in welche Richtung sich die Kabbelei zwischen Alex und Chris entwickeln soll. Eine Wiederholung der Geschichte zwischen Haley und Chris, also ein Problem zwischen Alex und Chase zu stiften ohne einen tatsächlichen neuen love interest einzubringen, wäre zu einfallslos. Die Alternativen wären also eine tatsächliche Romanze oder Affäre zwischen Chris und Alex oder eine reine Freundschaft, die dann aber auch nicht von Eifersuchtsanfällen seitens Chase begleitet wird bzw. die Beziehung von Chase und Alex einfach gar nicht beeinflusst. Aber da in dieser ersten Folge der neunten Staffel bereits dieses von Chris ausgehende Störungsmoment angelegt ist, vermute ich, dass es auf eine wie auch immer geartete Beziehung zwischen ihm und Alex hinauslaufen wird.

I don't remember anything. I just go to bed and I wake up some place else.

Auf zur nächsten schrägen Belanglosigkeit: Clay ist zum Schlafwandler mutiert. Unglaublich spannend. Quinn bleibt die ganze Nacht wach, um auf ihn aufzupassen und schläft dann den ganzen nächsten Tag. Wahnsinns Entwicklung, ich bin absolut überwältigt vom Ideenreichtum der Autoren. Ok, jetzt mal ohne Zynismus: was soll das? Dass Clay seine tote Ex-Frau sieht, war schon grenzwertig, aber immerhin noch so schön verpackt, dass es eine gute Storyline gab. Dieser Aspekt war bei der Koma-Parallelwelt nach dem Anschlag von Katie nur noch bedingt vorhanden und dass jetzt eine weitere mentale Störung bei Clay angerissen wird, langweilt mich ehrlich gesagt schon von der ersten Minute an. Schon in der achten Staffel wurde offensichtlich, dass den Autoren keine relevanten Storys mehr für Quinn und Clay einfallen – ein ziemliches Armutszeugnis wenn man bedenkt, dass die Charaktere zu diesem Zeitpunkt gerade mal eine Staffel lang in der Serie waren. Dabei waren die beiden Figuren in ihrer Grundausrichtung aus den Anfangsfolgen der siebten Staffel durchaus komplex angelegt, aber ihre Probleme wurden einfach zu schnell gelöst und plötzlich war jegliche Komplexität verschwunden. Immerhin stehen uns, wenn man den ersten zwei Minuten glauben möchte, nicht nochmal 13 Folgen bevor, in denen das Aufregendste der Quinn/Clay-Story missglückte Selbstbräunaktionen und überfahrene Sessel sind. Aber ob das Schlafwandel-Problem qualitativ tatsächlich ein höheres Niveau erreicht, wage ich momentan noch zu bezweifeln.

Sometimes my heart aches at how my life turned out, in a good way.

Auch von Brooke und Julian ist im Auftakt der neunten Staffel nicht viel Spannendes zu sehen. Das Klischee der überforderten Zwillingseltern wird ausgepackt, wobei ich zugestehen muss, dass Julians trocken hervorgebrachte Sprüche wirklich zum Schmunzeln waren. Außerdem hat es mir gefallen, dass sich die beiden (im Gegensatz zu Clay und Quinn) um ihren Lebensunterhalt kümmern müssen und versuchen, sich neben dem Babystress eine neue berufliche Karriere aufzubauen. Auch wenn Brooke gemeinsam mit Haley "Karen's Café" führt, finde ich es sehr passend, dass die Mode sie einfach nicht loslässt. Das Designen gehört zu Brooke wie das Singen zu Haley und Basketball zu Nathan – und ich fände es eine sehr schöne Idee, wenn diese vorrangigen Talente in den letzten Folgen der Serie noch einmal aufgegriffen würden. Julians Soundstage ist auch ein guter Einfall, um ihn weiterhin als Filmemacher zu etablieren, ohne dass er Tree Hill verlassen muss: er holt die interessanten Projekte einfach zu sich, anstatt ständig monatelang unterwegs zu sein. Allerdings steckt mir hier der Handlungsstrang noch zu sehr im Ideenstatus – für eine anständige Storyline reicht es einfach nicht, Julian zu unterschiedlichen Tageszeiten stumm auf seiner Soundstage stehen zu sehen.

Die Entwicklungen bei Brooke und Julian sind also nicht schlecht, aber das Interessanteste dieser Storyline war definitiv die Ankunft von Brookes Vater. Richard Burgi gefällt mir sehr gut in der Rolle von Ted Davis und ich freue mich darauf, mehr von seinem tollen Zusammenspiel mit Daphne Zuniga zu sehen. Die beiden erinnern mich an Deb und Dan in ihrem Rosenkrieg, allerdings mit der Ausnahme, dass Victoria im Gegensatz zu Deb ihrem Ex-Mann durchaus das Wasser reichen kann. Ein Kampf der beiden um Brookes Liebe und Aufmerksamkeit scheint vorprogrammiert und das könnte durchaus interessant werden.

I know what I've done, I know what I've created… I just need a little help.

Auch in der letzten Storyline ist es eine Vaterfigur, die für das dringend benötigte Konfliktpotenzial sorgt – denn wer, wenn nicht Dan Scott, hat je für mehr Probleme in Tree Hill gesorgt? Natürlich stellt sich in dem Zusammenhang auch die Frage, ob das Feuer in Dans Diner wirklich ein Unfall war oder ob er selbst ein bisschen nachhelfen wollte, um bei seinem Sohn und seiner Schwiegertochter nicht nur einen Fuß in die Tür zu bekommen. Dass Dan aufgrund von Nathans Abwesenheit Haley um Hilfe bittet, hat mir sehr gut gefallen, nicht nur weil ich die Chemie zwischen den beiden einfach nur toll finde, sondern weil Haley anders als Nathan willens ist, Dan eine Chance zu geben. Ihre Loyalität gehört zwar Nathan, doch solange es kein eindeutiges Veto ihres Mannes gibt, will sie Dan ihre Hilfe nicht versagen. Umso krasser ist natürlich die Schlussszene, wenn Nathan nichtsahnend in das Kinderzimmer kommt und seine Tochter in den Armen eines Mörders sieht, dem er einfach nicht verzeihen kann und will. Hier freue ich mich wirklich sehr auf die weitere Entwicklung, denn es muss in diesen letzten 13 Folgen von "One Tree Hill" auf welche Art und Weise auch immer zu einer Aussöhnung zwischen Vater und Sohn kommen, nachdem Dan in den letzten vier Staffeln seine Reumütigkeit und seinen Änderungswillen des Öfteren bewiesen hat.

Die Storys rund um Haley haben mir in dieser Folge auch abseits von Dan wirklich gut gefallen: ihre Szenen mit Chris Keller haben gezeigt, dass Tyler Hilton und Bethany Joy Galeotti nach wie vor ein tolles Gespann sind, bei dem die Funken nur so sprühen. Ich hoffe, dass wir von den beiden noch mehr sehen werden und Chris nicht komplett von Chase und Alex vereinnahmt wird – vor allem weil ich auch auf jeden Fall eine Interaktion zwischen Nathan und Chris sehen will, meiner Lieblingskombination seit #3.09 Pokerspiel. Und außerdem wäre dann natürlich noch das Phantom, das in Haleys Leben herumschleicht und sich zuerst an der Türe von "Karen's Café" und später an der von Haleys Terrasse zu schaffen macht. Dass es sich dabei um Dan gehandelt hat, glaube ich eher weniger, da Dan einfach viel zu direkt ist, um sich buchstäblich durch die Hintertüre ins Haus zu schleichen. Diese Bedrohung des Scott'schen Familienfriedens, die weit über Dans Auftauchen hinausgeht, hinterlässt zusammen mit der Vorschau auf Haleys Besuch im Leichenschauhaus ein sehr mulmiges Gefühl bei mir, aber auch dafür, dass diese Storyline diejenige ist, von der ich in den kommenden Folgen am Meisten erwarte.

Fazit

Der Staffelauftakt verspricht in den ersten zwei Minuten viel – und kann davon im Rest der Folge nicht allzu viel halten. Die Serie krankt noch immer an der Einfallslosigkeit der Autoren, die es nur bedingt schaffen, eine relevante Storyline hervorzubringen. Die Highlights bislang sind eindeutig Chris Keller und Dan Scott, die gemeinsam für so viele gute Szene sorgen, dass die Folge doch deutlich besser ist als vieles, was man in der achten Staffel gesehen hat. Aber das ist, mit Verlaub, keine große Leistung und die neunte Staffel muss sich in den ausstehenden Folgen noch deutlich steigern, wenn sie tatsächlich ein krönender Abschluss werden will.

Lena Stadelmann - myFanbase


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