Bewertung: 8

Review: #6.03 Eine Hoffnung für Cinderella und Clorinda?

Aschenputtel oder auch "Cinderella", ist eines der bekanntesten und beliebtesten Märchen der Gebrüder Grimm. Tatsächlich basiert die Geschichte allerdings auf "Aschenputtel oder der kleine Glasschuh", die bereits 1697 von dem französischen Schriftsteller Charles Perraults erzählt wurde. In den 50er Jahren erhielt die Geschichte von Cinderella durch die gleichnamige Disneyverfilmung einen Popularitätsschub, obwohl der Film eher das Märchen von Charles Perraults nacherzählt, als die Geschichte der Gebrüder Grimm. Nachdem wir in #1.04 Ein hoher Preis für Gold bereits gesehen haben, wie Cinderella mit Rumpelstilzchen einen Handel eingegangen ist, um auf den königlichen Ball zu gelangen, wird nun, fünf Staffeln später, endlich erzählt, was sich auf dem Ball zugetragen hat und wie Cinderella ihren Prinzen kennengelernt hat.

"The prince loves you. You are the girl in the glass slipper. He is out there right now searching the entire kingdom for you!"

Auch hier bietet das Land der unerzählten Geschichten wieder eine wunderbare Grundlage, um die noch nicht erzählten Geschehnisse aus der Cinderella Geschichte zu thematisieren. Denn auch deren böse Stiefmutter und aus ungeklärten Gründen nur eine der beiden Stiefschwestern gelangten ebenfalls nach Storybrooke. Obwohl auch die Rückblende in Cinderellas Vergangenheit nicht von vorne bis hinten perfekt war, hat mir die Geschichte doch gut gefallen, nachdem mich die Story um den Grafen von Monte Christo bei weitem nicht überzeugen konnte. Das lag ganz einfach an dem Grund, dass Cinderellas Geschichte es nach langer Zeit als erste wieder geschafft hat, die Märchenatmosphäre aus der ersten Staffel wiederherzustellen. Da sich die Autoren in #1.04 Ein hoher Preis für Gold auf die Beziehung und den Handel zwischen Cinderella und Rumpelstilzchen konzentriert haben, wurde damals leider nicht thematisiert, wie deren Leben bei der Stiefmutter und den Stiefschwestern ausgesehen hat, sodass es mir damals ein wenig schwer fiel, mich in ihre Lage hineinzuversetzen. Das alles wird nun nachgeholt und wir lernen nun die böse Stiefmutter Lady Tremaine kennen, die mich vom Gesichtsausdruck teilweise ein wenig an Cruella De Vil erinnert hat. Während man sich bei der Stiefmutter sowohl äußerlich als auch charakterlich an der Zeichentrickvorlage von Disney bedient hat, gilt dies jedoch nicht für die beiden Stiefschwestern. Diese heißen nun Clorinda und Tisbe, was auf die Oper "La Cenerentola" von Gioachino Rossini zurückgeht und nicht wie im Disneyfilm Anastasia und Drisella. Und in diesem Bezug gab es für mich ein kleines Problem: Alle die, die wie ich das Wonderland Spin-Off verfolgt haben, können sich noch gut an die Rote Königin Anastasia erinnern. Im Verlauf der kurzlebigen Serie gab es einige Hinweise, dass Anastasia eine der Stiefschwestern von Cinderella gewesen ist. So trug sie nicht nur den Namen, sondern es wurde zum Beispiel auch gesagt, dass sich der Prinz nicht für Anastasia, sondern für ihre Stiefschwester entschieden hat, was mich erneut zu Cinderella führte. Aus diesem Grund habe ich eigentlich erwartet, dass diese Theorie nun aufgegriffen wird, was leider nicht passiert ist.

Während Tisbe im Verlauf dieser Folge genauso relevant war, wie der Drink den Lady Tremaine während des Balls in der Hand hatte und lediglich besetzt wurde, da es hieß, dass Cinderella zwei Stiefschwestern hatte, hatte die andere Schwester Clorinda schon einen durchaus wichtigeren Part. Denn diese wollte mit dem Diener des Prinzen durchbrennen und ihr altes Leben hinter sich lassen. Während sich diese Szenen abgespielt haben, musste ich leicht schmunzeln, da die Autoren es einfach nicht lassen können, wie in meiner letzten Review bereits erwähnt, alte Handlungsstränge aufzugreifen und mit anderen Figuren nochmal neu durchzuspielen. Falls sich das in Zukunft häufen sollte, werde ich dem jeweils einen Extrateil in meiner Review widmen. Aber zurück zu Cinderella. Kommt euch die Situation bekannt vor? Eine junge Frau möchte mit einem einfachen Mann vor ihrem alten Leben und vor allem ihrer herrischen Mutter fliehen und erzählt einem anderen Mädchen das. Diese erzählt das ganze Geheimnis der bösen Frau, welche das Vorhaben ihrer Tochter zunichtemacht und den Geliebten der Tochter niederstreckt. Also offensichtlicher konnten die Autoren nicht auf Snow Whites Geschichte hinweisen, die damals Cora von Reginas Geheimnis erzählte, was im Nachhinein die Ausgangslage für jene Geschehnisse bildete. Obwohl es durchaus ein netter Gedanke war, dass die eigentlich böse Stiefschwester gar nicht so böse ist, ihre Fehler einsieht und sich bei Cinderella entschuldigt und ein neues, glückliches Leben beginnen möchte, ist mir diese Szene doch eher sauer aufgestoßen. Das liegt daran, da diese Szene eine der wichtigsten Geschehnisse innerhalb der Serie darstellt und es aus meiner Sicht nicht gut ankommt, wenn man so eine wichtige Storyline nochmal mit unwichtigen Nebenfiguren wiederholt. Während Clorindas Geliebter jedoch nicht getötet, sondern lediglich niedergeschlagen wurde, verabschiedeten sich Lady Tremaine und gezwungenermaßen auch Clorinda vorerst ins Land der unerzählten Geschichten, um Jahrzehnte später ebenfalls nach Storybrooke zurückzukehren und sich Cinderella noch einmal vorzuknüpfen. Aber dazu später mehr.

Ebenfalls wurde in dieser Folge beantwortet, woher sich Snow White und Cinderella überhaupt kennen. Denn Snow und Charming waren als Gäste des Königs auf dem Ball eingeladen. Letztendlich konnte Snow durch die Hilfe der Maus Gus, die aus meiner Sicht perfekt animiert und ein schöner Verweis auf den Disneyfilm war, die eingesperrte Cinderella finden, wodurch der Heirat mit Prinz Thomas nichts mehr im Wege stand. Zu Thomas sei noch anzumerken, dass er wohl den Charakter mit der längsten Abwesenheitsspanne darstellt. Denn dieser war das letzte Mal in #1.12 Die Schöne und das Biest also vor sage und schreibe 102 Episoden zu sehen. Doch neben der ersten Begegnung mit Thomas wurde ebenfalls thematisiert, wie Cinderella zu ihrem Namen gekommen ist. Auch in der Szene bediente man sich der Disneyvorlage, denn auch Ella, wie sie ursprünglich hieß, wollte zum Ball das alte Kleid ihrer Mutter anziehen, welches anschließend von der Stiefschwester in den brennenden Ofen geschmissen wurde. Da das verbrannte Kleid nun voller Asche (im Englischen cinder) war, war schnell der neue Spitzname für die ungeliebte Magd gefunden.

"Wait, you think Cinderella is going to kill her stepsister?"

Nachdem Cinderellas Storybrooke Ego Ashley in der vierten Staffel eine Selbsthilfegruppe für junge Mütter gegründet hat, bietet diese nun an, den angekommenen Müttern aus dem Land der unerzählten Geschichten zu helfen, wobei es sich die Autoren sehr einfach gemacht haben, um Ashley nach längerer Abwesenheit wieder in die aktuelle Handlung miteinzuflechten. Da alle Namen der Neuankömmlinge auf einer Liste notiert sind, erfährt diese schnell, dass ihre verhasste Stiefmutter und Clorinda sich nun ebenfalls in Storybrooke aufhalten und sie beschließt, ihrer Schwester zu helfen. Was mit der anderen Schwester Tisbe passiert ist, wird nun nicht weiter thematisiert. Obwohl es am Anfang ein wenig seltsam aussah, dass sich Ashley bewaffnet auf die Suche nach ihrer Schwester begeben hat, diente dies lediglich dazu, die Spannung zu erhöhen. Denn letztendlich kommt es in der Scheune zu einem einigermaßen spannenden Showdown zwischen Ashley, Clorinda und Lady Tremaine, die Unterstützung von der Bösen Königin bekommen hat, bei dem Ashley schwer verletzt wird. Wie erwartet, kann diese jedoch geheilt werden und am Ende bekommt Clorinda ihr langersehntes Happy End. Ein wenig befremdlich empfand ich am Ende, die Stiefmutter in ihrem orangefarbenen Overall Müll aufsammeln zu sehen. Normalerweise werden die Bösewichte, man denke damals an Zelena oder nun Mr. Hyde, für ihre Taten weggesperrt. Selbst Isaac, der "nur" die komplette Geschichte umgeschrieben hat und den Schurken ein Happy End geben wollte, wurde für diese Tat weggesperrt, während Lady Tremaine für versuchten Mord Müll aufsammeln darf. Das Strafmaß in Storybrooke ist und bleibt somit eine unerzählte Geschichte.

"I want you to see how pointless you are. This is the tragic thing of being the saviour. You have to keep saving people. But all these happy endings are turning to dust and your entire life means…nothing!"

Obwohl ich am Ende der fünften Staffel sehr skeptisch gegenüber der Idee stand, dass Regina sich von ihrer dunklen Seite gelöst hat, bin ich mittlerweile echt begeistert davon. Um es kurz und knapp zu sagen. Die Böse Königin rockt! Denn alleine die Sprüche, die sie in den einzelnen Folgen von sich gibt, bringen endlich mal wieder ein wenig Humor in die Serie und werten sie dadurch ziemlich auf. In dieser Folge standen sich nun Emma und die Königin das erste Mal gegenüber, wodurch wieder ein Staffel 1-Feeling bei mir aufkam, da Emma nun wieder die Gute und Regina wieder die Böse ist. Obwohl Regina eine bemerkenswerte Wandlung durchgemacht hat, finde ich es schön, dass die Autoren nun einen Weg gefunden haben, wie sie den Kampf zwischen Emma und Regina wieder aufleben lassen können, aber gleichzeitig nicht Reginas Entwicklung zerstören. Für die nächsten Folgen wünsche ich mir mehr Szenen zwischen Emma und der Königin. Auch für Henry dürfte die Situation nun mehr als überfordernd sein, da er mittlerweile drei Mütter hat, was eine interessante Ausgangssituation bietet. Denn jede der drei Frauen will auf unterschiedliche Weise das Beste für Henry und ich bin gespannt, ob sich Henry nicht von der Königin um den kleinen Finger wickeln lässt.

Während Emma am Anfang nur von der Version geplagt wurde, wirkt sich dies nun auch negativ auf ihre Magie aus, was in den Szenen mit Ashley gut zu sehen war. Da Emma nun ihr Ende befürchtet, will sie ihre Beziehung mit Hook vorantreiben und fragt ihn, ob sie zusammenziehen wollen. Würde man die äußeren Umstände außer Acht lassen, hätte ich mich darüber gefreut, dass Emma so einen wichtigen Schritt auf Hook zumacht und das dies nicht immer andersherum passiert. Jedoch handelt Emma nun aus ihrer Angst heraus und nicht, weil sie wirklich dafür bereit ist. Würden jetzt andere Umstände vorliegen, hätte Emma sicherlich diesen Schritt noch nicht gemacht. Aus meiner Sicht sollte Emma ihrer Familie nun endlich davon erzählen, da alle schon mitbekommen haben, dass etwas nicht in Ordnung ist. Denn die Angst vor ihrer Zukunft wird Emma vermutlich von ihrer Familie distanzieren, falls sie diese nicht einweiht.

Randnotizen

  • Nachdem es in der letzten Folge bereits erwähnt wurde, wird David nun versuchen, das Rätsel um seinen Vater zu klären, der nicht wie bereits vermutet in einem Unfall ums Leben kam, sondern erstochen wurde. Allerdings bin ich der Story noch ein wenig skeptisch gegenüber, da mich die Geschichten aus Davids Vergangenheit nie so wirklich mitreißen konnten.
  • Neben Ashley Boyd gibt es nun ein weiteres allerdings sehr kurzes Wiedersehen mit einem altbekannten Charakter. Denn Dr. Whale hatte nach einigen Folgen Abwesenheit einen sage und schreibe 50-sekündigen Gastauftritt. Auch Dr. Jekyll bekommt nun wieder einen kleinen Handlungsbogen, indem er herausfinden soll, warum die Böse Königin trotz des zerquetschten Herzes noch am Leben ist, was ich viel interessanter finde, als die Geschichte um Davids Vater. Für diesen Plan darf Jekyll das Büro von Dr. Whale nutzen. Ich bin gespannt, ob wir Dr. Whale in den nächsten Folgen auch wiedersehen. Denn ein gemeinsames Experiment mit Dr. Jekyll stelle ich mir gar nicht so uninteressant vor.
  • Mr. Hyde hat eigentlich alles, was einen guten Bösewicht auszeichnet. Das einzige, was ihm fehlt, ist ein Handlungsbogen. Nachdem er die Bewohner des Landes der unerzählten Geschichten nach Storybrooke gebracht hat, wurde er gleich festgenommen und sitzt nun seine Zeit in der Zelle ab. Ich hoffe, dass man über ihn ein wenig mehr erfahren wird und das Potenzial, welches in seiner Figur liegt, ausschöpfen wird. Ein Anfang dafür ist schon gemacht, da die Böse Königin ihn nun endlich befreit hat.
  • Auch Belle gefällt mir in dieser Staffel richtig gut, da sie keinerlei Anzeichen macht, zu Mr. Gold zurückkehren zu wollen. Seitdem Belle sich von diesem getrennt hat, macht sie auf mich einen viel stärkeren Eindruck und ich muss gestehen, dass sie mir nach 6 Staffeln das erste Mal sympathisch wird.
  • Auch das Schicksal vom Zwerg Dopey, der am Anfang von Staffel 5 in einen Baum verwandelt wurde, wurde nun gelüftet. Obwohl wir davon nichts gezeigt bekommen haben, konnte Dopey tatsächlich befreit werden und er will nun seinen Universitätsabschluss (!!) nachholen und kann deshalb nicht mehr mit in den Minen arbeiten. Diese Auflösung finde ich ja komplett bescheuert. Hintergrund ist allerdings der, dass Dopey Schauspieler Jeffrey Kaiser die Serie verlassen hat und nicht mehr als Zwerg zu sehen sein wird.


Fazit

Obwohl mich der wiederholende Handlungsstrang rund um Clorindas Flucht in ein neues Leben gestört hat, vergebe ich dennoch knappe 8 Punkte, da mir die Episode gut gefallen hat, was vor allem an der guten Verknüpfung von Cinderellas Vergangenheit mit der Handlung der Gegenwart lag. Endlich konnte wieder die Märchenatmosphäre der ersten Staffel hergestellt werden und es tut der Serie sichtlich gut, dass man sich nun wieder auf die Vorstadtmentalität besinnt, anstatt von einem Reich ins andere zu hetzen. Nun wo Mr. Hyde von der Königin befreit wurde, wird hoffentlich auch bald aufgedeckt, welche Intention er hat und warum er ausgerechnet die Bewohner des Landes der unerzählten Geschichten nach Storybrooke gebracht hat.

Marcel F. - myFanbase

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