Bewertung: 6

Review: #5.04 Ränke um Excalibur

Spitzt die Bleistifte, holt die Rechenschieber heraus und legt die Kopfschmerztabletten bereit: wir müssen uns der Zeitlinie von "Once Upon a Time" widmen. Die ist schon länger etwas kompliziert, bietet in dieser Folge aber ein mittelschweres Verwirrspiel, denn wir sehen Flashbacks fünf Jahre in die Vergangenheit, die gar nicht auf den serieneigenen Zeitstrahl zu passen scheinen. Wie sollen Guinevere und Lancelot vor fünf Jahren Rumpelstilzchen begegnet sein, wenn er doch vor fünf Jahren noch in Storybrooke als Mr. Gold festsaß? Außerdem wissen wir bereits aus der vierten Staffel, dass er den magischen Handschuh kurz vor Belles Entführung durch Maleficent und Komplizinnen erhalten hat. Das war vor dem Fluch und damit vor über 30 Jahren. Warum also ist in dieser Episode, in der wir Rumpelstilzchens Eroberung des Handschuhs sehen, konsequent von "5 years ago" die Rede? Antwort: weil der Fluch einfach nicht mitgerechnet wird. Klammert man diese 28 Jahre aus, passt die Zeitangabe wieder. Dies haben die Autoren inzwischen via Twitter bestätigt. Wir können uns also entspannen. Warum man die Flashbacks hier allerdings auf diese irritierende Weise datiert hat, erschließt sich mir nicht. Um zu verdeutlichen, dass Camelot eine andere Welt ist? Um zu prüfen, ob die Zuschauer noch wach sind? Hah, wir waren so dreist und haben das in der Episodenbeschreibung gleich mal ganz weggelassen.

Kommen wir zu den Inhalten der Flashbacks. Diese ergeben ein durchaus unerwartetes, schockierendes Bild. Das stolze Königreich Camelot ist ebenso eine Lüge wie die Ehe von Arthur und Guinevere. Arthurs gesamtes Leben wird nur durch die Macht von magischem Sand aufrechterhalten, der zerbrochene Dinge, seien es Gegenstände, Orte oder Gefühle, heil erscheinen lässt. Guineveres Herz gehört längst nicht mehr Arthur, sondern dem aufrechten Lancelot, doch der Sand lässt sie glauben, dass sie an die Seite ihres Mannes gehört.

Wir gewinnen in dieser Folge einige Eindrücke von Arthur, die ihn als Charakter greifbarer machen. Die Prophezeiung, dass er einmal das zerbrochene Reich Camelot vereinen und als König beherrschen würde, hat sein Leben von Kindesbeinen an geprägt. Sie wurde für den verwaisten Stallburschen von einem Hoffnungsschimmer mehr und mehr zu einer wahren Obsession, besonders nachdem er das halbe Schwert aus dem Stein gezogen hat. Er will um jeden Preis verhindern, dass das, was er für seine Bestimmung hält, wovon er so lange geträumt hat und das ihm niemand zutraute, scheitert. Daher erhält er alles durch Magie künstlich aufrecht, in der schon fast wahnhaften Überzeugung, dass es Wirklichkeit wird, wenn er erst einmal Exkalibur vervollständigt hat. Er ist ziemlich verblendet oder besser gesagt extrem geblendet von dieser einen Prophezeiung. Sie hat ihn moralisch auf den falschen Pfad geführt. Für uns Zuschauer stellt sich natürlich immer mehr die Frage, ob die ominöse Prophezeiung womöglich gar nicht wirklich Arthur galt oder von Beginn an ganz anders gemeint war, als Arthur dachte. Dass Arthur Merlin töten will, könnte ein Indiz dafür sein, dass der "König" bereits eine Wahrheit vom Zauberer erfahren hat, die er partout nicht wahrhaben will.

Bei all dem magischen Sand, der hier durch die Gegend schwirrt, fühle ich mich ja schon fast selbst ein bisschen schmutzig, schließlich habe ich Guinevere vor zwei Wochen noch verdächtigt, die Strippenzieherin hinter Arthurs Plänen zu sein. Mea Culpa. Darüber hinaus habe ich Emmas Familie und Freunden bereits große Vorwürfe wegen ihres Versagens in Camelot gemacht, nun zeigt sich zumindest ein etwas differenzierteres Bild. In dieser Folge sehen wir, dass Hook wirklich gute und sensible Dinge getan hat, um Emma vor der Dunkelheit zu bewahren, und was David und Mary Margaret eventuell unter dem Einfluss des Sandes angestellt haben, kann man ihnen nicht vorwerfen. Oder nicht direkt. Dass sich beide trotz ihrer Bewaffnung kampflos mit dem Sand haben "besprühen" lassen, sah jetzt nicht gerade beeindruckend aus. Es bleibt also weiterhin vage, was Emma genau widerfahren ist und was sie ihren Angehörigen eigentlich vorwirft.

Zudem komme ich nicht umhin mich zu fragen, warum bis zu diesem Punkt in den Flashbacks weder Emma noch Regina wahrgenommen haben, dass Camelot ein magischer Schwindel ist. Diese viele (schwarze) Magie, die in Arthurs Umfeld am Werk ist, müsste den beiden doch in der Nase kitzeln.

Zu guter Letzt gibt es noch ein doppeltes Wiedersehen mit Merida. In Camelot ist sie die Gefangene von Arthur, in Storybrooke die von Emma. Warum Arthur die Bogenschützin eingesperrt hat, wissen wir noch nicht, wohingegen Emma will, dass Merida dem unwilligen Mr. Gold Nachhilfeunterricht in Tapferkeit erteilt. Da es Emmas Plan A war, Exkalibur selbst aus dem Stein zu ziehen und Plan B, dies Hook tun zu lassen, muss sie Merida wohl auf Verdacht an ihren Käfer gebunden haben. Man weiß ja grundsätzlich nie, wann man mal eine rothaarige, schießwütige Schottin benötigt.

Insgesamt machen die Erkenntnisse über Arthur und Camelot diese Folge sehr interessant, aber das Verwirrspiel um die Zeitlinie mutet schon wieder fast ärgerlich unnötig an. Wenn die Autoren es hinterher erklären müssen, ist das selten ein gutes Zeichen. Davon abgesehen machen unsere Helden es dem Bösewicht, in diesem Fall König Arthur, mal wieder etwas zu leicht.

Maret Hosemann - myFanbase

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