Bewertung: 6

Review: #5.05 Traumfänger

Selbstverständlich habe ich es getan. Ich habe mir nach dieser Folge den Song Only You von der Band Yazoo bei Youtube angehört bzw. das Video angesehen. Den neuesten Kommentaren unter dem Video konnte ich entnehmen, dass dies auch einigen anderen Leuten so passiert ist. Ich kannte den Song, der ein Jahr vor meiner Geburt herauskam, entfernt aus dem Radio und aus der einen oder anderen Film- und Serienproduktion, hatte ihn aber noch nie bewusst wahrgenommen. Nun, da er zum Soundtrack von Henrys und Violets unglücklicher erster Liebe geworden ist und sich zudem als Emmas und Neals besonderer Song herausgestellt hat, wollte ich ihn doch mal mit Verstand komplett hören. Jetzt werde ich ihn in alle Ewigkeit mit "Once Upon a Time" in Verbindung bringen, so wie Chasing Cars mit "Grey's Anatomy".

Ob uns eine Analyse des Textes von Only You wohl Antworten auf die vielen drängenden Fragen bezüglich Emma liefert? Ich fürchte, ganz so weit reicht die Macht von Neals patentiertem, an seinen Sohn weitergegebenem Aufreißer-Song dann doch nicht. Es ist aber schön festzustellen, dass Neal, auch wenn er und Henry nur wenig Zeit miteinander hatten, seinem Sohn einige Dinge mitgeben konnte, die dieser nie vergessen wird. Ebenso schön sind die gemeinsamen Szenen von Emma und Henry bei ihrer Mission, die ich hiermit "Operation Kürbis" taufe und die nostalgische Erinnerungen an Operation Cobra weckt, jener Mission, mit der alles begann. Leider endet "Operation Kürbis" nicht mit einem Happy End. Es scheint, dass sich Henry nun das erste Mal von seiner Mutter, die für ihn immer eine Heldin war, abwendet, nachdem er jetzt weiß, wozu sie ihn in Camelot benutzt hat.

Dass Emma ihren Sohn die Erfahrung eines gebrochenen Herzens durchmachen ließ, um so Merlin befreien zu können, ist wirklich bitter, allerdings hinken die Vergleiche mit Coras Mord an Daniel doch etwas, schließlich hat Emma Violet nicht getötet. Regina hat allerdings Recht damit, dass Emmas Erklärungsversuche genau wie die Ausflüchte der vielen egoistischen Elternteile klingen, denen wir in dieser Serie schon begegnet sind und die zur Befriedigung ihrer eigenen Wünsche "nur das Beste" für ihre Kinder getan haben - Regina eingeschlossen. Schließlich hat sie zu Zeiten von Operation Cobra ihren Sohn ständig belogen und getäuscht, um zu verhindern, dass der Fluch gebrochen wird. Der Rollentausch von Emma und Regina setzt sich also auch in der Beziehung zu Henry fort. Nun ist Emma diejenige, die als Mutter äußerst fragwürdig handelt.

Warum konnte Merlin, der, wie wir in dieser Episode sehen, in Camelot erfolgreich entbaumt wurde, Emma nicht helfen? Stichwort Merlin. Wie vermutet war der Mann, der die sechsjährige Emma damals im Kino angesprochen hat, tatsächlich der Zauberer. Wie er allerdings Emma einen Besuch abstatten konnte, obwohl er damals schon ein Baum war, bleibt erst einmal ungeklärt. Wir erfahren aber, dass Merlin von Arthur enttäuscht ist und in ihm einen Hoffnungsträger gesehen hat, was bestätigt, dass seine Prophezeiungen tatsächlich Arthur galten, dieser aber daran gescheitert ist (siehe meine letzte Review). Außerdem zeigt sich, dass Merlin seine große Liebe verloren hat, bei der es sich durchaus um den Dunklen in der goldenen Maske gehandelt haben könnte. Spontan hätte ich ja gemutmaßt, dass diese verlorene Liebe Morgan le Fay ist, bekannt aus der Camelot-Sage, aber angeblich soll dieser Charakter gar nicht in "Once Upon a Time" auftauchen.

Dass auch hinter Merlin eine tragische Liebesgeschichte steckt, so wie bei gut 90% der Charaktere in "Once Upon a Time", dürfte eigentlich nicht überraschen, tut es aber doch ein wenig, denn eigentlich habe ich mir bei diesem mysteriösen Charakter etwas Neues erhofft und nicht so sehr das gewohnte Schema. Nebenbei: weiß Merlin eigentlich, dass sein Zauberlehrling das Zeitliche gesegnet hat? Bei der Erwähnung des Zauberlehrlings zeigt Merlin jedenfalls keine merkliche Reaktion. Ich bin gespannt, ob wir in den nächsten Folgen noch Flashbacks sehen werden, die uns offenbaren, wie Merlin und der Lehrling zusammengefunden haben und ihre Beziehung genau war.

Da wir sowieso schon wieder bei dem Thema Liebe sind, noch ein paar Sätze zu Henry, Violet und dem Drumherum. Dass mich die Romanze der beiden 13-Jährigen wirklich bewegt, kann ich nicht behaupten. Ihr ganzes Kennenlernen funktionierte eher nach dem Prinzip "wir sind hier gerade die beiden einzigen Kids in unserem Alter, also verlieben wir uns jetzt mal". Es wird eigentlich kaum kaschiert, dass diese Liaison ein Mittel zum Zweck ist. Das beste an *** hier bitte Shippernamen einfügen (Venry?) *** sind die ersten Reaktionen von Regina und Emma. Regina deutet bereits in ihrer unnachahmlichen Art an, dass sie eine Schwiegermutter des Grauens wäre. Allerdings ist Violets Vater auch kein Hauptgewinn.

Der leichte Anflug eines Grinsens, das die Autoren sicherlich nicht beabsichtigt hatten, überkam mich bei Emmas Erklärung an Henry, dass sie sich in Neal verliebt hat, weil er immer er selbst war. Finde den Fehler! Neal hat ihr damals nicht einmal seinen richtigen Namen verraten, geschweige denn seine wahre Herkunft. Klar, man muss das mit dem Selbstsein nicht unbedingt wörtlich nehmen, trotzdem mutet diese Aussage von Emma nach allem, was sie inzwischen weiß, schon etwas schräg an.

Schräg ist auch eine passende Umschreibung für das Duo Merida und Mr. Gold. Merida wird von Emma gezwungen, Mr. Gold zum Helden auszubilden, will aber heimlich erreichen, dass er Emma besiegen kann. Es gibt wahrlich leichtere Aufgaben - eine Apfelsine durch ein Nadelöhr zu pressen, beispielsweise. Meridas Methoden haben es natürlich in sich. Sie geht die Sache aggressiv an und provoziert Mr. Gold, was man ihr aber nicht vorwerfen kann. Erstens hat sie kein Herz mehr, zweitens kämpft sie auch um ihr Überleben und drittens ist Mr. Gold nun einmal kein gutes Material.

Nach nunmehr fünf Folgen dieser fünften Staffel bleibt Emma alias Dark Swan weiterhin ein Buch mit sieben Siegeln - und mit einem Schwert in einem Stein. Uns fehlen immer noch viele Informationen aus Camelot, obwohl wir der Sache langsam näher kommen, und es ist sehr schwer, einzuschätzen, wie es mit Emma weitergeht. Wie viel Hoffnung darf man momentan noch für sie haben? Wer oder was kann sie erlösen? Oder ist dies alles womöglich ein großer Masterplan von Emma und Merlin, mit dem Ziel, die Dunkelheit auszulöschen? Das wäre ein Twist, der mir persönlich sehr gefallen würde.

Ich habe allen bisherigen Folgen dieser Staffel sechs von neun Punkten gegeben, was ein recht klares Bild ergibt. Schlecht ist diese Staffel bislang wahrlich nicht, sie bietet viel Drama, einige gute Wendungen und durchaus interessante Nebenfiguren. Sie spricht mich nur persönlich nicht so an, was mir wiederum stärker die Augen für die kleinen Unzulänglichkeiten öffnet.

Maret Hosemann - myFanbase

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