Bewertung: 9

Review: #1.13 Und wenn sie nicht gestorben sind …

Auch wenn "Once Upon a Time in Wonderland" recht kurzlebig war und lediglich eine Staffel umfasst, sind mir die Charaktere sehr ans Herz gewachsen, weshalb ich mit einer gewissen Erwartungshaltung an dieses Finale heranging, dass nicht nur das Ende von Staffel eins ist, sondern ebenso den Abschluss der Serie darstellt. Und obwohl die Autoren nicht wussten, ob ihnen noch eine zweite Staffel vergönnt sein wird, haben sie es geschafft, die Geschichte zu einem befriedigenden und runden Ende zu bringen, dass direkt aus einem Märchenbuch stammen könnte.

Grenzenlose Macht

Zunächst konzentriert man sich auf die gigantische Entwicklung der letzten Szene von #1.12 To Catch a Thief und führt uns in die ultimative Schlacht zwischen Gut und Böse. Dies scheint zunächst das Herzstück der Episode zu sein und durch den großen Anteil an Spannung und Unwissen unsererseits, wer nun als Sieger hervorgehen wird und welche Verluste man dabei vielleicht einstecken muss, stellt diese Story einen wichtigen Eckpfeiler da, der in einem Finale nicht fehlen darf. Ich wusste zunächst dennoch nicht recht, was sich davon halten sollte, dass sich die Episode anscheinend lediglich um einen einzigen Kampf drehen würde, doch ich war schnell beruhigt, als sich abzeichnete, dass man uns keine Massenkarambolage zeigen wird, sondern einen eher intimen Showdown zwischen den Hauptakteuren.

Die Autoren besinnen sich nämlich auf die ursprüngliche Story und zeigen uns, wie Alice und Cyrus auf der einen Seite den Kampf mit Jafar auf der anderen Seite austragen, ohne dazu mit einem ganzen Heer in den Krieg zu ziehen, wonach es zunächst aussah. Das Ringen der drei ist somit nicht von Gewalt geprägt, sondern verbindet die verschiedenen Fäden dieser Geschichte, indem man zum Wunschbrunnen zurückkehrt und durch Amaras Tod das gestohlene Wasser zurück gibt, was wiederum dazu führt, dass die drei Flaschengeister befreit werden. Dieser rote Faden wurde durch die logisch erzählte Geschichte somit schon einmal zu einem vollkommen nachvollziehbaren Ende gebracht. Damit die Guten (ganz wie im Märchen) triumphieren, können sie Jafar in diesem Zusammenhang gleich auch noch eine Falle stellen, wodurch es von nun an er ist, der in einer Wunderlampe gefangen ist. Und obwohl das alles klingt, als sei es viel zu einfach, gelingt es den Schauspieler, uns vor die Bildschirme zu fesseln, da es zuerst gar nicht danach aussah, als würden wir ein Friede-Freude-Eierkuchen-Ende bekommen. Im Mittelpunkt des Ganzen steht Alice, die den Hoffnungsträger für das Wunderland verkörpert. Und ebenso wie die Rede Jafars, haben die Autoren auch bei ihr in jede Zeile sehr viel Gefühl gelegt, wodurch man von Sophie Lowes Energie einfach nur beeindruckt ist.

Bereits zu Beginn stellt Jafar seine beeindruckenden Kräfte zur Schau und tötet ungeniert seinen Vater, den er nur wegen diesem einen winzigen Moment so lange Zeit gefangen hielt. Schon hier kündigt sich an, dass man von dem großen Widersacher dieses Märchens keine Skrupel zu erwarten braucht, was Jafar ein ums andere Mal unter Beweis stellt. Indem er Anastasia wiederbelebt und sie vor Wills Augen verführt und Alice droht, ihre Liebe mit Cyrus für immer zu zerstören, ja sogar bereit ist, seine ehemalige Liebe Amara hinterrücks zu ermorden, macht aus Jafar in dieser Episode das ideale Feindbild, dass einem das Fürchten lehrt. Anders als in manch anderen Episoden war ich dieses Mal sehr zufrieden mit Naveen Andrews, da man förmlich sehen konnte, wie der Hass und die Boshaftigkeit durch seine Adern strömt.

Ein wenig zur kurz kommt mir hier nur Jafars Treffen mit dem Jabberwocky. Da man sich zuvor alle Mühe gab, sie als geniale Waffe Jafars darzustellen und noch in der letzten Episode einen überraschenden Turn einbaute, als sie sich auf die Seite von Alice und Co. schlug, hatte ich durchaus erwartet, dass der Jabberwocky auch im Finale einen Part einnimmt. Doch sie taucht nur in einer Szene auf und wirkt dabei zum erst Mal selbst ängstlich, was für mich leider nicht gepasst hat. Warum sollte sie sich vor Jafars fehlender Furcht ängstigen ("And what about you Jafar? What will you do with all your power? " - "Isn't it obvious? Anything I want.")? Hat sie sofort erkannt, dass er sie nun niemals freilassen wird? Da dies auch vorher nicht recht wahrscheinlich war, fand ich die Szene mit ihr leider undurchdacht, weshalb sie sich nicht so recht ins Gesamtbild einfügen will.

Auch den zweiten übermächtigen Magier darf man nicht vergessen. Amara wurde den Guten als Jafars Gegenspieler zur Seite gestellt, hatte aber nur einen geringen Anteil an ihrem Sieg. Statt Jafar mit ihren Kräften im Zaum zu halten, hielt sich Amara sehr im Hintergrund und stellte somit das genaue Gegenstück zu Jafar da. Während Jafar als dunkler Magier und ohne Gewissensbisse in den Krieg zog, ist Amara die weise Hexerin, die ihre Kräfte nur für das Gute nutzt und selbst ihr Leben opfert, um ihren Söhnen den Sieg zu schenken. Ihre große Rolle wird zwar wenig erwähnt und dem Zuschauer nur auf minimale Weise näher gebracht, was ich recht schade finde, da man hier hätte darstellen können, wie sehr sie sich von ihrem einstigen Schüler abgrenzt. Dieser Unterschied der beiden wird nicht nur in ihren Handlungsweisen verdeutlicht, sondern zeigt sich auch im Bühnenbild. Während Jafar in finsterer Nacht und mit bedrückender Musik eine Rede für seine Armee der Toten schwingt ("Break it! Burn it! Kill it! Bring Wonderland to its knees!"), zeigt man Amara in hellem Kerzenschein im Haus des Weißen Kaninchens, wo sie ihrem Sohn das Leben rettet.

Der Kuss der wahren Liebe

Über die Wiederbelebung von Anastasia habe ich mich sehr gefreut, doch leider war sie in der ersten Hälfte der Episode eher ein Komparse der wortwörtlich an Jafars Lippen klebte. Schon die gesamte Staffel über ging es mit Emma Rigbys Überzeugungskraft auf und ab und da ich sie zuletzt sehr gut fand, versetzen die ersten Szenen dieser Episode diesem Gefühl einen gewaltigen Dämpfer. Erst mit Jafars Aufbruch geht es wieder bergauf und man kann zwischen Emma Rigby und Michael Socha ganz wunderbar erkennen, wie sich ihre Haltung in ihren gemeinsamen Szenen verändert. Zuerst ist Anastasia kalt und abweisend, was Will zur Verzweiflung treibt und seine Verletzlichkeit ist deutliche in seinen Augen zu sehen.

Zwischen den beiden ereignet sich dann ein eigenes kleines Finale, als Anastasia durch den Kuss der wahren Liebe von Jafars Zauber erlöst wird. Dieser herzergreifende Moment ist wunderschön und stellt für mich den romantischsten Augenblick der ganzen Episode dar. Im Anschluss kann man sehen, wie in Emmas Rigbys Augen ein Feuer entfacht wird und sie Will mit diesem flammenden Blick ansieht, bei dem einem die Knie weich werden können. Zu allem Überfluss krönt man dass ganze dann mit dem wunderbar trockenen Humor Wills, wodurch man erst zu Tränen gerührt wird und dann herzhaft lachen muss. Genau diese Kleinigkeiten sind es für mich, die ein grandioses Finale ausmachen, weshalb ich mit diesem Handlungsstrang mehr als überglücklich bin ("You had real love once and you know its not that simple." - "It can be." - "Love is messy! It means arguing and making up and laughing and crying and struggling and sometimes it doesn't seem worth it. But it is. And at the end when you're in love no matter what happens you forgive each other.")

Umso dramatischer wird es dann, als Jafars Zauber rückgängig gemacht werden und Anastasia erneut stirbt. An dieser Stelle dreht sich die gesamte Geschichte, da die Autoren genau an diesem Punkt entscheiden, was für ein Finale sie uns geben wollen. Sie entscheiden sich für die romantische Variante und bringen alle Paare wieder zusammen, was auch für Will und Anastasia ein gemeinsames Ende bedeutet.

Und sie lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer Tage

Da Emma Rigby und Michael Socha in dieser Episode sehr gut mit einander harmonieren, hat es DAS Liebespaar der Serie umso schwerer, mit ihnen mitzuhalten. Dass scheinen auch die Autoren zu wissen, da sie die beiden von der restlichen Charakteren isolieren und sie allein in den Kampf gegen Jafar schicken, um uns wieder bewusst zu machen, dass Alice und Cyrus hier eigentlich im Vordergrund stehen. Man spart daher nicht an Liebesgeständnissen und es geht einem in Mark und Bein über, als Alice fest zu Cyrus steht und sich lieber von Jafar verzaubern lassen will, als ihre Freunde zu verraten, da sie an die wahre Liebe glaubt ("The love that Cyrus and I have is more powerful than any magic. No matter what you do to me, you can't change the fact that you will never fell true love yourself."). Und auch wenn es hier und da etwas steifer wirkt als bei Anastasia und Will, kommt zwischen den beiden so einiges an Leidenschaft rüber. Alices tiefe Überzeugung entfacht einen Funken, der wirklich ergreifend ist und den Zuschauer zu Tränen rühren kann.

Da der Zauber des zentralen Liebespaares mich tief berühren konnte, bin ich mit ihrem Happy-End sehr zufrieden. Man schafft es in dieser Episode nicht nur, einen großen Teil an Dramatik abzuliefern, der die erste Episodenhälfte prägt, sondern besinnt sich im Anschluss ebenso leichtfüßig und vollführt eine elegante Wende zu einem sehr runden und idyllischen Ende. Dies beginnt für mich mit der traurigen Szenen nach Anastasias Tod und ihrer Rettung durch das Wasser des Wunschbrunnens. Hätte man Will an dieser Stelle allein und verbittert zurückgelassen, wüsste ich nicht, was ich damit anfangen sollte. Denn obwohl Will und Anastasia hart an ihrer Beziehung arbeiten müssen, könnte ich mir nicht vorstellen, dass Will ohne sie glücklich werden könnte. Von Anastasias Rettung an, lassen die Autoren ihren Gedanken freien Lauf und spicken die letzten Minuten dieser Episode mit allem, was ihnen märchenhaft vorkommt. So wirkt die große Hochzeit in weiß mit allen Charaktere zwar ein wenig kitschig, spiegelt aber genau das wieder, was die Autoren uns versprochen haben. Von Beginn an hieß es, dass es in Wonderland etwas sanfter zugehen soll, als in der "Once Upon a Time" und man uns die Liebesgeschichte von Alice und Cyrus zeigen möchte. Ganz genau das tut man nun und lässt uns nicht nur Gast ihrer Hochzeit sein, sondern gönnt uns auch noch einen kleinen Blick in die Zukunft der beiden. Auch hier könnte es mit dem gemeinsamen Kind nicht märchenhaften sein und durch die kurze Erwähnung von Will und Anastasia, die nun gemeinsam das Wunderland regieren, schließt man auch die Geschichten der beiden ab.

Trotz der gigantischen Lovestorys vergisst man aber nicht, dass es Alice und Will waren, die uns durch die Geschichte geführt haben. Daher gefielt mir die letzte Umarmung der beiden sehr gut, in der man ihre tiefe Freundschaft und die ewige Dankbarkeit dafür, dass sie sich auf der Suche nach der großen Liebe so tapfer zur Seite standen, spüren konnte. Von Beginn an gaben sie ein gutes Gespann ab, dem man durch ein paar letzte herzliche Worte noch einmal Tribut zollt.

Fazit

Das Serienfinale lässt bis auf ein paar Fragen zur Vergangenheit der Charaktere und Verstrickungen mit der Mutterserie keine Rätsel zurück und bietet einen schönen Abschluss, in dem jeder einzelne sein Glück findet. Somit kann man nicht behaupten, dass man von der Geschichte enttäuscht wäre, da jeder Figur auf der Seite der Guten genau das gegeben wurde, was sie sich von Herzen gewünscht hat. Alice und Cyrus haben einander, Anastasia hat Will haben sich und die Herrschaft über das Wunderland. Außerdem machen alle Schauspieler ihren Rollen alle Ehre und gaben alles, damit uns ihre Figuren in guter Erinnerung bleiben.

Marie Florschütz - myFanbase

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