Bewertung: 9

Review: #1.12 Diebe und Liebe

Dass das Finale kurz bevor steht, wird in #1.12 To Catch a Thief sehr deutlich, da mal so viel Gas gibt, wie noch nie zuvor. Nicht nur Michael Socha ist in Hochform und lässt seine Figur erstrahlen, auch die Story ist aufregend entwickelt und gut durchdacht.

"I thought you didn't know how to swim?" - "I don't know how to loose you either, Alice. Giving on a proper motivation you don't know what you're might be willing to do."

Wie immer gefallen mir die Rückblicke sehr gut und erzählen uns einen Teil der Geschichte, der nicht nur interessant ist, sondern von Beginn an immer wieder erwähnt wurde und so viel Aufmerksamkeit auf sich zog. Denn die Freundschaft zwischen Alice und Will ist nicht nur der Dreh- und Angelpunkt der ersten Staffelhälfte, sondern auch der Teil der Serie, der immer konstant gut bis sehr gut funktioniert hat und über eine feine Abstimmung von Liebe, Traurigkeit und Witz verfügt.

Für mich ist Michael Socha das Talent schlechthin, da sein trockener Humor an jeder Stelle anschlägt, er aber dennoch in der Lage ist, ernsthaft und gefühlvoll zu sein. Genau das beweist er auch in dieser Episode und liefert einige Schenkelklopfer ab (der im Netz gefangene Will kann mit dem urkomischen Verhalten gar nicht mehr aufhören), von denen ich persönlich nicht genug bekomme. Seine Lebenslust überträgt sich sofort auf Sophie Lowe, die in letzter Zeit nicht sonderlich hervorstechen konnte, da ihre Story mit Cyrus leider keine bewegenden Höhepunkte mit sich brachte. Doch zusammen mit Michael Socha zeigt sie, was in ihr steckt und lässt sich von seiner Energie mitreißen, durch die sich Alice zu einigen verschmitzten Gesichtsausdrücken hinreißen lässt. So sehen wir nun also, wie ihre Freundschaft entstand und haben dabei durch reichlich Gags so einiges zu lachen.

Obwohl der Schwerpunkt der Geschichte auf eben dieser lockeren Freundschaft liegt, gelingt es den Autoren, ein festes Band zwischen den beiden Figuren zu stricken, dass nicht nur aus Dankbarkeit wegen der Rettung von Wills Herz besteht. Der eigentliche Grund, warum sich Alice und Will so gut verstehen, scheint in Wills Äußerung über seine Schwester zu liegen, mit der ich so nicht gerechnet hatte. Denn obwohl Will sein Herz verloren hat, kann man in seinen Augen ganz deutliche die Trauer über diesen Verlust sehen und daher fasst es nicht nur Alice als großes Kompliment und Freundschaftseingeständnis auf, dass Will seine Schwester mit ihr vergleicht, sondern auch dem Zuschauer geht das Herz auf. Dieser kleine Wortwechsel, der so beiläufig eingestreut wird, hat es wirklich in sich und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Auch in der Gegenwart stellen die beiden ihre Freundschaft unter Beweis und obwohl Will in dieser Zeit wieder über sein Herz verfügt, bleibt uns sein Witz erhalten, was ich sehr begrüße. Er findet eine gute Balance zwischen dem Will, der weiß, was das Beste für sich selbst ist und dem Menschen, der einst unsterblich in Anastasia verliebt war. Dass diese Liebe noch immer und trotz Allem Bestand hat, zeigt sich in mehreren kleinen Szenen, in denen es Will unmöglich ist, seinen bekümmerten Gesichtsausdruck zu verbergen. Ganz besonders gut hat mir in diesem Zusammenhang die erste Szene der Episode gefallen, als man den leblosen Körper von Anastasia sieht und die Stimmen von Jafar und Will zunächst nur aus dem Off zu hören sind. Denn obwohl man die Gesichter der beiden nicht sehen kann, schwingen in ihren Stimmen so viele Emotionen mit, wodurch der traurige Moment mit der bittersüßen Melodie noch besser unterstrichen wird. Auch als man dann zu den beiden überblendet, sind die Gesichtsausdrücke von Will, Jafar und seinem Vater so echt, dass sich eine kalte Hand um das eigene Herz zu schließen scheint, als Will überlegt, ob er seine Freunde verraten kann, um Anastasia zu retten. Doch selbst als er sich dazu entschließt, kann man ihm wegen seiner Sprüche (auf der Flucht vor Alice und Cyrus) nicht lange böse sein, da man merkt, dass er aus tief empfundener Liebe zu Anastasia handelt und sofort bereit ist einzulenken, als Alice in Gefahr schwebt.

"I guess I could go on one last adventure."

Ganz überraschend kam für mich die Allianz zwischen Alice, Cyrus, Will und dem Jabberwocky. Die Frau scheint durchaus zu wissen, wie sie ihre Kräfte einzusetzen hat, schafft es aber aus irgendeinem Grund nicht, sich gegen Jafar zu behaupten, was ich sehr verwunderlich finde, da es nicht allzu schwer sein sollte, einen Dolch in seinen Besitz zu bringen und sich damit von Jafars Kontrolle zu befreien. Das mal außen vor gelassen, gefällt mir ihr Seitenwechsel sehr gut, da die Helden der Serie ja mehr als deutlich im Nachteil gegenüber Jafar sind. Auch die Interaktion zwischen den neuen Verbündeten und ihr detailliert ausgetüftelter Plan haben beim zusehen viel Freude bereitet und ich war mir bis zum Schluss nicht sicher, ob der Jabberwocky nun doch wieder zu Jafar überläuft und die Helden damit direkt in seine Hände spielt.

"This fight only ends if one of us dies."

Mit der Rückkehr von Amara war nach der Entdeckung, dass sie der Schlangenstab von Jafar ist, zu rechnen. Dies ist allerdings die einzige Stelle der Episode, wo ich mir ein wenig mehr erhofft hätte, da mir ihre Befreiung etwas zu schnell ging und quasi nebenbei ablief. Ihr Kampf mit Jafar war ebenfalls nicht ganz so genau durchdacht wie der Rest der Episode und hätte durchaus mehr Zeit in Anspruch nehmen können. Jafars rasch arbeitende graue Zellen, die ihm Amaras wahren Plan vor Augen führen, fand ich wiederum recht überzeugend. Denn obwohl er jahrelang in dem Glauben gelebt hat, dass Amara das gleiche Ziel wie er verfolgte, kann er blitzschnell eins und eins zusammenzählen und erkennt, wo ihre wahren Absichten liegen, die er sogleich zu seinem Vorteil nutzt. Durch den Zauber am Ende der Episode schafft man einen ultimativen Bösewicht, der uns hoffentlich ein atemberaubendes Finale bescheren kann.

Fazit

Das Beste an dieser Episode ist die tiefe Freundschaft zwischen Alice und Will, die nicht nur für amüsante, sondern auch für tiefschürfende Momente sorgt. Rings um diese Freundschaft baut sich die restliche Geschichte auf und kommt dabei immer wieder auf die Verbundenheit der Charaktere zurück, durch die sich ein sehr stimmiges Gesamtbild ergibt. Bis auf die Spezial-Effekts, die wieder einmal zu schlecht verarbeitet waren, ist dies für mich daher die beste Episode dieser Staffel.

Marie Florschütz - myFanbase

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