Bewertung: 9

Review: #3.13 Tür zu, setzen!

Foto: January Jones & Jon Hamm, Mad Men - Copyright: Frank Ockenfels/AMC
January Jones & Jon Hamm, Mad Men
© Frank Ockenfels/AMC

Wollte man versuchen, ein thematisches Schlagwort für #3.13 Shut the Door. Have a Seat. zu finden, so würde es zweifellos "Veränderung" lauten. Mit beeindruckender Konsequenz werden sämtliche Ereignisse der dritten Staffel durch dieses Finale zu einem Resultat gebracht, das einem radikalen Zusammenbruch gleicht. Matthew Weiners Masterplan für die dritte Staffel ist nun zu seiner vollen Entfaltung gekommen und was dabei herauskommt, ist eine einzigartige, von Anfang bis Ende brillante Episode, nach der "Mad Men" nicht mehr dasselbe sein wird. Denn der Wandel erfasst alle Bereiche der Serie, ist explosiv, gnadenlos, resolut, und verlangt den Protagonisten – allen voran Donald Draper – alles ab.

Mehr denn je ist Don der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens. Er ist gleichzeitig der größte Gewinner und der größte Verlierer dieser Episode, und für ihn endet sowohl in beruflicher als auch in privater Hinsicht ein Lebensabschnitt. Von allen Seiten drängt sich die Veränderung in sein Leben: Sterling Cooper droht aufgekauft zu werden und Betty will die Scheidung. Der Mann, der scheinbar alles hatte, droht nun alles zu verlieren. Doch anstatt sich gegen die Veränderung zu wehren, sieht Don ein, dass er selbst sich verändern muss. Er sieht ein, dass er nicht alles im Alleingang machen kann, dass seine Unabhängigkeit zwar einerseits seine größte Stärke ist, aber auch sein Schwachpunkt, und dass er – anders als sein Vater es tat – die Menschen um sich herum schätzen lernen und sie um sich scharen muss, anstatt sich zu isolieren. In Folge dessen geht er, nachdem er von dem Aufkauf von Putnam, Powell & Lowe durch McCann-Erickson erfahren hat, zu Cooper, zu Sterling, ja sogar zu Pete und Peggy, und versucht das richtig zu machen, wofür ihn Sterling so treffend kritisierte: "You're not good at relationships because you don't value them."

Und so sehen wir erstmals, wie Donald Draper seinen Stolz und seine Selbstgefälligkeit zur Seite stellt, um den Menschen, die ihm wichtig sind, auch zu zeigen, dass sie ihm wichtig sind. Während die Anspannung und Aufbruchsstimmung durch die Gründung von Sterling, Cooper, Draper & Pryce sich kontinuierlich steigert und den Zuschauer direkt ansteckt, nimmt man sich gleichzeitig genügend Zeit, um Don die Möglichkeit zu geben, diesen persönlichen Wandel zu vollziehen. Er reaktiviert seine einzigartige Freundschaft zu Roger, indem er ihm gesteht, dass er diese schätzt. Er räumt Pete ein, dass er dessen Talent würdigt und ihn respektiert. Und nach einigen Anlaufschwierigkeiten kann er sich letztlich auch dazu überwinden, bei Peggy um eine längst fällige Entschuldigung zu bitten und sie dazu zu bewegen, ihn bei der neuen Firma zu unterstützen. Egal, welche dieser Szenen man sich ansieht – seien es Don und Roger bei einem Glas Whiskey in der Bar, die Verhandlungen im Hause Campbell oder das bewegende Gespräch zwischen Peggy und Don – man ist als Zuschauer schlichtweg gefesselt von dieser ungewohnten Ehrlichkeit in Dons Verhalten und von den fantastischen, bis ins kleinste Detail perfekt ausgearbeiteten Dialogen, die so viel aussagen und doch so viel ungesagt lassen.

Sowohl für Pete als auch für Peggy bedeutet das Vertrauen, das Don in sie setzt, nicht nur persönliche Genugtuung, sondern vor allem in ihrer Karriere einen gewaltigen Schritt nach vorne. Nach einer langen Durststrecke und vielen Enttäuschungen kann Pete endlich eine wichtige Position innerhalb der neuen Agentur einnehmen und damit sein Selbstvertrauen zurückgewinnen. So wird er für die vielen beruflichen Rückschläge entschädigt und findet in seiner Frau Trudy eine treue Unterstützerin. Wie sich Pete und Trudy in dieser Staffel trotz Petes Eskapaden zu einem vertrauten Ehepaar entwickelt haben, ist bemerkenswert und steht in einem interessanten Kontrast zu Don und Betty, die füreinander zu zwei Fremden geworden sind. Auch für Peggy ist die neue Position ein absoluter Gewinn. Sie hat sich trotz ihrer benachteiligten Ausgangslage als Frau den Respekt von Don erarbeitet und wird nun dafür belohnt. Was das nun für ihre Affäre mit Duck Phillips bedeutet, wird sich zeigen.

Schließlich steht die neue Truppe für Sterling, Cooper, Draper & Pryce: Neben Pete und Peggy sind auch Harry Crane und – Sterling sei Dank – die unvergleichliche Joan an Bord des neuen Unternehmens. Die Dynamik unter den Kollegen funktioniert dabei fabelhaft, denn bei jedem einzelnen wird klar, wieso er an Bord ist und welche Fähigkeiten er für die neue Agentur mitnimmt. Die bereits erwähnte Aufbruchstimmung reißt den Zuschauer einfach unweigerlich mit und die Prise Humor, die man nebenbei noch einstreut, als es darum geht, alle wichtigen Sachen aus dem Büro mitgehen zu lassen und später die neue Geschäftsstelle im Hotel einzuweihen, tut ihr Übriges. So verabschieden wir uns zwar mit ein bisschen Wehmut und Nostalgie von Sterling Cooper, doch die Vorfreude und Neugier darauf, wie der Neuanfang mit Sterling, Cooper, Draper & Pryce gelingen wird, ist umso größer.

Während Dons Neuanfang auf beruflicher Ebene gelingt, steht er nun aber endgültig vor den Trümmern seiner Ehe. Was sich im Verlauf der dritten Staffel angebahnt hat, tritt ein: Betty will sich von Don scheiden lassen und mit Henry Francis ein neues Leben beginnen. Ein letztes Mal präsentieren uns Jon Hamm und January Jones eindrucksvoll und schonungslos das Bild einer kaputten Ehe, einer verloren gegangenen Liebe, die durch Unaufrichtigkeit, Egozentrik und emotionale Abschottung zerstört wurde. Nicht bereit, seine Familie einfach so aufzugeben, versucht Don Betty zunächst zur Vernunft zu bringen, doch er sieht nicht, dass er seine Frau schon längst an einen anderen verloren hat. Dazu bedarf es erst ein Verplappern seitens Rogers, der Don von Henry Francis erzählt. Wie Don daraufhin betrunken nach Hause kommt und seine Frau angreift ("You're a whore, you know that?"), lässt einen vor Schock förmlich erstarren. Die Szene ist grässlich, brutal und deshalb so authentisch. Sie wühlt einerseits tiefes Mitleid für Betty und andererseits totale Verachtung gegenüber Don auf, der schließlich derjenige ist, der seine Frau unzählige Male hinter ihrem Rücken betrogen hat. Und doch kann man später nicht anders, als auch ein gewisses Mitgefühl für Don zu empfinden, als er und Betty den Kindern offenbaren, dass sie sich trennen. Man weiß, dass es ihm das Herz bricht, seine Kinder zurück zu lassen und es bricht dem Zuschauer das Herz, zu sehen, wie diese Familie kaputt geht.

Letztlich akzeptiert Don aber die Veränderung und ruft Betty vom Hotel aus an, um ihr zu sagen, dass er sie gehen lassen wird. Er akzeptiert, dass seine fast zehnjährige Ehe aus ist und dass er mit seinen Lügen einen beachtlichen Teil dazu beigetragen hat. Während Betty gemeinsam mit Henry nach Reno fliegt und Don, ihre gescheiterte Ehe und damit den Namen Draper hinter sich lässt, wird der Name Draper gleichzeitig Teil von Sterling Cooper. Dies ist symbolisch für das, was mit Don passiert ist: Er hat gleichzeitig alles gewonnen und doch alles verloren.

Mit der verheißungsvollen Liedtextzeile "In the future you will find a love that lasts" verabschiedet sich #3.13 Shut the Door. Have a Seat. schließlich und beendet die herausragende dritte Staffel. Was bleibt, ist das Gefühl, gerade Zeuge von etwas Besonderem geworden zu sein. Denn in einer Glanzleistung hat man es geschafft, jedem der wichtigen Charaktere den nötigen Platz in diesem Staffelfinale einzuräumen, den Status Quo grundlegend zu verändern und damit die Weichen für die kommende Staffel zu stellen. Es wird sich zeigen, ob Don aus seinen Fehlern lernen wird und was die neue Situation aus ihm macht. Doch wenn diese Staffel eines gezeigt hat, dann, dass die Vergangenheit einen immer irgendwie einholt. Immer.

Maria Gruber - myFanbase

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