Bewertung: 7

Review: #3.01 Olivia

Foto: Anna Torv, Fringe - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Anna Torv, Fringe
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Wer sich über die Sommermonate hinweg die Zeit genommen hat, einen kleinen "Fringe"-Rerun zu starten und sich die Serie noch einmal ganz von vorne anzuschauen, dem wird vielleicht aufgefallen sein, was für eine interessante und vor allem unvorhersehbare Reise die Serie mit dem Zuschauer unternommen hat. Denn wer hätte daran geglaubt, dass die Ermittlungen eines Massensterbens in einem Flugzeug Olivia Dunham eines Tages in einem Paralleluniversum aufwachen lassen werden? Und nachdem die zweite Staffelhälfte der vergangenen Staffel einfach großartige Arbeit geleistet hat, kann man nur froh sein, dass die Reise nun weitergeht.

Und somit ein herzliches Willkommen zur dritten Runde. Ja, die Serie machte es einem nicht immer einfach und sie brauchte ihre Zeit, bis sie endlich den richtigen Weg gefunden hatte. Und nach meinem Rerun wurde mir auch erneut deutlich, dass die ersten beiden Staffeln mehr etwas von einem Prolog hatten, der, zugegeben, teilweise etwas schleppend verlief. Doch jetzt ist es an der Zeit, sich selbst auf die Schultern zu klopfen und diejenigen zu bedauern, die frühzeitig abgeschaltet haben und nicht Zeugen einer vielleicht denkwürdigen dritten Staffel werden. Fertig damit? Dann kann es ja los gehen mit der dritten Runde mit Olivia, Peter und Walter.

Olivia

An dieser Stelle wären wir auch schon beim "Problem" des Auftakts #3.01 Olivia. Denn wie es der Titel verrät: Die Folge dreht sich rund um Olivia und ihrer Flucht in der Parallelwelt, nachdem uns das Staffelfinale in einer beklemmenden Szene am Ende deutlich machte, dass Walternate Olivia gefangen genommen und durch "Bolivia" ersetzt hat. Somit spielt diese Episode in der anderen Welt, also "over there". Das wiederum bedeutet, dass alle Peter-Fans stark sein müssen, denn in dieser Staffel wird es noch des Öfteren Episoden geben, in denen Joshua Jackson nicht zu sehen sein wird. Auch die Fans unseres liebevollen Walter müssen stark sein, denn auch hier wird es immer mal wieder Folgen geben, die John Noble nicht in der Rolle des verwirrten, aber durch und durch liebenswerten Walters zeigen, sondern in der des rücksichtslosen und verbitterten Walternates. Aber gerade Nobles grandiose Darstellung der beiden Walters haben in dieser Folge wieder voll und ganz punkten können, sodass ich mich sogar darauf freue, Nobles Facettenreichtum in dieser Staffel in noch größerem Ausmaß bewundern zu dürfen.

Doch auch eine schauspielerische Leistung dürfen wir nicht außer Acht lassen: die von Anna Torv. Hatten manche in der ersten Staffel von einer klaren Fehlbesetzung gesprochen und ihren Charakter als zu farblos, zu langweilig und zu profillos empfunden, so bleibt jetzt festzuhalten, dass Anna Torv in dieser Folge eine erstklassige Arbeit abgeliefert hat und es tatsächlich schaffen konnte, die Episode zu tragen. Und auch der Charakter Olivia hat sich um einiges gebessert, was auch daran liegt, dass man sich mittlerweile mit der verschlossenen und introvertierten Darstellung mehr als versöhnt hat. Gerade diese Charakterzüge haben nämlich für interessante Momente gesorgt, wie etwa die, in der Olivia still und heimlich voller Verzweiflung auf der Toilette in Tränen ausbricht, ehe sie wenige Minuten später zielsicher eine halbe Tankstelle in die Luft jagt. Die Serie kann somit endlich sowohl mit den Darstellern als auch mit den Charakteren punkten, was sie gleich viel wertvoller macht. Abzuwarten bleibt jedoch noch, wie Anna Torv die Rolle ihres alternativen Egos verkörpern wird, da es schnell passieren kann, dass sie dabei zum Overacting neigen wird. Das Vertrauen in ihre Fähigkeiten ist jedoch mittlerweile deutlich gewachsen.

"Whatever they told you: I'm not who you think I am."

Nun zur Handlung an sich: Auf die etwas abrupte und schnelle Flucht von Olivia möchte ich hier jetzt gar nicht näher eingehen, hat uns doch die Serie schon öfter bewiesen, dass sie Charaktere nicht gern als Gefangene sieht (bestes Beispiel ist die Eröffnungsszene aus #1.11 Das Schnupfenvirus). Interessant und sehr überzeugend ist erst das, was danach kommt: Olivias Flucht durch eine ihr fremde Welt. Denkt man bei dem Wort "Flucht" sofort an Action und Hektik, kennt man "Fringe" noch nicht. Unglaublich, wie angenehm ruhig diese Folge inszeniert wurde und wie man sich Zeit ließ, Olivias Psyche unter die Lupe zu nehmen, sowie erstklassige Dialoge vorzuweisen. Letztere verdanken wir Olivias unfreiwilligem Helfer Henry, der unglaublich nah an Olivia heran kam. Auch hier zeigt sich eine kleine Veränderung von Olivia, die mittlerweile viel offener mit ihrer Umwelt agiert, was wiederum aber auch an ihrer Situation gelegen haben könnte, bzw. daran, dass sich langsam aber sicher Bolivias Charakter Zugang zu ihr verschaffte. Sehr ergreifend war natürlich auch Olivias Wiedersehen mit "ihrer" Mutter, weshalb der Staffelauftakt von allem etwas zu bieten hatte.

Am Ende hielt er sogar noch eine überraschende Entwicklung parat. Denn ich zu meinem Teil hatte nicht damit gerechnet, dass Walternates Gehirnwäsche tatsächlich noch Früchte tragen wird und Olivia nun glaubt, Bolivia zu sein. Natürlich kann es auch sein, dass Olivia diese Wandlung nur spielt, da sie eingesehen hat, dass ihre Situation ausweglos erscheint. Ich jedoch glaube, dass nicht nur das Adrenalin, wie Brandon es erklärte, dafür gesorgt hat, dass sich Bolivias Charakter in Olivia eingenistet hat, sondern auch die Tatsache, dass sie nach ihrem tränenreichen Wiedersehen mit ihrer Mutter doch gerne irgendwo selbst Bolivia sein möchte. So oder so: Die Situation verspricht spannend zu werden, zumal wir mit Lincoln Lee auch einen interessanten "alternativen" Partner für Olivia hätten, sich mit Sicherheit enorm viel Sympathie zwischen den beiden entwickeln wird und es somit in ferner Zukunft schwer sein wird für Olivia, sich zu entscheiden, welche Welt sie denn auswählen wird, wenn die Zeit gekommen ist. Schien die Antwort darauf zu Beginn der Folge noch eindeutig, so zweifle ich daran, dass sie im Verlauf dieser Staffel so eindeutig bleiben wird.

Noch kurz ein paar Worte zur anderen Seite: Es war wieder herrlich, wie die Macher mit dem alternativen Universum gespielt haben. Bereits im Staffelfinale haben diese Kleinigkeiten ungeheuren Spaß bereitet, was in dieser Folge mit der Werbung für Mondreisen, dem Auftauchen absolut altmodischer Fahrräder und dem Verweis auf das Andrew Lloyd Webber Musical "Dogs" (statt "Cats") nicht anders war. Mal schauen, was sich die Autoren noch alles einfallen lassen haben. Vielleicht gewann Anthony Hopkins seinen ersten "Daniel" ja für den Film "Das Schweigen der Kaninchen".

Fazit

Auftakt geglückt. "Fringe" setzt seine Reise mit einer durchaus spannenden und interessanten Folge der etwas anderen Art fort, die auf Grund der Fokussierung auf Olivias Flucht zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig erscheint, aber dann doch dank der emotionalen Momente, den Szenen zwischen Olivia und Henry und der Darstellung der "anderen Seite" zu überzeugen weiß und die Weichen für eine Staffel stellt, die sich ganz klar von den bisherigen "Fringe"-Runden unterscheiden wird. Für die Weiterreise gilt: unbedingt anschnallen!

Manuel H. - myFanbase

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