Bewertung: 8

Review: #2.15 Liverpool gegen Manchester

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Valentinstag – ein Topos, der seit Beginn der Seriengeschichte immer und immer wieder auftaucht. Als eine Sitcom, die sich besonders gern solch bekannter TV-Topoi annimmt, bietet sich das Fest der Liebe natürlich besonders gut für "Community" an. Bereits in Staffel 1 produzierte man mit #1.16 Trunken am Telefon eine recht anständige Episode mit dieser Thematik, die sich jedoch auf ganz klassische Art und Weise um den Valentinstag drehte. Mit #2.15 Early 21st Century Romanticism gelingt es den Machern aber nun, auf unverbrauchte und sehr innovative Art mit dem Thema umzugehen und das Fest der Liebe nicht auf altbacken romantische Art zu behandeln, sondern sich vielmehr generell auf zwischenmenschliche Beziehungen zu konzentrieren. Und dabei stellen sie tatsächlich eine Valentinstagsepisode auf die Beine, in der kein einziger, ernstgemeinter Kuss aus Liebe stattfindet.

Beginnen wir mit dem "traditionellsten" Teil der Episode: Troy und Abed haben sich beide in die hübsche Bibliothekarin Mariah verguckt und wollen sie nun bitten, sich für einen von ihnen zu entscheiden. Mariah ist von dem unkonventionellen Anmachversuch der beiden positiv überrascht ("That's the cutest thing that's ever happened to me.") und es ist ja auch einfach nur zu amüsant, wie die beiden sich an sie ranzumachen versuchen und gleichzeitig ihre Freundschaft um jeden Preis bewahren wollen. Hier muss besonders Donald Glover hervorgehoben werden, dessen unvergleichlich witziger Tanz zu den besten Szenen der Episode gehört (nicht zu vergessen Abeds anspornendes: "Go. Go. Go. Go. Go."). Dabei steht in der ganzen Geschichte eigentlich gar nicht Mariah im Mittelpunkt, sondern vielmehr die besondere "Bromance" zwischen Troy und Abed, ihre spezielle Freundschaft und ihr unvergleichliches Zusammenspiel. Wie fest die zwei zusammenhalten, stellen sie auch am Ende unter Beweis, als Troy sich gegen Mariah und für Abed entscheidet – ein wunderbarer Moment! Diese Bros muss man einfach lieben.

Kommen wir von platonischer zu homosexueller Liebe – oder sowas ähnliches. Die Storyline, die man diesmal für Britta parat gehalten hat, war absolut grandios, zeigte sie doch zum einen, dass Britta die Ideale, die sie den anderen immer predigt, selbst nicht immer wirklich einhält, und zum anderen, dass auch die coole Britta mal auf die Nase fallen muss. Dabei ist es einfach herrlich lustig, wie Britta und Paige beide nur deshalb mit der jeweils anderen befreundet sind, weil diese scheinbar lesbisch ist, womit sie ihre Anti-Homophobie komplett auf die Spitze treiben. Brittas übertrieben provokante Toleranz mag zwar altbekannt sein, sorgt aber doch immer wieder für sehr witzige Momente und schafft zudem einen Frauencharakter, den man so eigentlich selten im Fernsehen sieht: sehr emanzipiert und engagiert, wenn auch manchmal übertrieben, aber eben tough und eigenständig, ist Britta eine Frau, die zur Not auch mal andere Frauen küsst, nur um ihren Standpunkt zu beweisen. Göttlich!

Ebenfalls großartig ist Duncan, der seinen einsamen Valentinstag mit Jeff verbringen will, welcher nach einem sinnlosen Steit mit dem Rest der Lerngruppe ebenfalls allein dasteht. Mal wieder muss gesagt werden, wie perfekt einfach die Chemie zwischen Joel McHale und John Oliver ist, und dass letzterer wirklich eine enorme Bereicherung für den Hauptcast wäre, denn Duncan ist schlichtweg überragend ("In England, everything means vagina.") und harmoniert zudem auch noch gut mit Chang. Dieser lädt sich kurzerhand selbst ein (hatte hier noch jemand einen Lachflash, als Chang grinsend vor Jeffs Guckloch stand?) und veranstaltet eine Party in Jeffs Wohnung. Grund: Seine Frau hat ihn rausgeschmissen. Wie es nun aussehen soll, dass Jeff und Chang zusammen wohnen, ist unklar, aber das kann doch eigentlich nur lustig werden, oder? Bleibt zu hoffen, dass wir hier einen Einblick in die Jeff-Chang-WG bekommen werden.

So kommen wir zum letzten und schwächsten Subplot: Pierce und seine Pillensucht. Während Pierce sich in der vergangenen Episode bereits selbst ins Aus geschossen hat, scheinen die Autoren nun eine Antwort für sein unmögliches Verhalten liefern zu wollen. Es ist Pierce' Pillenschluckerei, die ihn wirr macht und so dafür sorgt, dass er sich immer weiter von seinen Freunden entfernt. Nun scheint Pierce aber endgültig ganz unten angekommen zu sein, doch leider empfindet man als Zuschauer zu diesem Zeitpunkt nicht besonders viel Sorge oder Sympathie für den alten Herrn.

Zum Schluss kommt trotz des Mangels an wirklicher Romantik trotzdem ein sehr wohliges Gefühl auf, denn für fast alle gibt es ein schönes Valentinstagsende: Wir haben Troy und Abed, die feststellen, dass ihnen ihre Freundschaft wichtiger ist als eine Frau; wir haben Britta und Annie, die sich versöhnlich in die Arme fallen (und davor fast küssen!); und wir haben einen Jeff, der einsieht, dass ihm seine sechs Freunde aus der Lerngruppe sehr ans Herz gewachsen sind und er doch kein so gefühlskalter Mensch sein kann, wie er immer vorgibt. So schreibt er seinen Freunden eine wunderbare SMS und lässt Chang auf dem Sofa übernachten. Ein tolles Ende für eine tolle Folge, die erneut sämtliche Stärken von "Community" in sich vereint.

Maria Gruber - myFanbase

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