Bewertung

Review: #13.09 Heroes

Ich habe es nicht überprüft, aber die letzte bewusste Episode, die klar Trudy Platt ins Zentrum gestellt hat, ist für mich #4.03 Auf eigene Faust, als sie den Mörder ihres Vaters Robert gejagt hat. Das war die vierte Staffel und ist damit beinahe zehn Jahre her. Während sie in "Chicago Fire" und in ihren regulären Episoden bei "Chicago P.D." vor allem für die Comedy und wichtige Peptalks zuständig ist, ist es einfach eine Schande, dass das Schauspieltalent von Amy Morton so selten genutzt wurde. Also lassen wir die Korken knallen, dass wir jetzt endlich nochmal ins Vergnügen kommen durften.

Es gibt Gerüchte, dass Morten nach Staffel 13 ausscheiden wird. Gerüchte sind Gerüchte, die können wahr werden oder totaler Blödsinn sein. Sollte es Letzteres sein, hoffe ich doch sehr, dass der positive Zuspruch zu dieser Episode dem Produktionsteam klar vermittelt, dass wir nicht weitere zehn Jahre warten dürfen. Es mag sein, dass auch viele Dinge zusammengekommen sind. Der Cast wurde immer kleiner, die Hauptdarsteller sind nicht mehr in jeder Episode einer Staffel zu sehen und Patrick John Flueger hat seine Auszeit länger als geplant gebraucht, vielleicht hat das aus der Not eine Tugend werden lassen. Wer weiß das schon. Aber aus der Not heraus ist schon einiges Geniales entstanden. Dennoch möchte ich gerne für mich die Überzeugung stehen lassen, dass diese Episode klar geplant wurde, denn sie wirkt letztlich auch nicht wie ein spontaner, dazwischen geschobener Einfall. Nein, es ist ein extrem gut durchdachtes Drehbuch.

Ich habe schon Andeutungen gefunden, dass die Storyline auf eine Inspiration von Brian Luce hin entwickelt worden ist. Dieser ist schon von Anfang ein Berater von "Chicago P.D." gewesen, weil er selbst einst Polizist war. Inzwischen führt er durch den wöchentlichen Podcast und ist auch immer wieder in der Serie als Dispatcher des CPDs zu hören, seine bärige Stimme ist auch unverwechselbar. Durch seine langjährige Berufserfahrung hat er natürlich einige Geschichten angesammelt, darunter auch tragische Verluste von geliebten Kollegen, nicht alle 'im Dienst' gestorben, denn die Suizidrate in dem Job ist vergleichsweise hoch. Es war schon clever, dass ich all das erst hinterher mitbekommen habe, denn so war es für mich in der Episode lange offen, ob Robby McKay wohl ermordet wurde oder sich selbst getötet hat. Mit der Geschichte rund um Luce steht das Ganze in einem anderen Licht und dementsprechend bin ich froh, dass ich eine spannende Episode bekommen habe und auch etwas, was eine persönliche Note mit Botschaft hat.

Für mich fing die Episode schon genial an, denn wir haben eine kleine Sequenz am Anfang, in der wie einen Querschnitt von Trudys Arbeitsalltag bekommen, so wie wir es aus den ersten Staffeln im Übermaß mitbekommen haben. Nostalgie pur also. Dann kam eine Szene, als zwei Cops von ihr eine deftige Ansage zur Sauberkeit des Streifenwagens bekommen und da war es erstmal schon vorbei für mich. Nicht nur, dass die Streifenpolizistin unheimliche Ähnlichkeiten mit Kim Burgess hatte, nein, es war wirklich wie eine Kopie, was sie mit Kevin Atwater oder Sean Roman als Partner wiederholt erlebt hat. Und die Szene war so wichtig, wenn auch noch so klein, weil es genau Kim ist, die ihr letztlich als wichtigste Stütze zur Seite gestellt wird. Eine der besten Mentorenbeziehungen im amerikanischen Fernsehen hatten die beiden für mich immer schon. Auch Hailey Upton hat immer zu ihr aufgeschaut und Kevin hat sie ebenfalls als wichtige Lebensberaterin an die Seite gestellt bekommen, aber Kim und Trudy, das ist eine andere Ebene. Deswegen war es ganz groß fürs Herz, die beiden hier so eng zusammen zu sehen und dabei auch noch die Rollen vertauscht zu haben.

Trudy legt bei der Episode los wie die Feuerwehr. Sie wird von einem weiteren ehemaligen Schützling, Robby, um Hilfe gebeten und sie macht, was sie immer macht. Sie gräbt und liefert Ergebnisse. Mit denen gibt sie Robby etwas an die Hand, sodass er völlig euphorisch mit einer Durchsuchung des Drogenlagers dessen Dealer planen kann, den er schon jahrelang jagt. Am nächsten Morgen ist es mit der Euphorie vorbei, denn Robby ist tot. Ab da begann schon Mortons geniales Schauspiel, weil das Drehbuch ihr mehrere ruhige Momente gönnt, in denen sie alleine mit Mimik diese Tragik zum Ausdruck bringen kann. Genauso genial war aber auch ihr Einsatz gegenüber dem Kollegen, Robbys Leiche mit Polizeikonvoi in die Gerichtsmedizin zu fahren. Das ist bei Selbstmord nicht vorgesehen und auch wenn Kollege Dunlop das schon als Selbstmord vermerkt hatte, hat sie mit den genialen Sätzen 'I bark once, than I bite' alles klar gemacht. Sie hätte alles in Brand gesetzt, damit Robby dieses Geleit bekommt. Auch wenn sie ihr Ziel letztlich bekommen hat, aber die Fahrt ins Krankenhaus war natürlich trotzdem tieftraurig.

Während danach alles so aussieht, als wäre der Anfangsverdacht falsch und Robby wurde ermordet, ist es dann Kim, die ein komisches Gefühl bekommt. Letztlich behält sie recht, denn Robby hat sich selbst getötet, doch anschließend bekam er noch ungeahnten Besuch, sodass zweimal Totenflecken entstanden, was Trudy als Knochen für weitere Witterung genutzt hat. Die vertauschten Rollen der beiden war aus mehrerer Sicht genial. Zum einen ist Kims Beförderung zum Detective noch eine der neueren Entwicklungen, da ist es gut, die Rechtfertigung dessen noch einmal zu betonen. Zum anderen macht Kim Trudy zwischendurch auch klar, dass sie nur allen Beweisen nachgeht, weil sie das von ihr beigebracht bekommen hat. Und das ist letztlich das, warum man Schützlinge ausbildet und anleitet. Sie sollen aus den eigenen Erfahrungen lernen und sie sollen sich auch beweisen, wenn man selbst es aus Altersgründen oder aus emotionalen Gründen nicht leisten kann. Kim wusste genau, dass Trudy es niemals gewollt hätte, ihr blind nach dem Mund zu reden. Auch wenn die Wahrheit für Trudy hart war, aber einer Lüge hätte sie nicht aufsitzen wollen. Deswegen hat sie auch entschieden, Caitlin, der Ehefrau, die Wahrheit zu sagen.

Das führt dann auch in den letzten Themenblock über, den ich besprechen will und der sich aus dem simplen Episodentitel 'Heroes' ableitet. Die Diskussion um den Konvoi hat es schon angestoßen und spiegelt auch etwas wider, was in Glaubensgemeinschaften sehr verbreitet ist. Selbstmord ist ein Tod zweiter Klasse. Und auch wenn ich die Berichterstattung rund um den assistierten Selbstmord der Kessler-Zwillinge stellenweise grenzwertig fand, so steht für mich außer Frage, dass Selbstmord niemals grundlos passiert ist. Es wird auch thematisiert, wie viele Gesichter Depressionen haben, denn Robby hatte einen harten Ruf. Für Trudy war er der Schützling, der als letzter bricht. Doch nach außen hart wirken, macht einen inneren weichen Kern nicht unmöglich. Neben genetischen Faktoren spielt auch das Umfeld und der Lebensalltag eine enorme Rolle. Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, ständig muss jeder auf dem höchsten Level performen und auch im Privatleben winken an jeder Ecke Erwartungen. Es gibt Berufe, die besonders prädestiniert sind, einen abzunutzen und der Polizeijob gehört wie die meisten Ersthelferberufe dazu. Man hilft und macht sich dabei selbst kaputt und wenn man nachgeben muss, bekommt man noch einen Tritt in den Hintern, indem nicht die volle Pension an die Hinterbliebenen gezahlt wird oder sonstige Ehrungen gestrichen werden. Das ist eine Schande und diese Episode bringt genau das auf den Punkt. Keinen Ausweg mehr zu kennen, nimmt einem nicht den Heldenstatus.

Fazit

Es schien unmöglich zu sein, aber es wurde nochmal wahr. Eine Plattform für Amy Morton und Trudy Platt. Eingepackt war das alles in eine spannende und thematisch einfühlsame Episode. Da freue ich mich gleich doppelt auf die speziell auf diese Folge zugeschnittene Podcast-Episode, die hier noch das Sahnehäubchen sein wird.

Lena Donth – myFanbase

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