Bewertung: 7

Review: #7.06 Blutopfer

Was war das in der vergangenen Woche doch eine herbe Enttäuschung mit "Chicago P.D.". Weder der Fall der Woche noch die Zentrierung auf Adam Ruzek, erstmals nach seiner Freisprechung von allen Anklagepunkten, war gelungen. Daher heißt es nun dringend "back to business"!

Bereits die ersten Minuten der Episode haben mir ein ganz anderes Gefühl vermittelt, als das die letzte geschafft hat. Es ist immer gut, die Cops auch mal abseits ihrer Arbeit zu erleben. So erfahren wir, dass Trudy Platt sich für ein soziales Projekt engagiert, das benachteiligten Kindern und Jugendlichen auf die Beine helfen soll. Jay Halstead hilft ihr dabei nun einmalig und darf seine soziale Seite zeigen. Genau das erweist sich mehr als passend, denn wenig später wird er zu Schüssen ganz in der Nähe gerufen. Am Tatort ergibt sich dann ein schreckliches Bild: ein erschossener Mann und zwei erschossene Kinder. Zudem ein Junge, der verängstigt im Badezimmer hockt. So entsetzliche Tatorte erleben wir bei "Chicago P.D." nun wahrlich nicht oft, umso eindrücklicher und bedrückender waren die Bilder. Hut ab hier auch für Jesse Lee Soffers Schauspiel, der mich in diesem entsetzlichen Moment voll mitgenommen hat. Auch die anschließenden Reaktionen der Mütter und die Betroffenheit innerhalb der Intelligence Unit, das hat eine Atmosphäre kreiert, durch die ich mich sofort an diese Episode gefesselt gefühlt habe.

Da Jay das Entsetzen am eigenen Leib verspürt hat, hängt er sich in den Fall mit voller Inbrunst hinein und darf dabei wie so oft sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsbedürfnis unter Beweis stellen. Leider verleitet es ihn diesmal zu einer fatalen Fehlentscheidung. Aber eins nach dem anderen. Jason Crawford erscheint mal wieder auf der Bildfläche und er steht unter dem immensen Öffentlichkeitsdruck, mit dem sich auch schon seine Vorgänger als Superintendent des CPD rumschlagen mussten. Nun hat der Mord an Kindern auch eine erheblich größere Brisanz, so dass der Druck auf Crawford nur logisch war. Weiterhin ist es aber sehr schwierig, seine Persönlichkeit so recht abzuschätzen. Er erweist sich bisher als Teamplayer, aber gleichzeitig wirkt es sehr egoistisch, dass er den fatalen Makel eines Gesichtserkennungsprogramms verschweigt. Denn diese Software, die sich noch in der Beta-Phase befindet, ist von Weißen anhand von weißen Charakteristika entworfen worden, so dass sie bei der schwarzen Bevölkerung nicht dieselbe Genauigkeit erzielt. Was genau Crawfords Motiv für diese Halbwahrheit war, bleibt leider unbeleuchtet, aber ich könnte mir vorstellen, dass er niemals mit so einem Missverständnis gerechnet hätte.

Hank Voight ist angesichts der Software von Anfang an skeptisch und es gefällt ihm nicht, dass sie anhand eines ausgespuckten Ergebnisses ihren Fall aufbauen statt auf Beweise und ein Motiv zu setzen. Doch auch er gibt unter dem emotionalen Druck durch den Fall nach. So jagen sie hinter dem Verdächtigen Marcus West her, der sich als Drogenjunkie entpuppt. Verzweifelt verneint er immer wieder der Täter zu sein, doch weder Jay noch Hank hören bei ihm auf ihr Bauchgefühl, denn die Software hat ihn ja schließlich als Täter bestimmt, oder? Da zudem die am Tatort ansässige Gang Druck auf die Polizei ausübt, die ansonsten selbst auf Rachefeldzug gehen will, steckt Jay West schließlich ins Gefängnis, um ihn zu brechen.

Ab diesem Moment nimmt die Episode eine dramatische Wendung, die ich so nie hätte kommen sehen. Nahezu parallel wird West von einem Gangmitglied so schwer verprügelt, dass es ins Koma fällt und schließlich verstirbt und es taucht ein Beweis auf, der ihn als Täter ausschließt. Hiermit ist das Chaos nun perfekt und Jay vergeht in Selbstzweifeln, die ich sehr gut nachvollziehen konnte. Der emotionale Ausnahmezustand, in dem er sich befand, den kann man wohl schwer abschließend beurteilen, aber Vorwürfe kann man ihm nur bedingt machen. Letztlich stellt sich heraus, dass die rechte Hand des Gangchefs der Täter war und die Kinder töten musste, weil sie ihn gekannt haben. Diese Wendung war sehr überraschend und hat den ganzen Fall auf ein dramatisches Höchstniveau getrieben.

Nun kommt der Teil der Episode, mit dem ich moralisch doch große Probleme hatte. Seit mehr als sechs Staffeln bewegen wir uns nun schon mit Hank und der restlichen Unit durch die Grauzonen der Gesetzgebung, die vor allem von persönlicher Rache stets gefährlich ausgetestet werden. Daher lebt man eben damit, dass Hank und Co keine loyalen Gesetzeshüter sind. Dennoch stoße ich immer wieder an meine eigenen moralischen Grenzen. Da West gestorben ist und es gilt, die Schlappe rund um die Software und damit Jays Verantwortung zu vertuschen, beschließt Hank im Alleingang, dass sie dem Drogenjunkie ohne Nachkommen öffentlich die Schuld in die Schuhe schieben, während die Gang am eigentlichen Täter Selbstjustiz üben darf. Dies ist eine wirklich abstoßende Entscheidung, zumal wir West erleben durfte. Ein verzweifelter Mann, der viel im Leben verloren hat und daher in die Drogensucht abgerutscht ist, der aber dennoch mehrfach gefleht hat, dass er niemals einen Mord begehen könnte. Ausgerechnet dieser gebrochene Mann wird nun in der Öffentlichkeit diffamiert und einer abscheulichen Tat beschuldigt. Mir hat es trotz der nur wenigen Szenen mit West das Herz für ihn geschmerzt. Aber Hank ist wie Hank nun mal ist und die Gang selbst Rache nehmen zu lassen entspricht genau seinem eigenen Standpunkt. Schade war aber definitiv, dass sich Jay hier nicht mehr gewehrt hat. Man hat in der Abschlussszene deutlich gemerkt, wie unwohl er sich mit der Lösung fühlt, aber sein Protest war dennoch nicht vorhanden. Zu Beginn der Staffel hat er noch selbstbewusst die Klingen mit Hank gekreuzt, es ist schade, dass die Drehbuchautoren diesen Weg nicht weitergehen. Denn so manifestiert sich der Eindruck, dass die Unit nur noch aus Ja-Sagern besteht. Mit Antonio Dawson scheint der letzte gegangen zu sein, der Hank noch Einhalt gebieten konnte.

Fazit

"Chicago P.D." zeigt in dieser Woche eine deutliche Verbesserung, indem man einen sehr emotionalen Fall aufbietet, der mit vielen Wendungen erzählt wird. Im letzten Drittel der Episode wird es aber moralisch grenzwertig, schade, dass es hier nicht mehr Gegenwind aus den eigenen Reihen gibt.

Lena Donth – myFanbase

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