Bewertung: 5

Review: #7.07 Harter Stoff

"Chicago P.D." ist nicht die heile Welt, wie es "Chicago Fire" oft ist und trotzdem gibt es auch für die Cop-Serie Grenzen, bei denen ich sie moralisch verwerflich finde. So geschah es mir in der letzten Woche, als ein toter Drogenjunkie als Mörder inszeniert wurde, um den eigenen Fehler zu vertuschen. Diese Momente gibt es bei "Chicago P.D." immer wieder, aber höchst selten in zwei aufeinanderfolgenden Episoden…

In der letzten Episode war es Jay Halstead, der den Fehler begangen hat und für den Hank Voight auf fragwürdige Art und Weise den Karren aus dem Dreck holt. Während er zunächst etwas entsetzt über Hanks Lösung wirkte, hat er letztlich aber doch klein beigegeben. Daher liegt es in dieser Woche nun an Hailey Upton, die Methoden ihres Chefs hinterfragen zu müssen. In einem sich sehr seltsam entwickelnden Fall, der mit zwei 17-jährigen Drogendealern beginnt, die sich angeblich gegenseitig erschossen haben, setzt Hailey auf ihren Informanten Cam, mit dem sie schon recht lange zusammenarbeitet. Er hat großen Gefallen am Job des Informanten gefunden, was durchaus verwunderlich ist, da Verräter bekanntermaßen nirgendwo gerne gesehen sind. Cam trifft nun auf den zweiten Informanten der Stunde, Darius Walker, der diesem Job dagegen sehr widerwillig nachgeht. Hier treffen also zwei Welten aufeinander, die letztlich ein tragisches Ende finden. Darius soll im Auftrag der Unit die gefährliche Drogen Carfentanyl von der Straße holen soll. Dies ist ihm wegen der Drogentoten ebenfalls ein Anliegen, aber es ist auch ein gefährliches Spiel, weil er wohl mit der einflussreichste Kriminelle Chicagos ist und bei einer Enttarnung seines Zweitjobs hätte er viele Feinde heraufbeschworen. Nachdem er Cam erblickt hat, ist für Darius klar, dass er diesen wegschaffen muss, um das Risiko einer Enttarnung zu minimieren.

Es war schon eine erschreckende, aber gleichzeitig auch eindrückliche Szene, als Cam vor Haileys Augen erschossen wurde, so dass ihr sogar Blut ins Gesicht spritzte. Es war der typische Moment, um Emotionen beim Zuschauer und auch bei Hailey selbst freizusetzen. Während das bei der Detective sehr gut geklappt hat, hat es bei mir als Zuschauer aber nicht geklappt. Das liegt zum einen daran, dass Cam für diese Episode aus dem Hut gezaubert wurde, so dass es schwer war, mich an ihn zu binden und zum anderen liegt das daran, dass Haileys Wut auf die kühle Berechenbarkeit von Hank trifft, was alles ausbremst. Natürlich sind seine Argumente, dass das Carfentanyl von der Straße muss, um weitere Tote zu verhindern, richtig, aber auf der anderen Seite steht eben Mord. Warum müssen unterschiedliche Verbrechen immer gegeneinander aufgewogen werden? Ein Toter ist immer ein Toter zu viel und zählt damit auch für Cam, der sein Leben umgekehrt hat und Gutes getan hat. Letztlich war ich also selbst wütend, aber nicht auf Darius, sondern auf Hank, der erneut eine fragwürdige Entscheidung trifft.

Nachdem Darius nun also Informant bleiben darf, was sicherlich für weitere mögliche Handlungen richtig ist, kehrt Hailey ihren Ärger wie ich auf Hank um. Sie widerspricht ihm vor den restlichen Kollegen, wofür ich ihr applaudiert habe. Dann wird sie ins Büro gebeten und Hank faselt ein wenig vor sich her und Hailey knickt einfach ein. Nach Jay dem Ja-Sager nun also auch Hailey als Ja-Sagerin. Ich weiß zwar auch, dass Hank selbst schon Informanten verloren hat und deswegen das sensible Geschäft mit ihnen bestens kennt, aber gleichzeitig legt er sich die Argumente immer so zurecht, wie er sie gerade braucht und erntet dafür mit dem Wegfall von Antonio Dawson keinen Widerstand mehr. Diese aktuelle Entwicklung beobachte ich daher sehr besorgt. Ich will keinesfalls moralische Saubermänner, aber ich will doch Kontroversen, damit zweifelhafte Entwicklungen aus zweierlei Perspektiven gezeigt werden, denn sonst steuern wir mit dieser Serie in Gefilde, die aktuell in Bevölkerungen der ganzen Welt zu beobachten sind.

Fazit

"Chicago P.D." testet mit der zweiten Episode in Folge moralische Grenzen aus, ohne dabei aber eine Alternative entgegenzusetzen. Zwar hat Hailey durch den Verlust ihres Informanten sehr gute Momente, aber der Eindruck einer zweifelhaften Entwicklung und eines kruden Kriminalfalls überwiegt deutlich.

Lena Donth – myFanbase

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