Bewertung: 8

Review: #5.12 Letzte Worte

Der englische Titel dieser Episode - Captive - hat mich von Anfang an neugierig gemacht, da mir klar war, dass jemand entführt werden wird. Damit verbunden war dann prompt meine Hoffnung, dass einer der Intelligence Unit in eine Geiselnahme gerät, da diese persönlichen Verwicklungen der Unit-Mitglieder mir bekanntlich am besten gefallen. Denn gerade in diesen Folgen ist die Emotionalität immer groß und dadurch sehr mitreißend. Wie also wird der Entführungsfall in dieser Episode genutzt?

Meine Hoffnungen wurden tatsächlich erfüllt, da Kevin Atwater in einen Hinterhalt gerät, ausgeknockt wird und sich bei Bewusstseinswiedererlangung mit Fesseln in einer verlassenen Kirche wiederfindet. Natürlich schoss mir angesichts der drohenden Worte des Entführers, dass Kevin für seine Sünden zu zahlen habe, direkt durch den Kopf, dass der Grund der Entführung sein könnte, dass sein Bruder Jordan ein Gangmitglied durch seine Aussage hinter Gittern gebracht hat. Daher war es dann doch etwas überraschend, dass Kevin eher nur ein Zufallsopfer war. Und gerade dieser Zufall erscheint mir logisch gesehen sehr fragwürdig. Im Laufe der Ermittlungen stellt sich heraus, dass das zweite Entführungsopfer, Joe Baker, das eigentliche Ziel war und von einer Frau durch Drogen im Drink ausgeschaltet wurde, so dass zwei Mitglieder einer Latino-Gang ihn entführen konnten. Da Baker selbst schon im Gefängnis saß, hat ein Bewährungshelfer ein Auge auf ihn und schlägt Alarm, als er bei einem Treffen nicht auftaucht. Die Schwester von Baker wiederum wartet vergeblich auf die alarmierte Polizei und informiert stattdessen Kevin, der nach Baker sehen will und dadurch selbst entführt wird. Da die Entführer nach entwendeten Drogen suchen, durchsuchen sie auch Bakers Haus. Warum aber finden sie die Drogen nicht, die Antonio Dawson dann am nächsten Tag spielerisch leicht entdeckt? Da fällt mir dann schon sehr ins Auge, dass die Situation etwas stark konstruiert wurde.

Aber das sehe ich nur als einen kleinen Kritikpunkt, da mir die Ausgangslage, dass Kevin mit Baker, dessen Sohn er während eines Einsatzes erschossen hat, zusammen entführt wurde, mehr als vielversprechend erscheint. Natürlich kann man auch an dieser Stelle mit den Augen rollen, dass eine so wichtige Episode in Kevins Leben erst jetzt aufgedeckt wird, obwohl er durch die Verbindung zu der Opferfamilie, noch ständig mit dieser Thematik konfrontiert ist. Aber egal, "Chicago PD" arbeitet eben so. Da Baker aber so überhaupt nicht gut auf Kevin zu sprechen ist, ist er für diesen neben den Entführern natürlich eine weitere Gefährdung. Ich fand es aber gut, wie sich Kevin dieser Situation gestellt hat. Zum einen professionell, weil er seine Schritte stets gut durchdacht hat, und zum anderen weil er Baker ohne Weiteres sein Seelenleben offengelegt hat, um diesen emotional an sich zu binden, aber auch aus rein selbstlosen Gründen, weil er genauso unter der Situation leidet wie der trauernde Vater.

Der Showdown der beiden mit den Entführern, aber auch untereinander, ist definitiv das Herzstück dieser Episode. Als Baker zum zweiten Mal eine Kugel abbekommt und eigentlich somit dem übriggebliebenen Entführer Morales schutzlos ausgeliefert ist, stürzt sich Kevin heldenhaft dazwischen und rettet Baker so das Leben. Nachdem Kevin Morales ausgeschaltet hat, bedroht aber plötzlich Baker Kevin mit einer Waffe. Diese Wendung war sicherlich vorhersehbar, aber dramaturgisch einwandfrei gewählt. Denn der Rachegedanke überstrahlte die ganze Folge und wie viele Verwandte schwören Rache am Tod ihres Angehörigen? Viele! Ich fand es dann sehr interessant, dass dieser Konflikt nicht dadurch aufgelöst wurde, dass Baker erwidert, dass sie nun quitt seien, weil er ja sein Leben bewahrt habe. Nein, Baker lässt die Waffe fallen, als er von Kevin die letzten Worte seines Sohnes mitgeteilt bekommt. Dieser wurde nur erschossen, weil er vor niemandem auf die Knie gehen wollte. Da Baker genau diese Worte seinem Sohn Ronnie eingeimpft hat, wird ihm klar, dass er im selben Maße schuldig an dessen Tod ist wie Kevin. Dies fand ich großartig gelöst, da die Erziehung in aktuellen Zeiten wieder ein sehr wichtiges Thema ist. Für Kriminalität ist nicht immer nur die soziale Ungerechtigkeit oder der Kontrast schwarz-weiß verantwortlich, manchmal ist es auch schlichtweg die Erziehung. Entweder weil sie gar nicht vorhanden ist oder eben weil sie falsch durchgesetzt wurde.

Ein weiterer zentraler Aspekt in dieser Folge war, zu sehen, wie eng die Unit zusammenhält. Dieses Motiv zog sich durch die ganze Folge. Angefangen bei der Geburtstagsfeier für Trudy Platt mit Karaoke (herrlich!) und dann eben mit der gemeinsamen Sorge um Kevin. Betroffen waren sicherlich in erster Linie Kim Burgess als beste Freundin und Adam Ruzek als Partner von Kevin. Aber auch bei allen anderen hat man gemerkt, dass die Arbeit unter dem Damoklesschwert stattfand, dass es jederzeit für einen von ihnen vorbei sein könnte. Zunächst ist es vor allem Kim, die sich immer wieder Gedanken macht und die das Gefühl hat, dass die Ermittlungen nicht zielstrebig genug geführt werden. Adam wirkt dagegen sehr stoisch. Dass dies aber nur der äußere Anschein ist, zeigt sich, als ein Manöver der Unit gründlich schiefgeht und Kevin somit eigentlich endgültig dem Tod geweiht ist. Aus Adam bricht seine ganze Sorge raus, erst in Form von Tränen, dann in Form von Wut, als er auf Antonio Dawson losgeht, der den zweiten Entführer Vasquez getötet hat. Diese Szenen waren alle unheimlich stark gespielt, dadurch aufwühlend und mitreißend. Als Kevin dann befreit werden kann, stürzt sich erst Kim von hinten auf ihn und zeigt noch einmal, was für eine süße Freundschaft die beiden verbindet und dann lässt es sich sogar Trudy nicht nehmen, den ehemaligen Streifenpolizisten, den sie nur zu gerne schikaniert hat, erleichtert in die Arme zu nehmen. Als sich dann auch noch Adam bei Antonio entschuldigt und die beiden versöhnlich auseinandergehen, wirkt es wie die pure Harmonie, aber die habe ich total genossen!

Die letzte Episode brachte die Liebesgeschichte von Kim und Adam neu auf und ich habe mich schon eine Woche damit gequält, welchen Weg die Autoren wohl nun bei den beiden einschlagen werden. Diese Folge gibt aber nur bedingt Antworten. Am Anfang, als sich alle auf die Party zur Trudys Ehren freuen, wirkt ihr Umgang sehr spielerisch und eher so, als ob sie nun eine lockere Affäre pflegen. In der Sorge um Kevin aber wirkt Kim etwas abweisend, weil Adam zunächst so beherrscht wirkt. Als er aber später auf Antonio losgeht, ist sie es, die ihn beruhigen kann und die ihre eigene Sorge für einen ihr ebenso wichtigen Menschen beiseitestellen kann. Anschließend haben sie aber keine Szenen mehr miteinander, so dass eigentlich nichts geklärt wird und man nur weiter abwarten kann.

Das letzte Thema dieser Folge ist eigentlich wirklich nur minimal, wurmt mich aber letztlich am meisten. Jay Halstead ist von der Schreibtischarbeit befreit worden und darf wieder im Außendienst mitwirken. Dies ist sicherlich eine Folge davon, dass er sich der Psychologin zu öffnen scheint. Wie er sich ihr genau geöffnet hat, bleibt aber vollkommen im Dunkeln und das finde ich sehr, sehr schade. Denn wir konnten ja festhalten, dass den aktuellen Jay niemand kennt und bei ihm mal hinter die Fassade zu blicken, hätte sicherlich geholfen. Auffällig ist dann nur noch, dass er auf Trudys Party sehr unbeteiligt wirkt. Entweder weil er wirklich noch an allem Erlebten knabbert oder weil er sich aktuell nicht ganz zugehörig zur Unit fühlt. Aber all das bleibt rein spekulativ.

Fazit

Durch die Entführung von Kevin wurde eine hochemotionale Episode geboten, die den Zusammenhalt der Unit noch einmal auf geschickte Art und Weise in den Fokus gerückt hat. Zudem gab es jede Menge Action, so dass die Zeit viel zu schnell umgegangen ist. Sicherlich kann man kritisieren, dass alles rund um Kevins Entführung sehr konstruiert wirkt, aber wenn dann solch gute Episoden dabei rumkommen, dann bin ich gerne dabei!

Lena Donth - myFanbase

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