Bewertung: 7

Review: #5.11 Streng vertraulich

Die letzten beiden Folgen von "Chicago PD" bilden den Höhepunkt der wirklich unterhaltsamen fünften Staffel, da die Cop-Serie konstant gute Unterhaltung wirklich nur selten am Stück unter Beweis stellen kann. Daher gehe ich aktuell immer mit einer gewissen Besorgnis an die neue Folge, da ja jeden Moment diese Glückssträhne vorbei sein könnte. Wie also schlägt sich #5.11 Confidential?

In meiner letzten Review habe ich die Frage gestellt: Quo vadit, Jay? Freundlicherweise werden direkt einige Antworten geliefert, auch wenn das Thema damit sicherlich noch lange nicht abgehakt ist. Jay Halstead will nahtlos weitermachen, als ob er nicht kurz davor gewesen wäre, für eine Frau seine Heimatstadt und seinen Job hinter sich zu lassen. Gut, dass Hank Voight das ganz anders sieht und ihn erstmal an den Schreibtisch fesselt und seine Rückkehr in den Außeneinsatz von Therapiestunden abhängig macht. Der natürlich ganz toughe Jay hält das für lächerlich und glaubt die Therapiestunden schweigend absitzen zu können. Das zeigt aber auch: gerade die, die Reden dringend nötig hätten, verweigern dies häufig. Daher ist es wichtig, dass Hailey Upton immer ein Auge auf ihn hat. Auch ihr ist klar, dass Jay vermutlich seelisch an einem Tiefpunkt angelangt ist und dass er erst wieder für den Dienst tauglich ist, wenn er seelischen Ballast abgeladen hat. Daher droht sie ihm, sich einen anderen Partner zu suchen und prompt gelingt es Jay sogar einen außerordentlichen Therapietermin auszumachen. Das ist zwar jetzt noch lange nicht die Endlösung, aber es war der wichtige erste Schritt in die richtige Richtung. Ich wünsche mir jedenfalls für die kommenden Folgen, dass wir dem seelischen Heiligungsprozess weiter beiwohnen können.

Das Thema 'Vernichtung Denny Woods' wird in dieser Folge weitestgehend ausgespart. Auch wenn ich ein Fan von durchgehenden Handlungssträngen bin, empfinde ich es dennoch mal als Wohltat, dass bei der Fehde zwischen Woods und Hank eine kleine Pause eingelegt wird. Als einen netten Aspekt in diesem Zusammenhang habe ich empfunden, dass gezeigt wird, wie hart es Alvin Olinsky doch getroffen hat, dass sich Adam Ruzek kurzzeitig gegen ihn und die Intelligence Unit gewandt hat. Zwar wird erneut außen vorgelassen, dass Adam wie jedes andere Mitglied der Unit, die Familie an erste Stelle gestellt hat, aber dieser Moment zeigt eben in erster Linie, wie viel Adam Alvin bedeutet und ich denke es ist vollkommen normal, dass man sich vor den Kopf gestoßen fühlt, wenn eine Person, der man bedingungslos vertraut, eben doch etwas Überraschendes tut.

Die Folge hatte aber noch einen weiteren kleinen Moment parat, den ich kurz ansprechen möchte. Hank trifft sich für die Ermittlungen mit seiner Informantin, die ein Bordell führt. Ganz nebenbei kommt zur Sprache, dass Hank sich regelmäßig ein Mädchen von ihr kommen lässt. Nicht aber für körperliche Freuden, sondern um jemandem zum Reden zu haben. Das hat mich etwas stutzig gemacht, da Hank sich in der Auftaktfolge der fünften Staffel, #5.01 Reform, mit einer Psychologin getroffen hat. Das Thema wurde für die Zuschauer zwar nicht weiterverfolgt, aber wenn er doch immer noch jemanden zum Reden braucht, warum ist er dann nicht bei der Frau geblieben, die zum Zuhören professionell ausgebildet ist?

Vom Fall der Woche her kann man diese Folge eigentlich als Fall der Informanten sehen. Die Informanten der einzelnen Mitglieder der Unit wurden immer mal thematisiert, aber doch eher so nebenbei und vor allem dann auch selten durchgehend. Daher fand ich es zur Abwechslung mal ganz nett, dass uns das Thema Informant durch Kim Burgess einmal näher gebracht wurde, da sie mit Sienna ihre erste Informantin überhaupt hat und deswegen im Umgang mit ihr noch recht unbeholfen und unentschlossen wirkt. Dem gegenüber steht Hailey, die Kim für diesen neuen Aspekt ihrer Arbeit zur Seite gestellt wurde, und die trotz ihres jungen Lebensalters, schon sehr erfahren ist. Ich war zwar eigentlich ein großer Fan von der Paarung Kim und Antonio Dawson, aber wenn das zur Stärkung von Frauenpower aufgegeben wird, dann bin ich immer dabei. Doch so recht harmonisch will es zwischen Kim und Hailey gar nicht zugehen...

Kim ist schon seit mindestens zwei Staffeln meine liebste Serienfigur von "Chicago PD", aber nach der Folge #5.02 The Thing About Heroes, wo sie brillieren konnte, mache ich mir etwas Sorgen um sie. Zunächst war da ihr eher untypisches Verhalten, wie sie mit ihrem Ein-Folge-Freund Matt Miller umgegangen ist und nun haben wir eine Kim, die sich scheinbar von Hailey provoziert sieht und aus Protest alles genau so macht, wie es ihre Partnerin ihr eigentlich abrät. Ich kann mir dieses trotzige Verhalten eigentlich nur erklären, dass sie vielleicht doch etwas pikiert darüber ist, dass Hailey, die noch kürzer als sie Teil der Unit ist, sich schon so etabliert hat und über soviel Erfahrung verfügt. Vielleicht hat sie Hailey auch einfach nur als zu besserwisserisch empfunden, aber diese Einschätzung könnte ich nicht teilen, da Hailey ihr nur gute Ratschläge gegeben hat und Kims Entscheidungen immer akzeptiert hat. Ausklammern muss man an dieser Stelle sicherlich den Moment, wo Hailey hinter Kims Rücken Streifenpolizisten als Suchtrupp losschickt, weil sie auf Siennas Beobachtungen vertraut. Aber das zeigt auch nur, dass Hailey ein gutes Gespür hat und die Arbeit über eventuelle Befindlichkeiten von anderen stellt.

Aber egal, was Kims Verhalten nun ausgelöst hat, es war doch sehr untypisch für sie, wie harsch sie zunächst mit Sienna umgegangen ist. Spätestens als Sienna getötet wird, haben wir aber wieder die Kim gesehen, die voller Empathie ist, voller Leidenschaft und all ihre Gefühle in ihre Arbeit fließen lassen kann. Ihre Stärken dann wieder ausgespielt zu sehen, hat mich sehr erfreut. Mich freut ebenfalls, dass Kim und Hailey sich am Ende der Folge aussprechen, denn die aktuelle Zeit zeigt ja nur zu gut, dass Frauen besser zueinander statt gegeneinander stehen.

Überrascht war ich dagegen, dass in dieser Folge wieder Kim und Adams Liebesgeschichte aufgegriffen wird. Nachdem sie ihn einmal schon bestimmt abserviert hatte, schien es doch so, dass Adam ihre Entscheidung akzeptieren kann und ihr auch sehr gut freundschaftlich zur Seite stehen kann. Nun aber wird ihre Vergangenheit wieder aufgewärmt, weil eine in den Fall verwickelte junge Frau zu ihrem Zuhälter hält, weil sie blind vor Liebe ist. Während Kim bestätigt, dass das bei Frauen oft der Fall ist und so eher eine negative Haltung einnimmt, lässt Adam den Romantiker raushängen, indem er eben betont, dass nicht jede Liebesgeschichte von Intrigen und Manipulation begleitet ist. Daher trifft es ihn tief, als Kim, um die junge Frau gegen ihren Zuhälter zu wenden, von einer verkorksten Liebesgeschichte berichtet, die er auf sich selbst bezieht. Dieser Gedanke quält ihn so, dass er Kim konfrontiert. Natürlich war Adam nicht gemeint, was mich auch schwer gewundert hätte, da die beiden definitiv etwas Tolles zusammen hatten. Angespornt durch die Bestätigung versucht Adam es erneut, um zuerst abgewiesen und dann doch rangelassen zu werden.
Als Zuschauerin stehe ich angesichts dieser Entwicklung nun etwas baff da, da ich immer ein großer Fan ihrer Liebesgeschichte war und mich geärgert habe, wie einfältig diese doch in den Sand gesetzt wurde. Nun hat man uns immer wieder Bröckchen zur Hoffnung hingeworfen und daher frage ich mich jetzt, ist das wieder nur etwas Einmaliges oder sieht die Welt in der nächsten Folge wieder ganz anders aus? Adam wirkt aktuell sehr gefestigt, auch wenn er mit Woods natürlich noch einen großen Brocken vor der Nase hat. Ihm kaufe ich es also durchaus ab, dass er es wieder sehr ernst meint. Aber Kim wirkt derzeit sehr wankelmütig. Sie könnte mit dem Ja zu Adam vollkommen aus dem Bauch gehandelt haben. Aber wie immer bleibt zur Beantwortung dieser brennenden Fragen nur eine Antwort: abwarten und weiterschauen.

Fazit

Auch diese Folge kann mich wieder durchgängig an den Bildschirm fesseln und überzeugt vor allem durch einen hochspannenden Fall, der die Arbeit mit Informanten interessant in den Fokus rückt. Die Causa Denny Woods macht erstmal eine Pause, die ich durchaus als wohltuend empfinde und Jay macht einen ersten wichtigen Schritt zur seelischen Genesung. Skeptisch blicke ich dagegen darauf, dass die Autoren die Liebesgeschichte von Adam und Kim wieder aufwärmen, da ich in dieser Angelegenheit schon einmal zu oft enttäuscht wurde. Insgesamt schätze ich die Folge nur minimal schwächer als die vorherigen ein und zeige mich damit hochzufrieden!

Lena Donth - myFanbase

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