Bewertung: 7

Review: #5.07 Die Krieger

Foto: Marina Squerciati, Chicago P.D. - Copyright: 2018 Universal Pictures; Matt Dinerstein/NBC
Marina Squerciati, Chicago P.D.
© 2018 Universal Pictures; Matt Dinerstein/NBC

Die letzte Episode der fünften Staffel hat ein wirklich vielversprechendes Ende geboten, da sich Denny Woods nach Antonio Dawsons Abfuhr das nächste Mitglied der Intelligence Unit ausgeguckt hat: Adam Ruzek. Diese Entwicklung hat mir gut gefallen, so dass ich mich regelrecht auf die Folge gefreut habe, denn ich wollte sehen, wie Adam angesichts der Erpressung reagiert und welche Querelen das im Team verursachten könnten.

Adams Geschichte wird gleich mit Beginn der Folge aufgegriffen. Dort agieren die Serienautoren sehr geschickt, da sie Adams Familie in Form seiner Schwester Kate und seines Neffen Sammy einführen, also genau die beiden Menschen, durch die Woods ihn in der Hand hat. Da sich Adam so großartig mit seiner Schwester und vor allem seinem Neffen versteht, wird natürlich fleißig Mitgefühl geschürt, da man als Zuschauer so nachvollziehen kann, warum Adam seine zweite Familie – seine Kollegen – verraten könnte. Dennoch kann sich Adam nicht überwinden, bei Hank Voight im Büro ein Abhörgerät zu installieren. Genau das ist die Tiefe, die ich bei seiner Figur sehen wollte. Denn er macht es sich nicht einfach, indem er sich aus dem Bauch heraus für eine Seite entscheidet. Zudem hat man irgendwie das Gefühl, dass er auch die Hoffnung hat, er könnte auch noch etwas gegen Woods in die Hand bekommen.

Adam wird erst wieder aktiv, als Jay Halstead bei einem Undercover-Einsatz in eine Barschlägerei verwickelt wird, was nicht ganz dem Polizeihandbuch entspricht. Dass Adam die Aufnahmen dieser Schlägerei speichert und schließlich Woods übergibt, ist logisch, denn eigentlich dürfte diese Schlägerei nichts sein, wofür man Jay sogleich auf die Straße setzt. Er wird es als geringes Übel gesehen haben und er war ja auch überzeugt, dass sich damit die Erpressung gegen ihn erledigt hat. Bei einem Mann wie Woods ist das natürlich Schwachsinn, aber es wäre auch verschenktes Potenzial gewesen. Nun sehe ich das Potenzial vor allem darin, was Woods wohl mit den Aufnahmen anstellt und ob und wann herauskommt, dass Adam der Spitzel ist. Dass es nun Jay vs. Adam ist, gefällt mir richtig gut, denn die beiden kann man eindeutig als Freunde bezeichnen. Von daher wird es für Jay ein Schlag ins Gesicht sein.

Den zweiten großen Handlungsbogen nimmt der bereits angesprochene Jay ein. Seit der ersten Folge dieser Staffel, als er sich damit abfinden musste, dass Erin Lindsay nicht mehr nach Chicago zurückkehren wird, war er eher ein Nebenthema, wo man rätseln konnte, ob er und Hailey Upton wohl eine Beziehung eingehen werden. Nun ist er wieder voll im Fokus und da kam es für mich vollkommen unerwartet, dass es ihm psychisch so schlecht geht. Zudem wurde nicht wirklich geklärt, ob seine Schlafprobleme jetzt aus Erins Verlust resultieren oder weil wirklich seine Kriegsprobleme wieder hochkommen. Denn das Thema Krieg und posttraumatische Belastungsstörungen kommt ja eigentlich erst mit dem Fall der Woche auf. Ist das also alles nur Zufall oder furchtbar schlecht konstruiert?

Abgesehen vom Verdacht der konstruierten Handlung hat sich der Fokus auf Jay in dieser Folge allemal gelohnt. Schon mehrfach ist er in Fällen undercover gegangen und er beweist immer wieder, dass er stets einen guten Job macht. Da das Entführungstrio ebenfalls im Krieg war und mit den Nachwirkungen in der Heimat zu kämpfen hat, bot sich Jay durchaus an. Von ihm wissen wir zwar, dass er für sein Heimatland im Einsatz war, aber richtig thematisiert wurde es doch eher nebenbei. Daher fand ich es sehr interessant, wie seine eigenen Dämonen wieder hoch kamen und man erfährt, dass er das Gefühl der Verlorenheit nach seiner Rückkehr mit Drogen und Alkohol zu betäuben versucht hat. Verständlich war auch, dass er sich so mit Luis Vega identifizierte, dass seine Ermittlungen gar nicht mehr als objektiv gelten konnten. Das hat die Ermittlungen gefährlich werden lassen, aber Jay auch mit aller Leidenschaft agieren lassen. Diese Entführungen, um von kriminellen Familien Geld zu erpressen, war sicherlich nicht die offensichtlichste Lösung, um sich dem Thema posttraumatische Belastungsstörung zu nähern, aber ich konnte mit dem Fall der Woche gut leben.

Gut gemacht fand ich in diesem Zusammenhang auch die Interaktion von Hailey und Jay. Ich hoffe weiterhin, dass diese Momente nicht den Weg zu einer Liebesbeziehung ebnen sollen, denn sie könnten auch die wunderbare Grundlage einer kollegialen Freundschaft sein. Hailey spürt instinktiv, in welcher Verfassung Jay ist und stellt ihre Sorge um ihn persönlich vor alles andere, so dass sie zweimal anzweifelt, ob er auch wirklich für den Job geeignet ist. Da Hank aber jedes Mal sein Okay gibt, bleibt ihr eben nichts Anderes übrig, als Jay auf Schritt und Tritt zu verfolgen. Daher kommt es am Ende zu einem großartigen Moment, als Jay von der Schießerei in der Lagerhalle in seiner Vergangenheit im Einsatz zurückversetzt wird und in diesem Rausch sogar Hailey mit seiner Waffe bedroht. Erst durch ihre eindringlichen Worte kehrt er wieder ins Hier und Jetzt zurück, so dass sie sich als wunderbare Anker erweist.

Apropos Jay und die Frauen: Camillas erste Episode wird wohl gleich auch die letzte gewesen sein, denn es wirkte nicht so, als ob für Jay eine feste Beziehung installiert werden soll. Er hat zwar mit ihr geflirtet, aber immer nur, wenn es keinen Ausweg gab. Am Ende wird er sie auch aufgesucht haben, weil er sich wegen Luis schuldig fühlt und sie sich wirklich trösten konnten.

Fazit

Die Jay-zentrierte Episode funktioniert richtig gut. Zwar finde ich seine psychischen Probleme in dieser Episode bis zum Fall sehr konstruiert, aber danach fand ich es sehr spannend, ihn mal besser durch seine Vergangenheit kennenzulernen. Zudem hat mir gefallen, dass die berufliche Beziehung von ihm und Hailey auf eine behutsame Weise intensiviert wurde. Als spannend erweist sich ebenfalls Adam als Spion, da man seine Zerrissenheit zwischen Familie und Kollegen sehr gut nachvollziehen kann. Es bleibt abzuwarten, wohin sein „Verrat“ gegenüber Jay die Truppe führen wird!

Lena Donth - myFanbase

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