Bewertung: 7

Review: #5.05 Leib und Seele

Foto: Chicago Med - Copyright: 2019 Universal Television LLC. All Rights Reserved © UNIVERSAL TV
Chicago Med
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Vor dem Anschauen der aktuellen Episode habe ich bei mir eine gewisse Anspannung festgestellt, denn "Chicago Med" macht es mir auch in der neuen Staffel nicht leicht. Nun gab es letzte Woche durch das Crossover einen Ausreißer nach oben, den ich direkt mit der vollen Punktzahl belohnt habe, denn die Ärzte wurden wunderbar bei den Feuerwehrleuten und Polizisten integriert, so dass noch einmal bewiesen wurde, dass sie alle aus dem gleichen Stall kommen. Warum können sie also nicht auch qualitativ gleichwertiger sein? In die Sorge hinein, dass "Chicago Med" nun wieder auf sein durchschnittliches Niveau zurückfällt, beweisen mir die Macher nun, dass es auch anders geht.

Die wesentlich bessere Bewertung für eine normale "Chicago Med"-Bewertung rührt vor allem daher, dass es viele private Momente gegeben hat, die fernab vom Krankenhausalltag stattgefunden haben und dass es auch mal wieder Figurenpaarungen gegeben hat, die man eher seltener sieht oder noch gar nicht gesehen hat. Gar nicht zusammen erlebt haben wir bisher Maggie Lockwood und Caroline Charles, aber die beiden zusammenzubringen war eine tolle Entscheidung, denn sie sind Leidensgenossinnen, die sich aber dennoch auf gänzlich anderen emotionalen Stufen befinden. Caroline hat sich mit ihrer unheilbaren Krebserkrankung abgefunden und genießt jeden Moment ihres Lebens. Maggie wiederum drängt die Krankheit so gut es geht weg, will niemanden einweihen und will den Kampf alleine durchstehen. Die beiden nun während einer Chemo-Behandlung aufeinandertreffen zu lassen, war genau der richtige Schritt, denn wenn Caroline erklärt, dass man die Heilung nicht ohne Unterstützung erreichen kann, dann sagt sie das nicht nur daher, sondern sie weiß, wovon sie spricht.

Die weisen Worte bringen Maggie schließlich zum Umdenken. Nachdem die Episode schon unheimlich eindrücklich mit ihr eingeleitet wurde, als sie auf ihr immer lichter werdendes Haar blickt und sich eine Perücke anzieht, endet sie auch gut mit ihr, als sie endlich ihren Freundinnen Doris, Monique und April Sexton ihre Krankheit offenbart. Erneut eine Szene ohne jeglichen Dialog, dafür mit eindeutigen Gesten, denn die drei verstehen sofort und sind für sie da. Das sind ergreifenden Szene und genau die Momente, die ich mir mit Maggies Krebserkrankung gewünscht habe!

Bei Caroline wiederum habe ich befürchtet, dass wir es mit einem klassischen Fall zu tun haben, wenn ein unheilbar kranker Mensch noch einmal einen richtig guten Tag hat, um dann zu sterben. Denn so energetisch, lachend und scherzend, wie sie in der gesamten Episode auftreten durfte, hätte es mich nicht gewundert, wenn Dr. Daniel Charles beim Heimkommen auf seine tote Frau getroffen wäre. Es kam aber anders, denn Caroline hat aus ihrer Begegnung mit Maggie auch etwas gelernt. Sie hat sich und Daniel noch eine zweite Chance gegeben und hat sich nun in den Kopf gesetzt, dass auch ihre beste Freundin Sharon Goodwin eine Versöhnung mit Bert Goodwin verdient hat. Mit dieser Wendung hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Wie Daniel dann hin- und herjonglierte, weil er die Katastrophe schon ahnte, war komödiantisch großartig. Ich bin mal gespannt, wie sich das Ganze weiterentwickelt.

Dr. Noah Sextons Rückkehr auf die Bildschirme war gerne gesehen und inzwischen merkt man, dass er in dieser Staffel tatsächlich wohl wieder für mehr Gastauftritte zu sehen sein wird. Er ist nun der Schützling von Dr. Crockett Marcel, der Dr. Ethan Choi wiederum ein Dorn im Auge ist. Ethan hat immer viel mit Noah zusammengearbeitet und ihn als Ausbilder auch entscheidend vorangebracht. Da sie sich durch ihre Verbindung über April ja auch privat gut kennen, kitzelt es ihn nun wohl umso mehr, dass Noah sich von der Notfallmedizin zur Traumachirurgie gewendet hat. Dann sieht Ethan auch noch, wie gut die beiden sich verstehen und kann sich unbewusst nicht eingestehen, dass Marcels Persönlichkeit ihn so ärgert, weil er das komplette Gegenteil von ihm selbst ist. Also haben wir ein wenig Machogehabe in dieser Woche gehabt, aber das hat mich überraschenderweise nicht so sehr gestört, denn so etwas hatten wir schon länger nicht mehr und die beiden interagieren auch erstmals miteinander, so dass es sich frisch anfühlte. Grandios war dann auch eine abschließende Szene zwischen Ethan und Noah. Ersterer hat den anderen beiden viele Steine in den Weg gelegt. Zwar gab es auch medizinische Gründe, aber vordergründig wird ihn doch sein angegriffenes Ego getrieben haben. Als sich nun Marcels Weg als richtig erweist, erkennt Ethan, dass er sich auch Noah gegenüber nicht fair verhalten hat und versöhnt sich mit ihm. Und was macht der charmante Noah? Statt ihm einen mitzugeben, gesteht er ein, dass er bei Marcel jetzt nur so gut sein kann, weil er von ihm bestens vorbereitet wurde. Eine wirklich tolle Szene!

Während Daniel und Dr. Will Halstead medizinische Fälle bekommen haben, die entweder unspektakulär oder schon tausend Mal angeboten worden sind und die man sich daher hätte sparen können, hat Dr. Natalie Manning den wohl spannendsten Fall. Für diese Episode habe ich befürchtet, dass es zu einer weiteren Runde in der Auseinandersetzung von Will und Natalie kommen wird, aber es ging überraschend zivil zu und alleine das macht eine "Chicago Med"-Episode direkt viel angenehmer. Zwar haben sie Szenen miteinander, aber de waren auf einem ganz normalen Niveau. Natalie steht also noch immer unter Beobachtung wegen ihres erlittenen Gehirntraumas und soll daher einen simplen Fall zugewiesen bekommen, der sich aber als das Gegenteil entpuppt, denn die Eltern des Patienten glauben nur an Naturheilkunde. Während sie damit zunächst professionell umgeht und gute Argumente für einzelne Untersuchungen liefert, verliert sie mehr und mehr die Geduld, als sich der Zustand von Lucas nicht bessert, so dass nur noch Antibiotikum helfen kann, was die Eltern aber grundsätzlich ablehnen. Auch wenn wir Natalie schon oft als (zu) selbstsichere Ärztin erlebt haben und daher wissen, wie stur sie sein kann, finde ich es bei ihr aktuell spannend, ob sie wirklich noch durch ihre Verletzung beeinflusst wird. Es wäre nämlich wirklich eine Überlegung wert, ob Natalie ein fataler Fehler unterläuft, der ihr noch einmal eine ganz andere Richtung geben könnte. Ihr Patientenfall begleitet uns nun auch in die neue Episode, denn sie sperrt sich mit dem Jungen ein, um ihm das Antibiotikum zu geben. Mal sehen, wie es dort weitergehen wird.

Fazit

"Chicago Med" wirkt in dieser Woche frisch, denn es gibt Interaktionen von Figuren, die nicht sooft miteinander zu tun haben und ich konnte tatsächlich mal wieder überrascht werden. Zudem geht es endlich mal wieder emotional zu und das in gleich mehreren Handlungen. Es gibt auch überflüssige Momente, aber insgesamt sehe ich hier eine Richtung, die bitte weitergegangen werden muss.

Lena Donth – myFanbase

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