Bewertung: 6

Review: #5.06 It's All In The Family

Wie ein Geschenk vom Himmel kam es mir in der letzten Woche vor, als ich einer regulären "Chicago Med"-Episode mal wieder eine hohe Punktzahl geben konnte. Schnell war für mich der entscheidende Faktor klar, denn Dr. Natalie Manning und Dr. Will Halstead hatten kaum eine Interaktion miteinander. Auch wenn es traurig ist, dass das einstige Traumpaar für mich die gesamte Qualität einer Episode überdecken kann, ist es für mich bereits eine unumstößliche Tatsache. Nun kehren wir in dieser Woche zum normalen Umfang ihrer gemeinsamen Szenen zurück und prompt haben wir wieder ein Problem.

Zum Glück durfte lange Zeit der medizinische Fall von Natalie im Fokus stehen, mit dem wir uns auch schon in der vergangenen Woche beschäftigt haben. Nach wie vor steht im Raum, ob ihre Fähigkeiten durch ihr erlittenes Hirntrauma beeinträchtigt sind, da sie mehr und mehr in die Extremen für ihre Patienten geht. Nun muss man einschränken, dass sie immer schon voll in ihren Fällen aufgegangen ist, nur aktuell ist sie noch mehr bereit, für diese auch die Regeln zu brechen. Es entsteht nun also ein Wettlauf mit der Zeit, in dem Natalie beweisen muss, dass Kleinkind Lucas eine schwere Erkrankung hat, bevor sie verhaftet wird. Es war schön, dass ihr dafür nach langer Zeit mal wieder Maggie Lockwood an die Seite gestellt wurde. Die Freundschaftsmomente der beiden waren in der bisherigen Staffel nicht existent. Nun ist aber Maggies Krebserkrankung publik und wenigstens zeigen die Macher Selbstreflexion, indem sie Natalie erkennen lassen, dass sie eine schlechte Freundin war. Umgekehrt hätte aber auch dasselbe gelten können, da auch Maggie durch ihre Belastung kein offenes Ohr für Natalies Probleme hatte. Zwar fand ich es etwas extrem, dass Maggie Natalie zu regelwidrigen Handlungen animiert hat, aber sie hatte eben auch eine wichtige Erkenntnis für sich parat: Natalie legt sich so für ihre Patienten ins Zeug, weil sie damit ihren Instinkten nachkommt. Wahrscheinlich ist sie durch die Skepsis von Will und Dr. James Lanik von ihrem eigenen Weg abgekommen und hat möglicherweise unterbewusst das Vertrauen in sich verloren. Durch Maggies Worte wird es wieder aufgebaut und so kann sie schließlich beweisen, dass der Junge an einer selten Erkrankung leidet.

Ihr wiedererlangtes Vertrauen in ihre Instinkte will Natalie nun auch in ihrem Privatleben anwenden, weswegen sie mit Philip Davis Schluss macht, da sie sich in ihrer Beziehung nicht wohlfühlt. Über diesen Schritt war ich wirklich sehr glücklich, denn so hat sich nicht gegen den manipulativen Philip entscheiden, weil Will ihr das zugeflüstert hat, sondern weil sie selbst ahnt, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Das fand ich als Statement sehr stark. Nur leider findet Will parallel durch Dr. Crockett Marcel heraus, dass Philip Natalie den Verlobungsring einfach angesteckt hat, so dass er direkt wie der Ritter in der Rüstung angelaufen kommt und meint, dass Natalie ihn nach dieser Erkenntnis mit offenen Armen zurücknimmt. So sehr mich die beiden zusammen als Paar aufregen, so sehr fand ich Natalie in dieser Woche doch gut, denn auch ihm schiebt sie einen Riegel vor. Auch wenn ich nun begeistert klatsche, ahne ich doch gleichzeitig wieder Böses. Zwar mag sie nun beide Männer abserviert haben, aber mit Will wird das bestimmt nichts Dauerhaftes sein, so dass wir uns schon bald auf die nächste Runde einstellen dürfen…

Will ist an die Information, die für ihn letztlich ein Eigentor bedeutet, durch die Zusammenarbeit mit Marcel gekommen. Mir gefällt es gut, dass man den neuen Arzt immer wieder mit anderen Charakteren zusammenbringt, damit hier keine Routine entsteht. Will und Marcel hatten bisher nur durch den Autounfall miteinander zu tun, nun agieren sie erstmals auf Augenhöhe miteinander. Sie haben es mit einem Patienten zu tun, der aufgrund seiner schweren Verletzungen ins Koma fällt, der aber laut seines Ausweises Zeuge Jehovas ist. Während Marcel sofort dessen religiöse Überzeugungen akzeptiert, protestiert Will dagegen und sucht verbissen nach Hinweisen, dass der junge Mann sich vielleicht von seinem Glauben abgewendet haben könnte. Ja, das ist Will, wie er leibt und lebt. Schon so oft haben wir über mehr als vier Staffeln hinweg erlebt, dass er sich die Welt immer so machen will, wie sie ihm gerade in den Kram passt. Wie Pippi Langstrumpf quasi. Jedes Mal fällt er über seine eigenen Füße, aber dennoch tappt er doch wieder in dieselbe Falle. Diesmal kommt er dank Marcel zwar zu einer Selbsterkenntnis, sogar zu einer richtigen, aber all das bringt doch nichts, wenn er im nächsten Moment wieder Natalie beeinflussen will. Natürlich muss man für sein eigenes Glück kämpfen, aber schon länger habe ich das Gefühl, dass er nur noch für sein eigenes kämpft, während für Natalie Glück schon längst etwas anderes bedeutet.

Für April Sexton wiederum bedeutet Glück ein Baby, das spätestens nach dieser Episode deutlich, da sie nach einem negativ ausgefallenen Schwangerschaftstest sehr geknickt wird. Dennoch muss ich sagen, dass ich bei ihr und Dr. Ethan Choi nicht gänzlich mitkomme… Haben die beiden sich inzwischen geeinigt, dass sie ein Kind wollen? Mein letzter Stand war, dass sie warten wollen, aber dass Ethan April eingestanden hat, eine tolle Mutter zu werden. Ob das doch schon wieder die Umkehr des Plans war? Unabhängig davon hat April in dieser Woche mit dem zweiten Kind in ihrem Leben zu kämpfen: mit ihrem jüngeren Bruder, Dr. Noah Sexton. Es war schön die Geschwister miteinander agieren zu sehen. Ihr medizinischer Fall war mit Jacinta zwar nicht spannend, aber es war immerhin eine Storyline, die die Geschwister-Beziehung beleuchtet hat und die für Noah doch tatsächlich Eigenständigkeit bedeutet. Denn obwohl er weiß, dass Jacinta mit üblen Gangmitgliedern involviert ist, die auf Rache sinnen, nimmt er sie mit nach Hause. Ich bin extrem gespannt, was das für ihn bedeutet. Aber nach seiner langen Abwesenheit in Staffel 4 nehme ich in Bezug auf ihn ohnehin alles mit Kusshand.

Kommen wir abschließend zu Dr. Daniel Charles, der in dieser Woche neben Natalie den spannendsten Fall hatte, aus dem aber leider zu wenig gemacht wurde. Er trifft auf einen alten Nachbarsjungen, der sich inzwischen für ein Leben als Frau entschieden hat. Nun wird bei Claire eine Herzerkrankung festgestellt, weswegen Daniel und Ethan ihr von ihrer Hormontherapie abraten. Dieser daraufhin entstehende Konflikt für Claire wurde nicht zu Ende erzählt, so dass wir uns als Zuschauer nun fragen müssen, wie sie sich wohl entschieden hat. Dafür wissen wir aber, dass es möglicherweise ein Happy-End mit der Ex-Frau Miranda gegeben hat. Deren Ehe ging auseinander, weil der damalige Titus zu seiner Transsexualität nicht stehen konnte und sich abgekapselt hat. Miranda reagiert zunächst ablehnend auf die Offenbarung, aber die kann man auch Überforderung zuschreiben, denn letztlich kehrt sie zurück. Schade, dass man dieser interessanten Geschichte nicht mehr Raum verschafft hat.

Aber wenn viel Privates angepackt wird, dann kommen eben die Patienten auch mal zu kurz. Denn Sharon Goodwins Liebesleben wurde in der vorherigen Episode durch Caroline Charles angestoßen. Obwohl hier zunächst nur Ablehnung zu spüren war und sie Daniel sogar einschärft, dass er seine Frau im Zaum halten soll, sagt sie einem Date mit Ex-Mann Bert Goodwin doch noch zu. Bewerten mag ich diese Entwicklung noch nicht, da wir die Probleme der Goodwins nur aus Erzählungen kennen. Ich fände es jedenfalls großartig, wenn ihre Versöhnung bedeuten würde, dass wir auch ihre Kinder mal kennenlernen. Denn für gute private Geschichten verzichte ich auch auf Patientengeschichten.

Fazit

"Chicago Med" bleibt weiterhin auf der Spur von Charaktermomenten und –beziehungen, die wir die gesamte vierte Staffel über nicht erleben durften, das ist gut. Dennoch dominiert in dieser Woche wieder die Problematik rund um Natalie und Will. Es ist ein wenig wie im Affenzirkus, nur mit dem Bonus, dass ich ihr in dieser Woche meinen Respekt zollen will. Dafür sieht Will schlechter aus denn je, weswegen er dringend die Kurve bekommen sollte.

Lena Donth – myFanbase

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