Bewertung: 4

Review: #5.03 Bewährungsprobe

Foto: Chicago Med - Copyright: 2019 Universal Television LLC. All Rights Reserved © UNIVERSAL TV
Chicago Med
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Ich habe für Staffel 5 von "Chicago Med" auf einen Neuanfang gehofft. Mit dem Weggang von Dr. Connor Rhodes und Dr. Ava Bekker war eines der Paare weg, dessen persönliches Drama die Nerven aller in der vergangenen Staffel strapaziert hat. Dafür gab es mit Dr. Crockett Marcel einen Neuling und mit Dr. Noah Sexton einen Rückkehrer, aber all diese Hoffnungsschimmer konnten bisher leider nicht überdecken, dass ein Problempärchen immer noch vorhanden ist: Dr. Will Halstead und Dr. Natalie Manning. Auch in dieser Woche überschattet ihre Auseinandersetzung die Stimmung der gesamten Episode.

Ich fange gleich mit dem gerade erwähnten absoluten Tiefpunkt der Episode an. Ich kann es einfach nicht fassen, warum die Drehbuchautoren nicht endlich mal ein Erbarmen mit uns haben und den beiden entweder ein endgültiges Happy End oder eine endgültige Trennung gönnt. Aber das was Woche für Woche hier aufgefahren wird, ist nur noch unerträglich. Problematisch ist vor allem, dass es in ihrer Auseinandersetzung auch keinen Sympathieträger mehr gibt. Natalie ist durch ihr verlorenes Gedächtnis zugegebenermaßen in der Opferrolle, aber man hat das Gefühl, dass sie auch nichts in ihrer Beziehung zu Phillip Davis hinterfragt, weil sie so ihr Trotzverhalten gegenüber Will unterstreicht. Denn dieser hat durchaus Recht, dass Kinder nichts in einer Notaufnahme zu suchen haben, aber selbst das scheint ihr nicht aufzufallen. Bei Will wiederum kann man nicht leugnen, dass er sein Happy End mit ihr erzwingen will und dabei mit der Axt durch den Wald läuft, ohne Rücksicht auf Verlust. Schade ist dann auch, dass ich Natalies Aussetzer während der Arbeit sehr vielversprechend finde. Ihr Unfall selbst wurde ja komplett runtergespielt, nun mit Langzeitauswirkungen zu spielen, ist da sicherlich eine kleine Entschädigung. Aber dann würde ich diese Handlung gerne abseits ihres persönlichen Dramas erleben. Spätestens das letzte Streitgespräch der beiden in dieser Episode war nämlich einfach nur noch zum Schämen. Wie kann man nach solchen gegenseitigen Vorwürfen noch irgendwie an Liebe zwischen den beiden hoffen?

Vielversprechend war auch ein medizinischer Fall der Woche, dem sich Dr. Ethan Choi und Dr. Daniel Charles gewidmet haben. Bei Patient Shep wurde ein unheilbarer Gehirntumor diagnostiziert, weswegen er beschließt, auf Kryokonservierung zu setzen, wofür er quasi sterben muss. Diese Idee fand ich sehr spannend, vor allem vor dem Hintergrund von ethischen Fragen, aber leider hat sich doch schnell herausgestellt, dass dieser Fall auf Daniel zugeschnitten wurde. Das merkt man auch ganz deutlich daran, dass Ethan zunächst wie ein Verrückter gegen den Tod des jungen Mannes umkämpft, um dann später, als diesem sein Wunsch doch erfüllt wird, gar nicht mehr in Erscheinung zu treten. Bei Daniel aber gibt es Parallelen zu seiner Wieder-Ehefrau Caroline Charles, die sterbenskrank ist und die sich für eine risikoreiche OP entscheidet, weil sie ihre kurze Restlebenszeit in vollen Zügen genießen will. Es geht also um die Frage, inwieweit man sich über die Wünsche des Patienten hinwegsetzt, wie egoistisch man dabei sein darf und wie sehr man letztlich den Willen des Patienten akzeptieren kann und auch muss.
Grundsätzlich habe ich Parallelen zwischen Patienten und Ärzten sehr gerne, aber hier war die Fokussierung auf Daniels Sorgen mit Caroline zu groß, so dass ein spannender medizinischer Fall zu etwas Alltäglichem verkam.

Marcel durfte bisher mit ganz unterschiedlichen Charakteren interagieren, was ich gut finde, da ich ohnehin schon länger dafür plädiere, dass die gemeinsamen Arbeiten nicht so einseitig ablaufen. In dieser Episode nun ist April Sexton ihm als Schwester zugeteilt, aber genau das lässt mich Schlimmes erahnen. Zu Beginn der Folge sehen wir zwei Schwestern, die den neuen Arzt mehr oder weniger unauffällig anschmachten, nur April lässt all dies kalt, da sie ahnt, dass Marcel als Arzt seine Herausforderungen mit sich bringt. Wessen Alarmglocken bei dieser Konstellation nun nicht geschellt haben, der kennt sich mit den Stereotypen solcher Dramaserien nicht aus, denn ein gewisser Typ Mann jagt immer der Frau hinterher, die er nicht haben kann. Am Ende der Episode wird dann auch noch angedeutet, dass April nun in Zukunft öfters mit ihm zusammenarbeiten wird, womit die Hinweise auf die mögliche Entwicklung auch noch verdichtet werden. Vielleicht fände ich diese ganze Handlung sogar ganz spannend, wenn April nicht gerade eine (endlich!) stabile Beziehung mit Ethan führen würde. Marcel und sie haben auf den ersten Blick Chemie, das kann man nicht leugnen. Aber in einer Serie, in der das Beziehungsdrama zu viel Raum einnimmt, da brauche ich nicht genau so eine Aussicht. Aber es wird so kommen, da würde ich sogar eine Wette abschließen.

Abschließend kommen wir nun zu Maggie Lockwood, mein Licht am Ende des Tunnels, obwohl ihre Geschichte natürlich eigentlich eher für tiefe Schwärze steht. Aber selbst sie enttäuscht mich in dieser Woche, da ihr Verhalten absolut daneben war. Auf Sharon Goodwins Geheiß hin bekommt sie eine neue Krankenschwester namens Paula zugeteilt, die ihr Arbeit abnehmen soll, da sie sich weiterhin der Doppelbelastung aus Vollzeitjob und Chemo stellen will. Diese Anweisung ist mehr als vernünftig, aber Maggie sieht sie natürlich als Bevormundung und für andere als Hinweis, dass mit ihr etwas nicht stimmen könnte. Daher teilt sie Paula Aufgaben zu, für die diese vollkommen überqualifiziert ist und als sie schließlich tatsächlich wieder zusammenbricht unter der Belastung, hat sie auch nichts besseres zu tun, als Paula böse Anschuldigungen an den Kopf zu werfen. Hier kann man sicherlich mit Ausnahmesituation argumentieren, aber wenn wir ehrlich sind hat Maggie all die hässlichen Worte bewusst gewählt und das ist einfach nur falsch. Wenigstens führt dies am Ende zum Umdenken, dass sie sich zum einen im Med vor Ort behandeln lässt und dass sie einige Aufgaben an April delegiert.

Fazit

Es ist noch früh in der fünften Staffel von "Chicago Med", aber wir haben untrüglich einen ersten Tiefpunkt erreicht. Natalie und Will überschatten mit ihren persönlichen Problemen mal wieder alles und alle weiteren Handlungen wirken uninspiriert beziehungsweise lassen mich Böses erahnen, weil das nun mal die Schwächen der Serie ist. Aktuell kann ich mich nur an die Hoffnung klammern, dass als nächstes ein Crossover ansteht, so dass mich keine klassische "Chicago Med"-Episode erwartet.

Lena Donth – myFanbase

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