Bewertung: 7

Review: #4.17 Tödliche Nähe

Foto: Torrey DeVitto, Chicago Med - Copyright: 2018 NBCUniversal Media, LLC; Elizabeth Sisson/NBC
Torrey DeVitto, Chicago Med
© 2018 NBCUniversal Media, LLC; Elizabeth Sisson/NBC

Nachdem in den letzten Episoden das Beziehungsdrama glücklicherweise etwas heruntergefahren wurde in seiner Intensität, so dass auch die Patientenfälle und andere Charakter mal wieder an Profil gewinnen konnten, steht diese Episode doch wieder ganz im Zeichen von Beziehungsstress. Dennoch bin ich in der Nachbetrachtung von mir selbst überrascht, denn dieses Mal hat es mich gar nicht so sehr gestört und zwar aus den nachfolgenden Gründen.

Bei Dr. Will Halstead war ich zunächst sehr besorgt, als er Dr. Natalie Manning den Wohnungsschlüssel fast schon aggressiv in die Hand gedrückt hat und als er später Phillip Davis mit Blicken zu erdolchen schien. Daher war ich positiv überrascht, als – sicherlich auch durch den Patientenfall bedingt – ein Waffenstillstand zwischen den beiden entstand, der ihre Beziehung vorerst auf Eis legt, aber das auf eine so friedvolle Weise, dass zwischen ihnen nichts kaputt gemacht wurde, so dass in der Zukunft problemlos wieder auf diese Beziehung gesetzt werden kann. Vor allem war es wichtig, dass Will damit abschließt. Schon in den Folgen zuvor hat er mit der Adoption des Hundes und des Wohnungskaufs die richtigen Schritte weg von Natalie gemacht, nun ist es ihnen aber beiden übermächtig deutlich und ich bin gespannt, welche Dynamik nun zwischen ihnen entsteht.

Positiv hervorheben möchte ich auch, dass ihre Beziehungsentwicklung diesmal in keiner Weise ihr Handeln mit den Patienten beeinflusst hat. Wie oft haben wir es nicht erlebt, dass sie verschiedener Ansichten waren und sich dann beruflich in die Haare bekommen haben, was sich dann auch auf ihr Privatleben ausgewirkt hat. Stattdessen hat sich gezeigt, dass ihre unterschiedlichen Ansätze von Arztsein sich wunderbar ergänzen können. Dadurch, dass ihre Streitereien außen vor blieben, konnte auch der Patientenfall seine volle emotionale Wucht entfalten und er war mit Abstand der beste dieser Episode. Mukoviszidose wird gerne bei Jugendlichen/jungen Erwachsenen genutzt, um eine tragische Liebesgeschichte zu erzählen und das war auch im Fall von Ben und Lisa nicht anders. Man hat tolle junge Darsteller gefunden, die ihre Rollen herzzerreißend ausgefüllt haben, so dass man wirklich zu 100% mit ihnen in dieser Geschichte drin war. Vor allem Will hat mir unheimlich gut im Gespräch mit Lisa gefallen und das hat mir gezeigt, wie bitter es nötig ist, ihn wieder öfters in der Arztrolle brillieren und nicht immer nur verzweifeln zu sehen. Zwar endet die Geschichte von Ben und Lisa schließlich tragisch, aber es fühlte sich richtig an.

Bei Dr. Connor Rhodes und Dr. Ava Bekker war die Kollision von privaten und beruflichen Fehden wie immer am stärksten, aber dennoch habe ich es insgesamt auf Sparflamme empfunden. Das liegt vorrangig an Ava, die in dieser Folge weniger aggressiv auf ihren Standpunkt beharrt. Stattdessen merkt man bei ihr, dass sie nun an einem Punkt ist, wo sie sehr verletzlich ist. Das wurde sehr deutlich, als sie am Ende der Episode beobachtet, wie Connor und Dr. Robin Charles dem Patienten stolz von der geglückten OP berichten. In ihrem Gesicht war keine Wut zu lesen, sondern einfach nur Schmerz, weil ihr bewusst geworden ist, dass sie diese Einigkeit mit Connor nicht mehr hat und vermutlich auch nie mehr haben wird. Nun ist eben die Frage, was ihre Reaktion darauf sein wird. Wird sie hoch erhobenen Hauptes ihren Weg weitergehen, weil sie auf ihn eigentlich gar nicht angewiesen ist oder wird sie tatsächlich zu dem eifersüchtigen Biest, als das Connor sie schon ein paar Mal inszenieren wollte? Das ist sicher eine spannende Frage, aber dennoch wünsche ich mir ein definiertes Ende für sie herbei.

Die Geschichte von April Sexton und Dr. Ethan Choi hat durch das in die Notaufnahme geraste Auto ein wirklich sehr spannendes Element erhalten. Jedoch hätte man es nahezu perfektionieren können, wenn eine bekanntere Pflegekraft wie Monique oder Doris unter den Wagen geraten wäre. Da das Opfer am Ende auch überlebt, hätte man gut eine der beiden genannten Schwestern nehmen können, weil es Ethans alleinige Sorge um April noch mehr auf die Spitze getrieben hätte, da er mit Monique und Doris auch oft genug zusammenarbeitet, so dass sie nicht irgendwer sind. Abgesehen davon war es natürlich die perfekte Geschichte, um uns allen, aber vorrangig natürlich April und Ethan selbst vor Augen zu führen, was er für sie empfindet. Wir wissen nicht, ob April inzwischen von seiner Trennung von Vicky Glass weiß, aber seine wenig professionellen Aktionen müssen ihr einiges vor Augen geführt haben. Jetzt ist nur die Frage, wie steht sie zu ihm? In jedem Fall aber sind wir bei den beiden auf dem besten Weg, dass man vielleicht mal wieder eine stabile Beziehung in die Serie einarbeiten kann.

In der letzten Episode wurden auch schon die neu erwachten Gefühle von Dr. Daniel Charles für seine Ex-Frau Caroline thematisiert. Dadurch fällt er aber auch sofort wieder in die Rolle zurück, die ihre Trennung überhaupt provoziert hat. Im Umgang mit ihr ist er nicht in erster Linie besorgter Familienangehöriger, sondern immer auch Arzt und treibt Caroline, die ohnehin unter den Nebenwirkungen der klinischen Studie zu leiden hat, in den Wahnsinn. Daniel leidet darunter, dass er ihr nicht alles Leiden abnehmen kann und überträgt diesen Frust auf einen Patientenfall, bei dem Elsa Curry seine Hilfe braucht. In #4.03 Aufopferung sind die beiden erstmals aneinandergeraten, woraufhin Daniel angekündigt hat, dass er all ihre Fälle von nun an überwachen wird, doch dazu ist es für den Zuschauer sichtbar nie gekommen. Daher hätte man ja in dieser Folge diesen alten Konflikt wieder aufwärmen können. Ja, die beiden sind sich über die Selbstbehandlung einer MS-Patientin mit einem Bandwurm nicht einig, aber man hat schnell gemerkt, dass Daniels heftige Reaktion nichts mit Elsa, sondern ausschließlich mit Caroline zu tun hatte. Diese etwas verschenkte Möglichkeit, tiefer in das Arztverständnis von Elsa einzutauschen, stört mich etwas, aber immerhin kommt Daniel wieder zur Besinnung und kapiert, dass es Caroline am meisten hilft, wenn er einfach für sie da ist.

Fazit

Ich bin von dieser "Chicago Med"-Episode überraschend angetan, da das Beziehungsdrama sich diesmal auf einem gut erträglichen Niveau abgespielt hat. Vor allem für das (vorerst) endgültige Beziehungsende von Natalie und Will wurde genau der richtige Ton getroffen und zudem hatten sie einen gemeinsamen Patientenfall, der mitten ins Herz ging. Folglich eine der besten Episoden dieser ansonsten schwachen Staffel.

Lena Donth – myFanbase

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