Bewertung

Review: #2.20 Ein schwarzer Tag

Den Auftakt zu dem zweiteiligen Special-Event zwischen "Chicago Fire" und "Chicago PD" macht erstere und schafft mit der Episode #2.20 Ein schwarzer Tag eine starke Ausgangslage, die den Zuschauer am Schluss teilweise schockiert, teilweise traurig und teilweise hoffend, aber vor allem begeistert zurücklässt und man kann NBC nur dankbar sein, dass sie uns nur einen Tag lang auf die Folter spannen und die nachfolgende Episode, welche bei der Serie "Chicago PD" ausgestrahlt wird, gleich am nächsten Abend ausstrahlen.

"OK. It's 8:29. This thing is set to go..." – "Chief. Respectfully - shut up."

Obwohl ich aus diversen Previews wusste, dass in dieser Folge eine Bombe ein Gebäude verwüsten und die Stadt in ein Chaos stürzen würde, war ich vollkommen überrascht und dementsprechend erschrocken, als die Bombe dann wirklich hochging, hatte ich doch gerade in dieser Szene nicht damit gerechnet. Auf alle Fälle haben die Autoren den Zuschauer so mitten ins Geschehen geworfen und die Spannung, die Angst um die Charaktere und die Wut über den Anschlag hat bis zum Schluss nicht mehr nachgelassen. Einblicke in den Bombenanschlag hat man in dieser Folge von verschiedenen Seiten aus bekommen, was sicherlich auch die vielschichtige Arbeit der Feuerwehrmänner in den USA unterstreicht. So dreht sich ein Handlungsstrang um eine der primären Arbeiten der Feuerwehrmänner und zwar die Suche und Rettung der Menschen, welche durch die Trümmer, die die Bombe verursacht hat, verschüttet wurden. Ein anderer Handlungsstrang bezieht sich eher auf die Rettungssanitäter und deren Zusammenarbeit mit den Ärzten und dem Pflegepersonal des Krankenhauses und ein weiterer Strang konzentriert sich um die Suche und die Entschärfung der zweiten Bombe.

In diesen letztgenannten Handlungsstrang waren vor allem Chief Boden, Cruz und Mills verwickelt und die drei, sowie ihre Storyline haben es sehr gut geschafft die Spannung der Episode immer wieder zu erhöhen. Solche Bombenstorylines sind zwar nichts Neues in der Serienwelt, haben natürlich aber immer wieder den Effekt beim Zuschauer Spannung zu erzeugen. Dass einer der zentralen Charaktere der Serie hier sterben würde, damit habe ich eigentlich nicht gerechnet, ist doch erst vor kurzem ein Mitglied der Feuerwache 51 ums Leben gekommen. Dass die zweite Bombe jedoch hochgehen könnte und so noch mehr Chaos und Zerstörung angerichtet wird, das hätte durchaus sein können und so ist bei der Entschärfung nicht nur den drei Charakteren, sondern auch mir ein Stein vom Herzen gefallen. Was mir jedoch an dieser Storyline vor allem gefallen hat, war die Zusammenarbeit der Männer, wobei ich hier vor allem Mills und Boden anspreche. Die Szenen in der diese beiden miteinander agieren, gehören sowieso zu meine Lieblingsmomenten der Serie und so macht auch diese Folge keine Ausnahme. Der gegenseitige Respekt jedoch auch die Verbundenheit der beiden ist immer spürbar, was Angesichts ihrer Vorgeschichte nicht selbstverständlich ist.

"Are you okay?" – "Yeah it's a little scratch" – "If you need..." – "No I'm good, keep going."

Die Tragik um Shay wird über die ganze Folge häppchenweise aufgebaut und endet schließlich in einem schockierenden Cliffhanger, in welchem Shay im Krankenhaus zusammenbricht. Obwohl ich eigentlich nicht so ein Fan von solchen Helden-Storylines bin, hat mir Shay hier ganz gut gefallen, vor allem weil ihre Handlungen für sie nicht völlig charakteruntypisch sind. Obwohl es wahrscheinlich schlauer gewesen wäre, wenn Shay ihre Verletzung sofort gemeldet hätte, damit man sie hätte verarzten können, verstehe ich ihre Motivation trotz dieser gefährlichen Wunde weiterzumachen und so Leben zu retten. Shay ist sich bewusst, dass in so einen schlimmen Fall auf sie gezählt wird und ihre Arbeit extrem wichtig ist, also stellt sie die Gesundheit ihrer Patienten über die eigene, etwas was wir alle insgeheim wohl von einer Rettungsperson auch erwarten. Außerdem haben wir Shay bisher als einen Charakter kennengelernt, die sich oft hinten anstellt und alles tut um anderen zu helfen, von daher passt ihr Handeln in dieser Folge hervorragend zu ihr. Dass sie so lange durchhält, ist sicherlich dem Adrenalin zuzuschieben, welches in solchen Momenten im Körper ausgestrahlt wird und außerdem ist ihr Zusammenbruch eine schöne Überleitung zum zweiten Teil des großen Crossovers, welches sich sicherlich mehr um die Truppe der Polizei drehen wird.

Auch Rafferty hat mir in dieser Episode sehr gut gefallen und meine anfängliche Abneigung gegen sie hat sich inzwischen gelegt und ich mag sie sehr gerne, so dass ich sie mir gut, als Sanitäterin in "Chicago Fire" vorstellen könnte. Sie hat hier gezeigt, dass sie mit solchen Stresssituationen umgehen kann, den Überblick behält und auch Verantwortung übernehmen kann. Auch ihr Umgang mit der Tatsache, dass Dawson vermisst wird, fand ich hervorragend gelöst. Sie wusste, dass diese Nachricht Shay aus der Bahn werfen wird, hat sich aber trotzdem entschieden ehrlich zu ihrer Partnerin zu sein, sie aber dann auch gleich daran zu erinnern, dass sie hier gebraucht werden und die Suche nach Dawson durch die Feuerwehrmänner abgedeckt ist. So hat es Rafferty geschafft, ihre Professionalität zu behalten, ohne dabei einer Freundin etwas vorzulügen. Dieser Zug hat sie mir unglaublich sympathisch erscheinen lassen.

"Do you have the authority to give consent?" - "Consent? I don't know…" – "That's good enough for me."

Der Handlungsstrang um die Ärzte wurde auch hervorragend umgesetzt. Indem man zwei kleine Mädchen in den Mittelpunkt stellt, schafft man hier einerseits den Bezug zu einem Hauptcharakter von "Chicago PD" und andererseits bleibt so die Arbeit der Ärzte, welche man bis jetzt noch gar nicht oder nur sehr wenig kennt, nicht unpersönlich, denn man leidet mit ihnen und ihren Patienten mit. So wird der bisher eher unsympathisch Dr. Arata, welcher wir schon in der Episode #2.07 Keine Reue welche sich um ein großes Zugunglück drehte, kennenlernen durften, wird plötzlich nahbarer und seine "Kaltherzigkeit" wird durch seine professionelle und gute Arbeit, sowie seine manchmal etwas unkonventionelle Arbeitsweise, gemildert. Und natürlich liebt man ihn, in dem Moment in dem er alles versucht, das kleine Mädchen zu retten und eine Spenderleber für sie aufzutreiben.

Die Kinderärztin Holly steht natürlich vor allem durch den Bezug zu ihrer Schwester Imogene im Fokus der Folge. Doch hat mir die aus "The Mentalist" bekannte Amande Righetti in dieser Rolle sehr gut gefallen. Genauso wie ich die zwei kleinen Mädchen von Anfang an liebgewonnen habe und ich es natürlich schrecklich finde, dass man zum Schluss der Folge gleich mit beiden mitleiden muss. Storytechnisch wurde dies aber hervorragend umgesetzt, da so auch im zweiten Teil die Handlung um die Ärzte und das Krankenhaus spannend bleibt und diese weiterverfolgt werden kann, auch wenn sich der zweite Teil wohl eher auf die Suche nach dem Bombenleger konzentrieren wird und somit das Krankenhaus vielleicht nicht mehr Hauptschauplatz sein wird.

Nach diesem ersten Teil des Crossovers stellt sich natürlich bei mir sofort die Frage, ob diese Folge(n) so etwas wie ein Backdoor-Pilot zu einem dritten Spin-Off um ein Krankenhaus in Chicago werden soll. Inzwischen haben sich hier Gerüchte bestätigt und es sieht so aus, als haben die Macher von "Chicago Fire" und "Chicago PD" tatsächlich vor, ein weiteres Spin-Off ins Leben zu rufen und zwar "Chicago Med". Der Backdoor-Pilot soll jetzt zwar erst in der dritten Staffel von "Chicago Fire" erfolgen und die Darsteller welche bis jetzt gecastet wurden, sind nicht diejenigen welche wir in dieser Episode kennenlernen durften. Trotzdem freue ich mich über die Neuigkeit, könnte ich mir doch gut eine weitere Serie in der Art der bisherigen vorstellen und ein Krankenhaus würde sich dafür sicherlich einigen. Natürlich hätte ich mich aber über ein paar der Charaktere gefreut, die wir schon kennen. Vor allem Dr. Arata hat es mir angetan und sein bisher sehr komplexer Charakter würde ich unglaublich gerne näher kennenlernen. Da aber der letzte Entscheid über das Spin-Off noch nicht gefallen und das Casting sicherlich noch nicht abgeschlossen ist, besteht hier also noch Hoffnung.

"Dawson is in there?" – "I think so" – "We get her"

Natürlich wäre die Episode nur halb so spannend und zum mitfiebern gewesen, wäre nicht jemand aus den eigenen Reihen in Lebensgefahr geraten, schließlich hat sich die Handlung hier ja sozusagen angeboten. Für mich war diese Storyline rund um die Suche nach Dawson aber so viel mehr, als nur die Rettung einer Arbeitskollegin, einer Freundin oder einer Geliebten. Der Handlungsstrang hat uns nämlich gezeigt, dass die Feuerwache 51 viel mehr ist als nur ein paar Menschen die zusammenarbeiten, sie hat uns gezeigt, dass eine Freundschaft, die in letzter Zeit gelitten hat, noch lange nicht zu Ende ist und sie hat uns gezeigt, dass man in einem einzigen Moment alle Sorgen vergessen und einfach nur glücklich sein kann. Aber hier mal ganz der Reihe nach.

Die Suche nach Dawson gestaltet sich insofern schwierig, weil sie wohl in einer Art Trümmerhöhle eingeklemmt ist und Casey und Severide auf der Suche nach ihr durch extrem enge Gänge kriechen müssen. Dass Casey sofort jedes Risiko auf sich nimmt um Dawson zu suchen ist natürlich klar, schließlich ist es noch gar nicht so lange her, dass sich die zwei endlich ihre Liebe gestanden haben und zueinander gefunden haben. Klar will Casey hier seine Freundin retten. Doch bei der ganzen Rettungsaktion hat mir nicht Caseys Motivation Dawson zu suchen am besten gefallen, sondern die Zusammenarbeit zwischen Casey und Severide. Seit Anfang der Serie weiß man, dass die beiden einmal Freunde gewesen sind, durch den Tod von Andy sich jedoch auseinandergelebt haben. Hier wird aber zum ersten Mal richtig klar, dass die Freundschaft noch lange nicht beendet ist und die beiden immer noch wortwörtlich füreinander durchs Feuer gehen würden. So ist es klar für Severide, dass er Casey durch die engen Gänge folgt, ohne groß Fragen zu stellen oder seinen Freund von seinem Vorhaben abbringen will. Dabei merkt man auch, nicht zum ersten Mal, wie großartig die beiden zusammen agieren und was für eine unglaublich gute Chemie Taylor Kinney und Jesse Spencer haben. Ich hoffe wir bekommen noch viele solcher Szenen zu sehen und werden Zeuge davon, dass die Freundschaft dieser beiden Männer wieder so innig wird, wie sie es einst gewesen ist.

Dass die Feuerwache 51 nicht nur ein Arbeitsplatz sondern eine Familie ist, wurde hier wieder einmal eindrücklich bewiesen. Die Erleichterung aller ist auch beim Zuschauer richtiggehend spürbar, als Severide über Funk durchgibt, dass es Dawson gut geht und sie lebt. Die Tränen, die dabei in Severides Augen schimmern, machen diesen Moment so emotional und zeigen eindrücklich, die Anspannung unter welcher alle stehen, eine Anspannung die mit dieser Nachricht langsam von ihnen abfällt und sich schließlich ganz löst, als Dawson unter Beifall aller aus dem Loch gezogen wird.

Doch die Szene welche für mich am gefühlvollsten war, war diejenige zwischen Dawson und Casey, als sie in diesem Tunnel aufeinander treffen und sich in die Augen sehen. Hier zählt nur dieser Augenblick, alles was vorher war, all die Probleme und die Meinungsverschiedenheiten sind vergessen und die beiden sind einfach glücklich. Glücklich gerettet zu werden, glücklich die Freundin gefunden zu haben und glücklich einander in die Augen zu schauen. Die Erleichterung, welche bei beiden in den Augen zu lesen ist und die sich dann in dem Kuss noch verstärkt, wird von beiden Darstellern unglaublich gut auf den Bildschirm und somit auf den Zuschauer übertragen. Die Emotionen durch welche die Autoren den Zuschauer mit diesem Handlungsstrang führen, reichen von Angst über Erleichterung bis zu hin zum Glück, etwas was bei einer TV-Serie gar nicht so leicht umsetzbar ist, den Machern und Schauspielern von "Chicago Fire" aber hiermit perfekt gelungen ist.

Randnotizen

  • Herrmann darf wegen Caseys Abwesenheit die Aufgabe des Lieutenant übernehmen, was leider jedoch fast gar nicht thematisiert wird. Aufgrund der Ereignisse die sich in dieser Episode abgespielt haben, kann man dies auch niemandem vorwerfen, trotzdem hoffe ich natürlich, dass man Herrmann noch einmal diese Chance gibt und ihn dann auch ein bisschen mehr in den Fokus der Geschichte stellt.
  • Die Schlussszene der Feuerwache 51 war grandios. Alle entscheiden sich zu bleiben und weiter zu kämpfen und ihrer Arbeit nachzugehen, egal wie müde sie sind. Genau mit dieser Einstellung schätze ich jeden von ihnen ein, denn genauso haben wir die Charaktere dieser Serie kennen- und lieben gelernt.
  • Für einen gelungenen Übergang zum zweiten Teil des Spin-Offs hat nicht nur Shays Zusammenbruch sondern auch das Hände schütteln zwischen Chief Boden und Voight gesorgt. So wird klar, dass "Chicago Fire" das Zepter nun an "Chicago PD" übergibt.

Fazit

Was für eine Auftaktfolge zu dem großen Crossover-Event von "Chicago Fire" und "Chicago PD". Die Folge hatte alles was eine großartige Episode braucht. Spannung, interessante Storylines, schockierende Momente, Zusammenhalt zwischen Freunden, große Emotionen und einen hervorragenden Abschluss mitsamt Cliffhanger. Es bleibt nur zu hoffen, dass der zweite Teil genauso hervorragend umgesetzt wird. Ich freue mich auf alle Fälle darauf.

Maria Schoch - myFanbase

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