Bewertung: 8

Review: #4.18 Der Doktor und das böse Vieh

In dieser Episode stehen für einmal nicht Brennan und Booth im Vordergrund, sondern es dreht sich alles um die Leiterin des Jeffersonian Instituts: Camille Saroyan. Der Zuschauer erfährt etwas über ihre Vergangenheit, stellt fest, wie gut sie und Booth sich kennen und wird zum Schluss mit einer überraschenden Entscheidung ihrerseits konfrontiert. Eine Folge, die sicherlich bei den Cam-Fans, zu denen ich mich zweifellos zähle, für Begeisterung sorgen konnte.

"Okay that's enough, Angela!" – "You're allright, Dr. Saroyan?" – "No, I knew Dr. Welton, we lived together for two years." – "Oh my God, Cam, I'm really sorry."– "Let's just find out who killed him, okay?"

Oft sorgt Cam, jedenfalls bei mir, in den Folgen von "Bones" für die Szenen, die den Spaßfaktor in der Serie abdecken. Meistens sind es ihre Dialoge mit den verschiedenen Assistenten von Brennan oder ihre Bemerkungen zu Brennan und Hodgings, die mich immer wieder zum Lachen bringen. Doch in dieser Episode lernen wir Dr. Camille Saroyan einmal von einer anderen, einer ernsthaften und traurigen Seite kennen. Und genauso wie sie mich mit ihrer witzigen und manchmal ironischen Art begeistern kann, kann sie dies auch mit der ernsthaften und manchmal schon fast verzweifelten Art. Mehr noch, in dieser Folge habe ich mit Cam gelitten und sogar mit ihr geweint, was für mich zeigt, dass Tamara Taylor mit ihrer schauspielerischen Leistung wirklich beeindrucken konnte.

Eigentlich ist es ein Tag wie jeder andere im Jeffersonian Institut. Brennan und Booth bringen eine Leiche vom Tatort mit und anhand von dieser muss das Team nun die Umstände des Todes klären, sowie Beweise sicherstellen, damit der oder die Täter überführt werden können. Doch sobald Angela die Leiche identifiziert hat, entwickelt sich, vor allem für Cam, der Fall zu einer persönlichen Angelegenheit. Denn bei dem Toten handelt es sich um Andrew Welton, mit welchem Cam vor zehn Jahren zusammengewohnt und gemeinsam mit ihm dessen Tochter Michelle aufgezogen hat.

Der Fall in dieser Episode ist, abgesehen von der Identität des Opfers, nicht wirklich spektakulär. Ein alleinerziehender Vater, der es nach dem Tod seiner Frau nie mehr wirklich geschafft hat eine ernsthafte Beziehung zu führen, da er seine Freundinnen immer wieder mit anderen Frauen betrogen hat und genau dies wurde ihm am Ende zum Verhängnis. Eine seiner Affären hat ihn nämlich auf einer Benefizveranstaltung im Tierpark umgebracht.

Der Fall folgt dem herkömmlichen Muster und ist neben ein paar witzigen Szenen, wie beispielsweise als Booth von seinem Besuch mit Parker im Tierpark erzählt, oder als Sweets einen Verdächtigen in Hypnose versetzt und dieser in seinen Gedanken in Begleitung von Angela und Sweets noch einmal die Benefizveranstaltung besucht, nicht außerordentlich unterhaltsam oder spannend. Doch diese Tatsache hat meiner Ansicht nach die Qualität der Folge absolut nicht beeinflusst, im Gegenteil, wäre der Fall zusätzlich zu der sonstigen Story undurchsichtig und spannend gewesen, wäre die Folge meines Erachtens nach zu überfüllt gewesen und man hätte dem wirklichen Kern der Episode, nämlich der Storyline um Cam, zu wenige Aufmerksamkeit geschenkt.

"Sometimes relationships need more than just sex" – "Okay, okay I get it."

In dieser eher ernsten Folge waren es dieses Mal Angelas Szenen die für Auflockerung und Witz gesorgt haben. Angela befolgt Sweets Rat und verzichtet eine Weile auf Sex, damit sie begreift um was es bei Beziehungen wirklich geht. Obwohl Angela, vor allem in letzter Zeit, sicherlich mehrere wechselnde Beziehungen gehabt hat, denke ich nicht, dass bei ihr das Problem darin liegt, dass sie keine ernste Beziehung führen kann. Denn, dass sie dazu fähig ist, hat sie in der Zeit in der sie mit Hodgins liiert war bewiesen. Trotzdem sorgt ihr selbstauferlegter Sexentzug für witzige Szenen, vor allem im Zusammenhang mit Clark Edison, welchen Angela bei jeder Gelegenheit in Verlegenheit bringt, indem sie ihn mit anzüglichen Bemerkungen bombardiert.

Clark Edison ist nämlich wieder zurück und ich muss zugeben, dass ich mich darüber auch freue. Bereits am Anfang betont Clark, dass seine Rückkehr nur unter der Bedingung erfolgt ist, dass Brennan ihm versprochen hat, im Labor eine professionelle Atmosphäre sicherzustellen und die privaten Angelegenheiten in die Freizeit zu verlegen. Dass Angela Sekunden nach dieser Bemerkung im Labor auftaucht und die ersten anzüglichen Bemerkungen in Clarks Richtung fallen lässt, macht die Szene zu einer der witzigsten in der ganzen Episode.

"So I called the hospital, Dr. Welton is been missing for two days. I'm sorry Cam." – "I haven't even seen Andrew for ten years. It's silly to react like this." – "It's not, you know what, he's a big part of your life."

Booths und Cams Freundschaft geht bei "Bones" oft unter, da natürlich das Hauptaugenmerk auf die Freundschaft zwischen Brennan und Booth gelegt wird. In dieser Folge jedoch wird einem klar, wie tief die freundschaftliche Beziehung zwischen Cam und Booth ist und wie gut sich die Beiden kennen und verstehen. Es erstaunt mich immer wieder, wie gut sie es geschafft haben aus ihrer Beziehung wieder eine Freundschaft herzustellen, die sicherlich enger und belastbarer ist, als diejenige vor ihrer Affäre. Für mich zeigt sich hier eindeutig, dass Booth und Cam einander unglaublich wichtig sind, beide jedoch schnell eingesehen haben, dass eine Beziehung zwischen ihnen nie funktionieren wird. Und auch wenn ich sie als Liebespaar eigentlich ganz toll fand, als Freunde gefallen sie mir noch viel besser.

Schon die Tatsache, dass Booth der Erste ist, der sich nach der Entdeckung, dass es sich bei der Leiche um Cams Ex-Freund handelt, zu ihr gesellt um mit ihr zu reden, zeigt, dass die beiden sich immer noch sehr nahe stehen. Aus Booths Worten während dem Gespräch geht schließlich hervor, dass sich die Beiden schon lange kennen und Cam damals Booth auch von der Beziehung sowie der Trennung zu Andrew und dessen Tochter Michelle erzählt hat. Dass Cam Booth diese für sie schmerzhafte Erfahrung anvertraut hat, zeigt für mich deutlich wie vertrauensvoll und eng diese Beziehung sein muss.

Für mich haben die Szenen zwischen Booth und Cam, welche meiner Meinung nach durchaus noch erweiterbar gewesen wären, unglaublich viel zum Gelingen dieser Folge beigetragen. Auch wenn ich ein leidenschaftlicher Fan von Brennan und Booth bin und ihre Dialoge sowie ihre gemeinsamen Szenen immer unglaublich genieße, außerdem eine derjenigen bin, die mitfiebert und hofft, dass vielleicht aus dieser Freundschaft irgendwann mal eine Liebesbeziehung entsteht, hoffe ich doch ebenso, dass in Zukunft der Freundschaft zwischen Cam und Booth in der Serie etwas mehr Beachtung geschenkt wird.

"I want you to live with me."

Cams größte Sorge nach dem überraschenden Tod von Andrew gilt dessen Tochter Michelle. Vor zehn Jahren, als Cam und Andrew eine zweijährige Beziehung geführt haben, hat Cam geholfen das damals noch kleine Mädchen Michelle aufzuziehen. Die Beendigung der Beziehung führte auch zum Ende der starken Bindung, die Cam während der zwei Jahre zu Michelle entwickelt hat. Scheinbar hat sie das Mädchen nach der Trennung von Andrew nicht mehr wiedergesehen, was für mich einerseits verständlich, anderseits, wenn ich bedenke wie nahe Michelle und Cam einander standen, unverständlich ist.

Beim ersten Wiedersehen zwischen Cam und Michelle spielt Michelle Cam vor, dass sie sich nicht mehr an sie erinnern kann. Da Michelle erst vier Jahre alt war, als Cam zwei Jahre lang ein Teil ihres Lebens gewesen ist, wäre dies nicht einmal total unrealistisch. Dass sich das Mädchen trotzdem noch an ihre damalige "Stiefmutter" erinnert, zeigt wie eng die Beziehung zwischen Michelle und Cam gewesen sein muss. Von daher ist es für mich eher unverständlich, dass sich Cam nach der Trennung von Andrew auch total von Michelle ferngehalten hat. Deswegen verstehe ich Michelles Vorwürfe, sowie ihr reserviertes Verhalten gegenüber Cam vollkommen. Schließlich wurde ihr nie wirklich erklärt, weswegen Cam gegangen ist, beziehungsweise wieso sie auch Michelle verlassen hat. Denn wie Cam sagt, die Trennung zwischen ihr und Andrew hatte absolut nichts mit Michelle zu tun.

Die Beziehung zu Andrew ging sicherlich nicht gerade in Freundschaft auseinander und Cam war verletzt, so dass es für sie leichter war, sich von der ganzen Familie fernzuhalten. Sie betont jedoch in dieser Folge mehrmals in Gegenwart von Brennan und Booth, wie oft sie an Michelle hat denken müssen und wie sehr sie das kleine Mädchen vermisst hat. Hier besteht für mich etwas mehr Erklärungsbedarf, als in der Folge geboten wird. Hat sich Cam wirklich nur von Michelle ferngehalten weil sie sich von Andrew getrennt hat? Oder gab es da vielleicht noch andere Gründe, wie beispielsweise, dass Andrew nicht wollte, dass Cam noch weiteren Kontakt zu Michelle pflegt? Oder hatte Cam vielleicht sogar Angst, das Mädchen noch mehr zu verletzen, wenn sie sie ab und zu besuchen würde?

Cam versucht Michelle schließlich zu erklären, wieso sie sich von deren Vater getrennt hat. Natürlich stellt sie sich dabei nicht gerade geschickt an. Es hätte mich aber auch irritiert wäre dies anders gewesen, denn genau wie Brennan habe auch ich gedacht, dass Cam mit Kindern nicht wirklich viel anfangen kann und eigentlich keine haben will. Deswegen wäre es sicher unrealistisch gewesen, hätte sie sich als Erziehungs- und Kinderspezialistin entpuppt.

Dass Cam zum Schluss schließlich Brennans Rat annimmt und Michelle bittet bei ihr einzuziehen, hat mich dann doch etwas überrascht. Die Schlußszene zwischen Cam und Michelle, welche sich durch diese Bitte ergab, fand ich jedoch wunderschön und passend. Ich bin gespannt, wie sich das Verhältnis der Beiden entwickelt und vor allem, wie sich Cam als Mutter machen wird, denn in dieser Rolle hat sie sicher noch eine Menge zu lernen.

"We know people through our feelings, Dr. Brennan. You trust Booth because of what you feel." – "No, I trust Booth because of past actions..." – "... and faith in the future. I'm sorry, but feelings are important."

Die Beziehung zwischen Booth und Bones steht sicher nicht im Fokus dieser Episode. Trotzdem gab es ein paar Szenen, die meines Erachtens zeigen, wie weit sich die Freundschaft der Beiden inzwischen entwickelt hat, auch wenn Brennan ihre Beziehung zu Booth immer noch in einem eher wissenschaftlichen, statt emotionalen Licht sieht.

Da wäre zuerst einmal die Szene zwischen Booth und Brennan in Booths Auto, als sie auf Cam warten, die Michelle die traurige Nachricht vom Tod ihres Vaters überbringen muss. Booth bittet Brennan sich in diesem Falle bei den Außenermittlungen etwas zurückzuhalten und sich mehrheitlich um die Laborarbeit zu kümmern, da er weiß, wie wichtig es für Cam ist, dass sie möglichst viel zu den Ermittlungen zum Tod ihres Ex-Freundes beitragen kann. Brennan, die das Ganze, genau wie es ihrer Art entspricht, zuerst ausschließlich von der rationalen Ebene aus betrachtet, sieht den Sinn von Cams intensiver Mitarbeit bei diesem Fall nicht ein. Doch Booth kann sie überzeugen, indem er sie bittet ihm zu vertrauen und diese Worte genügen Brennan um sich für eine Weile ins Labor zurückzuziehen und ihre Rolle an Booths Seite an Cam abzutreten.

Später, in einem Gespräch zwischen Brennan und Cam, kommt die Vertrauenssache noch einmal zur Sprache. Cam versucht Brennan klar zu machen, wie wichtig Gefühle sind und nimmt als Beispiel dafür Brennans Beziehung zu Booth. Doch wie nicht anders zu erwarten, sucht sich Brennan auch für ihr Vertrauen zu Booth eine rationale Erklärung und zwar, dass sie ihm nur deswegen vertraut, weil er sich dieses Vertrauen mit Handlungen in der Vergangenheit verdient hat. Sicherlich hat diese Begründung auch einen wahren Kern, denn Menschen vertrauen einem anderen, weil dieser schon einmal bewiesen hat, dass man ihm vertrauen kann. Trotzdem beruht dieses Vertrauen vor allem auf Gefühlen und ich bin mir sicher, dass auch Brennan dies genau weiß, es aber noch nicht wahrhaben will. Denn schließlich hat sie ja genau dies jahrelang bestritten und es ist nun mal Brennans Art, dass sie sich, wenn sie sich einmal eine Meinung über etwas gebildet hat, nicht so schnell vom Gegenteil überzeugen lässt.

Fazit

Die Folge hat mir wahnsinnig gut gefallen, da vor allem Cams Charakter einmal in den Mittelpunkt gerückt wurde und wir sie ein bisschen besser kennenlernen und etwas über ihre Vergangenheit erfahren durften. Durch die Episode wurde mir auch wieder einmal bewusst, dass es neben der Freundschaft von Booth und Brennan bei "Bones" eine Freundschaft gibt, die ähnlich tief und vertrauensvoll ist, nämlich diejenige zwischen Booth und Cam. Trotz dieser Fokussierung auf den Charakter Cam wurden jedoch die anderen Elemente, welche die Serie ausmachen nicht außen vor gelassen. Für den Spaßfaktor sorgten Clark und Angela und die Beziehung Brennan und Booth wurde vielleicht weniger in ihren gemeinsamen Szenen, dafür in Szenen des Einzelnen mit anderen Charakteren, thematisiert.

Maria Schoch - myFanbase

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