Bewertung: 7

Review: #4.16 Ein Wettlauf gegen den Schaum

"My stuff is bones, yours is people." Ich glaube, es gibt keinen besser passenden Satz, um die Rollenverteilung von Booth und Brennan zu beschreiben. Doch da in dieser Episode eine vorerst unbekannte Substanz im Körper des Opfers dessen Knochen auflöst, und Brennan somit nicht mit ihrem "Zeugs" arbeiten kann, kommt sie auf die Idee bei dieser Untersuchung mal in Booths Rolle zu schlüpfen. Schließlich gibt es ja nichts was Dr. Temperance Brennan nicht lernen kann - oder?

"My guess is that this is gonna put their wedding night on hold." – "Why?" – "Oh come on, I mean, coming face to face with death like that, gotta kill the desire."

"Alles aus Liebe" - so könnte man das Thema des Falles in dieser Folge mit drei Worten beschreiben. Etwas präziser wäre vielleicht die Frage: was tut man nicht alles, für einen Menschen den man liebt? Geht man soweit, dass man den eigenen Job aufs Spiel setzt, um der anderen Person zu helfen, den ihren zu behalten? Geht man eine sexuelle Beziehung mit dem Vorgesetzten des eigenen Mannes ein, nur um die Kündigung von diesem abzuwenden? Tötet man aus Rache, weil jemand verantwortlich dafür ist, wenn dem eigenen Kind Schmerzen zugefügt werden? Wird man zum Mörder, weil man ein Geheimnis hat, und unter keinen Umständen will, dass der Mensch, den man am meisten liebt, davon erfährt?

Wenn man diese Thematik betrachtet, ist der Einstieg in die Folge genial gewählt. Es ist nämlich gerade ein frisch verheiratetes Paar, welches nach dem Schwur sich ewig zu lieben, einen Bungee-Sprung wagt und dabei die ziemlich übel zugerichtete Leiche findet. Da ist Booths Vermutung, dass dieser Fund, die Begierde in der Hochzeitsnacht etwas dämpft, sicher nicht allzu weit hergeholt.

Doch kommen wir zurück zum eigentlichen Thema, nämlich dem Mord an einem Autoverkäufer. Wie so oft bei "Bones" stehen eine Reihe von Verdächtigen zur Auswahl und am Schluss stellt sich diejenige Person als Mörder heraus, welche man ganz sicher für unschuldig gehalten hat. Denn wer rechnet schon damit, dass die Schwägerin des Opfers, mit dem Boss ihres Ehemannes schläft, um diesen dazu zu bringen, ihren kranken Mann nicht zu feuern, dabei von ihrem Schwager erwischt wird und diesen schließlich umbringt, damit er das Geheimnis nicht seinem Bruder verraten kann. Das Tragische daran ist, dass das Opfer seinen Job aufs Spiel gesetzt hat um genau dasselbe zu erreichen wie seine Schwägerin, nämlich dass sein Bruder nicht gefeuert wird. Von daher sind die Worte zwischen Vanessa und Booth bei deren Verhaftung mehr als passend. "Look, I love my husband" – "So as his brother."

Mir hat an dem Fall vor allem gefallen, dass nicht nur die Mörderin diejenige war, die mit der Thematik "Alles aus Liebe" in Berührung kam, sondern dass der ganze Fall darauf aufgebaut war. Denn, wie schon erwähnt, hat auch das Opfer selber eine selbstlose Tat aus Liebe zu dem eigenen Bruder begangen. Alex hat nämlich seine Position als Spitzenverkäufer aufgegeben, weil er einige seiner Abschlüsse seinem kranken Bruder zugeschoben hat. Dies war schließlich auch der Grund für seine Entlassung.

Doch da ist noch ein weiterer Mann bei dem es möglich wäre, dass er aus Liebe zum Mörder wurde. Bei Brennan und Booths erstem Verdächtigen handelt es sich nämlich um einen betrogenen Kunden, der bei Alex zu einem hohen Preis ein Auto gekauft hat, bei dem kurz darauf die Bremsen versagt haben. Dabei kam es zu einem Unfall und das Kind des Kunden wurde verletzt. Beim Verhör des Verdächtigen sagt Booth, dass er zum Mörder werden würde, würde jemanden seinen Sohn verletzen und obwohl dies sicher ein Trick ist, um den Verdächtigen aus der Reserve zu locken, steckt in Booths Aussage bestimmt ein Stückchen Wahrheit. Denn so sehr Booth für Gerechtigkeit und für das Gesetz einsteht, würde jemand Parker Schmerzen zufügen, hätte Booth sehr wahrscheinlich große Mühe dieses Gesetz einzuhalten und nicht selber Rache zu üben. Doch auf die Provokation von Booth erwidert der Verdächtige, dass er niemals zulassen würde, dass sein Sohn ohne Vater aufwächst. Diese Schluss-Szene des Verhörs hat mir unglaublich gut gefallen, denn der Vater ist nicht, wie zuerst angenommen aus Liebe zu seinem Sohn zum Mörder geworden, er ist aus Liebe zu seinem Sohn NICHT zum Mörder geworden.

"Yes, we should see what's inside." – "Oh what the hell is that?" – "I have no idea. Everyone away from the body!"

Für den Spass-Faktor in dieser Folge haben Hodgins, Vincent Nigel-Murray, Cam und die Leiche gesorgt. Es kommt nicht oft vor, dass das Team des Jeffersonian Instituts vor einem scheinbar unlösbaren Rätsel steht, aber in dieser Episode ist genau das passiert. Durch eine unbekannte Substanz werden die Knochen des Opfers schneller zerstört, als das Brennan sie untersuchen und damit Beweise sicherstellen kann, und so lange die Haut nicht von den Knochen entfernt werden kann, bleibt die Leiche in der Obhut von Cam, die mit der Hilfe von Hodgins und Vincent Nigel-Murray verzweifelt versucht, den Zerstörungsprozess der Knochen aufzuhalten.

Was mir gefallen hat, ist dass der Verdacht bei der schaumartigen Flüssigkeit, die aus der Leiche austritt, handle es sich um eine lebensgefährliche Substanz, schnell wieder entkräftet wurde. Denn auf eine Storyline, in der das Laborteam von der Außenwelt abgeschnitten ist und Booth draußen für deren Rettung kämpfen muss, hätte ich wirklich keine Lust gehabt. Von daher war es gut gewählt, dass die Ungefährlichkeit der Substanz schon zu Beginn der Folge festgestellt wurde.

Was mich aber am meisten zum Lachen gebracht hat, war die Tatsache, dass jedes Mal wenn sich Hodgins und Vincent an der Leiche zu schaffen machten, wieder der Alarm losging. Die beiden gehören wohl zu den klügsten Köpfen auf ihrem Gebiet, aber dieses Mal ging jedes ihrer Experimente schief und zum Schluss war die Leiche nicht mehr zu retten. Typisch war für mich hier auch, dass keiner je daran gedacht hat, jemanden außerhalb ihres Fachgebietes um Rat zu fragen. Für sie alle war eigentlich von Anfang an klar, dass es kein Problem gibt, welches sie nicht lösen können. Dass es dann ausgerechnet Angela war, die meiner Ansicht nach immer besser im Entwickeln von Computerprogrammen aller Art wird, die eine Lösung gefunden hat, wie man die Knochen des Opfers doch noch nach Beweisen untersuchen kann, war meiner Meinung nach ein ausgezeichneter Schluss dieser Storyline.

Brennan selber war in dieser Episode in ihrem eigenen Arbeitsbereich sehr passiv, was ich nicht ganz verstanden habe. Klar, zu Anfang wurde sie von Cam sozusagen aus dem Labor vertrieben, da es zuerst einmal darum ging, die Haut von den Knochen zu entfernen und solange man noch nicht wusste, ob die austretende Substanz gefährlich ist und was sie mit der Leiche anrichtet, konnte Brennan im Labor wohl wirklich nicht viel ausrichten. Doch schnell wurde klar, dass die schäumende Flüssigkeit die Knochen ziemlich schnell zerstört und man dringend herausfinden muss, wie man diese Zersetzung stoppen kann. Hier hätte ich von Brennan doch mehr erwartet als nur ab und zu eine Stippvisite im Labor. Denn obwohl die Leiche immer noch aus Haut und Knochen bestand, hätte Brennan mit ihrer Ausbildung und ihrer Intelligenz sicherlich dazu beitragen können, eine Lösung für dieses Problem zu finden.

"I wanna do that." – Do what?" – "Connect to people like Booth does. You can teach me." – Oh I don't know."

"My stuff is bones, yours is pepole." Noch einmal muss ich diese Worte von Brennan zitieren, denn sie widerspiegeln genau das, was ich die ganze Folge lang gedacht habe und glücklicherweise hat Brennan zum Schluss der Episode auch eingesehen, dass sie kein zweiter Booth ist, sondern dass ihr Spezialgebiet die Knochen sind und sie dort ihre Genialität entfalten kann, während Booth das tut, worin er genial ist, sein Umgang mit Menschen und seine Fähigkeit zu erkennen, was in ihnen vorgeht. Aber Brennan wäre nicht Brennan, würde sie einfach so akzeptieren, dass es etwas gibt, worin Booth besser ist als sie. Also versucht sie eine Episode lang an Booth' Stelle zu treten und will von Sweets lernen, wie man die Fähigkeit erlangt, Menschen zu durchschauen und die Erkenntnisse, welche man dadurch gewinnt, richtig zu nutzen.

Schon in der Episode #1.03 Der Junge am Baum bewundert Brennan zum ersten Mal Booths Gabe, dass er im Gespräch mit Menschen erkennen kann, wenn diese etwas vor ihm zu verbergen haben. Von diesem Punkt an, ist die Rollenverteilung im Team Booth/Brennan eigentlich ziemlich klar und obwohl sich die beiden immer mehr in das Gebiet des anderen vorwagen, ist doch immer klar, dass Brennan grundsätzlich für die wissenschaftliche und Booth für die soziale Komponente bei den Fällen zuständig ist. Doch in dieser Folge wird Brennan vorerst unfreiwillig aus dem Labor verbannt und kommt nun plötzlich auf die Idee, Booth Handwerk zu erlernen. Denn für Brennan gibt es ja schließlich nichts, was nicht lernbar ist.

Zuerst war ich über diese Wendung nicht wirklich glücklich, vor allem weil sie für mich zu plötzlich kam. Bis jetzt hat Brennan Booth für seine Fähigkeit im Umgang mit Menschen immer bewundert und für mich war eigentlich klar, dass Brennan weiß, dass Booth auf diesem Gebiet ihr meilenweit überlegen ist. Doch nun scheint es so, dass Brennan zwar weiß, dass Booth den Umgang mit Menschen besser beherrscht als sie, sie dies jedoch nicht wirklich akzeptieren kann und vor allem der Meinung ist, sie könne Booths Genialität auf diesem Gebiet auf die Schnelle von Sweets erlernen. Später ist mir dann aufgefallen, dass es nicht in Brennans Art liegt, zu glauben, dass es etwas gibt, das man nicht lernen kann. Für sie gibt es Dinge, die einem, wie man so schön sagt, in die Wiege gelegt wurden, nicht. Und so muss sie sich erst selber vor Augen führen, dass Booth eine Gabe besitzt, die man nicht erlernen kann, sondern die man hat oder eben nicht.

Wenn man es von diesem Punkt aus betrachtet, ist der Ausflug von Brennan in Booths Spezialgebiet ganz witzig, vor allem weil sie ausgerechnet Hilfe bei Sweets sucht. "Because what Booth has, you can't learn from baby boy shrink." Ich finde Angelas Worte gegenüber Brennan mehr als passend. Sweets gehört zu meinen Lieblingscharakteren bei "Bones", unter anderem auch deswegen, weil er zweifellos ein hervorragender Psychiater ist, der für mich jedoch durch und durch Wissenschaftler ist und im realen Leben manchmal genauso unbeholfen reagiert wie Brennan. Er kann sicherlich hervorragend in den Gesichtern der Menschen ihre Gefühle erkennen und kann sie mit seinen Fragen bei den Verhören aus dem Konzept bringen. Doch im Gegensatz zu Booth, der oft auch von seiner grossen Lebenserfahrung profitiert, ist für Sweets die Psychologie eine Wissenschaft, welche er studiert und erlernt hat. Für mich hat sich dies deutlich gezeigt, als Brennan das Verhör führt und Sweets und Booth ihr dabei zuschauen. Obwohl das Verhör eine einzige Katastrophe war, konnte Booth aus dem Gespräch eine wichtige Information herausfiltern und ist durch diese der Lösung des Falles einen Schritt weitergekommen. Sweets und Brennan hingegen ist diese Information komplett entgangen, was für mich deutlich macht, dass beide zwar auf ihrem Gebiet zweifelsfrei genial sind, manchmal jedoch Dinge übersehen. die für den laufenden Fall relevant sein können, aber eben nicht in das von ihnen aufgestellte Schema passen.

"My stuff is bones, yours is people." – "Right, so you're admitting that I'm better at something than you are?" – "No... yes. A lot better." – "Thanks Bones."

In dieser Folge ist mir wieder einmal aufgefallen, wie gut Booth Brennan kennt und wie er ihre manchmal spezielle Art akzeptieren kann. Eigentlich wäre es nicht verwunderlich gewesen, hätte Booth auf Brennans Einmischung in seinen Arbeitsbereich wütend, verletzt oder eingeschnappt reagiert. Aber er hat nichts dergleichen getan, er hat Brennan kommentarlos sein Feld überlassen und hat darauf gewartet, dass sie selber einsieht, dass er ihr im Umgang mit Menschen meilenweit überlegen ist.

Schon nur die Vorgehensweise mit welcher Brennan Booths Können erwerben will, zeigt deutlich, dass sie Booth Gabe als eine Art Wissenschaft betrachtet, was sie natürlich überhaupt nicht ist. Doch Brennan hat das Gefühl, der Umgang mit Menschen sei etwas, was man auf der Verstandesebene lernen kann und genauso macht sie es auch. Für sie ist es so etwas wie ein wissenschaftliches Experiment, sie studiert dabei Booths Vorgehensweise und versucht sie anschließend nachzuahmen.

Es entspricht sicher nicht Brennans Charakter, sich eine Schwäche einzugestehen und muss sie dies doch einmal tun, fällt ihr das natürlich besonders schwer, so auch dieses Mal. Diese Tatsache macht die Schlussszene für mich noch um einiges schöner als sie sowieso schon war. Brennan gibt vor Booth zu, dass es etwas gibt, indem er besser ist als sie und zwar viel besser. Ich kann mir vorstellen wie viel Überwindung es sie gekostet hat, dies zuzugeben und es zeigt meiner Meinung nach, wie viel ihr Booth bedeutet und wie fest sie ihn und seine Arbeit bewundert und schätzt. Die anschließende Autoszene finde ich als endgültigen Schluss der Folge sehr gut gewählt, denn sie zeigt, dass Brennan zwar eine Schwäche eingestanden und zugegeben hat, dass es etwas gibt, worin Booth besser ist als sie, aber sie hat den Charakterzug, immer alles lernen zu wollen und vor allem die Überzeugung alles besser zu können, nicht im geringsten aufgegeben.

Fazit

Mir hat an der Folge vor allem gefallen, dass man zwei Themen gewählt hat und diese durch die ganze Episode verfolgt hat. Da war einmal das Thema "Alles aus Liebe", welches im aufzuklärenden Fall wiederzufinden war und dann war noch das Thema welches vielleicht am Besten mit "Ich kann alles, und meistens noch besser als die anderen" umschrieben werden kann, welches in der Storyline von Booth und Brennan, sowie in derjenigen von Hodgins und Vincent eine Rolle gespielt hat. Einziger Kritikpunkt von meiner Seite ist derjenige, dass Brennans Idee nun Booth Handwerk zu lernen relativ spät und total überraschend kommt. Sonst fand ich die Folge jedoch spannend, unterhaltsam und der Abschluss war meines Erachtens absolut gelungen.

Maria Schoch - myFanbase

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