Bewertung: 7

Review: #3.02 Das Experiment

Nach einem mittelmäßigen Auftakt geht die dritte Staffel von "Veronica Mars" nun also in die nächste Runde. Schon letzte Woche hatten wir eigentlich zwei Bewerber für die neue Staffelhandlung: die Geschichte um den Tod Kendall Casablancas’ und die Vergewaltigungsgeschichte, in die Veronica unfreiwillig hineingezogen wurde. Eine wird in dieser Folge jäh beendet und die andere stellt sich nun tatsächlich als eine der folgenüberspannenden Handlungen heraus. Außerdem schafft es Veronica schon in der zweiten Folge der neuen Staffel sich unzählige Feinde zu machen – das muss doch ein neuer Rekord sein!

Wiedersehen macht Freude

Der Cliffhanger der letzten Staffel war wieder einmal brutal. Und so überraschend er da kam, so unüberzeugend wird Veronica hier in diesen Fall hereingezogen. Wie ich schon in der Staffelreview erwähnte, war ich kein Fan davon, dass in der zweiten Staffel versucht wurde, auf Biegen und Brechen Veronica persönlich in den Fall an sich einzuarbeiten – und nun passiert es in der dritten Staffel erneut. Wieder wird ihr ohne ihr eigenes Zutun eine Schuld übergestülpt, deren Bewältigung Veronica in dem Finden des Schuldigen sieht. Kommt einem doch alles sehr bekannt vor.

Aber diese Geschichte hat auch ihre gute Seiten: so können wir uns auf eine drastische Änderung des (sehr kurz gekannten) Schubladen-Charakters Parker freuen. Als Landei, dass sich dem Feiern in der Unizeit hingab, wurde sie uns vorgestellt und nun wird ihr Leben über den Haufen geworfen. Gut zu sehen, dass auch Mac sich hier als Mensch einbringt und zu verhindern versucht, dass Parker an dieser grausamen Erfahrung gänzlich zerbricht und ihr Leben einfach über Bord wirft.

Eine weitere Erinnerung an die zweite Staffel kommt auf, wenn man die Verdächtigenansammlung betrachtet, die sich schon in der ersten Folge ansammelt, die sich wirklich mit diesem Fall beschäftigt, aber hier ist noch nichts verloren, denn es ist ja letztlich die Entwicklung des Falls, die Einengung der Verdächtigen, die wirkliche Freude bereitet. Ich warte gespannt.

Schrei die Wahrheit von den Dächern

Als Mittelding zwischen in die Staffelhandlung eingebettet und CotW kommt die Geschichte um die Studentinnenverbindung daher. An sich mochte ich diesen Handlungsstrang nicht wirklich, da nie richtige Spannung aufzukommen vermochte, aber wenn man es etwas genauer betrachtet, so steckt hier doch viel Liebe und viel Moral dahinter. Zum Einen ist gerade die vorhin angesprochene Zweigleisigkeit der Geschichte etwas, das die Folge im Rahmen der Staffel sehr flüssig erscheinen lässt, und zum Anderen sehen wir hier eine Veronica, die seit der ersten Staffel so weit gekommen ist. Als sie erfährt, dass es größeren Schaden an Unschuldigen anrichten würde, ihre Entdeckungen publik zu machen als wirklich der Wahrheitsfindung zu dienen und Schuldige anzuprangern, versucht sie gegenzusteuern und die Geschichte noch aus der Zeitung herauszureißen. Wirklich eine schöne Erkenntnis, auf die wir einige Monate (na ja, zwei Jahre um genau zu sein) warten mussten.

Gut ist hierbei vor allem, dass Veronica konsequent bleibt und ihren Job bei der Zeitung kündigt. Ich fand es schon zu Beginn der Folge zu einfach, zu offensichtlich, dass sie einen Job als Journalistin ausüben würde. Es war mir schlicht zu naheliegend. Gut, dass die Schreiberlinge selbst darauf gekommen sind und uns mit dieser Folge signalisieren: "Hey, wir sind auch darauf gekommen, dass sie Journalistin sein könnte, aber das war uns einfach zu billig!" Schon besser, wenn sie einen Job hat, der ihr Zeit raubt und ihr nicht perfekt liegt, das zeigt, dass auch sie sich mit "normalen" Problemen herumschlagen muss.

Wüstenwanderung

Der Fall um Kendall, der letztes Jahr noch als Cliffhanger in diese Staffel hinein herhalten musste (und dabei nur eine traurige Erinnerung an den genialen Cliffhanger zwischen Staffel eins und zwei darbot) wird – für mich völlig überraschend – schon in dieser Folge abgeschlossen. Nachdem Keith Kendalls Tod durch einen Fehler selbst verschuldete, wird er selbst vorerst zum Gejagten. Durch das Auftauchen unseres alten Freundes Liam Fitzpatrick ist aber von einer Sekunde auf die Nächste Keith vom Haken und die Geschichte geklärt. Erstaunlich außerdem, wie gewieft Kendall das Geld versteckte und uns dadurch noch einmal unter die Nase gerieben wird, dass sie gar nicht so dumm und oberflächlich war, wie man bei ihrem ersten Auftauchen in Staffel zwei noch annehmen konnte.

Das ganz Besondere an diesem Strang ist aber für mich die Szene zwischen Keith und Veronica. Wie beide in der Dunkelheit ihrer Wohnung sitzen und sich über ihre (unfreiwillige) Schuld hinwegtrösten, war wirklich herzzerreißend.

Das Experiment

Was soll man zu dieser CotW sagen? Jeder kennt die Geschichte um das Gefangenen-Wärter Experiment von Zimbardo. Spätestens seit der markerschütternden Verfilmung mit Moritz Bleibtreu. Auch hier (also in dieser Folge) ist sie sehr vereinfacht dargestellt: der Quäler, der sofort in die Rolle des Peinigers hineinschlüpft, als wäre er niemals ein Mensch gewesen und die anderen Wärter, die einfach daneben stehen und alles passieren lassen. Besonders bei diesem interessanten und wirklich komplexen Thema, sollte man es lieber sein lassen, wenn man nicht die Zeit hat, auf alles einzugehen. Es scheint fast, als hätten die Autoren einfach nach irgendwas gesucht, was sie als CotW verbraten können und seien beim Lesen zufällig darüber gestolpert.

Was die ganze Geschichte aber ein wenig auflockert und ihr einen besonderen Charme verleiht, ist das Spielchen zwischen Wallace und Logan. Besonders Logan kennt sich in der Rolle des Gefangenen bestens aus und zaubert einige gewiefte Tricks aus dem Ärmel (sehr clever, demjenigen, der als erstes reden könnte, eine falsche Adresse einzureden). Dass er letztlich von Wallaces Streich überlistet wird und nackt vor ihm salutiert, war einfach witzig. Ich habe wirklich laut gelacht - ihr nicht auch?

Fazit

Eine Folge die die Staffelhandlung um den Vergewaltigungsfall ins Rollen bringt und gleich mit eineinhalb CotWs aufwartet ohne dabei aber Superlative zu verdienen.

Eine wirklich nette Folge, mit sympathischen Sequenzen und interessanten Zwischenfällen. Aber besonders wie Veronica wieder einmal in eine Staffelhandlung persönlich reingezogen wird und die etwas lapidare Betrachtung des Gefängnisexperimtens drücken meine Bewertung hier ein wenig. An sich aber eine Folge, die gut unterhalten hat und sehr viele zukünftige Entwicklungen verspricht.

Martin Schultze - myFanbase

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