Bewertung

Review: #2.19 Die Fäden laufen zusammen

Der deutsche Titel dieser Folge qualifiziert sich eigentlich schon als fehlleitende Werbung. Immerhin verspricht das Wort "zusammen", dass sich etwas verdichtet und man würde erwarten, dass hier mehrere Storys in Bündeln zusammengefasst werden und so das Finale vorbereiten. Stattdessen ziehen es die Schreiberlinge von "Veronica Mars" vor, an dieser Stelle, so kurz vor dem Finale der Staffel, neue Handlungen aufzutun und noch mehr Verdächtige in die Waagschale zu werfen. Zudem wird eine Geschichte eingeleitet, die - wenn ihr mir den kleinen Vorgriff erlaubt - auch in der dritten und letzten Staffel noch für einige Bewegung sorgen wird.

Kendall, a.k.a. Priscilla

Diese Handlung stiftet einiges an Verwirrung in dieser Folge. Nicht nur, dass offensichtlich wird, dass Kendall einiges an finanziellen Vorteilen vom Tod ihrer zwei Stiefsöhne zu erwarten hatte, sondern über einige (für "einige" hier bitte "unendlich unübersichtliche" einsetzen) Umwege wird bekannt, dass sie wegen Betrugs als Handlangerin eines Fitzpatricks vorbestraft ist – was ihr urplötzlich nicht nur das Motiv sondern auch die kriminelle Energie verschafft, um einen Schulbus voller Jugendlicher in die Luft zu sprengen.

Dass Kendall Dreck am Stecken hat, ist schon in vorigen Folgen aufgeblitzt, aber diese urplötzliche Verbindung zu den Fitzpatricks scheint meiner Ansicht nach des Guten ein wenig zu viel. Zwar wird hier mit einer komplexen Story gut für die nächste Staffel vorgearbeitet, aber ob es nötig war, die ohnehin schon komplexe Buscrashgeschichte so kurz vor seiner Auflösung noch einmal einen Zacken komplizierter zu machen, möchte ich einmal stark bezweifeln. Wie schon in der ersten Staffel scheint es darauf hinaus zu laufen, dass immer mehr Handlung aufgetürmt wird, bevor in der letzten Folge ein großer Knall kommt und alles klar werden lässt. Und während das in der letzten Staffel wunderbar funktioniert hat und ich mich auch hier jetzt schon auf ein überragendes Staffelfinale freuen kann, zeigt sich hier doch eine fundamentale Schwäche des Handlungsaufbaus in der gesamten Serie: zu viele Informationen werden angehäuft und so der Gelegenheitszuschauer vertrieben. Joss Whedon hat mal gesagt: "I’d rather make a show that ten people need to see, than a hundred people like to see" und während dieses Konzept damals bei "Buffy" ganz eindeutig aufging und sowohl ihm als auch der Serie einen Platz in den Geschichtsbüchern einbrachte, so lässt sich nicht verbergen, dass dieses Konzept im Fall "Veronica Mars" an den Quoten scheitert. Schade, schade. Naja, eine Staffel bleibt uns ja noch.

Verdächtigenhaufen

Aber zurück zur Folge: wie schon gesagt werden zu den ohnehin zahlreichen Verdächtigen auch in dieser Folge noch einmal einige aufgetrieben. So bleiben die Verdächtigungen gegen Terrence Cook und (mein Geheimfavorit für den Satz "Schuldig im Sinne der Anklage") Woody Goodman in dieser Folge zwar gänzlich unbeachtet, dafür werden aber mit den Fitzpatricks alte Bekannte zurück ins Boot geholt, Kendall als Verdächtige neu eingeführt und noch einmal gezeigt, dass Verdächtigungen gegen Weevil einfach nie wirklich sterben wollen. Fünf Verdächtige sind eine ganze Menge, wenn man die Hintergründe so durchleuchtet, wie es diese Serie zu tun versucht. Zudem ist ja nach wie vor nicht auszuschließen, dass die Mannen um Rob Thomas einfach mal (in aller Dreistigkeit) sich selbst kopieren und in den letzten drei Folgen noch einen völlig Unbeachteten als Täter oder zumindest Verdächtigen aus dem Hut zaubern und die gesamte Staffelhandlung auf den Kopf stellen.

Wieder einmal lässt sich nur auf das (bald) kommende Finale verweisen und hoffen, dass dieses den Storyschlamassel hier wert ist.

Freundschaftsdienst

Auch Abseits des Buscrashgewimmels tut sich etwas, so ist Veronica zum Beispiel bereit, für Jackie zu bürgen und ihr bei der Jobbeschaffung behilflich zu sein. Ein weiterer Schritt in die Richtung der (zumindest oberflächlichen) Freundschaft, die vor einigen Wochen noch so unmöglich schien zwischen diesen beiden. Schön auch zu sehen, dass Jackie bereit ist, im Gegenzug Veronica Gefallen zu tun und sich hier eine Verbindung aufbaut, die über das Wetteifern um Wallaces Aufmerksamkeit hinausgeht.

Apropos Wallace. Er scheint hier allmählich in der Versenkung zu verschwinden. Zwar wird hier noch einmal seine Beziehung zu Jackie angespornt, aber letztlich wird er immer mehr aus dem Bild gedrängt. Er hat keinerlei Teilhabe am Staffelfall und wird nicht nur in der Serie an sich, sondern auch in Veronicas Leben immer mehr zur Randfigur. Schade, denn gerade von ihm hatte ich mir nach den vielversprechenden Folgen in der Mitte der Staffel jetzt ein wenig mehr Tiefe versprochen. Leider wird dies hier für das wilde Umherwerfen von Verdächtigungen und Verbindungen im Rahmen des Staffelfalls geopfert.

Schnipsel

- Nur durch Zufall entkommt Keith hier dem Tod. Wäre Veronica nicht so geistesgegenwärtig und einmischerisch gewesen, hätten wir jetzt einen sehr sympathischen Charakter weniger. Diese wirklich äußerst knappe Angelegenheit kommt mir in dieser Folge ein wenig kurz, denn immerhin ist er durch den blanken Zufall, dass zwei scheinbar so weit voneinander entfernte Handlungen eben doch verknüpft sind, seinem Ende noch einmal gerade so entgangen. Ein wenig Emotionalität der beiden Marsianer hätte da nicht geschadet.

- So unglaublich es sein mag, aber fast ein Jahr nach dem Abschluss der letzten Staffel ist der Fall um Lily Kane immer noch nicht zur Ruhe gekommen. Wie schon in der letzten Staffel scheint wieder einiges auf Duncan als Mörder hinzuweisen. Da der aber außer Landes und nicht auffindbar ist, droht hier die Verurteilung von Aaron Echolls zu platzen. Inwieweit das Anlachen Kendalls als Aarons weltliche Aktionsmöglichkeit mit diesem "zufälligen" Fund von entlastenden Materialien zu tun hat, bleibt vorerst der Phantasie überlassen – aber ganz unverbunden scheint es nicht zu sein, dass entlastende Gegenstände erst auftauchen, nachdem Kendall bereit ist, einige "Erledigungen" für Aaron zu machen. Auch hier freue ich mich schon auf den Knall.

- Mac ist erneut extrem sympathisch. Veronica reitet sie in ein ungewolltes Date zum Prom rein und ihr Einschnappen hält sich auf einem sympathischen Level.

- Sankt Weevil kommt daher, um die Seinen von den Qualen der Unterdrückung zu befreien und ohne Belohnung von dannen zu ziehen und der Verbrecherwelt endgültig den Rücken zu kehren. So schön es auch sein mag, dass Weevil hier zu einem versöhnlichen Abschluss mit seiner Vergangenheit und seiner ehemaligen Gang kommt, so finde ich es doch stark überzeichnet und reichlich wenig überzeugend. Veronica kann Weevil erneut aus der Patsche helfen und das System aus Checks-and-Balances zwischen den Beiden bleibt weiterhin bestehen. Nette Story, wenig Überzeugungskraft.

- Schön aber im Gegenzug zu sehen, dass die Schreiberlinge noch in der Lage sind, eine CotW so zu konstruieren, dass sie der übergeordneten Handlung dient, ohne dabei unnötig Zeit zum Fenster rauszuwerfen. Eine derart effiziente CotW hatten wir lange nicht mehr, auch wenn sie an sich wenig interessant wirkt, weist sie dennoch Verbindungen zu zwei größeren Handlungen auf und ist für diese recht wichtig.

Fazit

Eine Folge, die einfach immer mehr an Verdächtigungen und Verknüpfungen hinterherstopft, statt zu verdichten, und wenig überzeugend Weevils Vergangenheit abschließt.

Diese Folge krankt an etlichen Punkten: die Story um Weevil ist, wie gesagt, völlig überzogen und unglaubwürdig, die Verdächtigungen und komplexen Storyzusammenhänge hageln auf den Zuschauer ein und letztlich bleibt dennoch einiges im Vorfeld Aufgerührtes gänzlich unberührt. Dass die CotW sich endlich mal wieder in den Dienst der Staffel stellt und dass einiges für die nächste Staffel herausgearbeitet wird, kann diese Folge auch nicht retten. Schwach, schwach – so leid es mir tut. Das Einzige was im Zuge dieser Folge wirklich klar wird, ist, dass wir uns wohl wieder einmal auf ein packendes Finale vorbereiten müssen.

Martin Schultze - myFanbase

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