Bewertung: 6

Review: #1.01 Die Landung

Foto: Eliza Taylor, The 100 - Copyright: Warner Bros. Entertainment Inc.
Eliza Taylor, The 100
© Warner Bros. Entertainment Inc.

Das neue Serienprojekt des kleinen amerikanischen Network-Senders The CW, mit dem schlichten Titel "The 100", nimmt sich mit dem Science-Fiction Überbau eines Genres an, von welchem sich klassischerweise eher ein männliches Publikum angezogen fühlt und in der noch recht jungen Geschichte des Senders noch kaum bedient wurde. Schiebt man die thematische Grundkonstellation etwas beiseite und betrachtet die Struktur der Pilotepisode und die Art und Weise der Charaktereinführung, wird der Senderhintergrund aber auch beim Science-Fiction-Projekt "The 100" schnell deutlich: Alle Figuren sind überdurchschnittlich attraktiv, gut gebaut und auch auf romantischer Ebene wird wenig subtil schon die bestimmende Paarkonstellation definiert. Auch werden den einzelnen Figuren in kurzer Zeit bereits klare Rollenentwürfe zugeteilt, die von tough-zerbrechlich bis humorvoll-nerdig reichen und dabei kaum Innovation oder Überraschungen bieten. Trotzdem strahlt der Pilot von "The 100" eine noch nicht ganz definierbare Faszination aus, welche wohl einerseits von der vielversprechenden storytechnischen Grundkonstellation, andererseits aber auch von der Interaktion zwischen den Figuren ausgeht, die zwar recht grobschlächtig gezeichnet, dabei aber trotzdem neugierig machen und einen in bestimmten Momenten schon leicht ans Herz wachsen.

"The ground. That is the Dream."

Die Etablierung der Welt, in der die Handlung spielt, wird schnell in kurzen Sequenzen abgehandelt: Ein Nuklearkrieg vor 97 Jahren hat die Erde unbewohnbar gemacht, weshalb die letzten Überlebenden in einem Komplex aus 12 Raumstationen, der sogenannten Ark, leben. Dort kämpfen die nachfolgenden Generationen bis heute ums Überleben und sehen sich vor allem mit der zunehmenden Ressourcenknappheit konfrontiert, die zu strikten Regeln, Gesetzten und Konsequenzen führt: Jede Nichteinhaltung der festgeschriebenen Gesetze wird bei Personen über 18 Jahren mit dem Tod bestraft. Alle Personen unter 18 Jahren werden dagegen inhaftiert und genau dort setzte die Story der Pilotfolge an, denn jene jugendlichen Straftäter sollen nun zur Erde geschickt werden, um zu überprüfen, ob diese wieder bewohnbar ist, denn langsam läuft den Bewohnern der Raumstation die Zeit davon.

Das Tempo der Pilotepisode ist enorm hoch, mit langen, ausschweifenden Erläuterungen und der Etablierung der Grundkonstellation wird kaum Zeit verschwendet, die einzelnen Verknüpfungspunkte der Figuren ergeben sich aus den nicht immer subtilen Dialogsequenzen. So spielt ein Großteil der ersten Folge bereits auf der Erde, wo sich erste Allianzen und Gruppierungen bilden. Von der Ausstattung und den Effekten her kann der Serie dabei kaum ein Vorwurf gemacht werden, gelingen doch immer wieder beeindruckende Einstellungen und - für einen solch kleinen Sender - die Kreierung einer spannenden und vielversprechenden Welt, die bedrohlich und wunderschön zugleich wirkt.

"This gives you a chance to live."

Die Handlung der Serie ist dabei oberflächlich betrachtet zweigeteilt: Einerseits spielt sie auf der Raumstation, wo die erwachsenen Charaktere über die zur Erde geschickten 100 Jugendlichen wachen, nebenher politische Intrigen spinnen, über die Zukunft sowie das Weiterbestehen der Menschheit verhandeln und entscheiden. Dazu findet die zweite zentrale Handlungsebene auf der Erde statt, wo sich die Jugendlich zunächst zurechtfinden und darüber entscheiden müssen, wie es weitergeht. Es schält sich dabei schnell eine kleine Gruppierung heraus, die sich dazu entscheidet auf Nahrungssuche zu gehen, was handlungstechnisch dann schließlich zu insgesamt drei Handlungsebenen führt. Dabei ist die Darstellung der Erkundung der kleinen Gruppierung, die angeführt wird von der zentralen Hauptfigur Clarke, der spannendste Aspekte der Auftaktepisode. Jene saß, aufgrund ihres Vaters, der versucht hat die Bewohner der Ark über die Ressourcenknappheit aufzuklären und dafür sterben musste, lange in Einzelhaft. Der Figur der Clarke hat dabei, wie alle anderen Charaktere auch, sicher noch einiges an Entwicklungsbedarf, führt den Cast aber trotzdem gut an, auch wenn man die Mischung aus tougher Kämpfernatur mit zerbrechlichem Kern schon viel zu oft gesehen hat. Ihre Mutter Abby ist spannenderweise anscheinend die leitende Ärztin oder Chirurgen der Ark und hofft durch die Erderkundungsmission das Leben Clarkes noch retten zu können. Sie ist in der Handlungsebene der Raumstation eine tragende Figur und stellt im Grunde das Gegenstück von Henry Ian Cusicks Charakter dar, einem Ratsmitglied, das es auf den Job des Ratsvorsitzenden Jaha abgesehen hat und für den Fortbestand der Menschheit vor keiner grausamen Methode zurückschreckt.

"We can't afford mercy."

Schon jetzt sollte deutlich geworden sein, dass der Pilot sehr vollgestopft ist mit kleinen Einzelstorys und Entwicklungen, die in kurzer Zeit die Neugierde der Zuschauer wecken und dabei Figuren einführen und Spannung aufbauen sollen. Das funktioniert insgesamt ganz gut, auch wenn die Handlung an manchen Stellen zu schnell voranschreitet. Ein weiterer erwähnenswerter Charakter ist der Sohn des Ratsvorsitzenden Wells, der absichtlich eine Straftat begangen hat, um ebenfalls zur Erde geschickt zu werden und so Clarke beschützen zu können. Er muss aber zusätzlich damit zurechtkommen muss, dass er Clarkes Vater an seinen eigenen Vater verraten hat. Er wird als ordnungsbringendes Element in einer nach Freiheit und Anarchie strebenden Kleinstgesellschaft eingeführt und steht aufgrund seines Standes schnell am Rande der 100 Leute umfassenden Gesellschaft. Schnell entwickelt sich ein Konflikt zwischen ihm und dem draufgängerischen Murphy, der sich gleich dafür entscheidet Bellamy zu folgen und sein Armband abzunehmen, damit die Führungsebene auf der Raumstation denkt, die Erde wäre nicht sicher und so die Möglichkeit eröffnet wird ein neues, unabhängiges Leben auf der Erde aufzubauen. Dann gibt es noch das Geschwisterpaar Octavia, die als unerlaubtes zweites Kind fast ihr ganzes Leben versteckt gehalten wurde und Bellamy, der sich nach einem Anschlag auf Jaha heimlich unter die 100 geschmuggelt hat, um seine Schwester zu beschützen. Octavia gehört dann schließlich auch zur Erkundungstruppe um Clarke. Ebenso Jasper und Monty, die als humorvolle, unbeschwerte Witzereißer eingeführt werden und Finn, welcher neben Clarke wohl als zweite große Hauptfigur der Serie eingebaut wird und der auch gleich überdeutlich als "love interest" für Clarke dient. Damit wäre das unausweichliche romantische Grundelement ein jeder The CW-Serie auch erfolgreich eingeführt.

"We are not alone."

Auf alle eingeführten Charakterkonstellationen und Storyentwicklungen im Detail einzugehen, würde sicher zu weit führen und dafür ist auch noch in den folgenden Reviews genug Platz. Hier soll es nun eher abschließend noch um eine allgemeine Einschätzung der Pilotepisode von "The 100" gehen und die fällt schlussendlich dann doch mehr positiv, als negativ aus. Natürlich hat der Pilot allerhand abgedroschen wirkend und schon öfter da gewesene Elemente zu bieten und erfindet das Rad deshalb sicherlich nicht neu und auch die Figurenkonstellationen und Charaktere sind noch deutlich unterkomplex und teilweise auch zu sehr nach dem klassischen Setzkastenprinzip zusammengebaut. Trotzdem gibt es genug sympathisch wirkende Charaktere, die von charismatischen und größtenteils unbekannten Jungdarstellern dargestellt werden und ergänzt werden durch den Erwachsenencast, der eher auf bekannte Namen und Gesichter setzt, die aber passend besetzt wurden.

Pilotepisoden haben es immer schwer und "The 100" schafft es schließlich trotz vorhandener Kritikpunkte spannende, nie langweilig-werdende Unterhaltung mit vielen ausbaufähigen Elementen zu bieten, die Lust auf mehr machen. Sowohl die Intrigenspinnerei und die im Hintergrund ablaufenden politischen Manöver auf der Ark, als auch die sich entwickelte Gesellschaftsbildung auf der Erde und die weiter voranschreitende Erkundungsmission um Clarke und Finn, welche schließlich mit einem zwar effekthascherischen, aber effektiven Cliffhanger enden, werfen einen direkt hinein in diese Serienwelt und machen schlicht und einfach Spaß. Gut aussehende, vielversprechende Unterhaltung mit Luft nach oben also, der man eine Chance geben sollte sich weiter zu entwickeln.

Moritz Stock - myFanbase

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